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    <title>Brücke zwischen Brasilien und Österreich : Rubrik:Tagebuch</title>
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    <description></description>
    <dc:publisher>rosa_r</dc:publisher>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:date>2006-05-29T16:29:10Z</dc:date>
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    <title>Brücke zwischen Brasilien und Österreich</title>
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    <title>Zwischenstopp und Ausblick</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1643308/</link>
    <description>Am 23.2. habe ich zusammengepackt fuer einen Abstecher zum &quot;CARNAVAL&quot; in Salvador. &lt;br /&gt;
Damit schliesse ich auch das erste Blog ab.&lt;br /&gt;
Die Fortsetzung findest du unter:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;www.2brasil.twoday.net&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich freue mich, wenn du mich bei der Reise begleitest und ein paar Ecken von Brasilien besser kennen lernst:

&lt;ul&gt;  
&lt;li&gt;1 Woche Urlaub in Salvador / Bahia im Karneval &lt;br /&gt;
Piaui - 2 Wochen mitleben und -arbeiten bei der Fundacao ASAS in Sao Miguel (Piaui) &lt;br /&gt;
Paes Landim (Piaui)  - Das grosse Fest von St. Josef&lt;br /&gt;
Amazonien - mitleben bei Schwester Virginia&lt;br /&gt;
Sao Paulo - 1 Woche zum Abschluss meines Praktikums&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
Das sind die geplanten Aufenthalte bis zum Ende meines Praktikums in Brasilien.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-03-02T16:41:34Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1624630/">
    <title>23.2. Parabéns pra você! (Gratuliere!)</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1624630/</link>
    <description>Liebe Christine, du bist eine wunderbare Person!&lt;br /&gt;
Alles Gute zum runden Geburtstag!&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;blueten-zart&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/blueten-zart.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin gluecklich und stolz, dass du meine Schwester bist.&lt;br /&gt;
Ich weiss, dass ich dir alles erzaehlen kann und du zuhoeren kannst, ohne gleich retten zu wollen. Dass du aber auch tatkraeftig hilfst, mir schon oft geholfen hast, insbesonders beim Ueberblick bewahren ueber meine Finanzen. &lt;br /&gt;
Du bist eine besonnene Beraterin und perfekte Verwalterin. &lt;br /&gt;
Bist eine informierte, kritische Konsumentin, von der ich schon viel gelernt habe.&lt;br /&gt;
Und eine famose Begleiterin bei Bergtouren! Mit dir unterwegs zu sein ist unterhaltsam, uns wird nicht fad! Ueber deine anderen Staerken werde ich jetzt schweigen, sonst glaubt man, ich koennte uebertreiben. (Was schwer waere...)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich danke dem Himmel, dass es dich gibt und wuensche dir gute Geister fuer deinen weiteren Lebensweg. Schutz und Freude, Dankbarkeit und Genuss, kurz gesagt &quot;Leben in Fuelle&quot;!</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-27T02:38:56Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1609384/">
    <title>22.2. Reichtum: Zeit um Kontakte zu pflegen</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1609384/</link>
    <description>Heute geht Maria mit mir Leute besuchen und laesst Eliane im Buero allein. &lt;br /&gt;
Wir spazieren in den unteren Teil des Dorfes  oder wie man hier sagt, der Stadt. &lt;br /&gt;
Aus jedem zweiten Haus gruesst jemand: Muetter, Omas, Jugendliche, Kinder, die Maria von der Fundacao kennt...&lt;br /&gt;
Maria findet den richtigen Ton mit jedem. Ihr zuzuschauen ist eine gute Lektion in Fuehrungsarbeit. Sie ist eine Meisterin im Kontakt aufbauen und Kontakt pflegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fuer die paar 100 m brauchen wir ganz schoen lange. Wir machen viele Kurzvisiten. Das geht so: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man gruesst ueber den Zaun. Jemand kommt aus dem Haus, man wechselt ein paar Worte, Stuehle werden hergeschafft, in den Vorgarten oder auf die Strasse: Setzt euch! Und manchmal tun wir das auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Dona Cristina zum Beispiel. Ich bewundere einen schoenen Garten im Vorbeigehen, da arrangiert Maria gleich ein Zusammentreffen. Cristina lebt allein in ihrem gut gepflegten Haus. Sie hat jede Menge Obstbaeume, sogar Trauben, und packt so nebenbei eine Plastiktasche mit Mango und Sternenfruechten fuer mich zusammen. Cristina war Alleinerzieherin, die Geschwister sind ebenso wie die Kinder weggezogen, um in der Stadt (Sao Paulo, Brasilia...) Geld zu verdienen. Ein typisches Schicksal hier. Man spricht ueber die Pflanzen und die Verwandtschaft. Nach etwa 15 Minuten verabschieden wir uns. Das freut mich, dass du sie hergebracht hast. Bring sie oefter! sagt sie zu Maria und meint freundlicherweise mich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcelani ist wenig ueber 20 und wird kommende Woche in der Fundacao als Lehrerin anfangen. Sie hat einen 4 Monate alten Buben. Das zweite Baby im Haus gehoert zu ihrer Mutter. Es ist ein blonder Lockenkopf, ein Maedchen von 2 Jahren, das praktisch noch nicht spricht. Ich erfahre aus dem Gespraech ueber die Schwierigkeiten der Adoption, dass die leibliche Mutter das Kind im Alter von 4 Monaten hier abgegeben hat, verwahrlost und unterernaehrt. Schon die dritte Familie, die ich hier kennen lerne, die ein Kind von der Strasse bei sich aufgenommen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Marcelanis Haus steht eine Lehmhuette. Wir klopfen an, die Mutter macht grad Fladen, Fruehstueck fuer sich und die drei Kinder im Alter von 3  8 Jahren.&lt;br /&gt;
Kommt herein, setzt euch! Es gibt 2 Sessel in der Huette. Die beiden Buben sollen in den Foerderunterricht kommen, wuenschen die Lehrer. Freundlich plaudernd und Spaesse machend klaert Maria das Interesse ab. Ja sie wollen! &lt;br /&gt;
&quot;Gib mir eine Puppe&quot;, bettelt die kleine Schwester, etwa 3 Jahre alt. &quot;Ich habe keine Puppe.&quot; entgegne ich. &quot;Gib mir eine Mango!&quot;, ja das haben wir im Sackerl. Maria schenkt sie ihr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wann beginnen denn die Stunden? Wir machen es wie die Schule, ab Donnerstag gibts das Material. Das Material der Schule mag ich nicht, das ist Mist. meint der groessere. Magst du das von der Fundacao? Ja, das schon! antwortet er und laechelt dabei mit einem ganz anderen Gesichtsausdruck.&lt;br /&gt;
Die Fundacao ist ein Hoffungungsbrunnen hier, und fuer dich Kinder offenbar mit einer ganz positiven Erfahrung verbunden: Etwas wert sein, schoene Sachen haben, gut behandelt werden.&lt;br /&gt;
Bild: Gemuesebeet hinter dem Haus&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;gemuesebeet&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/gemuesebeet.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach besuchen wir noch mindestens 5 Familien in Lehmhuetten. Das sind unsere Kinder, Rosa, verstehst du? Du kennst bis jetzt nur die Praca und die schoenen Haeuser von Sao Miguel. Die Kinder dort brauchen uns nicht. Paulina zum Beispiel, schade...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst zum Mittagessen kommen wir wieder zurueck und ich bin voll und muede von den Bildern und Begegnungen. Die Hitze macht mir auch zu schaffen, schon der 3. Tag ohne Regen, alle sind besorgt, ob sich das Debakel vom Dezember wiederholt. Damals ist der Regen nach drei Wochen und viel Arbeit auf den Feldern ausgeblieben und alles ist verdorrt. Jetzt fuerchtet man schon um die zweite Aussaat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Donner in der Mittagspause koennte Regen anzeigen. Maria ist gluecklich und singt: Regen, sei willkommen! &lt;br /&gt;
Ich meine: Wenn es regnet Maria, gehen wir aber nicht in die Schule zur Sitzung, oder? und fuehle mich in dem Moment fast wie eine hiesige. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber der Regen kommt nicht bis zu uns in die Stadt. Ich mache meinen Mittagsschlaf in der neuen Haengematte und richte mich her. Jetzt gehts zur Eroeffnungskonferenz der Schule.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
50 Lehrerinnen und Lehrer aus Vorschule und Grundschule (die ersten 8 Jahre) sitzen im Freien unter Dach im Kreis. Die Koordinatorin begruesst mich und ... dann bleibt die Situation offen. Ich stelle mich vor, erzaehle kurz die Schullaufbahn in Oesterreich und lasse dann Zeit fuer Fragen. &lt;br /&gt;
Wie gross sind die Klassen? Max. 30  hier 40 und mehr.&lt;br /&gt;
Was verdient eine Lehrerin? Aehnlich wie hier  waere ich Technikerin wuerde ich mehr verdienen.&lt;br /&gt;
Wie ist das bei euch mit der Sonderschule? Ich erzaehle aus der Geschichte der letzten 25 Jahre, vom ersten Jahr der Behinderten 1979 (oder 1980) bis heute. Von den Elternvereinen und den gesetzlichen Versuchen, die Nachteile behinderter Menschen auszugleichen. Von der Ausgliederung aus den grossen Anstalten und den Versuchen der Integration in einen moeglichst normalen Alltag. Und von unseren zumeist positiven Erfahrungen mit Integration in der Schule.&lt;br /&gt;
Wir verwenden das Wort Sonderschule nicht mehr gern. Wir sprechen von Kindern mit besonderen Beduerfnissen. Sie nicken, das kennen sie hier auch.&lt;br /&gt;
Zum Schluss erzaehle ich von Elena und wie wichtig ich es finde, dass sie so wie andere Kinder eine Schule besucht. Ich staune ueber die Zustimmung im Kreis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Cafezinho gibt es noch weitere Fragen, z.B. ob die Schueler mit einer negativen Note aufsteigen duerfen? Ich bin mir nicht ganz sicher wie der letzte Stand dieser Diskussion ist, nehme aber an, dass unsere Ministerin das bereits umgesetzt hat. In der Grundschule duerfen sie mit einer negativen Note aufsteigen, oder? Und im Gymnasium?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt bin ich 1,5 Stunden in der Schule. Ich fuehle mich willkommen, aber nicht auf einen Thron gesetzt, das erlebe ich sehr positiv. In der Pause kommen viele her und bedanken sich fuer den Besuch. Die Koordinatorin zeigt mir, was sie fuer den Abschluss vorbereitet hat: Liebevoll aus farbigem Papier gebastelte Sonnenblumen mit Sinnspruch fuer jeden. &lt;br /&gt;
Als ich mich verabschieden moechte, wird noch einmal um Ruhe gebeten. Sie wollen etwas in meiner Muttersprache auf deutsch hoeren. Ich lache. Ehrlich gesagt ist meine Muttersprache ein ziemlich befremdlicher Dialekt, so wie sie hier auch einen Dialekt des portugiesisch sprechen. Dann rede ich ein wenig auf vorarlbergerisch. Wohlwollendes Grinsen um mich herum. Und jetzt wir alle zusammen! meint eine Lehrerin. Wie bloed, dass mir gerade in dem Moment nicht der Schulblues einfaellt, ein Lied zum vor- und mitsingen im Dialekt.&lt;br /&gt;
Nein, ich singe anstaendigerweise Bruederlein fein auf hochdeutsch. Diese Melodie ist hier auch populaer und mir wahrscheinlich deshalb eingefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis wir wieder daheim ankommen gibts noch ein paar Besuche bei verschiedenen Familien und beim Gesundheitsposten. Ueberall herzerfrischende Bereitschaft alles Herzuzeigen und zum Austausch. Und ueberall Zeit zum Ratschen, Zeit auf den anderen einzugehen. Hier erlebe ich, was &quot;Zeit-Wohlstand&quot; bedeutet.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-23T01:28:21Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1609150/">
    <title>21.2. Sie sind fluegge</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1609150/</link>
    <description>Mein Unterricht hat zufriedenstellend gewirkt, die Damen brauchen mich heute praktisch nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt bin ich wieder an der Reihe etwas von ihnen zu lernen. &lt;br /&gt;
Die Informatiklehrerin hat Maniokmehl mitgebracht, das Hauptnahrungsmittel der Indios. Ich kann jetzt Beju machen, einen Fladen aus Maniokbrei, und bin ganz stolz darauf. Schmeckt lecker!&lt;br /&gt;
Bild: Waeschetrockner&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;waesche-am-zaun&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/waesche-am-zaun.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Waehrend des Tages habe ich hauptsaechlich portugiesisch gelernt. Sollte die Vokabeln und Verbformen oefter wiederholen und bin froh, wenn sich dafuer ein ruhiger Tag ergibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend kommt Maria noch einmal in die Fundacao: Der Bruder von Dona Marika ist verstorben, es wird gut sein, bei ihr vorbei zuschauen.&lt;br /&gt;
Das machen wir auch. Die feine alte Frau sitzt in einem Winkel ihrer Stube, es sind etwa 10 Nachbarn im Zimmer. Sie weint leise, untroestlich, wirkt wie ein verlassenes Voegelchen. Wir sprechen wenig. Morgen sehen wir uns wieder. Diese Nacht wird sie nicht schlafen.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-22T23:15:28Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1606901/">
    <title>20.2. Maria will deutsch lernen</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1606901/</link>
    <description>Es ist 7 Uhr, ich bin noch am Fruehstuecken, als Maria schon in die Fundacao kommt. Ja, heute beginnt die Einschreibung und wir wollten vorher noch die Formulare fertig machen. &lt;br /&gt;
Hab eine Ueberraschung fuer dich. sage ich, und schneide mir das naechste Stueck Mamao ab, mein koestliches Fruehstuecksobst. Die Datenblaetter sind fertig! Hast du es schon geschafft? freut sie sich. Ja, es ging. Du hast jetzt auch ein leeres Formular zum Ausfuellen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir fahren den PC hoch, da kommt schon die erste Oma, um ihre Enkelin anzumelden. Sie ist im Arbeitsgewand, unterwegs aufs Feld. Was fuer ein Kontrast: Wir sitzen vor einem neuen Notebook mit dem noch neueren, coolen Eingabeformular und die Frau mit der loechrigen Schuerze kann garantiert weder lesen noch schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bild: R ohne Uhr&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;rosa-mit-tasse&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/rosa-mit-tasse.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria bespricht mit ihr die notwenigen Fragen, gibt die Daten ein, druckt aus und laesst sie unterschreiben. Der erste Tag mit der Datenbank verlaeuft ohne groebere Stoerungen, aber es ist gut, dass ich in der Naehe bin. &lt;br /&gt;
Wir optimieren die Blaetter noch ein wenig und geben bis zum Abend alle Kinder ein. Maria uebt alle moeglichen Dinge, auch Abfragen erstellen. Wenn Eltern kommen, ziehe ich mich zurueck und lasse Eliane und Maria arbeiten. Ich gehe wieder lernen, Maria! Nein, ich gehe jetzt lernen. Antwortet sie ploetzlich. Ich brauche ein paar Woerter, denn ich muss mit Pedro reden. Ich horche auf, oho! Sie verwendet den Namen zum ersten Mal!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria faehrt halbtrocken fort: Wenn ich das nicht kapiere bis du weg bist, muss er dich noch hier lassen. Ich lache und entgegne: Ist ok, Maria. Du musst nur gut ueberlegen, was leichter sein wird: Access zu lernen oder Pedro zu ueberreden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natuerlich hatte ich auch Besuch, nicht nur das Buero!  J&lt;br /&gt;
Jefferson, der 10-jaehrige Begleiter meiner See-Tour schaute vorbei und sah mir lange ruhig bei meinen Hausaufgaben in portugiesisch zu. Er ist ein huebscher junger Kerl und angenehm im Umgang, kann lesen und schreiben und sich auch selbst beschaeftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiters spazierte ein gruener Leguan von etwa einem halben Meter Laenge durch den Garten, gerade dort wo ich die Waesche eingeweicht hatte.&lt;br /&gt;
Ich habe heute naemlich mit Sonnenenergie gewaschen! Man deponiere die Waesche in Seifenwasser in einem schwarzen Kuebel und lasse das mind. eine Stunde in der Sonne stehen  ergibt hier richtig heisses Wasser! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abendessen bin ich bei der Pflegemutter von Paulina eingeladen, Donna Marika. Ich soll ein wenig warten, Setz dich doch, heisst es. Mir ist nicht klar wohin, ich gehe in die Kueche und unterhalte mich mit der Gastgeberin. Sie waermt das Essen und es werden auf den Tisch gestellt: 3 Salate, Reis und Nudeln, Hendl in Sosse, Bohnen, Orangen und Bananen als Beilage oder Dessert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgedeckt wird nicht. Schliesslich bekomme ich den Sessel an der Stirnseite und einen Teller angeboten  und soll alleine essen. Ist das hier so ueblich, dass man alleine isst? Aber ja! Wenn jemand auf Besuch kommt, dann bekommt er etwas zu essen! Ich bedanke mich also und beginne zu essen, derweil die Gastgeberin neben mir steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Nachbarin schneit herein und setzt sich an den Tisch. Das Gespraech handelt von Familie, Eltern und Kindern und ich erzaehle von Heidrun und meiner Familie. Nach einer Weile lassen sich auch Donna Marika und Paulina nieder und trinken einen Saft. So wird aus dem etwas ungewohnt einsamen Mahl im Angesicht der Gastgeber doch eine gemuetlichere Damenrunde.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-22T15:58:20Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1597358/">
    <title>19.2. Die kleine Kaempferin</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1597358/</link>
    <description>Meine Freundin hat mich gar nicht besucht! so klagt Paulina ueber mich. Sie ist ein Maedchen von etwa 8 Jahren, das mich vor einigen Tagen am Abend auf der Praca gekapert hat. Ihre Mutter erzaehlte es mir gestern. Ich schmunzle, die kleine Kroete ist unwiderstehlich. Ich lade sie ein, heute, Sonntag Vormittag, in die Fundacao zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paulina erscheint, sie ist duenn, sonnenbraun, mit schoenen langen Wimpern, zum Unterschied von den meisten Maedchen hier hat sie kein Puppengesicht. Ein Gischpel  so heisst bei uns ein lebendiges Kind, das nicht ruhig sitzen mag. Zuerst muss sie ihren Grant loswerden. Sie beschwert sich, dass sie kommendes Jahr nicht mehr in die Fundacao zum Foerderunterricht kommen darf. Ich will aber lernen! &lt;br /&gt;
Maria, die Koordinatorin, kommt grad vorbei und bringt mir Schweinsripperln fuers Mittagessen. Sie kriegt den Aerger ab, nimmt Paulina auf den Schoss und erklaert ihr, dass sie in der Schule schon so gut ist und andere Kinder mehr Hilfe brauchen. Ich will aber hier lernen! Du kannst herkommen, wenn wir singen haben! Du singst so schoen. Du wirst mit uns Musik machen, ja? Ich kann nicht Musik machen, nur du. Ja ich kann ein bisschen und du kannst auch ein bisschen und das geben wir zusammen, dann wird das richtige Musik, beruhigt Maria. Es ist herrlich ihr zuzuschauen, wie sie Menschen behandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paulina ist ein wenig beruhigt. Die Kleine hat bis zum vergangenen Sommer mehr oder weniger auf der Strasse gelebt, denn ihre Mutter ist alleinstehend und geistig krank und konnte die vier Kinder nicht versorgen. Paulina hat sich Essen aus dem Abfall organisiert. Eine kinderlose, betagte Frau im Ort hat angeboten, dass sie bei ihr wohnen kann und eines Tages ist die Kleine mit den Worten erschienen: Tante, ich bin jetzt ausgezogen. Sie hat gewaehlt und liess sich nicht mehr wegholen. &lt;br /&gt;
Die Situation der Mutter verschlechterte sich. Roberto ging und suchte Plaetze fuer die anderen Kinder. Paulina versteckte sich immer, wenn sie das Auto von Roberto hoerte, aus Angst, er wolle sie fortholen. Ich verstecke mich im See, Tante! versicherte sie. Paulina, im See wirst du sterben. Aber wo kann ich denn bleiben? Hier, Paulina. beruhigte sie die Pflegemutter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen hat Paulina entschieden, dass sie Mae, Mutter, zur Pflegemama sagt. Ich moechte Mae zu dir sagen, aber du bist nicht meine richtige Mutter. Ja Paulina, deine richtige Mutter ist krank. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unglaublich, wie die kleine Garota vermag, Menschen zu beeinflussen: Sie schmeichelt, insistiert, verhandelt, schreit, kaempft, schmust, singt und tanzt mit unbaendigem Lebenswillen. Man liebt sie oder man fuerchtet die kleine Hexe, nehme ich an. &lt;br /&gt;
Ich mag sie, nein, ich bin von ihr begeistert!&lt;br /&gt;
Zum Zuhoeren, wenn ich vorlese, fehlt ihr die Aufmerksamkeit. Sie liebt es die Buchstaben zu kopieren, aber sie versteht nicht, was sie schreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Mittag begleite ich sie nach Hause. Mae sitzt in ihrem kleinen Geschaeft, wir plaudern und sie laedt mich fuer einen der naechsten Tage zum Essen ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tag bringt noch schoene Telefonate und Zeit um ein wenig zu lesen.&lt;br /&gt;
Nachmittags begleite ich Roberto nach Katim, einem Weiler etwa 5 km entfernt, wo  17 Familien wohnen. Ja, hier ist Interior! Sao Miguel wirkt dagegen  jetzt muss ich sagen: zivilisiert. Beispiel: Hier schauen sie mich gross an, gruessen aber nicht. Der Gottesdienst wird im Freien auf dem Gelaende der Grundschule gefeiert. Es gibt etwa 20 wackelige Schuelersessel, die bald voll sind von Kindern und jungen Frauen. Als die aelteren Frauen dazukommen, stehen die Kinder nicht auf, um Platz zu machen. Es braucht dazu Nachhilfe von der Koordinatorin, der lokalen Lehrerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Evangelium handelt vom Gelaehmten, der von seinen Freunden zu Jesus gebracht wird. Als sie wegen der vielen Leute nicht zu ihm durchkommen, steigen sie aufs Dach, decken es ab und lassen den Kranken mit der Bahre hinunter, vor die Fuesse von Jesus. &lt;br /&gt;
Jetzt weiss ich, wie ich mir das vorstellen muss. Hier waere das ebenfalls leicht moeglich. &lt;br /&gt;
Robertos Predigt ist lebendig und interessant. Er streicht heraus, dass der Gelaehmte und seine Freunde ueberzeugt waren, dass es Hilfe gibt und dass sie es schaffen werden. Und wenn es keinen normalen Weg gibt  keinen Jeito - dann findet sich eben ein Jeitinho, eine halblegale Loesung. Man muss sich nicht abfinden mit Situationen, die einem Energie und Lebensmoeglichkeiten rauben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Geschichte, wie geschrieben fuer Brasilien. Hier versteht man den Jeitinho und dass Jesus nicht gesagt hat: Bitte zurueck und in der Reihe anstellen! Sondern, dass er von dem tatkraeftigen Glauben dieser Menschen beeindruckt war und geholfen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bild: Mutter und Tochter&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;mae-e-filha&quot; width=&quot;300&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/mae-e-filha.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Abend richte ich noch die Dokumente im Access her fuer morgen, denn da beginnt die Einschreibung und wir wollen doch die Datenblaetter haben. Das Access-Problem habe ich uebrigens loesen koennen, habe den Befehl zum Seitenumbruch gefunden. Ging ohne Jeitinho.  ;- )</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-21T01:16:57Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1589278/">
    <title>18.2. Ueber dem See</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1589278/</link>
    <description>Dass ich noch nie am See war hat zwei Gruende: Es gibt keinen Badestrand mit Kiosk... und es gibt Piranhas. Scheinbar auch Krokodile. Jedenfalls kann hier niemand schwimmen und ich nehme an, dass das Gruende hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mary hat mich schon lange zu einem Ausflug an den See eingeladen. Ihr Acker und ihr Haus im Interior liegen am anderen Seeufer. Dorthin wollen wir heute gehen und ich will unbedingt ausprobieren, wie man ein Reisfeld putzt.&lt;br /&gt;
Bild: Reiher&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;reiher-sao-miguel&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/reiher-sao-miguel.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 8 spazieren wir los: Mary, ihre beiden Buben von 15 und 13 Jahren und ein Nachbarsbub von etwa 10 Jahren und ich. Maria (die Koordinatorin der Fundacao) hat mir ihre Plastiksandalen geborgt, die sind jetzt Gold wert. Meine sind zwar bequemer, aber aus Leder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quer durch Buesche schlagen wir uns durch zum See. Dort liegen zwei kleine, einfache Ruderboote von Mary.  Das etwas groessere steht halbvoll Wasser. Mary und die Buben schoepfen aus, dann gehts los. Mary rudert geschickt  und das muss sie auch, denn der Rand des Bootes liegt nur wenig ueber der Wasseroberflaeche. Das Wasser ist warm und total ruhig. Der See sei 5 m tief, meint Mary.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ufer sehe ich 4 verschiedene Stelzenvoegel und als ich das Fernglas herausziehe, werden die Buben aufmerksam. So wie ich, sind auch sie begeistert, die Voegel ploetzlich aus der Naehe sehen zu koennen: Wie sie genau aussehen, wie sie sich putzen, langsam im Wasser stolzieren und fischen etc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir legen an und marschieren querfeldein zu Marys Kuehen. 2 Milchkuehe und zwei Junge warten in ihren Verschlaegen. Das eine Kalb darf noch bei der Mutter trinken. Beide sind mehr als mager. Wird sich bessern, die Mutter war krank. gibt sich Mary gelassen. Mary melkt rasch die zwei Liter im hocken, ohne Schemel, mit einer Hand. &lt;br /&gt;
Bild: Mary oeffnet den Zaun&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;edimar-tor-oeffnen&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/edimar-tor-oeffnen.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Buben suchen derweil ein Krokodil im Tuempel nebenan. Wirklich, da liegt etwas auf der Wasseroberflaeche, das mit etwas Fantasie der Kopf eines kleinen Krokodils sein koennte. Als das Ding ploetzlich nicht mehr da ist, glaube ich den Buben, dass ein Jacaré war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach gehts weiter zum Haus, in dem Mary frueher wohnte, ueber Maisaecker und durch Gestruepp. Mary warnt mich vor den gemeinen Stacheln und Juckpflanzen. Die Buben zeigen mir schoene Voegel. Schau, das ist er, den wollten wir dir zeigen. Der ist gerade erst angekommen! freuen sie sich. Das schoene Tier ist schwarz mit purpurroter Brust. Man nimmt an, er komme, um Fische zu fangen. Was Zugvoegel sind, wissen sie nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle drei Buben haben ihre Scheudern dabei und schiessen immer wieder auf Voegel. Ich frage nach, was sie machen, wenn sie einen toeten. Essen? Oder toetet ihr sie einfach so? Die Antwort ist zweifelhaft. Mary meint, sie haetten  noch nie einen erwischt. Die Jungs druecken herum. Ja, essen. heisst es schliesslich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerne lasse ich mir das Feld zeigen, das Mary mit den Buben diese Woche geputzt hat: Es ist Reis. Wir nehmen eine Hacke und Mary macht Vorfuehrung. Das geht ruckzuck, wie sie das Unkraut zwischen den feinen, etwa 30 cm hohen Reishalmen heraushaut. Ich probiere es auch und ernte anerkennende Ausrufe. Allerdings geht ein kleines Reisbueschel drauf, da hoere ich dann lieber auf. Obwohl ich Lust bekomme, weiter zu machen.&lt;br /&gt;
Die Enxada ist die Hockn und, wie im Wienerischen, gleichzeitig das Wort fuer Arbeit, Broterwert. Jetzt wo ich jeden Morgen kleine Gruppen von Menschen mit Hacken in die Felder gehe sehe, wird mir der Ursprung des Wortes sehr klar. Ohne Hockn bist hier wirklich brotlos. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir pfluecken einen Sack saeuerlicher, laenglicher Steinfruechte und setzen uns beim Haus gemuetlich in den Schatten. Ich habe Aepfel vom Markt mitgebracht und fuer mich eine Karotte. Man staunt, dass ich die roh esse. Und ich staune, dass sie wirklich nur Reis und Bohnen und Fleisch moegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter dem Haus findet Lorimar ein Ei! Das ist aber meins! versichert er sich bei der Mum. Mary ist bekuemmert: Von den beiden letzten Hendln ist nur mehr eines zu finden. Diebe haben sich die anderen geholt, nimmt sie an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt 5 Geissen, die rund um das Haus in der Chapata, so heisst das Wildland hier, Futter suchen. Eine Geiss liegt in der Umzaeunung in der Sonne und atmet schwer. Sie ist krank.&lt;br /&gt;
Ja, das sieht man. Die hat kein Wasser und kein Futter. Wer bringt ihr ein Wasser? frage ich. Unglaeubige Blicke. Ich weiss nicht, ob sie trinkt., meint Mary. Aber die hat ja keine Kraft, zum Wasser zu gehen. setze ich nach. Wasser kann ja wohl nicht schaedlich sein, nehme ich an. Es folgt eine kleine Unterredung mit den Buben, die ich nicht verstehe, und die damit endet, dass wir am Rueckweg Wasser bringen. Offenbar mir zuliebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht noch ein Stueck durch Chapata zum Maisfeld. Ich bestaune die Bienenstoecke und die Voegel, besonders zwei kleine Eulen., die nicht weit entfernt auf Pfaehlen sitzen. Die Buben duerfen mit der Kamera knipsen, bis die Batterien leer sind. Dann sind wir wieder bei der Geiss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mary kommt mir nach, und ich vermute bei ihr eine Mischung aus Widerwillen und Mitleid mit dem Tier. Die Einstellung scheint zu sein: Wer nicht stark genug ist, der geht eben drauf. Das kann man nicht aendern. Hatten wir doch schon mal, gestern....&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mary holt einen Kuebel mit Wasser. Gierig trinkt das Tier. Dann knien wir nieder und schauen die Geiss genauer an. Die Euter sind dick aufgeschwollen voller Milch. Ist das normal? frage ich. Mary erbarmt sich und beginnt geschickt und vorsichtig, auszumelken. Die Milch spritzt in den Sand. Hier trinkt man keine Geissmilch.&lt;br /&gt;
Danach will Mary das Tier in den Schatten bringen. Ich ueberlege ratlos, wie wir es hinueberbefoerdern koennen, aber sie macht das alleine: Schnappt die Arme bei den Hoernern, redet ihr gut zu, bis sie auf die Beine kommt, und dann: Vem, defagar! Komm, langsam! zieht sie sie unter das Schattendach.&lt;br /&gt;
Zu guter letzt machen wir uns auf und suchen Gras fuer die Geiss. Als sie uns mit zwei Arm voll kommen sieht, geht sie uns entgegen. Mary freut sich: Schau, es ist schon besser!&lt;br /&gt;
Na Gottseidank! Morgen soll der Nachbar Medizin vorbei bringen. Sonst geschieht nichts mehr bis Mary am Montag wieder herkommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt aber machen wir uns auf den Rueckweg, es ist schon nach 11. Wir pfluecken am Strand Maschischu, ein wild wachsendes Gemuese. Unterwegs ist es so sumpfig, dass die Sandalen haengen bleiben. Nach kurzem Zoegern gehe ich wie die anderen barfuss. Es quatscht zwischen den Zehen  schon lange nicht mehr gespuert, dieses Gefuehl! Ich muss schmunzeln...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rasch rudert uns Mary nach Hause, ich habe schon eine rote Nase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da heute Markttag ist, gehe ich noch was einkaufen. Wein finde ich nicht, auch kein geraeuchertes Fleisch (Schinken oder Speck). Da gibts eben Geschnetzeltes mit Reis. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachmittag ist geruhsam und der Selbstpflege gewidmet, bis Maria in die Fundacao kommt um zu arbeiten und ich ihr helfe, gegen die mistige Autoformatierung des Word zu kaempfen. Maria lacht: Ich lasse dich das nur machen, weil ich sehen will, wie du die Nerven verlierst und das Ding zum Fenster raus wirfst. Na, viel fehlt nicht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Andacht zur &quot;Nossa Senhora&quot; setze ich mich mit Marias betagten Eltern in den Hof. Papa ist stolz auf seine Geschaefte. War ein wichtiger Tag heute., meint er. Zwei Schweine hat er gekauft, die kommen aufs Land. &lt;br /&gt;
Wir unterhalten uns leise, mit wenigen Worten. Ueber mir haengen Orangen im Baum und funkeln die Sterne. Ich hoere die Grillen und die Lautsprecher von der Praca her, wo das Jungvolk die Stille vertreibt.&lt;br /&gt;
Der Maracujasaft, den Maria uns macht, soll den Schlaf bringen, heisst es. &lt;br /&gt;
Nun dann, gute Nacht.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-19T03:22:52Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1586210/">
    <title>17.2. Steh auf, erhebe dich!</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1586210/</link>
    <description>Der Regen hat die Luft erfrischt. Heute ist ein strahlend schoener Tag. &lt;br /&gt;
Maria und Eliane vertrauen mir das Buero an, sie gehen die Elterngespraeche fuehren. &lt;br /&gt;
Mit Mozarts Haffnersonate im PC schreibe ich die Liedertexte fertig fuer die Kampagne der Solidaritaet, eine Aktion der Kirche in ganz Brasilien. Thema 2006 ist die Integration von Menschen mit Behinderungen. Titel der Hymne heuer: Steh auf, erhebe dich! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Roberto kommt, ergibt sich ein interessantes Gespraech. Er liebt klassische Musik und verhungert hier wahrscheinlich diesbezueglich. Zwar kennt er gute Musiker in der Landeshauptstadt Teresina, aber die ist eine Tagesreise weit entfernt, wie ihr wisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria kocht heute fuer uns: Es gibt Fisch aus dem See. Und am Nachmittag besuchen wir wieder einige Familien im Interior, um die sich Roberto besonders kuemmert. &lt;br /&gt;
Von Teresina aus ist Oeiras Interior. Von Oeiras aus São Miguel. Und fuer uns in São Miguel sind es diese 15 Weiler, von denen manche noch keinen Strom oder keinen Anschluss an die Wasserleitung haben. erzaehlen sie im Auto.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bald kommen wir wieder bei Donna Marta vorbei. Hier gibt teilweise Entwarnung: Ihre Familie ist noch nicht abgereist, der Job in der Stadt fuer Sohn und Schwiegertochter hat sich zerschlagen. Derzeit geht also noch jemand Wasser holen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach gehts durch zwei nette Weiler mit ein paar dutzend Haeusern. In St. Luis besuchen wir Marlon. Er ist jetzt 21. Mit 18 hat er sich, wie viele andere junge Maenner hier, nach Sao Paulo aufgemacht. Der Albtraum der Eltern ist wahr geworden. Im Dezember kam die Nachricht, dass er nach einem schweren Motorradunfall im Koma liegt. Die Mutter hat ihre Familie mit den 5 kleineren Kindern zwischen 10 und 18 verlassen. 6 Monate war sie bei Marlon in Sao Paulo und einen Monat in der Clinic in Teresina. Nach 7 Monaten Abwesenheit ist sie Ende Juli  mit Marlon zurueck gekommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Pflegebett steht im Wohnzimmer, wo die Geschwister fernsehen. Man feut sich ueber den Besuch. Marlon erkennt Maria und Roberto wieder und versucht auch ihre Namen auszusprechen. Er kann zaehlen und spricht manche Worte schon verstaendlich aus. Alle freuen sich ueber seine Fortschritte. Wie gut ich das verstehen kann...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit im Krankenhaus hat sie kaum geschlafen, erzaehlt die Mutter. Damals hatte sie ein besonderes Erlebnis. In einem aussergewoehnlichen Traumzustand hoerte sie eine schoene Frauenstimme singen: Erhebe dich, gehe deinen Weg... &lt;br /&gt;
Sie zwang sich, die Augen zu oeffnen, da war alles vorbei. Sie hat das Lied erkannt und spaeter auswendig gelernt. Roberto und Maria singen einige Strophen mit.&lt;br /&gt;
Ein langer Weg, den Marlon gehen muss. 1 Jahr, 3 Monate und 5 Tage. Ihr Blick ist ernst. Aber Jesus hat immer gesagt: Steh auf, erhebe dich! Dein Glaube hat dir geholfen. Wir glauben alle, dass Marlon wieder auf die Beine kommt. versichert sie, schon wieder lebendiger und froher.&lt;br /&gt;
Ob ich fotografieren darf, frage ich. Ja sicher! Maron wird aufgesetzt und checkt genau, was passiert. Er strahlt in die Kamera.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Situation beim naechsten Besuch ist weniger hoffnungsvoll. Hier lebt Adalbert, ein geistig behinderter, 9-jaehriger Bub mit seiner Familie. Schon vier mal ist Roberto mit ihm und den Eltern eine Woche in der Spezialklinik gewesen, damit er richtig diagnostiziert und behandelt wird. Die Klinik hat schliesslich abgewunken, es hat keinen Sinn. Die Eltern verstehen nicht, dass und wie sie ihr behindertes Kind akzeptieren und foerdern koennen. &lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;adalbert&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/adalbert.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adalbert kriecht nackt in der Huette am Boden. Er erkennt Roberto und freut sich, laesst sich auch gleich von ihm aufnehmen und tragen. Und er weint  wir wissen nicht warum. Erschreckt er sich vor mir, der Fremden? Schaemt er sich, weil er nackt ist? &lt;br /&gt;
Jetzt darf er jedenfalls im Stuhl sitzen und schlaegt ein Bein ueber das andere - wie die grossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mutter kommt nach einer Zeit mit einem schweren Sack voller Laub als Duenger fuer den kleinen Garten. Sie macht vor dem Haus Feuer und braut uns Nescafé. Maria und ich unterhalten uns mit ihr.&lt;br /&gt;
Roberto redet mit dem Vater, nach etwa einer ¾ Stunde verabschieden wir uns. &lt;br /&gt;
Hier geht nichts weiter. Roberto und Maria sind enttaeuscht. Sie beantworten eine Frage, die ich noch gar nicht gestellt habe: Der Bub hat natuerlich einen schoenen Rollstuhl, aber der steht Sommer und Winter im Freien und sie benutzen ihn gar nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf mich wirken die Eltern wie Kaempfer, nach dem Motto: Nur die harten kommen durch. Das Kind, das offensichtlich nicht zu diesen gehoert, wird zwar nicht aeusserlich, aber innerlich ausgesetzt, gar nicht in die Familie aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie kann ihn doch nicht halten wie eines ihrer Tiere, die Schweine oder Huehner! schimpft Maria im Auto als wir wegfahren. &lt;br /&gt;
Zumindest haben die Eltern eine Rente fuer Adalbert und sind damit vom aergsten Ueberlebenskampf befreit. Vielleicht wird ihnen das ein wenig Luft verschaffen fuer neue Gedanken und Verhaltensweisen, christlichere.&lt;br /&gt;
Roberto und Maria bleiben dran. Und Maria nimmt sich schiesslich vor: Ja, ich werde mir ein Herz nehmen und die Mutter darauf ansprechen. Ich muss sie fragen, wie sie sich die Zukunft mit Adalbert vorstellt. Um dieses Kind kaempfen sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abendlicht ist die Landschaft wieder zauberhaft. Ich mache mein bisher bestes Foto, als uns ein Vaqueiro entgegen reitet. Diese Cowboys sind piauiensische Originale!&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;vaqueiro&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/vaqueiro.jpg&quot; /&gt;</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-18T02:09:07Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1581731/">
    <title>16.2. Debut als facilidadora</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1581731/</link>
    <description>Es regnet und wieder mal haben wir keinen Strom. Das dauert vom Aufstehen bis zu Mittag.&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich ist Wasser in die Stromleitung gekommen... ;-)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wenn es regnet, ist es unsicher, ob jemand zur Sitzung kommt, meint Maria. &quot;Ich glaube eher nicht, dass das heute was wird. &lt;br /&gt;
So sitzen wir zwei halt in der Aula, hoeren dem Regen zu und unterhalten uns. Arbeiten geht nicht ohne Strom. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwesterherz Monika ruft aus Oesterreich an  das klappt wenigstens und baut auf.&lt;br /&gt;
Dieser Tag wird ein Telefontag. Noch zweimal holt man mich ganz aufgeregt. Ich habe nur Cheingad verstanden meint Maria. Sie kennt meinen Namen, weil sie meine Passdaten an ihre Freundin durchgegeben hat. Das Ticket nach Salvador ist bereits gekauft, die Mitschwestern sind zur pfleglichen Behandlung verdonnert worden und ich habe durchgehende Reisebegleitung. &lt;br /&gt;
Das ist perfektes Service!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ich angenommen hatte, halten wir die Sitzung doch, denn um 9, mit einer halben Stunde Verspaetung, sind fast alle da. Roberto eroeffnet, ich uebernehme die Moderation, stelle mich vor etc., und freue mich, dass sie mich offenbar gut verstehen.&lt;br /&gt;
Programm und Zeit halten wir gut ein, die Beitraege sind so wie immer: unterschiedlich inhaltsreich, aber bringen doch einige wichtige Punkte aufs Tapet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich fuehle ich mich zufrieden und bin sehr erleichtert.&lt;br /&gt;
Roberto hat einige Neuigkeiten erzaehlt: &lt;br /&gt;
Sie wurden in Teresina in ein staatliches Programm aufgenommen, das Lebenschancen fuer Kinder und Jugendliche foerdern will. Es unterstuetzt Aktivitaeten wie Sport, Tanz, Theater und Capoeira, alles Dinge, die die Fundacao bereits fuer 2006 im Programm hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Gemeinde gibt es eine neue Kooperation: Der Fussballplatz der Schule wird in Zukunft von der Gemeinde mit benutzt, aber auch gepflegt. Ebenso uebernimmt die Gemeinde erstmals einen Kostenanteil: Die Lebensmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roberto arbeitet zielstrebig darauf hin, dass die Fundacao unabhaengiger von ihm und der Finanzierung aus Holland wird. Dort hat sein Freundeskreis in den letzten 10 Jahren die Aufbauarbeit hier unterstuetzt. Roberto hat auch sein privates Vermoegen hier eingesetzt. Die Hoellaender haben zugesichert, dass sie noch bis 2008 die Mittel aufbringen wollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bisher arbeitete Roberto unentgeltlich  wie es fuer ihn weiter gehen wird, ist unklar. &lt;br /&gt;
Nie hatte ich gedacht, dass ich einmal Missionar werde. Dieser Gedanke war wirklich nicht in meiner Lebensplanung. erzaehlte mir Roberto. Nach 6 Jahren als Lehrender auf der Uni fuer Rechtskunde hat es ihn in ein Trappistenkloster gezogen. &lt;br /&gt;
Danach brachten ihn verschiedene Einladungen hierher  und als er empfangen wurde von einer Gruppe singender Menschen, die ihm den Schluessel der Kirche ueberreichten und meinten: Sie sind jetzt unser Padre, hat er Ja. gesagt. Er wohnt im Pfarrhaus und haelt regelmaessig in Sao Miguel und in den groesseren der umliegenden 15 Weiler Andachten. Weiters ist er der Helfer fuer alle Faelle: Wenns dringend ein Auto braucht, faehrt er die Person zum Doktor. Wenn man sich nicht klar ist, wie eine verstorbene Person zu waschen ist, muss er es wissen. Wenn eine Frau einen Rechtsbeistand braucht, um Alimente fuer ihre Kinder zu erstreiten, geht Roberto mit. Wenn Donna Marta endlich an die Wasserleitung angeschlossen werden wird, hat Roberto wahrscheinlich die halben Kosten uebernommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er ist stolz auf den guten Ruf der Fundacao: Man haelt uns fuer vertrauenswuerdig. Man sagt, dass wir gute Arbeit machen: Die Lehrer in der Schule beobachten die Verbesserung der Kinder und erzaehlen davon. Und die Kinder kommen sehr gerne her. Sie fuehlen sich hier wohl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ihn bewegt hat, diese Gruendung zu beginnen?&lt;br /&gt;
Ich habe gesehen, dass ich in Einzelfaellen helfe, aber die Verhaltensweisen die gleichen bleiben. Die Hilfe war nicht nachhaltig. Im Gegenteil, man hat sich immer mehr auf mich verlassen. &lt;br /&gt;
Die Absicht der Fundacao ist es, hier sichtbar fuer alle eine andere Lebensform aufzubauen. Einen Ort, an dem die Regeln gelten, nach denen in der Stadt, 60 km von hier gelebt und gearbeitet wird.&lt;br /&gt;
Was fuer Regeln zum Beispiel?&lt;br /&gt;
Also, verlaesslich zu sein. Sie muessen das lernen,  Ich sehe es nicht ein, dass die Schueler in Oeiras taeglich in die Schule gehen, und hier bleibt jeder daheim, wenn es einmal regnet. Oder auf die Dinge aufzupassen, die allen gemeinsam gehoeren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fundacao soll also ein Lernort fuer eine lebensfoerderlichere Alternativkultur sein und dieser Anreiz wirkt offenbar positiv auf Kinder und Erwachsene, die herkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Mittagszeit bekomme ich wieder Besuche von Kindern. Sie ziehen nach kurzem Plaudern wieder ab. Offenbar muss man einfach die Fremde besichtigen gehen, damit man was zu erzaehlen hat. Sie sind lieb und herzerfrischend!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erholung schreibe ich am Nachmittag wieder Liedertexte. Nach einiger Zeit lasse ich mich in ein Gespraech ueber Auswahlkriterien verwickeln. Fuer eine Gruppe gibt es schon zuviele Anmeldungen. Erst um halb 8 Uhr abends stehen die Gluecklichen fest. War eine schwere Geburt  Maria und Roberto muessen zum ersten mal Kinder abweisen und tun das gar nicht gerne.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-17T02:22:39Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1581728/">
    <title>15.2. Auf der Datenbank</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1581728/</link>
    <description>Ein schoener Morgen, mild und sonnig. Ab heute gibts auch Milch im Haus und Capuchino zum Fruehstueck. Ich esse immer in der offenen Aula, die ihr euch wie eine grosse ueberdachte Veranda vorstellen koennt, mit Blick auf den See.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch heute gelingt es mir nicht, die Mails zu beantworten. Das Oeffnen der Website dauert, das Einloggen dauert, das Oeffnen der Mailbox dauauauauauert! Und dann jedes einzelne Mail  Menschenskind! Wenn nicht das Vaterunser auf portugiesisch vor meiner Nase haenge wuerde.... &lt;br /&gt;
Das erinnert mich uebringens an manche alten Kochrezepte, in denen eine Zeitdauer so gemessen wurde: Ruehren sie die Masse waehrend 3 Vaterunser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich uebe mich also in Gelassenheit und komme heute wenigstens dazu, die Mails zu Lesen. Danke Phil und Sabine und Peter und Philip und Monika! Das Oeffnen eines Antwortmails war der Leitung offenbar zuviel. Bitte um Verstaendnis, wenn du keine Reaktion per Mail bekommst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Eliane und Maria um 8 kommen, nehmen wir uns die Datenbank vor. Bisher gibt es ein Stammdatenblatt auf A4, das jaehrlich neu angelegt wird. Kommende Woche melden sich die neuen SchuelerInnen an, da soll es schon moeglich sein, sie gleich im PC zu erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Maria erstelle ich die Basistabelle. Das braucht die meiste Denkarbeit und mir gehen die Vokabeln aus. Solltet ihr Adresspickerl brauchen, waere es wichtig, dass .... Immer dieser unmoegliche Konjunktiv, den ich noch nicht richtig kann!&lt;br /&gt;
Ich spuere auch, wie denken und sprechen miteinander verkoppelt sind. Es ist schwer, scharf zu denken, wenn man die Sprache nur unscharf beherrscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch vor dem Mittagessen tippen wir probeweise einige SchuelerInnen ein und erstellen Abfragen: Geburtstage im August und Gruppe Cida z.B. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der kleine Williams bringt mir Hendlfleisch, schon vorgewuerzt, von Marias Mutter. Damit ist mir eine Entscheidung abgenommen: Heute gibts Risotto ala Heidi. Die anderen essen ausnahmsweise mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachmittags baue ich noch ein angenehmes Eingabeformular. Damit aber bin ich mit meiner Weisheit am Ende. Mit dem portugiesischen Access finde ich nicht heraus, wie ich die Datensaetze einzeln ausdrucken kann. &lt;b&gt;Ich moechte jedes Formular (Stammdatenblatt des Schuelers) natuerlich einzeln auch auf Papier haben, und der Mistkerl druckt sie immer im Block. Wer weiss Rat?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eliane und ich geben Daten ein. Sie spricht schnell und mit einer fuer mich witzig nasalen Art. Ich verstehe zunaechst nur Bahnhof. Nach einiger Zeit gewoehnen wir uns aneinander und ich uebe, ihr nachsprechend, die Kehllaute. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Cafezinho-Zeit bringt Maria ein Thema auf, von dem wir ein paar Tage zuvor schon gesprochen hatten: Du sagtest, du willst zum Carneval nach Salvador? Ist das ernst? Naja,antworte ich, es haengt davon ab, ob es leicht geht. Ich mag es nicht mit Gewalt erzwingen. Ich habe es schon fast vergessen.&lt;br /&gt;
Rosa, du kannst bei uns im Haus schlafen. Wir haben die Zentrale in Salvador. Und ich habe eine Freundin in der Nachbarstadt, die ist gerade aus Salvador zurueckgekomen. Ich kann ich fragen, wie sie gefahren ist und was es jetzt kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehr aus Neugier hole ich Kalender und Landkarte und Maria zeigt mir, wie die Fahrtmoeglichkeiten sind. Freitag in der Frueh Abreise, Samstag zu Mittag Ankunft in Salvador, etc. Aber dann bin ich ja eine Woche weg! verstehe ich. &lt;br /&gt;
Stimmt. Und das wird sich lohnen! versichert Maria. Also  faehrst du oder nicht?&lt;br /&gt;
Du hast recht, das wird sich lohnen. Ich fahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria strahlt. Einerseits, weil sie mir einen Gefallen tun will, und das ist ihr ja wirklich gelungen! Andererseits, weil sie Salvador gerne mag und sich freut, dass ich es besuchen werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach arbeiten wir noch lange mit Access. Ich bin so beeindruckt, wie offen und lernbereit Maria und Eliane sind. Sie schnappen wirklich jeden Zipfel von Kompetenz, der ihnen hilfreich erscheint, und wollen ihre Arbeit verbessern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die morgige Sitzung wird noch vorbereitet, der Raum geputzt und die Utensilien hergerichtet. Flipchart undso gibts natuerlich nicht. Werden wir auch nicht brauchen - wieso braucht das ueberhaupt jemand? &lt;br /&gt;
;-)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
10 Personen sollen zur dieser Eroeffnungs und Reflexionseinheit kommen. Ich bin leicht angespannt und spuere Vorfreude.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute Abend gehe ich zum ersten Mal nicht auf die Praca. Ich will endlich in Ruhe mein Tagebuch schreiben und die Fotos von der Kamera auf den PC herunterladen. Roberto hat ein Aparelho, mit dem das gelingen sollte  und das tut es auch. Nur kann ich die Fotos leider nicht in das Blog laden. Schade, moechte euch gern die gruene Gegend hier zeigen.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-17T02:13:42Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1576793/">
    <title>14.2. Rosa lehrt Buchhaltung</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1576793/</link>
    <description>Oh wie gut, dass ich mit Alex am seinem Kostenrechnungsartikel fuer unser Buch gearbeitet habe. Fuer jede Minute bin ich jetzt dankbar und erzaehle munter seine Geschichten weiter: Vom Sinn und Zweck der vielen Zahlen im Management... hihi!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und neben dieser ziemlich ungewohnten Rolle der Lehrerin fuer BWL-Theorie begebe ich mich auch noch in die Praxisberatung. &lt;br /&gt;
Die Damen ueberarbeiten mit mir ihre Dokumente fuer die Geldgeschaefte. &lt;br /&gt;
Das Kassabuch wird ab jetzt in Excel gefuehrt, das heisst ich bringe ihnen meine minimalen Excel-Kenntnisse bei. Und sie sind dennoch begeistert.&lt;br /&gt;
Bild - Maria, die Leiterin und Eliane, im 8. Monat schwanger, vorne&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;maria-e-eliane&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/maria-e-eliane.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Roberto rede ich uebers Budgetieren. Er will genauer wissen, was eine Abschreibung ist und was eine Rueckstellung. Schluck! Gottseidank fragt er nicht zu genau, wir bleiben gerade noch auf dem schmalen Pfad meiner Kenntnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kann vielleicht einer von euch mal da vorbei kommen, die ihr mir das immer so locker erzaehlt? Aber Vorsicht, sagt ja nichts anders, als ich hier verbreitet habe!&lt;br /&gt;
;-)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am spaeteren Nachmittag fasse ich nach, um die etwaige Sitzung zu klaeren. Es ist nicht leicht, die beide Leitungsfiguren an einen Tisch zu bekommen. Hier ist jeder staendig am werkeln und unterwegs. Die Kommunikation ist duenn, die Planung noch duenner, aber das gegenseitige Wohlwollen und die selbstverstaendliche Flexibilitaet gleichen das aus. Noch zumindest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roberto spricht sehr offen ueber die Enttaeuschungen, die er auch erlebt hat, beim sogenannten Uebergang in die Organisierungsphase und welche Huerden auf das Projekt und ihn persoenlich zukommen. &lt;br /&gt;
Beide moechten meine Anwesenheit nuetzen, um das Arbeitsjahr mit einer Reflexionssitzung mit allen Mitarbeitenden zu beginnen. Wir entwickeln die Ziele und den roten Faden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin mit dem Tag sehr zufrieden, war ja richtige Arbeit.&lt;br /&gt;
Und zu allem Glueck ruft auch noch Peter an!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um halb sieben kommt mich wieder ein Schueppel Kinder besuchen. Ich bin gerade dabei, eine Suppe zu machen und lasse alle mitkochen und mitessen. Lustig wirds, als der Strom ausgeht. Maria kommt, um nach dem rechten zu sehen. Mit Taschenlampen spazieren wir auf die Praca, denn auch die Strassenbeleuchtung fehlt. &lt;br /&gt;
Die Girls finden sich in Gruppen, singen und tanzen den Sommerhit: tschiribim tschiribimm.... der praktisch ununterbrochen im Radio laeuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria will mich noch Donna Teresa vorstellen. Sie ist eine wichtige Frau, Clanmutter der Politikerfamilie, zu der auch Abadia gehoert. Eine gepflegte, schlanke Dame mit ca. 70 Jahren. Sie traegt eine kleine rote Anstecknadel an ihrem bodenlangen Kleid: PT (Arbeiterpartei). Eine Erscheinung, kaum zu glauben, dass sie hier aufgewachsen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist auf der Durchreise und wer es rechtzeitig erfahren hat, wie Maria, macht seine Aufwartung. Vornehm steigt sie in die Gespraeche ein und hoert sie sich die Anliegen der Bittstellerinnen an. Sie ermutigt und bestaerkt, ohne konkrete Versprechungen zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein sanftes und troestendes Zeremoniell, fast wie eine Andacht zur Nossa Senhora.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-16T02:09:41Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1576790/">
    <title>13.2. Montag - Arbeitsbeginn</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1576790/</link>
    <description>Ab heute gehts also los mit dem Vorbereitungs-Betrieb in der Fundacao. Die Kinder kommen Anfang Maerz, und bis dahin gibt es viel zu tun.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe noch sehr vage Vorstellungen, was ich beitragen kann, aber Roberto meint, er moechte viel ueber die Organisation einer Schule von mir lernen. Vamos ver, wer da mehr profitiert  er oder ich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fundacao hat im August 2004 begonnen, Foerderstunden fuer die Kinder anzubieten, die in der Schule besondere Schwierigkeiten haben.&lt;br /&gt;
Sie betreuen 50 Kinder der ersten vier Schulstufen. Manche besuchten diese allerdings schon mehrmals...&lt;br /&gt;
2 Kindergruppen sind vormittags da, 2 nachmittags, entsprechend sind 2 Lehrerinnen angestellt. Maria ist Leiterin und arbeitet im Buero. Sie macht die Elternarbeit und hilft bei den schwierigen Kindern, denn sie hat dafuer eine besonders gute Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bild: Die Fundacao&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;fundacao&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/fundacao.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2 Frauen sind fuer Reinigung und Kueche da  die Kinder erhalten eine Jause - und Paulo, der Hausmeister, rettet in jeder Not.&lt;br /&gt;
Neben der Schule beherbergt die Fundacao auch die Digitalstation, ein Projekt der Banco Brasil, um Informatik den Menschen nahe zu bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schule ist als gemeinnuetzige Stiftung angemeldet. Roberto ist der Praesident des Direktoriums und kuemmert sich hauptsaechlich um die Aussenkontakte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Taeglich zwischen halb acht und acht kommen Eliane, die als Sekretaerin begonnen hat und dann als Lehrerin eingesprungen ist, und Maria. Heute wird Maria erst spaeter kommen, denn sie macht eine theologische Ausbildung und steckt noch in Floriana, der Universitaetsstadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Vormittag mache ich mich nuetzlich und schreibe fuer sie Liedertexte ab. Um 10 kommt Roberto. Nach einer Weile beginnen wir ueber die Freuden und Leiden des Leitens zu sprechen und ich erzaehle das Modell der Lebensphasen von Organisationen. Roberto lacht, als er die Schilderung der Pionierphase hoert: Hoer gut zu Eliane! Sie redet von uns! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Mittag gehen die beiden nach Hause und ich koche mir was Gutes. Die gewohnte Sesta wird zweimal unterbrochen: Mary bringt Kokosnuesse aus ihrem Garten und die kleine Franziska bringt Karambol-Fruechte (Sternenfruechte). Ich freue mich sehr, aber schmeisse die beiden doch raus, denn mein Mittagsschlaefchen ist heilig. Spaeter werden wir uns auf der Praca, dem Kirchplatz, treffen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um vier kommen Maria und Williams. Maria hat aus der Stadt ein Moskitonetz fuer mich mitgebracht, und frisches Brot!&lt;br /&gt;
Roberto hegt Plaene, mit dem Team eine Sitzung ueber die Organisationsentwicklung zu machen, die ich moderieren soll. Wir stecken erste Rahmenbedingungen im Gespraech zu dritt ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abendessen gibts die legendaere Tomatensuppe mit Nockerl und danach begleiten mich Maria und Williams in die Stadt. &lt;br /&gt;
Zuerst gehe ich mich fuer die Fruechte bedanken und ein bisserl plauschen und erzaehlen von der Kathedrale, die geschlossen ist vor lauter Schnee...&lt;br /&gt;
Der Dialekt hier ist hoellisch. Ich kann mir jetzt vorstellen wie es Monika und Jarek geht, wenn wir Mundart reden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein guter Platz hier! gratuliere ich. Ja, bei uns ist Frieden. Da bist du sicher. Du kannst auf der Strasse schlafen, wenn du magst, wenn es nicht regnet. meint der alte Onkel stolz. Sperrt ihr eure Tueren also nicht zu in der Nacht? frage ich augenzwinkernd nach. Alles lacht: Aber natuerlich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Teil des Spiels Kontakt. Die Eintrittskarte ist Wertschaetzung. Ich schaute nicht auf das, was alles unterschiedlich ist zu Europa. Ich schaute mehr auf das, was aehnlich ist. meinte Roberto, und so mache ich es auch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das heisst also nicht kritisieren und besser wissen, sondern bewundern, was mir bewunderswert scheint. Dann kommt irgendwann ein spannender Zeitpunkt: Kann ich schon zeigen, dass ich nicht mehr an die perfekte Aussenfassade glaube? Koennen sie mir schon ein wenig mehr von der Realitaet zutrauen? Koennen wir trotzdem zusammen lachen? &lt;br /&gt;
Wie weit oeffnet sich die Tuere? Ein prickelndes Abtasten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Maria geht sie ein grosses Stueck auf heute Nacht. Wir sitzen noch lange auf der Praca und fuehren eine schoenes Frauengespraech.&lt;br /&gt;
Maria hat schon viel verschiedenes in ihrem Leben gemacht, z.B. in der Textilindustrie als Arbeiterin, im Altersheim und im Kinderheim gearbeitet. &lt;br /&gt;
Sie ist Mitglied einer Gemeinschaft von Frauen, die nach der Regel des Franziskus leben, aber nicht in einem Kloster, sondern bei ihren Familien oder allein bzw in kleinen Gruppen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu dieser warmen und waermende Nacht faellt mir aus Goethes Maerchen von der gruenen Schlange ein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ist kostbarer als Gold? &lt;br /&gt;
Das Licht! sagte die gruene Schlange.&lt;br /&gt;
Was ist erquickender als das Licht?&lt;br /&gt;
Das Gespraech! Antwortete sie.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-16T02:06:12Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1565547/">
    <title>12.2. Die sogenannen Armen</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1565547/</link>
    <description>Die erste Nacht im neuen Bett: Gut geschlafen, bei leisen Kuhglocken statt lauten Haehnen.&lt;br /&gt;
;-)&lt;br /&gt;
Leider gibts hier kein Mosikitonetz und ich habe mich gut einwickeln und die Ohren einsprayen uessen. In der Frueh regnet es, ich setze mich raus, lese meine halbe Stunde unter Dach im Freien und mache mir dann Fruehstueck. Irgendwann faellt mir auf, dass wir keinen Strom haben. Macht nix, brauche nur den Gasherd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Morgentoilette allerdings wird improvisiert, denn ich habe auch kein Wasser! Jetzt um 6 kann ich niemanden wecken, ich wasche mich mit dem Trinkwasser aus dem Kuehlschrank  entsprechend fluechtig!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paulo, der Nachbar und Hausmeister kommt um 8 schliesst die zweite Wasserleitung an. Wenn es soviel regnet, dann passiert das schon, dass Licht und Wasser nicht funktionieren. erklaert er. Was ist mit dem Fleisch im Gefrierfach?frage ich besorgt. Ach, bis zum Mittag ist alles wieder in Ordnung, das haelt das schon aus. Und so ist es auch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich lese und lerne, waehrend ein ordentliches Gewitter uebers Haus zieht. Danach  besuche ich Paulo und Familie und spaziere zum Mittagessen um 11 wieder ins Haus von Maria Eloise. Heute ist auch der Vater da, gestern arbeitete er am Feld: Ein schlanker, drahtiger, freundlicher Herr mit dunklem Gesicht und kurzen weissen Haaren. &lt;br /&gt;
Er ist 78, gesund und beweglich, obwohl er noch immer jeden Tag koerperlich arbeitet. Der Acker liegt 10 km entfernt. Oft geht er zu Fuss hin und zurueck. Fuer Steins: Typ Onkel Emil aus dem Montafon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Mittagessen kann ich endlich ungestoert und laenger mit Peter am Telefon plaudern. &lt;br /&gt;
Roberto und Mary, eine Frau vom Ort, holen mich ab zu einer Fahrt ins Interior. Wir besuchen einige von Robertos Schuetzlingen und hier begegnet mir die Armut und der Stolz der Menschen am Land. &lt;br /&gt;
Bild: Roberto mit 2 seiner Klienten vor einem Haus im Interior&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; alt=&quot;3-vor-dem-haus&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/3-vor-dem-haus.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irene ist etwa 30, sie lebt mit ihrer Mutter und drei Geschwistern in einem einfachen Haus von etwa 40  50 m2: Essraum ohne Tisch, Kueche mit gemauertem Holzherd, zwei kleine Schlafraeume mit Haengematten. Sie ist Mutter von fuenf Kindern von zwei Maennern, die Vaeter sind weg und unterstuetzen sie nicht.&lt;br /&gt;
Irene hatte im September einen schizophrenen Schub. Sie war einen Monat zur Behandlung im Krankenhaus. Die Kinder wurden in dieser Zeit bei verschiedenen Familien untergebracht, zwei davon sind allerdings schon wieder bei Irene. &lt;br /&gt;
Jetzt leben 7 Menschen in diesem Haus. Wie fuehlst du dich denn?fragt Roberto Irene. Gut. Ich kann auf die Kinder aufpassen. Und wie geht es hier im Haus mit zwei Kindern mehr fragt Roberto die Oma. Es geht sich aus, meine diese. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer in der Familie arbeiten kann, arbeitet auf dem Feld, um etwas zu verdienen. Ansonsten lebt man vom Kindergeld und der Minipension der Mutter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle tragen saubere und zerrissene Kleider. Man serviert uns einen Cafezinho, plaudert ueber wichtiges und unwichtiges. Nach ¾ Stunden verabschieden wir uns. Schon? fragt man freundlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roberto kann hier nicht viel helfen  sie wollen keine Hilfe mehr annehmen. Er wird gebeten, dafuer zu sorgen, dass das Geld von der Bank zur Familie kommt. Und vielleicht schafft er es, dass die Grossmutter sich die offenen Beine behandeln laesst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Donna Madalena ist 62, sieht viel aelter aus, ist klein, hat warme Augen. Die Haende kann siewgen der Gicht nicht mehr bewegen, die Fuesse tuns noch. Im Haus gibt es keinen Wasserhahn. Sie ist davon abhaengig, dass ihr jemand Wasser vom Brunnen, etwa 500m entfernt, holt. In ihrem Haus sehe ich die Tonkruege stehen, die am Kopf getragen werden. An der Wand Fotos von den Kindern. Eine Tochter ist in Sao Paulo, seit 12 Jahren, ohne eine Nachricht zu geben. Das ist ihre groesste Sorge.&lt;br /&gt;
Der juengste Sohn, der in der letzten Zeit mit Frau und Kind vis a vis gewohnt hat, wird morgen abreisen. Er hat einen Job im Supermarkt der naechsten Kleinstadt bekommen. Dann ist sie wieder alleine im Haus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wird das jetzt gehen? fragt Roberto. Wie es die letzten Jahre auch gegangen ist. Sagt sie. Im Haus frage ich dies und das ab: Wie gehts mit Anziehen, mit Essen machen, Einkaufen etc. Auf die Frage: Wer hilft denn? antwortet sie Am allermeisten der Herrgott. Ihr glaube ich das. In dieser Situation muss man verzagen, wenn man keinen Halt, keine innere Ruhe finden kann. Fuer sie ist das ihr Herrgott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie will nicht weg aus ihrem Haeuschen. Hier hat sie ihre schoenen und schweren Jahre verbracht. Der Vater ihrer vier Kinder ist mit ihrer Kusine davon. Nach 10 Jahren ist er sterbenskrank zurueck gekommen, hilflos. Sie hat ihn die letzte Zeit gepflegt. Er ist gekommen, um in diesen Armen zu sterben. sagt sie ruhig und zeigt auf ihren duennen Koerper.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So eine kleine Frau, und so ein grosses Herz. So ist also das Leben der sogenannten Armen, die mir nicht ungluecklicher vorkommen wie manche Menschen, die ich im reichen Oesterreich kenne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abendgottesdienst werde ich von den Kindern gekapert, Williams und drei Maechen setzen sich zu mir und ich bin beschaeftigt, sie ein wenig ruhig zu halten. Geht ganz gut, denn Gottseidank laesst uns Roberto viel singen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Celebracao bin ich zu Mary eingeladen. Sie erzaehlt mir ihre Lebensgeschichte. Ich plaudere mit ihren beiden jugendlichen Soehnen und den etwas aelteren Toechtern von etwa 20 Jahren ueber die Lebensperspektiven hier. Schliesslich uebersetzen wir mit vereinten Kraeften einen Madonna-Song. Herz-Schmerz! Standing on the bridge, waiting in the dark, thought that youd be here by now&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Mary hat die Kinder ohne Mann gross gezogen, er hat sie oefter  verpruegelt, auch vor allen Menschen im Geschaeft. Die aelteste Tochter, die Buergermeisterin und Roberto haben ihr zur Unabhaengigkeit geholfen. &lt;br /&gt;
Sie sieht so gut aus und ist eine aufmerksame, interessante Gespraechspartnerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mary geht 5 x in der Woche aufs Feld und Kuehe melken. 3 Liter gibt eine Kuh, aber ich nehme ihr nur 2, sagt sie. Ich staune.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um halb elf begleiten sie mich nach Hause. Auch eine beeindruckende Familie.</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-14T00:55:06Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://brasil.twoday.net/stories/1565527/">
    <title>11.2. Ankunft in Sao Miguel</title>
    <link>http://brasil.twoday.net/stories/1565527/</link>
    <description>In Paes Landim haelt kein Bus. Wer nicht zu Fuss gehen will, organisiert sich eine sogenannte Carona, eine Mitfahrgelegenheit. Abadia und Sebastian, die zwei von der Opposition, fahren zweimal in der Woche nach Sao Miguel, weil sie hier ein kleines Geschaeft haben. Um 7:30 gehts los, meinten sie, mehr oder weniger. Aber die Nacht war kurz fuer die beiden. Sie beginnen um 7:30 erst mit dem Beladen des Autos. Um 9:00 Uhr fahren wir los, der Weg ist nicht befestigt, nur die typische rote Erde, oefter queren wir Wasserloecher, die so breit sind wie die ganze Strasse. &lt;br /&gt;
Bild -  Der hat grad den Weg frei gemacht..&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;esel&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/brasil/images/esel.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um ¾ 10 in Sao Miguel erwartet mich Roberto im Pfarrhaus. Er duerfte etwas aelter sein als ich, ist gross und duenn. Er spricht gut verstaendliches und hollaendisch-weiches Portugiesisch.&lt;br /&gt;
Er scheint ein praktischer Mensch zu sein und macht nicht viele Zeremonien. Als erstes wird die Frage der Unterkunft geklaert. Ich kann aussuchen: Allein wohnen in der Fundacao oder bei Maria Eloisa, der Leiterin des Projektes. Die besuchen wir als erstes. Der Einfachheit halber nenne ich sie Maria, denn ihre Mutter heisst auch Eloisa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann spazieren wir zu dritt zum Gebauede, das keine 5 Minuten entfernt am Rand der Ortschaft liegt. Das Haus ist neu, das Projekt wurde 2005 eroeffnet. In der Mitte des schoenen, hellen Hauses befindet sich eine grosse offene, ueberdachte Aula im Ausmass von etwa 10 x 20 m; rechts und links davon liegen die Raueme fuer die Kindergruppen: Gruppe Sonnenstrahl und Gruppe Glueckskindlese ich ueber den Tueren.&lt;br /&gt;
Weiters gibts eine Kueche, Speisekammer und Waschraum, den Informatikraum, das Buero, einige WC, einen Besprechungsraum, der auch als Bibliothek dient, und mein Zimmer-Bad Apartement. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorstellung, endlich allein sein zu koennen, ist verlockend, gerne nehme ich an. &lt;br /&gt;
Roberto und Maria haendigen mir gleich alle wichtigen Schluessel aus und zeigen mir, wie ich ins Internet einsteigen kann.&lt;br /&gt;
Ich bin ueberrascht, wie selbstverstaendlich hier alles fuer mich geoeffnet wird, als waere ich eine alte Bekannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria begleitet mich anschliessend zum Einkaufen. Ich muss mich ja jetzt selber ernaehren. Brot isst man hier nicht, gibts auch nicht zu kaufen. Alle arbeiten auf dem Feld und essen Mais zum Fruehstueck. Ich werde also auch Riebel machen!&lt;br /&gt;
Obst und Gemuese gibt es nur zweimal in der Woche: Freitag und heute, Samstag. Glueck gehabt! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sebastian und Abadia finde ich in ihrem Geschaeft. Sie freuen sich, dass ich vorbei komme und laden mich ein, die Familie kennen zu lernen. Im oberen Stock wohnt naemlich die Schwester von Abadia und der Bruder von Sebastian. Die beiden sind ebenfalls bald 10 Jahre verheiratet. Also rauf und ein wenig plaudern, und ueberall laeuft der Fernseher...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Mittagessen sind wir im Haus von Maria eingeladen. Ihre Mama hat gekocht: Reis, Bohnen, Ripperl, Salat.&lt;br /&gt;
Die gemauert Kochstelle befindet sich im Hof, dort gibt es auch ein kleines Schwein, Huehner und Katzen. Weiters einen grossen Esstisch, den Waschtisch fuer Geschirr und Waesche und einen hohen Arbeitstisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Haus wird fuer uns drei aufgedeckt. Ich frage verwundert, ob die anderen nicht mitesssen und loese damit ein wenig Hektik aus. Rosa will, dass wir alle zusammen essen! heisst es, aber die Anwesenden verdruecken sich mit guten Gruenden. Mama Koechin, entschuldigt sich, dass es leider nicht so leicht ist, alle gleichzeitig an den Tisch zu bekommen und isst selber im Freien.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maria, Roberto und ich bleiben also unter uns. Maria duerfte Ende 30 sein. Sie hat 8 leibliche Geschwister und einen kleinen Adoptivbruder, den 9-jaehrigen Williams. Einige Jahre arbeitete sie in einem Kinderheim im Nachbarstaat Bahia, in Salvador. Als sie von dort wieder nach Hause uebersiedelte, nahm sie Williams mit. Die Eltern haben ihn schliesslich als 10. Kind adoptiert. Er ist kleinwuechsig und quicklebendig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Maria und ihrer Mutter werde ich eingeladen, bei ihnen im Haus zu schlafen. Ich haette Angst, so allein da draussen, meint Maria. Gibt es einen Grund dafuer? frage ich mal vorsichtshalber nach. Nein, der Ort ist ruhig, versichern sie. Hier wird nicht gestohlen, du kannst alles offen lassen. Nur, die Brasilianerinnen wundern sich: Es ist doch niemand gern allein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Mittagessen beziehe ich mein Zimmer, telefoniere mit Peter, der gottseidank zuhause ist, und lege mich erst mal nieder. Eine Mini-Mitteilung im Blog kostet mich 15 Minuten und Roberto 3 Reais, denn das Netz ist extrem langsam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Ruhe des Nachmittags ist dann ein ausfuehrliches Gespraech mit Roberto moeglich, ueber seine Gruende hier zu leben und die Idee des Projektes. Naeheres folgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ab 4 gibts in der Fundacao Informatik-Unterricht. Heute lehrt Ivone, 18 Jahre alt. Es haengt ein wenig vom Wetter ab, wie viele Schueler erscheinen, heute sind es zwei Kinder. Zuerst heisst es eine halbe Stunde mit Word oder Excel kaempfen, danach duerfen sie zeichnen oder spielen.&lt;br /&gt;
Ich lasse mir von der kleinen Bruna das Zeichenprogramm erklaeren  es ist so leicht hier mit allen in Kontakt zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 6 mache ich mir ein paar Erdaepfel zum Abendessen, kille die Ameisen in der Kueche und geniesse das Essen in der Aula mit Blick auf den See.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rund um uns ist alles Gruen. Grosse weisse Reiher ziehen ueber den See.&lt;br /&gt;
Kleine Stelzenvoegel spazieren vor dem Haus herum und machen ein unglaubliches Geschrei. Um 3/4 7 hoere ich eine Kirchenglocke. Zum ersten mal, seit Monaten. Ob ich Roberto falsch verstanden habe, und der Gottesdienst ist doch schon heute?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich marschiere also zur Kirche. Dort werde ich freundlich begruesst, es gibt eine Marienandacht und wir sind etwa 10 Frauen. &lt;br /&gt;
Nachher sitze ich noch lange draussen auf dem Platz vor der Kirche und plaudere mit Kindern und Jugendlichen. Sie haben so schoene Namen, aber ich vergesse sie sofort, es ist zuviel Neues fuer mich!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geh in der Nacht ins Internet, empfahl mir Roberto, das mache ich auch und freue mich ueber die Beitraege im Blog. &lt;br /&gt;
Mondschein ueber dem See, gute Nacht!</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://brasil.twoday.net/topics/Tagebuch&quot;&gt;Tagebuch&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 rosa_r</dc:rights>
    <dc:date>2006-02-14T00:42:50Z</dc:date>
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    <title>8.  10.2. Nachspiel</title>
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    <description>Roberto hat keine Zeit, sagt Neide und meint: Er kennt keine Zeit. Wenn er kommt, ist er  halt da.&lt;br /&gt;
Bin schon gespannt auf den Hollaender, der am Rand der Welt ein privates Projekt fuer Kinder aufgebaut hat. Am 8.2. sollte er mich abholen, aber er steckt noch in der Hauptstadt fest, erfahren wir am Abend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde am 11.2., am Samstag, mit Sebastians LKW mitfahren nach St. Michael. (San Miguel) und dann bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit in Paes Landim koennte verlorene Wartezeit sein, ist es aber nicht. Das Leben schmeckt hier wie dunkle Schockolade, bittersuess, und ich mag das.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch ein paar Rueckblicke:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor zwei Tagen war der Himmel am Abend bedrohlich gelb-grau, das Licht voellig veraendert, aehnlich wie bei einer Sonnenfinsternis. Ich konnte mich nicht satt sehen und war gespannt auf die Ursache. Am naechsten Tag haben wir erfahren, dass in der Nachbarschaft ein Orkan getobt hat. Bei uns gab es auch Sturm in der Nacht, er hat unsere zwei schoenen Kakteen gebrochen. Sie standen im Vorgarten und waren ueber 2 Meter hoch. Der eine ist entwurzelt und vom anderen steht noch ein trauriger Stumpf da.&lt;br /&gt;
Maristela wird Kakteen hacken, wenn sie kommt. Neide laesst mich nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern Nachmittag kam noch eine Todesnachricht. Donna Lisima war eine zarte, kleine Frau, europaeisch im Aussehen. Mit den grossen Augen und ihrer Hackennase wirkte sie wie ein Voegelchen, etwas flattrig und verletzlich. Sie war taeglich in der Kirche, immer wenn sie mich sah, ist sie mit ihren vorsichtigen Schritten hergekommen und hat mich umarmt, freundlich und wohlwollend. Durch die Folgen eines Schlaganfalls konnte sie nicht mehr richtig sprechen. &lt;br /&gt;
Gestern wurde sie ins Krankenhaus nach Simplicio Mendes gebracht, weil sie sich nicht  wohl fuehlte. Dort ist sie ueberraschend noch am selben Tag verstorben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer immer einen Bezug zu ihr hat, geht am Abend zu ihrem Haus. Dort  werden Stuehle und Baenke auf der Strasse aufgestellt. Die Strasse ist dunkel, Licht faellt aus den Fenstern und offenen Tueren der Nachbarhaeuser. Leute kommen, warten.&lt;br /&gt;
Der Sarg mit der Toten wird abends um 9 gebracht und aufgebahrt. EinTeil der Menschen bleibt im Raum und betet den Rosenkranz. Andere stehen draussen oder in den inneren Raeumen des Hauses und unterhalten sich. Kinder jeden Alters kommen vorbei und wollen die Senhora noch sehen und das Seidentuch streicheln, mit dem sie bekleidet ist. Es ist eine ernste Stimmung im Raum, aber keine laute Emotion und auch kein Grauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beerdigung war schon am naechsten Tag, sobald die Verwandten aus Sao Paulo eingetroffen waren.&lt;br /&gt;
Es hat ich sehr beruehrt, und mir wieder bewusst gemacht, dass es kein Zufall ist, wenn jemand Teil von meinem Leben wird und ich von seinem.&lt;br /&gt;
Ich danke fuer euch alle, die ich euch in meinem Herz mitgenommen habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natuerlich denke ich auch ganz speziell an das Geburtstagskind in Wien!&lt;br /&gt;
Sonnige Glueckwuensche Poldi! &lt;br /&gt;
Ich bin stolz und freue mich, dich zu kennen. Und ich weiss, dass es mehreren so geht. Du bist fuer uns wichtig! Erzaehle weiter deine Erinnerungen!&lt;br /&gt;
Gruesse auch deinen Prinzen&lt;br /&gt;
und den Herrn Neffen von Herzen!&lt;br /&gt;
Seid umarmt!</description>
    <dc:creator>rosa_r</dc:creator>
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    <dc:date>2006-02-12T01:06:53Z</dc:date>
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