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Anreise

Freitag, 11. November 2005

Anreise Teil 2

Halb sieben ("Wiener Zeit"), die normale Aufwachzeit. Die Mitreisenden schlafen und wirken leblos im fahlen Notlicht. Alle Luken sind geschlossen, ich schiebe den Laden neben mir hinauf: Praechtiges, feuriges Morgenrot! Wir fliegen mit dem Sonnenaufgang. Erst gegen acht Uhr sind die Farben verblasst. Noch lange lasse ich mir die Sonne aufs Gesicht scheinen. Sie ist heute auf meiner Seite!

Aber was ist unter uns? Schon der neuen Kontinent? Endlich spuere ich wieder Freude und Aufregung. Aber nichts zu erkennen unter dem dicken weissen Nikolobart.
Puenktlich um 20 nach 11 (Lokalzeit 8) tauchen wir in die Wolken ein zur Landung in Sao Paulo. Es regnet und hat etwas unter 20 Grad.

Die lange Schlange bei der Einreise fuer "Exterritoriale" (Auslaender) wird aufgehellt durch einige junge Frauen mit gelben Pullis. "Kann ich helfen?" steht darauf. Sie bieten freundliche Unterstuetzung an, sollte man sie fuers Einreiseformular brauchen. Fuer Amerikaner gibt es einen Extra-Schalter. Vor der Buerokratie ist man weniger Einzel-Mensch als (nationales) Gattungswesen.

Die Wartezeit laesst sich gut nuetzen, um daheim Bescheid zu geben. Mist - der Akku ist auch gleich leer! Wer Aktuelles wissen will, mailt am besten Peter, Heidrun oder Brigitte (Stein) an. Die kriegen immer die Nachrichten zuerst, weil sie am handy ganz oben stehen.

Beim Schalter geht es ruckzuck. Der Koffer rollt am Band auf mich zu. Jetzt einmal rechts rum und da stehen schon die Abholer mit ihren Schildern. Gleich vorne eine gutmuetig aussehende graue Dame mit REINGARD. Oh wie wohltuend!
Wir umarmen uns, es ist Sr. Katia, die "Koordinatorin" der kleinen, lokalen Wohngemeinschaft.

"Ja, ich habe Angst gehabt, wie lerne ich diesen Namen?", lacht Sr. Clotilde, die Provinzoberin. Rosa, das sei wirklich viel leichter. Ein Hoch auf meine Portugiesisch-Lehrerin Maria, die mir den Tipp gegeben hat. Und der Name ist nicht gelogen. Sie nennen mich CHOSA und das ist nicht weniger fremd als CHEINKAHD waere.

Eineinhalb Stunden sind sie mit mir unterwegs im Auto. Der Verkehr scheint mir nicht schlimmer als in Wien, aber ich fahre ja normalerweise mit Peter, da bin ich einiges gewoehnt. (hihi)

Wir kommen an, ich lerne die anderen zwei Schwestern, die Studentin Mariana, den Administrator Sehi und die Reinigungsdamen kennen. Es gibt Kaffee. Man zeigt mir mein Zimmer: Hell, rotbrauner Holzboden, bequemes Bett, mit Bad und WC, ruhig. Herrlich! Ich bin angekommen und hier ist ein guter Platz!

Inzwischen ist der erste Tag vergangen. Wenn ich jetzt in mein Zimmer gehe werde ich wahrscheinlich meinen ersten Sternenhimmel in Braslien sehen. Ein Stueckchen wenigstens.
Ob mir der Mond was Liebes von euch mitgebracht hat?
Gute Nacht, bis Morgen!

Die Himmel. Anreise Teil 1

Der letzte Abendhimmel in Wien ist rosa. Er zeichnet die Konturen weich, die Haeuser wirken eingepackt und etwas aufgeregt geroetet, bis die Sonne untergeht um vier.

Der Himmel heute Abend in Sao Paulo ist ebenfalls rosig. Auch hier bemueht er sich redlich, die Kontraste zaertlich aussehen zu lassen von Mengen unterschiedlichster Hochhaeuser und Wolkenkratzern und dazwischen den bunten, gemauerten Schachteln, die als Wohnhaus, Garage und/oder Arbeitsort dienen.

Die Geschichte meiner Abreise ist vielleicht schon kolportiert. Ich hatte mir 22:20 Uhr als Abflugzeit eingepraegt. Nachmittags um fuenf merke ich mit grossen Augen und weichen Knien, dass das die Ankunftszeit in Madrid ist. Abflug in Schwechat um halb acht!
Nach Kurzdusche und mit tatkraeftiger Hilfe von Monika und Jarek geht sich alles aus: Kurz nach sechs treffe ich Peter in Schwechat. Wir haben noch Zeit zusammen zu essen, denn der Flieger hebt fast zwei Stunden zu spaet ab.

Dieser Abschied war der schwerste, das Weggehen von Peter grausam. Sich Herausschneiden aus der Naehe - wie konnte ich uns das antun?
Herausschaelen auch aus den anderen Beziehungen voller Liebe, Waerme und Wohlwollen, aber auch Erwartungen und Gegenerwartungen. Bitte verzeiht mir, wenn es weh tut.

Gottseidank muss ich mit niemandem reden. Man kann gut allein sein an diesen Orten wo viele Menschen anonym sein wollen. Mit mir warten etwa 50 argentinische UNO-Soldaten auf den Abflug. Fuer sie geht es wahrscheinlich von Madrid aus weiter heimwaerts. Der Flieger ist winzig, ich sitze zwar am falschen Platz, aber am Fenster und da will niemand hin. Die erste Reiselektion lerne ich auch: Man geht nicht ohne Kleingeld weg! Ich habe Peter alle EURO-Muenzen gegeben ("Brauche ich nicht") und kann mir jetzt ueberlegen, ob ich ein Wasser mit einem 100 Euro-Schein kaufen will. Natuerlich nicht.

Gewechselt wird in Madrid, auch Reais gekauft. Im Jumbo sitzt sich etwas komfortabler. Auch er laesst sich Zeit und wir starten eine Stunden nach Plan. Um zwei nachts gibt es Dinner, sogar den Kaffee nachher geniesse ich noch. Aber dann kippts mich vom Stengel und ich schlafe tief ein.

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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