13.2. Montag - Arbeitsbeginn
Ab heute gehts also los mit dem Vorbereitungs-Betrieb in der Fundacao. Die Kinder kommen Anfang Maerz, und bis dahin gibt es viel zu tun.
Ich habe noch sehr vage Vorstellungen, was ich beitragen kann, aber Roberto meint, er moechte viel ueber die Organisation einer Schule von mir lernen. Vamos ver, wer da mehr profitiert – er oder ich?
Die Fundacao hat im August 2004 begonnen, Foerderstunden fuer die Kinder anzubieten, die in der Schule besondere Schwierigkeiten haben.
Sie betreuen 50 Kinder der ersten vier Schulstufen. Manche besuchten diese allerdings schon mehrmals...
2 Kindergruppen sind vormittags da, 2 nachmittags, entsprechend sind 2 Lehrerinnen angestellt. Maria ist Leiterin und arbeitet im Buero. Sie macht die Elternarbeit und hilft bei den schwierigen Kindern, denn sie hat dafuer eine besonders gute Hand.
Bild: Die Fundacao

2 Frauen sind fuer Reinigung und Kueche da – die Kinder erhalten eine Jause - und Paulo, der Hausmeister, rettet in jeder Not.
Neben der Schule beherbergt die Fundacao auch die Digitalstation, ein Projekt der Banco Brasil, um Informatik den Menschen nahe zu bringen.
Die Schule ist als gemeinnuetzige Stiftung angemeldet. Roberto ist der Praesident des Direktoriums und kuemmert sich hauptsaechlich um die Aussenkontakte.
Taeglich zwischen halb acht und acht kommen Eliane, die als Sekretaerin begonnen hat und dann als Lehrerin eingesprungen ist, und Maria. Heute wird Maria erst spaeter kommen, denn sie macht eine theologische Ausbildung und steckt noch in Floriana, der Universitaetsstadt.
Am Vormittag mache ich mich nuetzlich und schreibe fuer sie Liedertexte ab. Um 10 kommt Roberto. Nach einer Weile beginnen wir ueber die Freuden und Leiden des Leitens zu sprechen und ich erzaehle das Modell der Lebensphasen von Organisationen. Roberto lacht, als er die Schilderung der Pionierphase hoert: “Hoer gut zu Eliane! Sie redet von uns!”
Zu Mittag gehen die beiden nach Hause und ich koche mir was Gutes. Die gewohnte Sesta wird zweimal unterbrochen: Mary bringt Kokosnuesse aus ihrem Garten und die kleine Franziska bringt Karambol-Fruechte (Sternenfruechte). Ich freue mich sehr, aber schmeisse die beiden doch raus, denn mein Mittagsschlaefchen ist heilig. Spaeter werden wir uns auf der “Praca”, dem Kirchplatz, treffen!
Um vier kommen Maria und Williams. Maria hat aus der Stadt ein Moskitonetz fuer mich mitgebracht, und frisches Brot!
Roberto hegt Plaene, mit dem Team eine Sitzung ueber die Organisationsentwicklung zu machen, die ich moderieren soll. Wir stecken erste Rahmenbedingungen im Gespraech zu dritt ab.
Zum Abendessen gibts die legendaere Tomatensuppe mit Nockerl und danach begleiten mich Maria und Williams in die Stadt.
Zuerst gehe ich mich fuer die Fruechte bedanken und ein bisserl plauschen und erzaehlen von der Kathedrale, die geschlossen ist vor lauter Schnee...
Der Dialekt hier ist hoellisch. Ich kann mir jetzt vorstellen wie es Monika und Jarek geht, wenn wir Mundart reden.
“Es ist ein guter Platz hier!” gratuliere ich. “Ja, bei uns ist Frieden. Da bist du sicher. Du kannst auf der Strasse schlafen, wenn du magst, wenn es nicht regnet.” meint der alte Onkel stolz. “Sperrt ihr eure Tueren also nicht zu in der Nacht?” frage ich augenzwinkernd nach. Alles lacht: “Aber natuerlich!”
Es ist ein Teil des Spiels “Kontakt”. Die Eintrittskarte ist Wertschaetzung. “Ich schaute nicht auf das, was alles unterschiedlich ist zu Europa. Ich schaute mehr auf das, was aehnlich ist.” meinte Roberto, und so mache ich es auch.
Das heisst also nicht kritisieren und besser wissen, sondern bewundern, was mir bewunderswert scheint. Dann kommt irgendwann ein spannender Zeitpunkt: Kann ich schon zeigen, dass ich nicht mehr an die perfekte Aussenfassade glaube? Koennen sie mir schon ein wenig mehr von der Realitaet zutrauen? Koennen wir trotzdem zusammen lachen?
Wie weit oeffnet sich die Tuere? Ein prickelndes Abtasten.
Mit Maria geht sie ein grosses Stueck auf heute Nacht. Wir sitzen noch lange auf der Praca und fuehren eine schoenes Frauengespraech.
Maria hat schon viel verschiedenes in ihrem Leben gemacht, z.B. in der Textilindustrie als Arbeiterin, im Altersheim und im Kinderheim gearbeitet.
Sie ist Mitglied einer Gemeinschaft von Frauen, die nach der Regel des Franziskus leben, aber nicht in einem Kloster, sondern bei ihren Familien oder allein bzw in kleinen Gruppen.
Zu dieser warmen und waermende Nacht faellt mir aus Goethes Maerchen von der gruenen Schlange ein:
Was ist kostbarer als Gold?
Das Licht! sagte die gruene Schlange.
Was ist erquickender als das Licht?
Das Gespraech! Antwortete sie.
Ich habe noch sehr vage Vorstellungen, was ich beitragen kann, aber Roberto meint, er moechte viel ueber die Organisation einer Schule von mir lernen. Vamos ver, wer da mehr profitiert – er oder ich?
Die Fundacao hat im August 2004 begonnen, Foerderstunden fuer die Kinder anzubieten, die in der Schule besondere Schwierigkeiten haben.
Sie betreuen 50 Kinder der ersten vier Schulstufen. Manche besuchten diese allerdings schon mehrmals...
2 Kindergruppen sind vormittags da, 2 nachmittags, entsprechend sind 2 Lehrerinnen angestellt. Maria ist Leiterin und arbeitet im Buero. Sie macht die Elternarbeit und hilft bei den schwierigen Kindern, denn sie hat dafuer eine besonders gute Hand.
Bild: Die Fundacao

2 Frauen sind fuer Reinigung und Kueche da – die Kinder erhalten eine Jause - und Paulo, der Hausmeister, rettet in jeder Not.
Neben der Schule beherbergt die Fundacao auch die Digitalstation, ein Projekt der Banco Brasil, um Informatik den Menschen nahe zu bringen.
Die Schule ist als gemeinnuetzige Stiftung angemeldet. Roberto ist der Praesident des Direktoriums und kuemmert sich hauptsaechlich um die Aussenkontakte.
Taeglich zwischen halb acht und acht kommen Eliane, die als Sekretaerin begonnen hat und dann als Lehrerin eingesprungen ist, und Maria. Heute wird Maria erst spaeter kommen, denn sie macht eine theologische Ausbildung und steckt noch in Floriana, der Universitaetsstadt.
Am Vormittag mache ich mich nuetzlich und schreibe fuer sie Liedertexte ab. Um 10 kommt Roberto. Nach einer Weile beginnen wir ueber die Freuden und Leiden des Leitens zu sprechen und ich erzaehle das Modell der Lebensphasen von Organisationen. Roberto lacht, als er die Schilderung der Pionierphase hoert: “Hoer gut zu Eliane! Sie redet von uns!”
Zu Mittag gehen die beiden nach Hause und ich koche mir was Gutes. Die gewohnte Sesta wird zweimal unterbrochen: Mary bringt Kokosnuesse aus ihrem Garten und die kleine Franziska bringt Karambol-Fruechte (Sternenfruechte). Ich freue mich sehr, aber schmeisse die beiden doch raus, denn mein Mittagsschlaefchen ist heilig. Spaeter werden wir uns auf der “Praca”, dem Kirchplatz, treffen!
Um vier kommen Maria und Williams. Maria hat aus der Stadt ein Moskitonetz fuer mich mitgebracht, und frisches Brot!
Roberto hegt Plaene, mit dem Team eine Sitzung ueber die Organisationsentwicklung zu machen, die ich moderieren soll. Wir stecken erste Rahmenbedingungen im Gespraech zu dritt ab.
Zum Abendessen gibts die legendaere Tomatensuppe mit Nockerl und danach begleiten mich Maria und Williams in die Stadt.
Zuerst gehe ich mich fuer die Fruechte bedanken und ein bisserl plauschen und erzaehlen von der Kathedrale, die geschlossen ist vor lauter Schnee...
Der Dialekt hier ist hoellisch. Ich kann mir jetzt vorstellen wie es Monika und Jarek geht, wenn wir Mundart reden.
“Es ist ein guter Platz hier!” gratuliere ich. “Ja, bei uns ist Frieden. Da bist du sicher. Du kannst auf der Strasse schlafen, wenn du magst, wenn es nicht regnet.” meint der alte Onkel stolz. “Sperrt ihr eure Tueren also nicht zu in der Nacht?” frage ich augenzwinkernd nach. Alles lacht: “Aber natuerlich!”
Es ist ein Teil des Spiels “Kontakt”. Die Eintrittskarte ist Wertschaetzung. “Ich schaute nicht auf das, was alles unterschiedlich ist zu Europa. Ich schaute mehr auf das, was aehnlich ist.” meinte Roberto, und so mache ich es auch.
Das heisst also nicht kritisieren und besser wissen, sondern bewundern, was mir bewunderswert scheint. Dann kommt irgendwann ein spannender Zeitpunkt: Kann ich schon zeigen, dass ich nicht mehr an die perfekte Aussenfassade glaube? Koennen sie mir schon ein wenig mehr von der Realitaet zutrauen? Koennen wir trotzdem zusammen lachen?
Wie weit oeffnet sich die Tuere? Ein prickelndes Abtasten.
Mit Maria geht sie ein grosses Stueck auf heute Nacht. Wir sitzen noch lange auf der Praca und fuehren eine schoenes Frauengespraech.
Maria hat schon viel verschiedenes in ihrem Leben gemacht, z.B. in der Textilindustrie als Arbeiterin, im Altersheim und im Kinderheim gearbeitet.
Sie ist Mitglied einer Gemeinschaft von Frauen, die nach der Regel des Franziskus leben, aber nicht in einem Kloster, sondern bei ihren Familien oder allein bzw in kleinen Gruppen.
Zu dieser warmen und waermende Nacht faellt mir aus Goethes Maerchen von der gruenen Schlange ein:
Was ist kostbarer als Gold?
Das Licht! sagte die gruene Schlange.
Was ist erquickender als das Licht?
Das Gespraech! Antwortete sie.
rosa_r - 16. Feb, 03:06

endlich geschafft....
wie du wahrscheinlich von meinen kollegInnen weisst (ich komm nicht dazu alles zu lesen), sind wir fest am werken mit brückenschlag u. allem anderen.
liebste grüße an dich von elli
neue und alte kommunikation
und wir ,die wir unsere zeit verkaufen ("Manntage") sind eben geizig damit.
freut mich, dass du anteil nimmst und ich wuerde gern auch von deine wuestenerlebnisse viel viel mehr hoeren.
machs gut! r