Mittwoch, 16. November 2005

16.11. Umzugtag?

Soweit ich verstanden habe, werde ich heute fuer die naechsten Wochen in eine andere Gemeinschaft umziehen. Dort gibt es eine grosse Schule der Schwestern, die Gemeinschaft liegt naeher beim Zentrum. Ich kann dort mehr von der Stadt sehen, einkaufen und es gibt auch eine Lehrerin, die mir Stunden geben wird.
Sollte das richtig sein, werde ich heute mit wirklichem Bedauern von hier aufbrechen. Die vier Schwestern habe ich sehr ins Herz geschlossen - Das muss ein Effekt wie der Praegeeffekt bei den Graugaensen sein: Das erste Wesen das sie erblicken, dem haengen sie auf Dauer an.

Gottseidank funktioniert das Mail heute wieder.
Ich musste ueber eine Nachricht von Heidrun herzlich lachen.
Ein Teil bezieht sich aufs Weblog, und ich nehme gern dazu Stellung.
Sie schreibt:
=====
soooo, genug von mir: wie gehts dir? du beschreibst auf deiner homepage zwar
alles was dir passiert, aber: wie fühlst du dich?
ist es komisch, wenn alle ausländisch reden *fg*
wie tut dir die sonne? hast du einen sonnenbrand?
gibt es viele hübsche männer in brasilien?
vermisst du uns? bist du glücklich????????
=====

das laesst sich alles leicht beantworten:
1. ich fuehle mich hier, wie jemand der ausruht. ich habe zeit zum nachdenken, zum beten, zum "verkosten der dinge". ich erlebe diesen ort so, als sei er der erste ort, an dem "schneller" nicht "besser" ist, sondern im gegenteil, anlass, ein wenig belaechelt zu werden.
2. fuer die hier bin ich eine auslaenderin, die ziemlich komisch spricht. heute zum beispiel habe ich was gesagt, und sie haben sich gebogen vor lachen. ich kann leider nicht berichten, wie ich das geschafft habe...
die situation fuehrt dazu, dass ich halt wenig spreche. manchmal fuehle ich mich wie sich wohl alte, schwerhoerige menschen fuehlen: wenn es mir gut geht und ich interessiert bin, strenge ich mich an, zu verstehen. dann schnappe ein paar brocken auf und muss mir einen reim daraus machen. dazwischen erhole ich mich und schalte ab. und wenn ich sie necken will und etwas nicht tun mag, sage ich: "ich habe nicht verstanden...."
3. sonne: habe ja brav eingecremt gestern, aber ziehe wirklich schon ein bisschen farbe an. da ich die meiste zeit des tages im kuehlen haus bin, kann ich es noch gut ertragen. bin aber gespannt, wie das wird, wenn es wirklich heiss wird. fatima zb hat gestern gefroren - im Manaus, wo sie gerade hergekommen ist, hat es 40 grad, bei uns erst 25...
4. huebsche frauen habe ich schon etliche gesehen, huebsche maenner nicht wirklich. obwohl sich jeder hier tiptop kleidet. es mag wohl sein, dass ich auch ein wenig befangen bin, wo ich doch den schoensten aller maenner etwas naeher kenne.
(jetzt bin ich mal gespannt, welchen kommentar es dazu aus wien gibt! ;-) )
5. es tut sich hier so viel neues und angenehmes, dass ich mich sehr verwoehnt und gluecklich fuehle. wie wenn ich nach vielem harten arbeiten zum ersten mal richtig pause machte. sabbatzeit.
manchmal, wenn ich an euch denke, packt ein gefuehl mein herz und drueckt es zusammen, das ist ein schmerz, aber ein suesser. er zeigt wieviel liebe da ist.
ihr seid mir hier sehr nah!Fruehling-in-SP

15.11. Tag der Republik, Feiertag in Brasilien

Ich habe die Schwestern zu einem Ausflug eingeladen und Mariana, die Studentin, sowie unser Gast Fatima sind mit mir in den Tiergarten gefahren.
Die Anreise mit dem Bus ist ziemlich abenteuerlich, wenn man sich nicht gut auskennt, weil die Verbindungen nirgends angeschrieben sind. Entweder man weiss es, oder man fragt (wenn man kann). Auf dem Bild lacht Fatima.
Fatima-im-Bus
Etwa 50% der Tiere im Zoo sind in Brasilien beheimatet, die haben mich natuerlich am meisten interessiert. Die Elefanten und Giraffen haben meine Begleitung begeistert.
Den Schlangen sehe ich immer gerne zu, sie bewegen sich so elegant. Einfach unglaublich ist der Ueberschwang der Farben und Formen der Voegel hier. Von den Waldtieren hat mich besonders der Ameisenbaer beeindruckt, den ich zum ersten Mal gesehen habe und der mit ueber zwei Metern Laenge viel groesser ist, als ich angenommen hatte.
Krokos-und-Schildkroeten

Um halb drei waren wir wieder zurueck und haben noch was Warmes vom Mittagessen bekommen. Danach waren wir aber wirklich muede, denn es war heute heiss bis schwuel. Ich bin um halb fuenf von der Siesta aufgewacht, als ein kurzes Gewitter die Luft wieder erfrischt hat.

Maria Elena, die letzte Provinzoberin von Brasilien, die zur Zeit in Rom als Generalraetin eingesetzt ist, hat am Abend angerufen. Es ist so aufmerksam von ihr, dass sie sich immer wieder erkundigt, ob alles in Ordnung ist: Wann ich die ersten Sprachlektionen bekomme etc.
Sie hat ziemlich Sehnsucht nach der Heimat. "Saudade!"

Im Rueckblick auf den heutigen Tag geht mir am meisten die Fahrt mit dem Bus nach. Aus mehreren Gruenden: São Paolo liegt in einem huegeligen Gebiet, man kommt also immer wieder an Punkte, von denen man eine gute Aussicht hat. Weiters sind wir lange durch eine Gegend gefahren, die wie die Zone des Uebergangs wirkt: Vom Slum, wo niemand arbeiten kann, zur Stadt mit ihren Wohn- und Arbeitsorten.
Die Haeuser sind einstoeckig, Wand an Wand aneinandergepickt, 4 bis 6 meter breit, ca 6 meter hoch. In der Regel sind sie hell oder geschmackvoll farbig verputzt, mit flachem Dach.
Im Parterre befindet sich eine Werkstatt, ein Geschaeft, ein Friseursalon etc., oben die Wohnung. Die Rollaeden vor den Geschaeften nehmen die ganze Breite des Hauses ein. Vom Boden bis zum Dach ist jedes Haus mit Graffitis beschrieben - beschmiert - bemalt, unterschiedlich.
Es hat mich an die Hoehlen in Spanien erinnert: Ganz nahe beieinander haben die Menschen sich ein Dach ueber dem Kopf geschaffen und trotzen dort der Natur - hier der urbanen Zivilisation eine Existenzgrundlage ab.

14.11. lernen lernen

Heute habe ich mit einer anderen Methode portugiesisch gelernt:
Nur die Lern-CD hoeren und zu verstehen versuchen. Ich scheitere naemlich daran, dass ich vom Lautbild nicht auf das Wortbild schliessen kann. Das ganze Vokabellernen nuetzt daher nicht viel, weil ich die Worte beim Hoeren nicht wieder erkenne. Und die Schwestern sind noch nicht so modern, Untertext mitlaufen zu lassen, damit ich mitlesen koennte wie im Buch. ;-)

Am Weg von der Messe nach Hause ist uns wahrscheinlich ein Kolibri begegnet. Der "Bela flor" ist etwa 7cm gross und dunkel, aber sein Gefieder schillert in Gruen- und Blautoenen. Ein bluehender Strauch vor einem Haus hat ihn angelockt und er blieb in der Luft vor der Bluete stehen und trank. Ein nettes Bild!

Am Vormittag war der Himmel strahlend und ich habe ich mich hinters Haus in die Sonne gesetzt zum Lernen. Nach 45 Minuten war es dann doch zu warm und ich bin wieder ins kuehle Haus umgezogen. Irgendwie habe ich mich schon daran gewoehnt, dass es jetzt Sommer wird, nicht Winter. Sorry, wenn das jetzt gemein war... ;-)

Meinen ersten eigenstaendigen Einkauf habe ich geschafft: Ein neues Ladegeraet fuer die Akkus, die ich mithabe. Leider konnte ich das Zauberding von Peter, das die Akkus mit Sonnenlicht auflaedt, nicht zum Funktionieren bringen.

Clotilde hat sich weiter nach einer Jacke fuer mich umgeschaut und mir heute eine nette Boutique gezeigt. Fast haette ich ein Shirt fuer Heidrun gekauft, war mir aber zu unsicher, was sie gerade traegt. Ich glaube es waere ihr "mais doce" - zu suess gewesen.
Aber wenigstens habe ich jetzt eine nette beige Strickjacke, die ich bei allen Anlaessen tragen kann, bei denen ich in der regendichten Wanderjacke nicht wirklich gut adjustiert waere. Und zwar um etwa 20 Euro.

Nach der Siesta habe ich endlich wieder einmal mit Genuss ein Buch ruckzuck durchgelesen: "Monsieur Ibrahim". Es ist ein Geschenk aus dem Notfallkorb der Kollegen aus Lainz und lehrt mich faulenzen!
Die Batterien sind inzwischen wieder geladen und ich habe die Schwestern fotografieren koennen. Dass die Digi-Fotos sofort zu sehen sind, war eine Gaude fuer uns alle.

Katia ist heute fuer 10 Tage in Urlaub gefahren zu ihrer Familie.
In diesem Haus ist staendig Besuch. Schwestern, Freunde, Familienangehoerige, die in der Naehe sind, kommen zumindest kurz vorbei. Heute uebernachtet eine junge Schwester aus dem Amazonas-Tiefland hier. Fatima ist eine beeindruckende, junge Frau, voll Klarheit und Lebensfreude. Ich leide schon, dass ich so wenig verstehe, wenn sie erzaehlt. Es bleibt mir nur, die Person als ganze zu beobachten und die angenehme Sprachmelodie zu geniessen.

Noch ein Highlight des Tages: Letizia hat Striezl gebacken! Mit Rosinen! Was sagt man dazu!?
Bild: Letizia in ihrem Reich
Letizia-Kuechenfee

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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