Freitag, 18. November 2005

18.11. Erster Sozialeinsatz

Als regelmaessige/r Besucher/in gibts heute Ueberraschung fuer dich: In den Kapiteln "Tagebuch" und "Auspacken" sind die Fotos, die bereits auf CD sind. Das neue Standbild zeigt den Ausblick von der Anhoehe des Jesuitenkollegs im Stadtzentrum. Wenn ich erst einen Datenstick habe, gibts mit etwas Glueck die Bilder taeglich direkt von der Kamera.

So langsam nimmt die Zeit des Ausruhens ein Ende. Gar nicht schlecht.
Mit Wassergymnastik zB, heute Frueh von 7 - 8!
In der Schule gibts ein grosses Schwimmbad. Taeglich haben Nachbarn, Eltern der Schulkinder, LehrerInnen die Moeglichkeit Gymnastik zu machen und manchmal auch noch laenger zu schwimmen. Der Mister Vorturner ist ein Ungustl: Einmal obermilitaerisch, dass einem das Grausen kommen koennte, dann zuckersuesser Macho - *klimperklimper mit den Augen*. Er setzt alle Methoden der schwarzen Paedagogik ein: Einzelne herauspicken, laecherlich machen, drohen, andere hervorheben. Er hat 40 gstandene Damen mit Durchschnittsalter 55 und schwarzen Badeanzuegen vor sich - bestenfalls war das sein Versuch einer Show. Allerdings, ohne dass er bemerkt, dass er damit nicht ankommt. Wie der mit Kindern umgeht, wuerde mich interessieren.
Ich finde seine Uebungen einfallslos. Nach dreissig Minuten mehr oder weniger das gleiche machen, wechsle ich eben mit eigenen Uebungen ab. Bin ja nicht im Lager hier. Natuerlich muss er dann zum Schluss mich aussuchen, um die Nackenmassage vorzuzeigen.
Zuerst einmal kneisst er rasch, dass ich mich nicht festhalten lasse. (Das kann jeder Selbstverteidigungsanfaenger nach der ersten Stunde.) Ich lenke dann aber ein und lasse ihn kurz demonstrieren. Nach 30 Sekunden drehe ich mich mit Aikido-Ausruf so blitzartig um, dass er zurueckgespickt. Lautes Lachen rundherum. Alle haben es ihm gegoennt. "Österreichische Frauen sind sehr gefaehrlich.", habe ich gesagt, und mich sauwohl dabei gefuehlt. Was waeren die grossen Erfolge ohne die kleinen? ;-)

Candida ist eine der Seniorinnen hier. Sie geht jeden Tag in das Zentrum St. Martin de Lima. Es ist so was aehnliches wie die Gruft in Wien: Obdachlose kommen, sie koennen sich waschen, es gibt zu Mittag was Warmes zu essen. Es ist mehr oder weniger ein grosser Garagenraum aus Beton zwischen einigen Hauptverkehrstrassen. Aber der Stil ist sehr angenehm: An der Wand ist ein Bild, wie ein junger schwarzer Priester einem alten Weissen mit zerrissener Kleidung die Hand reicht. Das Zentrum nennt sich: Raum des Respekts und des Dialogs.
Die Speisekarte ist mit farbiger Kreide geschrieben und sieht appetittlich aus: Reis, schwarze Bohnen, Wurst (trotz Freitag), spezielles geroestetes Mehl, das lecker schmeckt und an dessen Namen ich mich nicht mehr erinnern kann, Pudding als Dessert. Taeglich gibts ein Programm. Heute hatten sie aber was Spezielles: Eine afrikanische "Zelebration des Glaubens". Das ist ein unuebersetzbares Ineinander von Lebensfreude, Trommeln und Tanz, Lesung aus der Bibel, Bezug auf die alten afrikanischen Schutzgoetter. Als "Vorgruppe" haben Schueler einige Kampftaenze vorgefuehrt. Die Stimmung war gut.
Die afrikanischen Menschen sind wahrscheinlich die schoensten Menschen auf der Welt.

Ich helfe beim Essen austeilen. Danach draenge ich mich natuerlich zum Abwaschen auf. Wie immer. Kenner wissen, dass ich diesbezueglich Maschinenstuermerin bin.
Die anderen Helfer und Helferinnen kommen herzlich auf mich zu. Wer immer einen Vorfahren hat, der deutschsprachig war, wird zu mir geschickt oder kommt von selber. Eine Italienerin waescht mit mir ab. Sie will zwei Monate als Volontaerin hier mitarbeiten. Sie ist den ersten Tag in Brasilien, vorher hat sie eine technisch orientierte Fachausbildung gemacht und anschliessend in einer Pizzeria gearbeitet.
Sie weckt ein Gefuehl in mir: Die Unbeschwertheit, jung zu sein und zu spueren, dass da noch so viel unentdecktes Land vor einem liegt.

Sicher werde ich oefter mit Candida zum Zentrum fahren. Aber zweimal taeglich portugiesisch lernen, das muss noch drin sein!

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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