19.11. Hannes Geburtstag
Vielleicht weil Bruederchen heute Geburtstag hat, muss ich mal ueber Autos schreiben. Da, wie man weiss, meine diesbezuegliche Expertise hauptsaechlich darin besteht, die Farben voneinander unterscheiden zu koennen, ist das schon ein Liebeszeichen!
Hier ein paar Geburtstagsblumen fuer den fleissigen Haeuselbauer:

Zurueck zu den Autos: Es gibt viele, sehr viele. Gestern sind sie vierspurig in der einen und vierspurig in der anderen Richtung gestanden - weil Wochenende.
Die meisten sind Europaer: Fiat, VW, Renault, Peugout, Ford, ein paar Mercedes. Ein paar Chevis, meistens alte, habe ich gesehen. Einen Dodge - wo gehoert der hin? Und einen Landrover. Japaner sind mir noch keine aufgefallen. Es gibt so viele Werkstaetten hier, dass ich annehme, ein Auto zu haben, muss Kult sein.
In der Naehe ist ein grosser Fiat-Laden. Die Autos wohnen dort sehr nobel im Verhaeltnis zu dem wie die MitarbeiterInnen und wahrscheinlich auch KundInnen wohnen. Es gibt dort keine Gebrauchtwagen wie bei uns, sondern nur "semi-novos". Ist doch nett!
Bild: Der Verkehr! Ein haeufiger Ausruf in Sao Paulo: Transito!

Und weil heute ausser einem kleinen Spaziergang mit Candida nicht viel los war, werde ich etwas von der spirituellen Seite der Sabbatzeit berichten.
Mein Ausgangspunkt dabei:
Der Glaube, so sagt ein englischer Philosoph, ist ein Radikalexperiment.
Als Vater des Pragmatismus beurteilt er Ideen nicht mit den Kategorien "richtig" oder "falsch", sondern danach, wie sie sich auswirken. Und die Auswirkung erkennt man einerseits durch Beobachten, andererseits aber - typisch fuer den angelsaechsischen Denker - durch Erfahrung. Das Experiment ist im Fall des Glaubens allerdings "ein radikaler Akt".
Aehnlich pragmatisch ist uebrigens ein Spruch, den ich als junge Frau in Salzburg an einer Haeuserwand gelesen und nie vergessen habe: "Glaube befreit oder er taugt nicht".
Viel habe ich auch in den Begegnungen mit Ordensleuten gelernt , so zB, dass der Glaube ein Geschenk ist und man ihn also nicht erzwingen kann. Ich bin heute sehr dankbar, dass ich in dieser Art glaeubig sein darf. War nicht immer so.
Ich kann mich gut an die Zeit erinnern, als ich mir den Boden unter den Fuessen wegrationalisiert habe. Eigentlich hat mich ein Text von Dorothee Soelle zur Umkehr gebracht. Sie zitiert dort Brecht und dieser Brecht-Satz hat gewirkt: "Die Wahrheit ist konkret".
Was du konkret lebst, ist deine Wahrheit. Das ist das, worauf du dich verlaesst, (an) was du glaubst. Wie weit dieser persoenliche Glaube konfessionell gepraegt ist, ist eine andere Sache. Noch einmal etwas anderes ist, ob und wie weit man sich dieser Praegung bewusst ist, was man von dieser Praegung versteht und nachvollziehen kann, was man akzeptiert oder ablehnt; was vom dem, was wirklich traegt, man mitteilen und was mit anderen teilen kann.
Ich jedenfalls will die Sabbatzeit nuetzen, um meine eigenen Glaubensgrundlagen ein wenig besser zu verstehen. Denn so wie beim Aikido und beim Kind erziehen, habe ich bisher kaum Buecher darueber gelesen, sondern versucht Erfahrungen zu sammeln, Vorbilder zu finden und zu ueben.
Es gibt also einen intellektuellen Nachholbedarf.
Buchtipp fuer Einsteiger (lese ich gerade): Andrea Schwarz: Die Bibel verstehen in 25 Schritten. Ein Durchblick-Buch fuer Neugierige.
Einfach und amuesant geschrieben, dabei nicht unkritisch, enthaelt viel grundlegende Information in sinnvollen Portionen. Fuer Einsteiger eben.
Am Abreisetag habe ich eine Reisebibel erstanden. (Hab ich von den Profis abgeschaut.)
Dieses praktische Ding ist etwas groesser als eine Postkarte, allerdings etwa 4 cm dick. Sie steckt in einem eleganten schwarzen Etui mit Reissverschluss.
Peter hat sie ins Etui gegeben und sie dabei zum ersten Mal aufgeschlagen.
"Wenn du schon hinein schaust, dann musst du auch vorlesen", meinte ich. Es war das Hohelied der Liebe von Salomo.
Nun, von dort aus lese ich jetzt jeden Tag ein Stueckchen weiter.
Salomo schreibt viel ueber Weisheit, und ueber den Unterschied von gelingendem und gescheitertem Leben. Interessant, das mit der Realitaet in Brasilien in Zusammenhang zu bringen, wo 10 Millionen Menschen ohne Dach ueber dem Kopf leben. Diese Art des Bibellesens ist Nachdenkstoff und Lebensorientierung.
Aehnlich lesen die Schwestern hier waehrend der Messe nicht nur aus dem Alten und Neuen Testament vor, sondern diskutieren die Bibelstellen. Was bedeutet das fuer uns heute? Manchmal soll es dabei heiss hergehen. Das allerdings weiss ich aus zweiter Hand.
Man feiert in dieser Gemeinschaft, wie ich mir eine lateinamerikanische Messe vorstelle: In einem staendigen Wechsel von dem Ritus, der mir vertraut ist, und freiem Gespraech. Der Priester kommt aus dem Norden Brasiliens, ist jung und studiert Jus in Sao Paulo. Er hat mich gleich bei der ersten Begegnung in der Messe:
- beim Namen genannt
- berueht
- in meiner eigenen Sprache zu Wort kommen lassen.
Ich fuehlte mich natuerlich willkommen, akzeptiert, persoenlich gemeint. Ein lebensfoerderlicher Zustand.
Die Reisebibel dient mir aber nicht nur als Stoff zum Nachdenken. In der Frueh beginne ich den Tag mit einen Psalm. Diese mehrere tausend Jahre alten Texte sind so direkt wie..., wie Rapper-Texte! OK, nicht ordinaer, aber leidenschaftlich: Brutal, schoen, richten auf, verwirren, manchmal alles in einem. Sie sind ja Lieder, eigentlich nicht zum Lesen geeignet. Man muss sie irgendwie anders in sich aufnehmen, auf der Zunge zergehen lassen, kosten. Sehr abwechslungsreiche, oft schwer verdauliche und eigentlich gar nicht suesse Seelennahrung.
Trotzdem habe ich eine Kostprobe voll Poesie ausgesucht:
Die Himmel ruehmen die Herrlichkeit Gottes,
vom Werk seiner Haende kuendigt das Firmament.
Ein Tag sagt es dem andern,
eine Nacht tut es der andern kund,
ohne Worte und ohne Reden,
unhoerbar bleibt ihre Stimme.
Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus,
ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.
Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut.
Sie tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Braeutigam,
sie frohlockt wie ein Held
und laeuft ihre Bahn. (Aus Psalm 19, von David)
Hier ein paar Geburtstagsblumen fuer den fleissigen Haeuselbauer:

Zurueck zu den Autos: Es gibt viele, sehr viele. Gestern sind sie vierspurig in der einen und vierspurig in der anderen Richtung gestanden - weil Wochenende.
Die meisten sind Europaer: Fiat, VW, Renault, Peugout, Ford, ein paar Mercedes. Ein paar Chevis, meistens alte, habe ich gesehen. Einen Dodge - wo gehoert der hin? Und einen Landrover. Japaner sind mir noch keine aufgefallen. Es gibt so viele Werkstaetten hier, dass ich annehme, ein Auto zu haben, muss Kult sein.
In der Naehe ist ein grosser Fiat-Laden. Die Autos wohnen dort sehr nobel im Verhaeltnis zu dem wie die MitarbeiterInnen und wahrscheinlich auch KundInnen wohnen. Es gibt dort keine Gebrauchtwagen wie bei uns, sondern nur "semi-novos". Ist doch nett!
Bild: Der Verkehr! Ein haeufiger Ausruf in Sao Paulo: Transito!

Und weil heute ausser einem kleinen Spaziergang mit Candida nicht viel los war, werde ich etwas von der spirituellen Seite der Sabbatzeit berichten.
Mein Ausgangspunkt dabei:
Der Glaube, so sagt ein englischer Philosoph, ist ein Radikalexperiment.
Als Vater des Pragmatismus beurteilt er Ideen nicht mit den Kategorien "richtig" oder "falsch", sondern danach, wie sie sich auswirken. Und die Auswirkung erkennt man einerseits durch Beobachten, andererseits aber - typisch fuer den angelsaechsischen Denker - durch Erfahrung. Das Experiment ist im Fall des Glaubens allerdings "ein radikaler Akt".
Aehnlich pragmatisch ist uebrigens ein Spruch, den ich als junge Frau in Salzburg an einer Haeuserwand gelesen und nie vergessen habe: "Glaube befreit oder er taugt nicht".
Viel habe ich auch in den Begegnungen mit Ordensleuten gelernt , so zB, dass der Glaube ein Geschenk ist und man ihn also nicht erzwingen kann. Ich bin heute sehr dankbar, dass ich in dieser Art glaeubig sein darf. War nicht immer so.
Ich kann mich gut an die Zeit erinnern, als ich mir den Boden unter den Fuessen wegrationalisiert habe. Eigentlich hat mich ein Text von Dorothee Soelle zur Umkehr gebracht. Sie zitiert dort Brecht und dieser Brecht-Satz hat gewirkt: "Die Wahrheit ist konkret".
Was du konkret lebst, ist deine Wahrheit. Das ist das, worauf du dich verlaesst, (an) was du glaubst. Wie weit dieser persoenliche Glaube konfessionell gepraegt ist, ist eine andere Sache. Noch einmal etwas anderes ist, ob und wie weit man sich dieser Praegung bewusst ist, was man von dieser Praegung versteht und nachvollziehen kann, was man akzeptiert oder ablehnt; was vom dem, was wirklich traegt, man mitteilen und was mit anderen teilen kann.
Ich jedenfalls will die Sabbatzeit nuetzen, um meine eigenen Glaubensgrundlagen ein wenig besser zu verstehen. Denn so wie beim Aikido und beim Kind erziehen, habe ich bisher kaum Buecher darueber gelesen, sondern versucht Erfahrungen zu sammeln, Vorbilder zu finden und zu ueben.
Es gibt also einen intellektuellen Nachholbedarf.
Buchtipp fuer Einsteiger (lese ich gerade): Andrea Schwarz: Die Bibel verstehen in 25 Schritten. Ein Durchblick-Buch fuer Neugierige.
Einfach und amuesant geschrieben, dabei nicht unkritisch, enthaelt viel grundlegende Information in sinnvollen Portionen. Fuer Einsteiger eben.
Am Abreisetag habe ich eine Reisebibel erstanden. (Hab ich von den Profis abgeschaut.)
Dieses praktische Ding ist etwas groesser als eine Postkarte, allerdings etwa 4 cm dick. Sie steckt in einem eleganten schwarzen Etui mit Reissverschluss.
Peter hat sie ins Etui gegeben und sie dabei zum ersten Mal aufgeschlagen.
"Wenn du schon hinein schaust, dann musst du auch vorlesen", meinte ich. Es war das Hohelied der Liebe von Salomo.
Nun, von dort aus lese ich jetzt jeden Tag ein Stueckchen weiter.
Salomo schreibt viel ueber Weisheit, und ueber den Unterschied von gelingendem und gescheitertem Leben. Interessant, das mit der Realitaet in Brasilien in Zusammenhang zu bringen, wo 10 Millionen Menschen ohne Dach ueber dem Kopf leben. Diese Art des Bibellesens ist Nachdenkstoff und Lebensorientierung.
Aehnlich lesen die Schwestern hier waehrend der Messe nicht nur aus dem Alten und Neuen Testament vor, sondern diskutieren die Bibelstellen. Was bedeutet das fuer uns heute? Manchmal soll es dabei heiss hergehen. Das allerdings weiss ich aus zweiter Hand.
Man feiert in dieser Gemeinschaft, wie ich mir eine lateinamerikanische Messe vorstelle: In einem staendigen Wechsel von dem Ritus, der mir vertraut ist, und freiem Gespraech. Der Priester kommt aus dem Norden Brasiliens, ist jung und studiert Jus in Sao Paulo. Er hat mich gleich bei der ersten Begegnung in der Messe:
- beim Namen genannt
- berueht
- in meiner eigenen Sprache zu Wort kommen lassen.
Ich fuehlte mich natuerlich willkommen, akzeptiert, persoenlich gemeint. Ein lebensfoerderlicher Zustand.
Die Reisebibel dient mir aber nicht nur als Stoff zum Nachdenken. In der Frueh beginne ich den Tag mit einen Psalm. Diese mehrere tausend Jahre alten Texte sind so direkt wie..., wie Rapper-Texte! OK, nicht ordinaer, aber leidenschaftlich: Brutal, schoen, richten auf, verwirren, manchmal alles in einem. Sie sind ja Lieder, eigentlich nicht zum Lesen geeignet. Man muss sie irgendwie anders in sich aufnehmen, auf der Zunge zergehen lassen, kosten. Sehr abwechslungsreiche, oft schwer verdauliche und eigentlich gar nicht suesse Seelennahrung.
Trotzdem habe ich eine Kostprobe voll Poesie ausgesucht:
Die Himmel ruehmen die Herrlichkeit Gottes,
vom Werk seiner Haende kuendigt das Firmament.
Ein Tag sagt es dem andern,
eine Nacht tut es der andern kund,
ohne Worte und ohne Reden,
unhoerbar bleibt ihre Stimme.
Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus,
ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.
Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut.
Sie tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Braeutigam,
sie frohlockt wie ein Held
und laeuft ihre Bahn. (Aus Psalm 19, von David)
rosa_r - 19. Nov, 14:59
