21.11. Don Quichote
"Traeume nicht dein Leben, lebe deinen Traum."
Kein neuer Spruch. Gestern habe ich ihn wieder entdeckt in der Auffuehrung von Don Quichote, zu der Gaetana ihre Mitschwestern und mich eingeladen hat.
An etwa vier Abenden in der Woche werden im Theater Auffuehrungen von Kuenstlergruppen gegeben: Theater, Tanz, Ballet... Gestern spielte eine neue Gruppe: 9 professionelle SchauspielerInnen, junge und aeltere Personen, Frauen und Maenner. Buehnenbild, Requisiten und Kostueme koennten hier nichts ueber-spielen, (ein interessantes Wort in dem Zusammenhang, merke ich gerade), die Kuenstler muessen selber arbeiten und wirken.
Und es ist ihnen gelungen, Heidrun, ich glaube das haette dir gefallen. Es war sozusagen noch echtes Theater, das von der Praesenz der Schauspieler bzw. der Kreativitaet und Perfektion des ganzen Teams lebt.
Und natuerlich vom Stueck. Was fuer ein Stueck! Ich muss es in der Schulzeit gelesen haben. Die Erinnerung war eine unangenehme Mischung von Befremden und Mitleid mit dem alten Verrueckten. Diesmal aber war es voellig anders!
Ich stelle mir den Kontext vor: Eine Zeit des Absolutismus, der Zensur, harte Lebensbedingenen, ungleiche Lebenschancen.
Wer hier der Mitmenschlichkeit und der Liebe "dienen" will , wer Unrecht bekaempfen will, muss wohl ein Spinner sein. Die erste Reaktion der wohlmeinenden Autoritaeten: Das Uebel muss an der Wurzel gepackt werden - Die Buecher werden vernichtet! Wie raffiniert Cervantes damit den "Segen" der Zensur kritisiert!
Was bewirkt der Verrueckte? Zunaechst einmal, dass andere in seine Traeume einsteigen, natuerlich mit unterschiedlichen Motiven: Manche aus Eigennutz, andere wollen ein wenig Anteil an seinen Versprechungen haben, wieder andere moechten Don Quichote "heilen"... Jedenfalls widerspricht ihm niemand direkt, jeder spielt irgendwie mit.
Wie lebt der Weltverbesserer? Staendig im Kampf mit dem Boesen, auf der Suche nach Herausforderungen und nach der wahren Liebe, und so findet er auch alles was er sucht. Das Becken des Barbiers wird zum Helm und er eine "traurige Gestalt", meint Sancho Panza. Ja, so sieht er sich erkannt: Der Ritter von der traurigen Gestalt!
Wie endet so ein Spinner?
Er hat jemanden gefunden, der sich von ihm hat beruehren lassen. Seine Idee lebt weiter. Und er findet seine Erfuellung im Traum.
Ich musste weinen, ob dieses Versprechens.
Damir, du kennst die Geschichte sicher aus Spanien. Hast du sie einmal gelesen? Auf spanisch? Was meinst du dazu?
Tja, ueber die Schauspieler kann ich nicht viel sagen, ich bin voellig verzaubert worden, von ihnen. Keine kritische Distanz, "nur" Seelennahrung.
Ein Paar, das gehoert hat wie Schwester Regine mich jemandem vorstellte, ist gleich hergekommen und hat mich auf deutsch begruesst. Sie haben acht Jahre in Norddeuschland gelebt: Sie eine europaeisch wirkende Frau, er asiatischer Abstammung. Sie kennen einen der Schauspieler gut, er sei Amerikaner und hat dort gutes Geld verdient, ist aber jetzt zum Theater "uebergelaufen". Ob ich mitkommen mag zum gemeinsamen Abend? In zwei Wochen werde ich wahrscheinlich Ja sagen, dann bin ich mir in der Sprache sicherer. Jetzt aber habe ich die schoene Geste dankend abgelehnt.
Statt dessen konnte ich noch ein wenig mit Gaetana und Terezinha ueber das Stueck philosophieren und diesen Tag voller Theater-Genuss mit der obligaten Portugiesisch-Stunde abschliessen.
Heute war wieder "Hydro" = Wassergymnastik um 7 Uhr. Diesmal waren die Uebungen deutlich abwechslungsreicher und unser Vorturner hat sich "normaler"aufgefuehrt. Die Bewegung tut einfach gut, baut nicht nur Muskeln, sondern auch eine gute Stimmung auf. Zu wenig Bewegung deprimiert mich.
Dann ist am Montag auch Putz- und Waschtag. Ich habe - so ein Kunststueck! - die Waschmaschine zum Laufen gebracht. Inazia hat gestaunt. Sie verwendet sie nicht - das Ding ist ihr zu grob fuer ihre Waesche und ausserdem gefaehrlich! Meint sie.
Der Uebergang vom Gast- zum Mitbewohnerstatus scheint hiermit vollzogen zu sein, denn ich darf mein Zimmer selber putzen.
Bild: In der Schule habe ich diese Plakat gesehen: Brasilien, das Land das wir lieben und auf das wir achten muessen

Am Vormittag gabs wieder zwei Stunden mit Célia, meiner Lehrerin. Als Hausuebung soll ich ein Kochrezept auf portugiesisch schreiben. Da wird Mama aber lachen, wenn sie sich erinnert, wie ich das Kuchenrezept in der Hauptschule geschrieben habe. Ich hatte ja keine Ahnung und hab brav auf Rechtschreiben und Grammatik geachtet - sie aber hat nur den Kopf geschuettelt und musste mit den armen Lebensmitteln mitleiden, die ich da "literarisch wertvoll" verpantscht habe. :-)
Noch ein Sprachstolperer aus der letzten Stunde: Wir sprechen englisch und portugiesisch miteinander. "Etwas gewoehnt sein" ist auf englisch: I am used to it.
Ich will sagen: "Das bin ich schon gewoehnt." und versuche also: "Usado".
Tja, das Wort gibts schon, bedeutet aber "Ich bin gebraucht". Semi-novo, sozusagen. :-) (siehe 19.11.)
Kein neuer Spruch. Gestern habe ich ihn wieder entdeckt in der Auffuehrung von Don Quichote, zu der Gaetana ihre Mitschwestern und mich eingeladen hat.
An etwa vier Abenden in der Woche werden im Theater Auffuehrungen von Kuenstlergruppen gegeben: Theater, Tanz, Ballet... Gestern spielte eine neue Gruppe: 9 professionelle SchauspielerInnen, junge und aeltere Personen, Frauen und Maenner. Buehnenbild, Requisiten und Kostueme koennten hier nichts ueber-spielen, (ein interessantes Wort in dem Zusammenhang, merke ich gerade), die Kuenstler muessen selber arbeiten und wirken.
Und es ist ihnen gelungen, Heidrun, ich glaube das haette dir gefallen. Es war sozusagen noch echtes Theater, das von der Praesenz der Schauspieler bzw. der Kreativitaet und Perfektion des ganzen Teams lebt.
Und natuerlich vom Stueck. Was fuer ein Stueck! Ich muss es in der Schulzeit gelesen haben. Die Erinnerung war eine unangenehme Mischung von Befremden und Mitleid mit dem alten Verrueckten. Diesmal aber war es voellig anders!
Ich stelle mir den Kontext vor: Eine Zeit des Absolutismus, der Zensur, harte Lebensbedingenen, ungleiche Lebenschancen.
Wer hier der Mitmenschlichkeit und der Liebe "dienen" will , wer Unrecht bekaempfen will, muss wohl ein Spinner sein. Die erste Reaktion der wohlmeinenden Autoritaeten: Das Uebel muss an der Wurzel gepackt werden - Die Buecher werden vernichtet! Wie raffiniert Cervantes damit den "Segen" der Zensur kritisiert!
Was bewirkt der Verrueckte? Zunaechst einmal, dass andere in seine Traeume einsteigen, natuerlich mit unterschiedlichen Motiven: Manche aus Eigennutz, andere wollen ein wenig Anteil an seinen Versprechungen haben, wieder andere moechten Don Quichote "heilen"... Jedenfalls widerspricht ihm niemand direkt, jeder spielt irgendwie mit.
Wie lebt der Weltverbesserer? Staendig im Kampf mit dem Boesen, auf der Suche nach Herausforderungen und nach der wahren Liebe, und so findet er auch alles was er sucht. Das Becken des Barbiers wird zum Helm und er eine "traurige Gestalt", meint Sancho Panza. Ja, so sieht er sich erkannt: Der Ritter von der traurigen Gestalt!
Wie endet so ein Spinner?
Er hat jemanden gefunden, der sich von ihm hat beruehren lassen. Seine Idee lebt weiter. Und er findet seine Erfuellung im Traum.
Ich musste weinen, ob dieses Versprechens.
Damir, du kennst die Geschichte sicher aus Spanien. Hast du sie einmal gelesen? Auf spanisch? Was meinst du dazu?
Tja, ueber die Schauspieler kann ich nicht viel sagen, ich bin voellig verzaubert worden, von ihnen. Keine kritische Distanz, "nur" Seelennahrung.
Ein Paar, das gehoert hat wie Schwester Regine mich jemandem vorstellte, ist gleich hergekommen und hat mich auf deutsch begruesst. Sie haben acht Jahre in Norddeuschland gelebt: Sie eine europaeisch wirkende Frau, er asiatischer Abstammung. Sie kennen einen der Schauspieler gut, er sei Amerikaner und hat dort gutes Geld verdient, ist aber jetzt zum Theater "uebergelaufen". Ob ich mitkommen mag zum gemeinsamen Abend? In zwei Wochen werde ich wahrscheinlich Ja sagen, dann bin ich mir in der Sprache sicherer. Jetzt aber habe ich die schoene Geste dankend abgelehnt.
Statt dessen konnte ich noch ein wenig mit Gaetana und Terezinha ueber das Stueck philosophieren und diesen Tag voller Theater-Genuss mit der obligaten Portugiesisch-Stunde abschliessen.
Heute war wieder "Hydro" = Wassergymnastik um 7 Uhr. Diesmal waren die Uebungen deutlich abwechslungsreicher und unser Vorturner hat sich "normaler"aufgefuehrt. Die Bewegung tut einfach gut, baut nicht nur Muskeln, sondern auch eine gute Stimmung auf. Zu wenig Bewegung deprimiert mich.
Dann ist am Montag auch Putz- und Waschtag. Ich habe - so ein Kunststueck! - die Waschmaschine zum Laufen gebracht. Inazia hat gestaunt. Sie verwendet sie nicht - das Ding ist ihr zu grob fuer ihre Waesche und ausserdem gefaehrlich! Meint sie.
Der Uebergang vom Gast- zum Mitbewohnerstatus scheint hiermit vollzogen zu sein, denn ich darf mein Zimmer selber putzen.
Bild: In der Schule habe ich diese Plakat gesehen: Brasilien, das Land das wir lieben und auf das wir achten muessen

Am Vormittag gabs wieder zwei Stunden mit Célia, meiner Lehrerin. Als Hausuebung soll ich ein Kochrezept auf portugiesisch schreiben. Da wird Mama aber lachen, wenn sie sich erinnert, wie ich das Kuchenrezept in der Hauptschule geschrieben habe. Ich hatte ja keine Ahnung und hab brav auf Rechtschreiben und Grammatik geachtet - sie aber hat nur den Kopf geschuettelt und musste mit den armen Lebensmitteln mitleiden, die ich da "literarisch wertvoll" verpantscht habe. :-)
Noch ein Sprachstolperer aus der letzten Stunde: Wir sprechen englisch und portugiesisch miteinander. "Etwas gewoehnt sein" ist auf englisch: I am used to it.
Ich will sagen: "Das bin ich schon gewoehnt." und versuche also: "Usado".
Tja, das Wort gibts schon, bedeutet aber "Ich bin gebraucht". Semi-novo, sozusagen. :-) (siehe 19.11.)
rosa_r - 21. Nov, 20:50
