6.12. Nikolaus und Eindruecke
Der grosse Patron Russlands, der orthodoxen Kirche, der Schueler und Lehrer, der Seefahrer (Reisenden) und der Haendler ist ein Mann des Volkes und einer meiner Lieblingsheiligen. Nicht nur weil die Wolfurter Kirche ihm geweiht ist.
Viele Legenden berichten, wie er Armen und "Outlaws" hilft. Eine, die ich besonders mag, und die auch ganz kurz ist, hat heute Platz:
Gemeinsam mit zwei anderen Heiligen hat sich Nikolaus Urlaub vom Himmel erbeten. Sie wollen die Erde besuchen, und das ist auch genehmigt worden. Wie die drei nun ankommen, gehen sie unterschiedlicher Wege, um ein wenig zu erkunden, wie es auf der Welt so zugeht.
Der erste stoesst bald auf auf einen Bauern, der mit seinem Fuhrwerk in den Graben gerutscht ist und im Schneematsch verzweifelt versucht, es wieder auf die Strasse zu bringen.
Der grosse Heilige entschuldigt sich, dass er jetzt nicht helfen kann, schliesslich hat er die himmlischen Gewaender an und ist damit nicht gut geruestet fuer so eine Arbeit ...und geht rasch weiter.
Der zweite trifft bald ebenfalls auf den Bauern, und unter Hinweis auf seine wichtige Mission erbittet auch er Verstaendnis, dass er jetzt nicht zupacken kann.
Schliesslich kommt Nikolaus, sieht den Bauern, stopft den langen Rock in den Guertel hinein und fasst hinten am Wagen an. Der Bauer und die Ochsen ziehen vorne; es geht vor und zurueck, eine Riesenrutscherei eben und dreckig wird der Nikolaus! Aber dann gelingts zum guten Glueck und der Wagen ist wieder auf der Strasse.
Der Bauer bedankt sich, Nikolaus winkt ab und beide marschieren ihres Wegs.
Als am Abend die drei Heiligen wieder im Himmel beisammen sitzen und dem Herrgott von der Erde berichten, hoert der sich alles interessiert an. Er meint am Schluss: Meine lieben Herren, die ihr an der Erde soviel Anteil nehmt, dass ihr sie sogar besuchen wollt, ihr bekommt jeder einen Tag im Lauf des Jahres, der euch gewidmet ist.
Dir aber, Nikolaus, gebe ich 6 Tage, denn du hast noch viel zu tun auf der Welt...
Grad komme ich zurueck von St. Martin und berichte drum noch ein wenig vom oeffentlichen Verkehr. Dieser kommt im Baedecker nicht gut weg, scheint mir aber besser zu sein als sein Ruf, zumindest in Sao Paulo.
Auf den Haupteinzugsstrassen haben die Busse eine Fahrbahn, die zur Zeit der Fruehverkehrsspitze zwischen 6 und 10 Uhr fuer sie reserviert ist. Sie preschen dann ganz ordentlich an den Kolonnen der Autos vorbei. Die uebrige Zeit stecken sie genauso fest, verhalten sich sehr selbstbewusst und sind ziemlich respekteinfloessend, wenn man selber kein Omnibus ist.
Man steigt im Bus vorne ein. Die meisten benuetzen eine Karte, die sie an einen Sensor halten, und koennen dann durch das Drehkreuz in den hinteren Teil des Busses. Ich bezahle immer 2 Reails (etwa 80 Cent) an die Person, die beim Drehkreuz sitzt und kontrolliert. Dieses Kreuz ist ein echtes Nadeloehr und wer etwas fuelliger ist als ich, kann darin schon stecken bleiben. Drum gibts auch ein paar Sitzplaetze vor dem Kreuz. Normalerweise aber quetschen sich die Menschen durch, denn der Ausstieg ist hinten.
Die Stationen werden nicht angesagt. Der bzw die KontrollorIn informiert auf Anfrage und ist im Normalfall freundlich. Die meisten Fahrgaeste druecken selber auf den Halteknopf.
Wenn niemand drueckt und an der Haltestelle niemand winkt, faehrt der Bus durch.
Die Busse haben in der Frontscheibe ein Schild stecken, das die Fahrtrichtung und die wichtigsten Stationen angibt. In den kleineren Bussen, die uebrigens recht komfortabel sind, steht der Kontrolleur in der Tuer und schreit bei jeder Haltestelle hinaus, wo sie jetzt hinfahren. Klingt fuer mich recht abenteuerlich und ich verstehe natuerlich nuent = nada = nix.
Die Metro hat in etwa unseren Standard. Es gibt einen uebersichtlichen Plan, die Stationen sind gut angeschrieben und werden auch angesagt. Bei manchen Stationen sind Sperren eingerichtet, die die Menschen auffaedeln, wie bei manchen Ticketschaltern. So wird ein Gedraenge am Bahnsteig verhindert. Soweit ich es bis jetzt gesehen habe, ist die U-Bahn so sauber, wie eine Metro normal ist. Unterwegs mit der grauhaarigen Terezinha, hat ihr immer jemand juengerer Platz angeboten. Das wuerde ihr in Wien selten passieren.
Die Fahrt mit der Metro, egal wie lange, kostet auch 2 Reails (im Vorverkauf).
Die Metro ist fuer Personen ab 65 gratis, die Busse sinds bereits ab 60.
Die U-Bahn sei ein Segen fuer diesen Bezirk, meinen die Schwestern. Zur Stosszeit soll sie dem Namen entsprechend voll sein, das aber kenne ich ja auch aus unserem vergleichsweise ueberschaubaren Wien.
Und zum Schluss heute noch ein paar sprachliche Entdeckungen. Durch das Lernen der neuen Sprache wird mir meine eigene viel bewusster.
Und da gibts doch huebsche Dinge, zB:
Wie kommt es zu einer Entscheidung? Hier wird sie, wie im englischen, "genommen":
"Nach der Debatte packte er die Entscheidung.", wuerde man sagen, wenn man wortwoertlich uebersetzt.
Bei uns "faellt" die Entscheidung, wie ein Baum, an dem man eine Zeit gearbeitet hat. Oder sie wird getroffen - wie ein Pfeil das Ziel (hoffentlich) trifft.
Schoene Sprach-Bilder finde ich, und meine Lehrerin Célia ist ganz fasziniert davon.
Kuerzlich ist mir das Wort "cair" aufgefallen, weil Inazia im Bad "gecait" ist. Im vorarlberger Dialekt kennen wird dieses Wort genau mit derselben Bedeutung: Es heisst naemlich fallen.
Vielleicht ein Ueberbleibsel des deutschen Dialekts der Einwanderer. Oder es gibt eine lateinische Sprachwurzel und wir Vorarlberger haben es von den Roemern uebernommen.
Ein anderes Fundstueck dieser Art ist "lehnzeich" - steht fuer Bettwaesche und ist mit etwas Fantasie durchaus wieder zu erkennen.
Einen schoenen Nikolaustag allen!
Viele Legenden berichten, wie er Armen und "Outlaws" hilft. Eine, die ich besonders mag, und die auch ganz kurz ist, hat heute Platz:
Gemeinsam mit zwei anderen Heiligen hat sich Nikolaus Urlaub vom Himmel erbeten. Sie wollen die Erde besuchen, und das ist auch genehmigt worden. Wie die drei nun ankommen, gehen sie unterschiedlicher Wege, um ein wenig zu erkunden, wie es auf der Welt so zugeht.
Der erste stoesst bald auf auf einen Bauern, der mit seinem Fuhrwerk in den Graben gerutscht ist und im Schneematsch verzweifelt versucht, es wieder auf die Strasse zu bringen.
Der grosse Heilige entschuldigt sich, dass er jetzt nicht helfen kann, schliesslich hat er die himmlischen Gewaender an und ist damit nicht gut geruestet fuer so eine Arbeit ...und geht rasch weiter.
Der zweite trifft bald ebenfalls auf den Bauern, und unter Hinweis auf seine wichtige Mission erbittet auch er Verstaendnis, dass er jetzt nicht zupacken kann.
Schliesslich kommt Nikolaus, sieht den Bauern, stopft den langen Rock in den Guertel hinein und fasst hinten am Wagen an. Der Bauer und die Ochsen ziehen vorne; es geht vor und zurueck, eine Riesenrutscherei eben und dreckig wird der Nikolaus! Aber dann gelingts zum guten Glueck und der Wagen ist wieder auf der Strasse.
Der Bauer bedankt sich, Nikolaus winkt ab und beide marschieren ihres Wegs.
Als am Abend die drei Heiligen wieder im Himmel beisammen sitzen und dem Herrgott von der Erde berichten, hoert der sich alles interessiert an. Er meint am Schluss: Meine lieben Herren, die ihr an der Erde soviel Anteil nehmt, dass ihr sie sogar besuchen wollt, ihr bekommt jeder einen Tag im Lauf des Jahres, der euch gewidmet ist.
Dir aber, Nikolaus, gebe ich 6 Tage, denn du hast noch viel zu tun auf der Welt...
Grad komme ich zurueck von St. Martin und berichte drum noch ein wenig vom oeffentlichen Verkehr. Dieser kommt im Baedecker nicht gut weg, scheint mir aber besser zu sein als sein Ruf, zumindest in Sao Paulo.
Auf den Haupteinzugsstrassen haben die Busse eine Fahrbahn, die zur Zeit der Fruehverkehrsspitze zwischen 6 und 10 Uhr fuer sie reserviert ist. Sie preschen dann ganz ordentlich an den Kolonnen der Autos vorbei. Die uebrige Zeit stecken sie genauso fest, verhalten sich sehr selbstbewusst und sind ziemlich respekteinfloessend, wenn man selber kein Omnibus ist.
Man steigt im Bus vorne ein. Die meisten benuetzen eine Karte, die sie an einen Sensor halten, und koennen dann durch das Drehkreuz in den hinteren Teil des Busses. Ich bezahle immer 2 Reails (etwa 80 Cent) an die Person, die beim Drehkreuz sitzt und kontrolliert. Dieses Kreuz ist ein echtes Nadeloehr und wer etwas fuelliger ist als ich, kann darin schon stecken bleiben. Drum gibts auch ein paar Sitzplaetze vor dem Kreuz. Normalerweise aber quetschen sich die Menschen durch, denn der Ausstieg ist hinten.
Die Stationen werden nicht angesagt. Der bzw die KontrollorIn informiert auf Anfrage und ist im Normalfall freundlich. Die meisten Fahrgaeste druecken selber auf den Halteknopf.
Wenn niemand drueckt und an der Haltestelle niemand winkt, faehrt der Bus durch.
Die Busse haben in der Frontscheibe ein Schild stecken, das die Fahrtrichtung und die wichtigsten Stationen angibt. In den kleineren Bussen, die uebrigens recht komfortabel sind, steht der Kontrolleur in der Tuer und schreit bei jeder Haltestelle hinaus, wo sie jetzt hinfahren. Klingt fuer mich recht abenteuerlich und ich verstehe natuerlich nuent = nada = nix.
Die Metro hat in etwa unseren Standard. Es gibt einen uebersichtlichen Plan, die Stationen sind gut angeschrieben und werden auch angesagt. Bei manchen Stationen sind Sperren eingerichtet, die die Menschen auffaedeln, wie bei manchen Ticketschaltern. So wird ein Gedraenge am Bahnsteig verhindert. Soweit ich es bis jetzt gesehen habe, ist die U-Bahn so sauber, wie eine Metro normal ist. Unterwegs mit der grauhaarigen Terezinha, hat ihr immer jemand juengerer Platz angeboten. Das wuerde ihr in Wien selten passieren.
Die Fahrt mit der Metro, egal wie lange, kostet auch 2 Reails (im Vorverkauf).
Die Metro ist fuer Personen ab 65 gratis, die Busse sinds bereits ab 60.
Die U-Bahn sei ein Segen fuer diesen Bezirk, meinen die Schwestern. Zur Stosszeit soll sie dem Namen entsprechend voll sein, das aber kenne ich ja auch aus unserem vergleichsweise ueberschaubaren Wien.
Und zum Schluss heute noch ein paar sprachliche Entdeckungen. Durch das Lernen der neuen Sprache wird mir meine eigene viel bewusster.
Und da gibts doch huebsche Dinge, zB:
Wie kommt es zu einer Entscheidung? Hier wird sie, wie im englischen, "genommen":
"Nach der Debatte packte er die Entscheidung.", wuerde man sagen, wenn man wortwoertlich uebersetzt.
Bei uns "faellt" die Entscheidung, wie ein Baum, an dem man eine Zeit gearbeitet hat. Oder sie wird getroffen - wie ein Pfeil das Ziel (hoffentlich) trifft.
Schoene Sprach-Bilder finde ich, und meine Lehrerin Célia ist ganz fasziniert davon.
Kuerzlich ist mir das Wort "cair" aufgefallen, weil Inazia im Bad "gecait" ist. Im vorarlberger Dialekt kennen wird dieses Wort genau mit derselben Bedeutung: Es heisst naemlich fallen.
Vielleicht ein Ueberbleibsel des deutschen Dialekts der Einwanderer. Oder es gibt eine lateinische Sprachwurzel und wir Vorarlberger haben es von den Roemern uebernommen.
Ein anderes Fundstueck dieser Art ist "lehnzeich" - steht fuer Bettwaesche und ist mit etwas Fantasie durchaus wieder zu erkennen.
Einen schoenen Nikolaustag allen!
rosa_r - 6. Dez, 12:15
