13. und 14.12. Santa Luzia
Gestern, Montag war hauptsaechlich ein Lerntag. Und die Weihnachtspost habe ich verschickt.
Heute, 14.12. ist "St. Luzia"
Dreimal in der Woche feiern wir in unserer Kapelle Messe mit dem jungen Priester aus dem Norden. Heute hat er uns versetzt, was ueberraschenderweise niemanden aufgeregt hat. Statt dessen wurde so selbstverstaendlich improvisiert, dass ein Aussenstehender die Programmaenderung wohl kaum bemerkt haette. Die Schwestern sind sehr souveraen.
Um halb sieben gibts Fruehstueck. Um acht hatte ich bereits Geschirr und Waesche gewaschen und konnte mit dem Informatik-Lehrer Roberto die Fotos aus der Kamera auf eine CD zaubern. Endlich!
Das Resultat ist schon zu bewundern: Vom 2.12. bis heute gibts wieder "frische" Bilder.
Bild: Caetana und Bruderherz im Pool beim Geburtstagsfest

Am Rueckweg vom Computer-Raum gabs eine Ueberraschung:| Alle Ausgaenge waren versperrt, Roberto war nicht mehr da und ich war im Gebaeude 2 eingeschlossen. Am Freitag beginnen hier die grossen Ferien. In den letzten Schultagen gibts jede Menge Projekte und Ausfluege und Praesentationen und viele Klassen sind gar nicht da – Schulschluss eben, wie bei uns. So kann ich mir am ehesten erklaeren, dass ein ganzer Gebaeudeteil versperrt wird. Ich habe also ein Schlupfloch gesucht, allerdings erfolglos. Nach etwa 15 Minuten kommt aber eine Dame mit Schluessel und holt mich ab. Die Schule wird mit Wachpersonal und Kameras rund um die Uhr ueberwacht, wahrscheinlich hat man mich gesehen.
Zur Erholung einen schnellen Cafezinho und auf mit Candida nach St. Martin. Heute waren wir rasch fertig, denn sie hatten nur 280 Leute zum Essen, normal sinds 100 mehr.
Ob ich sie nach St. Luzia begleiten wuerde, fragt mich Candidinha. Aber sicher! Candida ist italienischer Abstammung. Ich nehme an, da muss sie einfach die Heilige an ihrem Festag besuchen gehen. Ausserdem ist dort heute was los! Unterwegs haben wir Saaantaaa Luuziiiiiaaaaaa! gesungen.
Schon vor der Kirche gibts ein Gedraenge und viele Bumenverkaeuferinnen. Die Kirche ist winzig, und uebervoll mit Blumen. Menschen sitzen, knien, beten, bringen weitere Blumen. An der Kommunionbank steht der Mesner mit der Reliquie im goldenen Gefaess. Er beruehrt damit die Stirn der geduldig in der Schlange Wartenden.
Es gibt zwei als wundertaetig verehrte Statuen in der Kapelle: ein “Jesuskind” und “Die Madonna mit dem Kopf”, das ist eine Marienstatue, die einen abgeschlagenen Kopf in der Hand haelt. Wer von meinen ikonographisch gebildeten Lesern weiss was dazu?
Candida will noch am Gottesdienst teilnehmen und ich schlendere derweil durchs Zentrum.
Nachdem ich das Kapitel ueber die Imbissstuben in meinem Portugiesisch-Buch fast auswendig kann, muss ich das auch mal probieren. In der Vitrine liegen kleine Pastetchen und ich entscheide mich fuer “Palmito” Palmherzen, weil ich mich schon beim Lesen immer gefragt habe, was das sein kann.
Wissen tue ich es noch nicht, aber es schmeckt sehr gut.
Die Auswahl des Getraenks war etwas stressig, denn es gibt mindestens 20 Fruchtsaefte mit unaussprechlichen Namen und ich kenne ausser Mango keinen. Ganz oben auf der Liste steht “Abacaxi”. Wenn ich mich recht erinnere, ist das Ananas. Richtig nimmt der Verkaeufer eine Ananas aus dem Kuehlschrank, schneidet sie in Stuecke und produziert mit dem Entsafter vor mir ein koestliches Getraenk.
Zurueck bei der Kirche sehe ich die Menschen bis heraus auf die Strasse stehen. Noch immer versuchen einzelne sich in die Kirche zu draengen. Arme Candida! Das wird wohl noch dauern, bis sie heraus kann, denke ich und mache es mir im Caféhaus vis-a-vis gemuetlich. Der Expresso kostet 30 Cent (!), naja war Selbstbedienung ;-)
Hast du es nicht gesehen, da taucht Candidinha puenktlich auf. Sie hat die Bewegung der Menschen, die zur Kommunion wollen, genutzt und sich aus der Kirche gewutzelt. Jetzt erstmal ausatmen und Café trinken. Und dann begleitet mich Candida noch in ein Shopping-Center mit Namen Anália Franco.
Man muss wissen, dass hier alles weich ausgesprochen wird. Franco klingt fuer mich also wie Frango, das Wort davor habe ich vergessen, ich wusste also nur noch “Shopping Frango” und du weisst vielleicht noch, dass Frango “Hendl” bedeutet.
Candida wiehert heute noch, wenn sie vom Shopping “Frango” erzaehlt.
Dieses Chopping-Center war irgendwie netter als das letzte in Tatuapé. Die gesuchte Digi-Cam kostet aber locker das doppelte wie bei uns und wird also nicht gekauft. Bei einigen absolut verlockenden Kleidergeschaeften habe ich mich brav zurueckgehalten, in einem Kinderkleider-Laden aber konnte ich nicht mehr widerstehen. Dem Geschick der jungen Verkaeuferin ist zu verdanken, dass alle Maedchen der Verwandtschaft Sommerkleider aus Brasilien bekommen werden. “Lindo, lindo!” – heisst gaaaaanz huebsche und spricht man mit entsprechender Suesse aus!
Heute, 14.12. ist "St. Luzia"
Dreimal in der Woche feiern wir in unserer Kapelle Messe mit dem jungen Priester aus dem Norden. Heute hat er uns versetzt, was ueberraschenderweise niemanden aufgeregt hat. Statt dessen wurde so selbstverstaendlich improvisiert, dass ein Aussenstehender die Programmaenderung wohl kaum bemerkt haette. Die Schwestern sind sehr souveraen.
Um halb sieben gibts Fruehstueck. Um acht hatte ich bereits Geschirr und Waesche gewaschen und konnte mit dem Informatik-Lehrer Roberto die Fotos aus der Kamera auf eine CD zaubern. Endlich!
Das Resultat ist schon zu bewundern: Vom 2.12. bis heute gibts wieder "frische" Bilder.
Bild: Caetana und Bruderherz im Pool beim Geburtstagsfest

Am Rueckweg vom Computer-Raum gabs eine Ueberraschung:| Alle Ausgaenge waren versperrt, Roberto war nicht mehr da und ich war im Gebaeude 2 eingeschlossen. Am Freitag beginnen hier die grossen Ferien. In den letzten Schultagen gibts jede Menge Projekte und Ausfluege und Praesentationen und viele Klassen sind gar nicht da – Schulschluss eben, wie bei uns. So kann ich mir am ehesten erklaeren, dass ein ganzer Gebaeudeteil versperrt wird. Ich habe also ein Schlupfloch gesucht, allerdings erfolglos. Nach etwa 15 Minuten kommt aber eine Dame mit Schluessel und holt mich ab. Die Schule wird mit Wachpersonal und Kameras rund um die Uhr ueberwacht, wahrscheinlich hat man mich gesehen.
Zur Erholung einen schnellen Cafezinho und auf mit Candida nach St. Martin. Heute waren wir rasch fertig, denn sie hatten nur 280 Leute zum Essen, normal sinds 100 mehr.
Ob ich sie nach St. Luzia begleiten wuerde, fragt mich Candidinha. Aber sicher! Candida ist italienischer Abstammung. Ich nehme an, da muss sie einfach die Heilige an ihrem Festag besuchen gehen. Ausserdem ist dort heute was los! Unterwegs haben wir Saaantaaa Luuziiiiiaaaaaa! gesungen.
Schon vor der Kirche gibts ein Gedraenge und viele Bumenverkaeuferinnen. Die Kirche ist winzig, und uebervoll mit Blumen. Menschen sitzen, knien, beten, bringen weitere Blumen. An der Kommunionbank steht der Mesner mit der Reliquie im goldenen Gefaess. Er beruehrt damit die Stirn der geduldig in der Schlange Wartenden.
Es gibt zwei als wundertaetig verehrte Statuen in der Kapelle: ein “Jesuskind” und “Die Madonna mit dem Kopf”, das ist eine Marienstatue, die einen abgeschlagenen Kopf in der Hand haelt. Wer von meinen ikonographisch gebildeten Lesern weiss was dazu?
Candida will noch am Gottesdienst teilnehmen und ich schlendere derweil durchs Zentrum.
Nachdem ich das Kapitel ueber die Imbissstuben in meinem Portugiesisch-Buch fast auswendig kann, muss ich das auch mal probieren. In der Vitrine liegen kleine Pastetchen und ich entscheide mich fuer “Palmito” Palmherzen, weil ich mich schon beim Lesen immer gefragt habe, was das sein kann.
Wissen tue ich es noch nicht, aber es schmeckt sehr gut.
Die Auswahl des Getraenks war etwas stressig, denn es gibt mindestens 20 Fruchtsaefte mit unaussprechlichen Namen und ich kenne ausser Mango keinen. Ganz oben auf der Liste steht “Abacaxi”. Wenn ich mich recht erinnere, ist das Ananas. Richtig nimmt der Verkaeufer eine Ananas aus dem Kuehlschrank, schneidet sie in Stuecke und produziert mit dem Entsafter vor mir ein koestliches Getraenk.
Zurueck bei der Kirche sehe ich die Menschen bis heraus auf die Strasse stehen. Noch immer versuchen einzelne sich in die Kirche zu draengen. Arme Candida! Das wird wohl noch dauern, bis sie heraus kann, denke ich und mache es mir im Caféhaus vis-a-vis gemuetlich. Der Expresso kostet 30 Cent (!), naja war Selbstbedienung ;-)
Hast du es nicht gesehen, da taucht Candidinha puenktlich auf. Sie hat die Bewegung der Menschen, die zur Kommunion wollen, genutzt und sich aus der Kirche gewutzelt. Jetzt erstmal ausatmen und Café trinken. Und dann begleitet mich Candida noch in ein Shopping-Center mit Namen Anália Franco.
Man muss wissen, dass hier alles weich ausgesprochen wird. Franco klingt fuer mich also wie Frango, das Wort davor habe ich vergessen, ich wusste also nur noch “Shopping Frango” und du weisst vielleicht noch, dass Frango “Hendl” bedeutet.
Candida wiehert heute noch, wenn sie vom Shopping “Frango” erzaehlt.
Dieses Chopping-Center war irgendwie netter als das letzte in Tatuapé. Die gesuchte Digi-Cam kostet aber locker das doppelte wie bei uns und wird also nicht gekauft. Bei einigen absolut verlockenden Kleidergeschaeften habe ich mich brav zurueckgehalten, in einem Kinderkleider-Laden aber konnte ich nicht mehr widerstehen. Dem Geschick der jungen Verkaeuferin ist zu verdanken, dass alle Maedchen der Verwandtschaft Sommerkleider aus Brasilien bekommen werden. “Lindo, lindo!” – heisst gaaaaanz huebsche und spricht man mit entsprechender Suesse aus!
rosa_r - 15. Dez, 17:53


