12.11. Samstag

Heute hats mit der Messe in der Frueh geklappt. Der Priester ist betagt, das Volk sind Frauen. Zum gemeinsamen Ritus auf der ganzen Welt kommt ein gemeinsames Lebensgefuehl: Ein bisschen von "Wir werden aelter" und "Programm fuer die Minderheit", ein bisschen "Auftanken in der Oase des Lebens", ein bisschen "Zuruecklehnen in das Gefuehl von Verbundenheit". Schwer es auszudruecken.

Man hat mich einigen Frauen, die zur Schule in die Messe kommen, vorgestellt. "Muito prazer". Jede freut sich und graebt noch ein Wort deutsch aus, das sie kann.

Am Weg zur Messe schaue ich immer wieder nach den Voegeln aus. Es klingt wie Papageien - aber schliesslich entdecke ich die schoenen gruenen Nymphensittiche. Und gleich daneben ein riesiger Gummibaum. Also jetzt weiss ich, was wir unseren Bueropflanzen mit der Kaefighaltung antun. :-) Der hier steht im Garten und der Stamm hat einen Durchmesser von ueber einem Meter, die Krone ist sicher mehr als zwanzig Meter hoch.
In den Rabbatten wachsen Christusdorn, Weihnachtsstern, Kalla; alle 1 - 2 Meter hoch. Ich muss an Mamas Blumenfenster denken, wo sie durch ihren gruenen Daumen auch gut gedeihen, verhaeltnismaessig eben.
Christusdorn

Nach dem Fruehstueck machen Clotilde und ich einen ausgedehnten Einkaufsbummel. Ich versuche einen Datenstick zu ergattern, um ein Foto auf das Weblog stellen zu koennen. War nicht zu finden in dieser Gegend. Ich bin noch immer fasziniert, von dem Nebeneinander von "Nachkriegslaeden", die bei uns fast ausgestorben sind, und trendy Shops. Auch den Massagesalon mit alternativer chinesischer Medizin gibts! Und ein deutschsprachiges Buchgeschaeft mit vielen Weihnachtslieder-Buechern, sowie deutsche Bars haben wir entdeckt.

Nach dem Mittagessen lege ich mich hin, denn um zwei Uhr soll?will ich eine kleine Praesentation von Fotos der letzten Urlaube machen. Ich habe CDs mitgenommen und mit Clotilde den tollen Laptop samt Beamer ausprobiert. Es funktioniert.
Um Viertel vor 2 klopfts an der Tuer: Ueberraschung! Terezinha, die ich aus der Slowakei kenne, kommt mit zwei Mitschwestern auf Besuch. Grosse Umarmung. Man will die Fotos sehen. Gut, machen wir dann: Familie im Montafon: Mama, Filha Heidi, Irmã (Schwester) Irmão (Bruder), Nichten und Neffen und "mein Freund Peter". Ich weiss nicht, ob "Amigo" das korrekte Wort ist, es wird noch einige Fantasien wecken. Die Berge werden bewundert, die Blumenbilder auch, aber besonders die Kinder.
Auch Bilder aus dem Osttirol gibts und von der Romreise mit Mama. Leider habe ich keine Bilder aus Wien dabei. So ists - wo man wohnt, das ist zu selbstverstaendlich.
Jetzt aber tut sich was, die Gaeste haben Ideen, wo ich portugiesisch lernen koennte. Vielleicht werde ich auch zu ihnen umziehen? "Kommenden Donnerstag sehen wir uns!", heisst es schliesslich.
Man will mich offenbar auch touristisch verwoehnen: Ich bin zu den Wasserfaellen von Iguaçu eingeladen, laut Fuehrer das "Muss" einer Brasilien-Reise. Eva Renate, die bereits ein paar Monate in Brasilien war, hat erzaehlt, dass diese Wasserfaelle noch herrlicher sind als die Niagara-Faelle.
Nach der Verabschiedung der Gaeste sitzen wir zusammen beim Kaffee. Jetzt erzaehlt jede ein bisschen, von wo sie kommt. Die Schwestern sind weit aelter, als ich geschaetzt habe. Jacinta und Leticia sind ca. 75. Sie wirken so frisch - ein Beweis fuer die Statistik Austria: Laut dieser haben Frauen mit einer ausgepraegt linken oder religioesen Spiritualitaet die hoechste Lebenserwartung in der Bevoelkerung.
peterwien - 13. Nov, 17:17

Wien-Bilder

Meine Liebe, offenbar bist Du nicht dazugekommen, CDs von Wien/Österreich zu besorgen. Soll ich Dir welche schicken? An die Adresse in der rua dos Brasoes?

Viel Spass beim Wasserfall! Nachdems bei der Ankunft geregnet hat, könnte er ziemlich überschäumend sein? Schau ihn nicht ganz weg, lass was übrig für mich!

Dein amigo
Peter

rosa_r - 13. Nov, 22:53

amigo minho,

ich habe sogar eine DVD mitgenommen, aber ehrlich gesagt, clotilde und ich haben sie durchgeschaut und sie ist absolut kitschig. ich wollte sie gar nicht vorfuehren. wenn du kommst, kannst ein kleines wien-buch mitbringen, das genuegt sicher. ich glaube, es hat sie mein leben mehr interessiert, die familie etc.
deine vielen bilder aus den kirchen in tirol und in rom waren ebenfalls muito interessante!
falls du mir noch was mitbringen magst: mein impfpass liegt wahrscheinlich noch im koerbchen auf meinem schreibtisch. sollten wir weiter ins landesinnere vordringen, waere er unter umstaenden von noeten.
du weisst ja, wie ichs mit wasser habe - bin da eher zurueckhaltend. sollte es dir bei den faellen von Iguaçu trotzdem nicht genug sein, gehn wir halt doch noch amazonas schauen...

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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