17.11. Babylonische Sprachverwirrung
Gestern Nachmittag habe ich also den grossen Koffer gepackt und bin nach einem herzlichen Abschied mit Sehi in den Osten der Stadt gefahren. 40 Minuten Rolling Stones im Auto - mmmm!
Der typische Platzregen am Nachmittag hat uns fast weggeschwemmt, als wir ankamen. Terezinha, die Konventoberin, hat mich herzlich empfangen. Caetana ist die Schwester, die die Schule leitet. Vom Temperament her sind die zwei Hauptverantwortlichen wie Salz und Pfeffer: Die eine machts bekoemmlich, die andere gibt Hitze!
Bild: Salz weiss, Pfeffer gelb :-)

Ausser den beiden leben noch drei aeltere Schwestern hier: Regina, Inacia und Candida. Wie ueblich geht keine im Ordenskleid, sondern sind im Stil sehr unterschiedlich, mit persoenlicher Note gekleidet.
Terezinha spricht recht gut englisch, Caetana einiges deutsch. Der Effekt: Hier geht in einem Satz manchmal alles durcheinander. Es gibt neuen Grund zum Lachen.
Wo schreibe ich jetzt gerade? Terezinha hat mir ihr Buero zur Verfuegung gestellt, Caetana, hat den Internet-Anschluss fuer mich machen lassen. Das kleine Zimmer hat einen Ausgang ebenerdig in den Schulhof. Ich hoere im Hintergrund die typischen Schulgeraeusche: Kinderstimmen, Schulglocke, Ballspiel und Schreien aus der Turnhalle, jemand spielt Gitarre. Die Kinder / Jugendlichen tragen eine sportliche Schuluniform: Ein weisses T-Shirt und eine blaue Trikothose, die aelteren eine coolere schwarze.
Die Schule hat ueber 1000 SchuelerInnen und verschiedene Schultypen. Die Mary Ward Schulen haben ein eigenes paedagogisches Konzept erarbeitet. Es gibt eine Schulzeitung, ein Theater, jede Menge soziale Aktivitaeten. Abends bieten sie kostenguenstig eine Art Abenduni fuer Erwachsene an. Gestern konnte ich einen Blick in die EDV-Stunde werfen und sah den PC-Saal mit 36 Arbeitsplaetzen. Da hat sich u.a. eine Gruppe junger Maenner auf eine Bewerbung vorbereitet: Sie waren perfekt gestylt mit Anzug und Krawatte. Also es gibt doch huebsche Maenner. :-)
Dieser Raum war frueher die Schulbibliothek, vollgestellt mit tausenden Buechern. Die Buecher haben den PCs Platz gemacht, aber sind noch da und zugaenglich. Caetana zeigte mir stolz das System: Was von vorne aussieht wie grosszuegige Garderoben, sind in Wirklichkeit ca. drei Meter tiefe, rollbare Buchregale, die die volle Raumhoehe einnehmen. Peter, juchu, keine Panik vor den naechsten viertausend in deiner Wohnung!
Nach der Schulbesichtigung heute Frueh hatte ich noch eine gute Stunde Zeit bis zur ersten Portugiesisch-Lektion mit der neuen Lehrerin. Was mache ich denn jetzt? Ah, ich habe ja einen Schluessel! Das viele Sitzen und Essen macht koerperlich rund und stimmungsmaessig unrund. Hoechste Zeit fuer eine richtige "Runde" um den Block. Also, ganz locker an der Pfortendame vorbei marschieren und dann orientieren. Ich will mich ja nicht verlaufen. Die Strasse heisst "Rua Coronel Marques" und sieht frequentiert aus, da kann nix passieren.
Ich lege den flotten Schritt ein und komme bald an einer auffaelligen, gelben Kirche vorbei: Pfarrkirche San João - ist auch ein guter Merkpunkt. Also weiter. Recht bald kommen weniger noble Haeuser, wieder die Werkstaettenzeilen. Den gleichen Weg zurueck? Nein, ich werde die Parallelstrasse gehen. (Tja, das war die heikle Entscheidung.) Ganz parallel gehts natuerlich nicht. Macht auch nix, ich suche einfach wieder die Kirche. Der Weg geht auf und ab, durch einen echten Vorstadt-Markt, mit Obst, Gemuese, Fisch, Gewand etc., an einigen Hinterhoefen vorbei, ueber zwei Pontinhios, Bruecklein. Ah, da vorne ist die Kirche. Nur leider - die sieht genau so aus, heisst aber anders. Na, Mahlzeit. Das ist jetzt genau das, was ich nicht will. Mist, um die Zeit wollte ich schon zurueck sein. Heiliger Antonius - Geni vom Kardinal Koenig Haus hat mir eine kleine Statue geschenkt, damit ich nicht verloren gehe - jetzt gibts einen Versicherungsfall! Wenn ich zu spaet komme, werden die sich Sorgen machen, weil ich unvernueftigerweise niemandem gesagt habe, dass ich weggehe.
Die erste Frau, die ich frage, sagt etwas Unverstaendliches und ich nehme an, dass ich was Unverstaendliches gefragt habe. Dann in eine Werkstatt, zwei Mechaniker. Das habe ich schon gelernt: Die Leute hier reden gern und ausfuehrlich. Also eine schnelle Antwort ist nicht drin. Immerhin, er versteht mich. Er kennt die Strasse, aber, "Carramba!", wo ist die bloss? Der Plan wird gesucht - es scheint erstens ganz einfach zu sein und zweitens "perto" - mein Lieblingswort in dem Moment - heisst naemlich "nahe".
Ich gehe, wie er mir sagte, ca. fuenf Minuten geradeaus, dann frage ich zwei aeltere Herren, die an der Strassenecke ins Gespraech vertieft sind. Freundliche Konversation zuerst, ob ich aus Italien bin. Nein Austrianca. Ich suche die Kirche San João. San João? Ja. De Battista? Ja. Die Katholische Kirche? Ich nehm mal an, dass die katholisch ist und sage wieder Ja. Die ist ganz nahe, nur da vorne um die Ecke. Der eine Herr begleitet mich. Er sei ueber 70, erzaehlt er, und wohne hier seit ueber 40 Jahren. Ein freundliches "Vielen Dank!" und 5 nach 10 komme ich gerade noch rechtzeitig zur Stunde. Puh!
Die Lehrerin ist hat sich rasch auf mich eingestellt. Sie scheint erfreut, dass ich schon so weit bin, und was ich besonders schaetze: Sie laesst mich dauernd portugiesisch reden, korrigiert und ermutigt.
Als Hausuebung habe ich eine CD mit Grimmschen Maerchen bekommen. Die soll ich ihr bei der naechsten Stunde erzaehlen. So werde ich also zur Maerchenerzaehlerin...
PS: Die Schwestern lassen mich die Stunden nicht bezahlen. Auch fuer Kost und Logis weigern sie sich, etwas anzunehmen. Jetzt werde ich eben Geschenke kaufen. Liebe Leute, ich bin wiederum fuer jeden Tipp dankbar!
Der typische Platzregen am Nachmittag hat uns fast weggeschwemmt, als wir ankamen. Terezinha, die Konventoberin, hat mich herzlich empfangen. Caetana ist die Schwester, die die Schule leitet. Vom Temperament her sind die zwei Hauptverantwortlichen wie Salz und Pfeffer: Die eine machts bekoemmlich, die andere gibt Hitze!
Bild: Salz weiss, Pfeffer gelb :-)

Ausser den beiden leben noch drei aeltere Schwestern hier: Regina, Inacia und Candida. Wie ueblich geht keine im Ordenskleid, sondern sind im Stil sehr unterschiedlich, mit persoenlicher Note gekleidet.
Terezinha spricht recht gut englisch, Caetana einiges deutsch. Der Effekt: Hier geht in einem Satz manchmal alles durcheinander. Es gibt neuen Grund zum Lachen.
Wo schreibe ich jetzt gerade? Terezinha hat mir ihr Buero zur Verfuegung gestellt, Caetana, hat den Internet-Anschluss fuer mich machen lassen. Das kleine Zimmer hat einen Ausgang ebenerdig in den Schulhof. Ich hoere im Hintergrund die typischen Schulgeraeusche: Kinderstimmen, Schulglocke, Ballspiel und Schreien aus der Turnhalle, jemand spielt Gitarre. Die Kinder / Jugendlichen tragen eine sportliche Schuluniform: Ein weisses T-Shirt und eine blaue Trikothose, die aelteren eine coolere schwarze.
Die Schule hat ueber 1000 SchuelerInnen und verschiedene Schultypen. Die Mary Ward Schulen haben ein eigenes paedagogisches Konzept erarbeitet. Es gibt eine Schulzeitung, ein Theater, jede Menge soziale Aktivitaeten. Abends bieten sie kostenguenstig eine Art Abenduni fuer Erwachsene an. Gestern konnte ich einen Blick in die EDV-Stunde werfen und sah den PC-Saal mit 36 Arbeitsplaetzen. Da hat sich u.a. eine Gruppe junger Maenner auf eine Bewerbung vorbereitet: Sie waren perfekt gestylt mit Anzug und Krawatte. Also es gibt doch huebsche Maenner. :-)
Dieser Raum war frueher die Schulbibliothek, vollgestellt mit tausenden Buechern. Die Buecher haben den PCs Platz gemacht, aber sind noch da und zugaenglich. Caetana zeigte mir stolz das System: Was von vorne aussieht wie grosszuegige Garderoben, sind in Wirklichkeit ca. drei Meter tiefe, rollbare Buchregale, die die volle Raumhoehe einnehmen. Peter, juchu, keine Panik vor den naechsten viertausend in deiner Wohnung!
Nach der Schulbesichtigung heute Frueh hatte ich noch eine gute Stunde Zeit bis zur ersten Portugiesisch-Lektion mit der neuen Lehrerin. Was mache ich denn jetzt? Ah, ich habe ja einen Schluessel! Das viele Sitzen und Essen macht koerperlich rund und stimmungsmaessig unrund. Hoechste Zeit fuer eine richtige "Runde" um den Block. Also, ganz locker an der Pfortendame vorbei marschieren und dann orientieren. Ich will mich ja nicht verlaufen. Die Strasse heisst "Rua Coronel Marques" und sieht frequentiert aus, da kann nix passieren.

Ich lege den flotten Schritt ein und komme bald an einer auffaelligen, gelben Kirche vorbei: Pfarrkirche San João - ist auch ein guter Merkpunkt. Also weiter. Recht bald kommen weniger noble Haeuser, wieder die Werkstaettenzeilen. Den gleichen Weg zurueck? Nein, ich werde die Parallelstrasse gehen. (Tja, das war die heikle Entscheidung.) Ganz parallel gehts natuerlich nicht. Macht auch nix, ich suche einfach wieder die Kirche. Der Weg geht auf und ab, durch einen echten Vorstadt-Markt, mit Obst, Gemuese, Fisch, Gewand etc., an einigen Hinterhoefen vorbei, ueber zwei Pontinhios, Bruecklein. Ah, da vorne ist die Kirche. Nur leider - die sieht genau so aus, heisst aber anders. Na, Mahlzeit. Das ist jetzt genau das, was ich nicht will. Mist, um die Zeit wollte ich schon zurueck sein. Heiliger Antonius - Geni vom Kardinal Koenig Haus hat mir eine kleine Statue geschenkt, damit ich nicht verloren gehe - jetzt gibts einen Versicherungsfall! Wenn ich zu spaet komme, werden die sich Sorgen machen, weil ich unvernueftigerweise niemandem gesagt habe, dass ich weggehe.
Die erste Frau, die ich frage, sagt etwas Unverstaendliches und ich nehme an, dass ich was Unverstaendliches gefragt habe. Dann in eine Werkstatt, zwei Mechaniker. Das habe ich schon gelernt: Die Leute hier reden gern und ausfuehrlich. Also eine schnelle Antwort ist nicht drin. Immerhin, er versteht mich. Er kennt die Strasse, aber, "Carramba!", wo ist die bloss? Der Plan wird gesucht - es scheint erstens ganz einfach zu sein und zweitens "perto" - mein Lieblingswort in dem Moment - heisst naemlich "nahe".
Ich gehe, wie er mir sagte, ca. fuenf Minuten geradeaus, dann frage ich zwei aeltere Herren, die an der Strassenecke ins Gespraech vertieft sind. Freundliche Konversation zuerst, ob ich aus Italien bin. Nein Austrianca. Ich suche die Kirche San João. San João? Ja. De Battista? Ja. Die Katholische Kirche? Ich nehm mal an, dass die katholisch ist und sage wieder Ja. Die ist ganz nahe, nur da vorne um die Ecke. Der eine Herr begleitet mich. Er sei ueber 70, erzaehlt er, und wohne hier seit ueber 40 Jahren. Ein freundliches "Vielen Dank!" und 5 nach 10 komme ich gerade noch rechtzeitig zur Stunde. Puh!
Die Lehrerin ist hat sich rasch auf mich eingestellt. Sie scheint erfreut, dass ich schon so weit bin, und was ich besonders schaetze: Sie laesst mich dauernd portugiesisch reden, korrigiert und ermutigt.
Als Hausuebung habe ich eine CD mit Grimmschen Maerchen bekommen. Die soll ich ihr bei der naechsten Stunde erzaehlen. So werde ich also zur Maerchenerzaehlerin...
PS: Die Schwestern lassen mich die Stunden nicht bezahlen. Auch fuer Kost und Logis weigern sie sich, etwas anzunehmen. Jetzt werde ich eben Geschenke kaufen. Liebe Leute, ich bin wiederum fuer jeden Tipp dankbar!
rosa_r - 17. Nov, 20:21
