22.11. Candidinha
Es tut sich nichts Besonders im Moment, so werde ich wieder ein wenig vom Alltag berichten.
Bei uns in der Gegend findet man alle 100 m einen Friseursalon, "Cabelereira" genannt, und heute frueh bin ich meinem wiener Friseur Hans untreu geworden.
Der auserwaehlte Salon, zu dem mich Candida fuehrt, ist ein Geheimtipp der Schwestern.
Er hat wie die meisten keine Eingangstuer, sondern die strassenseitige Wand ist offen. Rechts an der Laengswand sind etwa drei Frisierplaetze und ein Waschplatz. Links an der Wand stehen Holzstuehle fuer die Wartenden.
Der ganze Raum ist etwa 8 m tief. Ganz hinten sitzt die Kassierin hinter einer Art Rezeption, davor wird eine Dame pedikuert.
Eine nette junge Friseurin kann mich sofort bedienen. Drei aeltere Herren sitzen hinten an der Wand und schauen zu. Am Spiegel vor mir klebt ein Pickerl: Werter Herr, sie koennnen sich ein wenig ausruhen und entspannen, bis sie an der Reihe sind.
Ich bitte sie, mir die Haare zu waschen. Vorher oder nachher? Na, besser vorher. Der Schnitt ist gleich fertig und soweit ich beurteilen kann, sehe ich ansehnlich aus. "Schicke" sagt sie, ich weiss noch nicht wie mans richtig schreibt. Nun, der Preis laesst mich nachfragen. 5 Reails? Inklusive Waschen? Ja! Mit dem guten Kurs gerechnet, zu dem mir Gaetana gewechselt hat, sind das 2 Euro.
Allerdings - nach dem Schnitt wars auch schon fertig. Das Trocknen hat die Sonne besorgt.
Am Weg zurueck bemerke ich, dass ich inzwischen die Umgebung schon recht gut kenne. Auch die beiden Kirchen, die mich an Anfang verwirrt haben, sind bereits Orientierungspunkte geworden.
Nach dem obligaten Cafézinho um 10 brechen Candida und ich wieder ins Zentrum St. Martinho auf. Dort winkt uns die junge Italienerin vom Abwasch herueber und ich stuerze mich mit ihr auf den Berg Plastikteller. Sie hats nicht so gut getroffen wie ich und hat niemanden, der sie an neue Orte begleiten wuerde. Und allein traut sie sich nicht. Verstehe ich, ich muesste mich auch ueberwinden. Ohne Stadtplan und ohne Uebersicht ueber die Buslinien gehe ich sowieso nicht.
Diesmal ist normaler Betrieb im Zentrum: Ab 9 Uhr gibts ein warmes Essen, solange der Vorrat reicht.
Nach unserem Einsatz essen Candida und ich mit anderen MitarbeiterInnen zu Mittag. Wenn sie langsam sprechen, komme ich schon einigermassen mit. Gina, eine Helferin erzaehlt mir, dass es viele dieser Zentren gibt, wenn ich richtig verstanden habe, sagte sie 110. Der Staat finanziert ein paar Angestellte und das Lokal.
Fuer den Betrieb erhalten sie 300 Reais pro Monat. Bei den durchschnittlich 300 Menschen, die hierher kommen, um ein Essen pro Tag zu haben, entspricht das 1 Reai pro betreuter Person pro Monat! 2,6 Reais entsprechen einem Euro.
Fuer viele ist es normal, dass der Staat nur ein wenig zur sozialen Absicherung beitraegt bzw. beitragen kann. Dafuer ist hier Privatinitiative noetig. Dieses Netz aber ist unverlaesslich - so gibt es eben nur soviel zu Essen, wie die Freiwilligen Lebensmittel organisieren konnten.
Bild: Candidinha in St. Martin

Als Kontrastprogramm schleppe ich die tapfere Candida anschliessend durch das groesste Shopping-Center in diesem Bezirk names Tatuapé. Er duerfte einwohnermaessig so gross sein wie die drei grossen Staedte Oesterreichs zusammen. Im "Shoping" gibt es jede Menge Kleidergeschaefte mit guenstiger und attraktiver Mode: Die Sommerpullis und Shirts etwa 10 Euro, Jeans zwischen 20 - 40 Euro.
Es ist lehrreich mit Candida unterwegs zu sein. Leute wechseln die Strassenseite und kommen auf sie zu, weil sie immer Zeit fuer ein paar Worte hat. Es gibt Haendeschuetteln, Umarmung, Bussi (einmal!). Jeder und jede, der mir vorstellt wird, ist "uma grande amiga". Vor dem Einkaufszentrum geht sie direkt auf eine Reinigungsfrau zu. Wo die grad steht, stinkts nach Pissoir, aber Candida laesst sich nicht aufhalten. Fuer ein paar Minuten sind die zwei ins in ein lebendiges Gespraech vertieft. Mir scheint, Candida bedankt sich, weil die Frau eine fur uns alle wichtige Arbeit macht.
Die unwiderstehliche Candidinha nennt mich meistens Rosinha!
Unter ihrem kritischen Blick stellt sich kein Kaufrausch ein. Fuer sie ist es unverstaendlich, soviel Geld fuer Klamotten auszugeben. Ich erstehe ein paar kleine Geschenke fuer die Schwestern und einen Puerierstab. Den gesuchten Datenstick bzw das Kabel bekommen wir leider nicht, drum: Heute noch keine neuen Fotos, sorry!
Bei uns in der Gegend findet man alle 100 m einen Friseursalon, "Cabelereira" genannt, und heute frueh bin ich meinem wiener Friseur Hans untreu geworden.
Der auserwaehlte Salon, zu dem mich Candida fuehrt, ist ein Geheimtipp der Schwestern.
Er hat wie die meisten keine Eingangstuer, sondern die strassenseitige Wand ist offen. Rechts an der Laengswand sind etwa drei Frisierplaetze und ein Waschplatz. Links an der Wand stehen Holzstuehle fuer die Wartenden.
Der ganze Raum ist etwa 8 m tief. Ganz hinten sitzt die Kassierin hinter einer Art Rezeption, davor wird eine Dame pedikuert.
Eine nette junge Friseurin kann mich sofort bedienen. Drei aeltere Herren sitzen hinten an der Wand und schauen zu. Am Spiegel vor mir klebt ein Pickerl: Werter Herr, sie koennnen sich ein wenig ausruhen und entspannen, bis sie an der Reihe sind.
Ich bitte sie, mir die Haare zu waschen. Vorher oder nachher? Na, besser vorher. Der Schnitt ist gleich fertig und soweit ich beurteilen kann, sehe ich ansehnlich aus. "Schicke" sagt sie, ich weiss noch nicht wie mans richtig schreibt. Nun, der Preis laesst mich nachfragen. 5 Reails? Inklusive Waschen? Ja! Mit dem guten Kurs gerechnet, zu dem mir Gaetana gewechselt hat, sind das 2 Euro.
Allerdings - nach dem Schnitt wars auch schon fertig. Das Trocknen hat die Sonne besorgt.
Am Weg zurueck bemerke ich, dass ich inzwischen die Umgebung schon recht gut kenne. Auch die beiden Kirchen, die mich an Anfang verwirrt haben, sind bereits Orientierungspunkte geworden.
Nach dem obligaten Cafézinho um 10 brechen Candida und ich wieder ins Zentrum St. Martinho auf. Dort winkt uns die junge Italienerin vom Abwasch herueber und ich stuerze mich mit ihr auf den Berg Plastikteller. Sie hats nicht so gut getroffen wie ich und hat niemanden, der sie an neue Orte begleiten wuerde. Und allein traut sie sich nicht. Verstehe ich, ich muesste mich auch ueberwinden. Ohne Stadtplan und ohne Uebersicht ueber die Buslinien gehe ich sowieso nicht.
Diesmal ist normaler Betrieb im Zentrum: Ab 9 Uhr gibts ein warmes Essen, solange der Vorrat reicht.
Nach unserem Einsatz essen Candida und ich mit anderen MitarbeiterInnen zu Mittag. Wenn sie langsam sprechen, komme ich schon einigermassen mit. Gina, eine Helferin erzaehlt mir, dass es viele dieser Zentren gibt, wenn ich richtig verstanden habe, sagte sie 110. Der Staat finanziert ein paar Angestellte und das Lokal.
Fuer den Betrieb erhalten sie 300 Reais pro Monat. Bei den durchschnittlich 300 Menschen, die hierher kommen, um ein Essen pro Tag zu haben, entspricht das 1 Reai pro betreuter Person pro Monat! 2,6 Reais entsprechen einem Euro.
Fuer viele ist es normal, dass der Staat nur ein wenig zur sozialen Absicherung beitraegt bzw. beitragen kann. Dafuer ist hier Privatinitiative noetig. Dieses Netz aber ist unverlaesslich - so gibt es eben nur soviel zu Essen, wie die Freiwilligen Lebensmittel organisieren konnten.
Bild: Candidinha in St. Martin

Als Kontrastprogramm schleppe ich die tapfere Candida anschliessend durch das groesste Shopping-Center in diesem Bezirk names Tatuapé. Er duerfte einwohnermaessig so gross sein wie die drei grossen Staedte Oesterreichs zusammen. Im "Shoping" gibt es jede Menge Kleidergeschaefte mit guenstiger und attraktiver Mode: Die Sommerpullis und Shirts etwa 10 Euro, Jeans zwischen 20 - 40 Euro.
Es ist lehrreich mit Candida unterwegs zu sein. Leute wechseln die Strassenseite und kommen auf sie zu, weil sie immer Zeit fuer ein paar Worte hat. Es gibt Haendeschuetteln, Umarmung, Bussi (einmal!). Jeder und jede, der mir vorstellt wird, ist "uma grande amiga". Vor dem Einkaufszentrum geht sie direkt auf eine Reinigungsfrau zu. Wo die grad steht, stinkts nach Pissoir, aber Candida laesst sich nicht aufhalten. Fuer ein paar Minuten sind die zwei ins in ein lebendiges Gespraech vertieft. Mir scheint, Candida bedankt sich, weil die Frau eine fur uns alle wichtige Arbeit macht.
Die unwiderstehliche Candidinha nennt mich meistens Rosinha!
Unter ihrem kritischen Blick stellt sich kein Kaufrausch ein. Fuer sie ist es unverstaendlich, soviel Geld fuer Klamotten auszugeben. Ich erstehe ein paar kleine Geschenke fuer die Schwestern und einen Puerierstab. Den gesuchten Datenstick bzw das Kabel bekommen wir leider nicht, drum: Heute noch keine neuen Fotos, sorry!
rosa_r - 22. Nov, 19:54

?!?
Naja die Jeans sind auch nicht gerade sehr viel billiger, wahrscheinlich ist es wie in Bosnien, was ich gehört habe, dass die Leute sehr wenig verdienen und alle eigentlich super teuer ist oder?
Grandes Saludos de Vienna
Damir
PS: Reingard: Kannst du irgendwie Peter, Zeiler (erst ab Freitag) oder mir (dadomir@gmx.net) schreiben wie das jetzt mit dem Juca ist. Ich weiss nicht ob den Aufenthalt die Caritas bezahlt, aber ich werde es auf jeden Fall probieren oder hast du dir schon was mit der Zeiler ausgemacht?
tatuapé