14.12. Japan in Liberdade
Heute Vormittag gabs Feuerwerk in der Schule. Ich dachte an eine Schulschlussparty: “School’s out for summer, school’s our for winter....”
Aber nein, wenn es hier kracht, dann hat Sao Paulo irgendwo auf der Welt ein Fussballmatch gewonnen. Diesmal wars unueberhoerbar in Tokyo.
Das passt, denn am Nachmittag wollte ich ein japanisches Strassenfest besuchen, das mein Reisefuehrer als Geheimtipp bewirbt. Im Stadtteil Liberdade leben zum groessten Teil Japaner. Die Strassenbeleuchtung ist japanisch, die Geschaefte sind japanisch angeschrieben und es gibt mehrere japanische Ausgaben von Tageszeitungen in Sao Paulo.
In den Strassen reiehn sich herrliche Geschaefte einander: Kitsch und schoene Dinge aus Holz und Halbedelstein, Porzellan und elektrische Reiskocher. Ein wunderbares Holzschwert aus edlem dunkelrotem Holz kostet – Atem anhalten – 10 Euro. Gesehen im Japan-Shop.
Candinha hat mich begleitet und ist mit mir durch einen japanischen Garten spaziert. Ich habe ihr ein wenig von der japanischen Spiritualitaet des Augenblicks erzaehlt: “Meister, was tust du, um zur Erleuchtung zu gelangen?” “Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich.” “Ja, Meister, aber das tun wir auch.” “Nein, wenn ihr geht, dann steht ihr schon. Wenn ihr steht, dann sitzt ihr schon. Wenn ihr sitzt, dann geht ihr schon.”
Zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich das Fest nicht finden konnte. Ein Nachmittag mit Candinha beschert aber andere Attraktionen: Wir finden eine winzige Kirche, die fast 300 Jahre alt ist: Zur Madonna von den Noeten. Der Mesner holt sogar die Statuen der Heiligen aus der Vitrine, als er bemerkt, dass ich fotografiere. Candinha plaudert mit jedem und nuetzt die Zeit, auf ihre Weise zu fuer Ordensnachwuchs zu werben: “Nein, ich bin nicht aus Sao Paulo. Ich bin eine Gaucha und ich liebe die Armen. Und ich danke jeden Tag Gott, dass ich eine Ordensfrau bin.”
Dann stolpern wir noch ueber grosse und ueberreichlich ausgemalte Kirche voller Heiligenstatuen, von der Candinha behauptet, dass sie jeder kennt. Weiters finde ich endlich ein Geschaeft, das mir die Fotos von der CD ausdruckt. Das ist fein, denn jetzt habe ich ein Weihnachtsgeschenk fuer jede Schwester!
Wir muessen puenktlich zuhause sein, denn um 7 Uhr gibts die Schulschlussfeier des “Alphabetisierungs-Kurses”. Das sind Jahreskurse mit den Inhalten der Grundschule, verbunden mit erwachsenengerechten Methoden. Caetana hat ein Team von LehrerInnen, die zum groessten Teil ehrenamtlich unterrichten. Seit vier Jahren werden diese Kurse durchgefuehrt und in jedem Jahrgang sind ca. 30 Personen jeden Alters. Fuer diese bedeutet die Abendschule dreimal in der Woche von 18:30 – 21:00 Uhr Unterricht. Beeindruckend, dass sie das durchhalten!
Und es spricht sehr fuer den Stil des Kurses, dass etliche der StudentInnen seit vier Jahren dabei geblieben sind und sogar noch ein Jahr anhaengen wollen.
Die Verabschiedung des vierten Jahrgangs bringt reichlich Emotion. Besonders beruehrend ist die Erzaehlung einer Lehrerin, die berichtet, wie sehr sie sich mit jeder einzelnen freut, wenn es gelingt, sich ein Stueck der Welt des Wissens zu erobern. Sie vollendet ihre kurze Rede mit Traenen.
Im Gespraech mit den anderen LehrerInnen spuere ich die Freude an meinem Beruf, Erwachsenenbildung, deutlich. Hier bin ich richtig.
Terezinha muss frueher weg und zur Parallelveranstaltung: In der Mittelstufe wird ebenfalls ein Jahrgang Jugendlich von ca. 15 Jahren verabschiedet.
Die Schueler der Mittelstufe sind sichtlich nicht aus der Oberschicht. Manche Eltern und Geschwister sind mit dem Ritus der Messe nicht vertraut und wirken etwas verloren.
Der Gottesdienst haette genausogut bei uns statt finden koennen: Der Priester ist jung und bemueht sich redlich, zischt aber haarscharf an den Jugendlichen vorbei, die miteinander konkurrieren, wer unter ihnen der coolste ist. Was bei uns nicht selbstverstaendlich ist: Das Fest wird von einem professionellen Kamerateam dokumentiert. Wieder ein Zeichen fuer den hohen Standard dieser Schule.
Am Schluss rettet Caetana die Messe, indem sie eine kurze, herzliche Ansprache haelt und alle auffordert sich ein Zeichen der Freude und Dankbarkeit zu schenken. Zu Beginn ein wenig vorsichtig, aber bald ohne Hemmung suchen sich jetzt Eltern und AbsolventInnen und fallen einander in die Arme. Auch fuer die Schueler ist das passender Rahmen, sich lachend und weinend voneinander zu verabschieden.
Welche Seligkeit zum Ausklang dieses Tages!

Aber nein, wenn es hier kracht, dann hat Sao Paulo irgendwo auf der Welt ein Fussballmatch gewonnen. Diesmal wars unueberhoerbar in Tokyo.
Das passt, denn am Nachmittag wollte ich ein japanisches Strassenfest besuchen, das mein Reisefuehrer als Geheimtipp bewirbt. Im Stadtteil Liberdade leben zum groessten Teil Japaner. Die Strassenbeleuchtung ist japanisch, die Geschaefte sind japanisch angeschrieben und es gibt mehrere japanische Ausgaben von Tageszeitungen in Sao Paulo.
In den Strassen reiehn sich herrliche Geschaefte einander: Kitsch und schoene Dinge aus Holz und Halbedelstein, Porzellan und elektrische Reiskocher. Ein wunderbares Holzschwert aus edlem dunkelrotem Holz kostet – Atem anhalten – 10 Euro. Gesehen im Japan-Shop.
Candinha hat mich begleitet und ist mit mir durch einen japanischen Garten spaziert. Ich habe ihr ein wenig von der japanischen Spiritualitaet des Augenblicks erzaehlt: “Meister, was tust du, um zur Erleuchtung zu gelangen?” “Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich.” “Ja, Meister, aber das tun wir auch.” “Nein, wenn ihr geht, dann steht ihr schon. Wenn ihr steht, dann sitzt ihr schon. Wenn ihr sitzt, dann geht ihr schon.”
Zu meiner Schande muss ich sagen, dass ich das Fest nicht finden konnte. Ein Nachmittag mit Candinha beschert aber andere Attraktionen: Wir finden eine winzige Kirche, die fast 300 Jahre alt ist: Zur Madonna von den Noeten. Der Mesner holt sogar die Statuen der Heiligen aus der Vitrine, als er bemerkt, dass ich fotografiere. Candinha plaudert mit jedem und nuetzt die Zeit, auf ihre Weise zu fuer Ordensnachwuchs zu werben: “Nein, ich bin nicht aus Sao Paulo. Ich bin eine Gaucha und ich liebe die Armen. Und ich danke jeden Tag Gott, dass ich eine Ordensfrau bin.”
Dann stolpern wir noch ueber grosse und ueberreichlich ausgemalte Kirche voller Heiligenstatuen, von der Candinha behauptet, dass sie jeder kennt. Weiters finde ich endlich ein Geschaeft, das mir die Fotos von der CD ausdruckt. Das ist fein, denn jetzt habe ich ein Weihnachtsgeschenk fuer jede Schwester!
Wir muessen puenktlich zuhause sein, denn um 7 Uhr gibts die Schulschlussfeier des “Alphabetisierungs-Kurses”. Das sind Jahreskurse mit den Inhalten der Grundschule, verbunden mit erwachsenengerechten Methoden. Caetana hat ein Team von LehrerInnen, die zum groessten Teil ehrenamtlich unterrichten. Seit vier Jahren werden diese Kurse durchgefuehrt und in jedem Jahrgang sind ca. 30 Personen jeden Alters. Fuer diese bedeutet die Abendschule dreimal in der Woche von 18:30 – 21:00 Uhr Unterricht. Beeindruckend, dass sie das durchhalten!
Und es spricht sehr fuer den Stil des Kurses, dass etliche der StudentInnen seit vier Jahren dabei geblieben sind und sogar noch ein Jahr anhaengen wollen.
Die Verabschiedung des vierten Jahrgangs bringt reichlich Emotion. Besonders beruehrend ist die Erzaehlung einer Lehrerin, die berichtet, wie sehr sie sich mit jeder einzelnen freut, wenn es gelingt, sich ein Stueck der Welt des Wissens zu erobern. Sie vollendet ihre kurze Rede mit Traenen.
Im Gespraech mit den anderen LehrerInnen spuere ich die Freude an meinem Beruf, Erwachsenenbildung, deutlich. Hier bin ich richtig.
Terezinha muss frueher weg und zur Parallelveranstaltung: In der Mittelstufe wird ebenfalls ein Jahrgang Jugendlich von ca. 15 Jahren verabschiedet.
Die Schueler der Mittelstufe sind sichtlich nicht aus der Oberschicht. Manche Eltern und Geschwister sind mit dem Ritus der Messe nicht vertraut und wirken etwas verloren.
Der Gottesdienst haette genausogut bei uns statt finden koennen: Der Priester ist jung und bemueht sich redlich, zischt aber haarscharf an den Jugendlichen vorbei, die miteinander konkurrieren, wer unter ihnen der coolste ist. Was bei uns nicht selbstverstaendlich ist: Das Fest wird von einem professionellen Kamerateam dokumentiert. Wieder ein Zeichen fuer den hohen Standard dieser Schule.
Am Schluss rettet Caetana die Messe, indem sie eine kurze, herzliche Ansprache haelt und alle auffordert sich ein Zeichen der Freude und Dankbarkeit zu schenken. Zu Beginn ein wenig vorsichtig, aber bald ohne Hemmung suchen sich jetzt Eltern und AbsolventInnen und fallen einander in die Arme. Auch fuer die Schueler ist das passender Rahmen, sich lachend und weinend voneinander zu verabschieden.
Welche Seligkeit zum Ausklang dieses Tages!

rosa_r - 17. Dez, 12:22
