17.12. In der Vorstadt
"Ja, in der Vorstadt sichst den Himmel no a bissl blau. Jeder kennt di ganz genau, wahs garantiert, was alls passiert. Und am Sunntag stengans umanand im Sunntagsgwand."
Wer kennt den Schlager noch?
Dieses Gefuehl habe ich jetzt wieder bei Hilda und Dulce, die etwas feiner von "der Peripherie" sprechen.
Nachmittags gibts Bescherung in der Pfarre: Ein Initiative von Frauen organisiert mehrmals in der Woche Betreuung fuer Kinder aus einem nahe gelegenen Favela.
Doch heute ist natuerlich alles ein wenig anders: Viele Muetter sind gekommen und bringen auch die ganz Kleinen mit. Es gibt Jause, Getraenke, schliesslich auch Kuchen fuer alle und als Hoehepunkt des Nachmittags erscheint auch hier Papa Noel!

Jedes Kind erhaelt ein persoenliches Geschenk. Allerdings diesmal eher "klassisch": Die Maedels Puppen, die Buben Autos und alle kriegen noch was Nettes zum Anziehen.
"Wenn es was zu holen gibt, kommen die Ratten aus den Loechern," meint eine der Ehrenamtlichen, "sonst siehst du keine der Muetter. Sie vergessen sogar die Kinder herzubringen, wenn wir Programm machen."
Die Lebenssituationen sind zu unterschiedlich, das Verstaendnis fuer die anderen ist daher begrenzt. Fuer die einen ist jeder Tag gewonnen, den man ohnen groeberen Schaden ueberstanden hat. Mit der Philosophie: "Nimm, was dir geboten wird. Was du jetzt hast, kann dir keiner mehr nehmen." schlagen sie sich durch. Geld oder Vorraete, die man ordnen oder einteilen muesste, haben sie nicht.
Die anderen leben in einer weniger chaotischen Situation. Sie koennen und muessen ihre Tage, ihre Energie und ihr Geld vorausschauend planen.
Und trotz ihres Aergers und mancher Zweifel, die aufkommen, wenn man kaum Erfolge seiner Arbeit sieht, packen diese Frauen zu. Die Situation der Kinder laesst ihnen keine Ruhe. Etwas konkret zu tun, und sei es im kleinen Rahmen, ist doch befriedigend.
Am Abend kommt ein Ex-Missionar aus Irland, Kollege von Joao, auf Besuch. Wahrscheinlich habe ich den Namen nicht richtig verstanden, klingt so aehnlich wie Vencente (Vinzenz). Er ist jetzt Mitte 50 und hat sich vor 10 Jahren in eine Brasilianerin verliebt. Sie sind gluecklich zusammen, haben zwei Kinder und Vencente fuehlt sich heute mehr als Brasilianer denn als Ire. Er leitet eine Organisation, die die Rechte der BewohnerInnen der Favelas schuetzt.
Vencente berichtet: Seit ueber zwanzig Jahren kaempfen sie fuer die Zuwanderer, die sich am Stadtrand in selbstgebauten Huetten ansiedeln. Sie suchen eine Arbeit in der Stadt, fuer die man keine besondere Qualifikation braucht: Muell einsammeln, arbeiten in Haus und Garten, Suessigkeiten verkaufen etc. Wenn ich schon einen Monat brauche, um mich ein wenig in dieser Stadt zu orientieren - wie wird es erst denen gehen, die hier niemanden haben und fuer die sich kaum einer interessiert?
Wie Padre Joao sagte, sind die groessen Migrationsbewegungen aber vorueber und in den Favelas wurde inzwischen viel erreicht: Kanalisation, Wasser und Strom zu organisieren, war ein grosser Fortschritt. Viele haben ihre Huetten neu gebaut aus Ziegeln, manche sind schon ganz schick. Die groessten Probleme derzeit sind einerseits die Mini-Grundstuecke und andererseits die oft ungeklaerte rechtliche Situation. Die Leute haben keine Ansprueche auf Haus und Grund, auch wenn sie hier vielleicht aufgewachsen sind.
Da die Stadt die Grundstuecke auf mindestens 5 x 25 Meter parzelliert, ist es auch sehr schwer, die Situation zu regeln. Die meisten Bewohner und Familien haben naemlich weit weniger: 3 x 15 Meter oder 5 x 10 Meter. Stellt euch das vor!
Wir verabschieden Clemente, der mich noch herzlich zu einem Treffen seiner Gruppe einlaedt, und machen die Packerl fuer Dulce fertig. Auch diese sollen ja in ein Favela kommen und die Kinderaugen fuer eine Zeit zum Leuchten bringen.
Zuerst aber bringt mich Hilda zum Leuchten: Sie organisiert Musik und bringt eine CD mit Wiener Walzer und "Best of Classic". Ich habe schon wochenlang nichts Nahrhaftes Musikalisches gehoert und schmelze also dahin.
Wer kennt den Schlager noch?
Dieses Gefuehl habe ich jetzt wieder bei Hilda und Dulce, die etwas feiner von "der Peripherie" sprechen.
Nachmittags gibts Bescherung in der Pfarre: Ein Initiative von Frauen organisiert mehrmals in der Woche Betreuung fuer Kinder aus einem nahe gelegenen Favela.
Doch heute ist natuerlich alles ein wenig anders: Viele Muetter sind gekommen und bringen auch die ganz Kleinen mit. Es gibt Jause, Getraenke, schliesslich auch Kuchen fuer alle und als Hoehepunkt des Nachmittags erscheint auch hier Papa Noel!

Jedes Kind erhaelt ein persoenliches Geschenk. Allerdings diesmal eher "klassisch": Die Maedels Puppen, die Buben Autos und alle kriegen noch was Nettes zum Anziehen.
"Wenn es was zu holen gibt, kommen die Ratten aus den Loechern," meint eine der Ehrenamtlichen, "sonst siehst du keine der Muetter. Sie vergessen sogar die Kinder herzubringen, wenn wir Programm machen."
Die Lebenssituationen sind zu unterschiedlich, das Verstaendnis fuer die anderen ist daher begrenzt. Fuer die einen ist jeder Tag gewonnen, den man ohnen groeberen Schaden ueberstanden hat. Mit der Philosophie: "Nimm, was dir geboten wird. Was du jetzt hast, kann dir keiner mehr nehmen." schlagen sie sich durch. Geld oder Vorraete, die man ordnen oder einteilen muesste, haben sie nicht.
Die anderen leben in einer weniger chaotischen Situation. Sie koennen und muessen ihre Tage, ihre Energie und ihr Geld vorausschauend planen.
Und trotz ihres Aergers und mancher Zweifel, die aufkommen, wenn man kaum Erfolge seiner Arbeit sieht, packen diese Frauen zu. Die Situation der Kinder laesst ihnen keine Ruhe. Etwas konkret zu tun, und sei es im kleinen Rahmen, ist doch befriedigend.
Am Abend kommt ein Ex-Missionar aus Irland, Kollege von Joao, auf Besuch. Wahrscheinlich habe ich den Namen nicht richtig verstanden, klingt so aehnlich wie Vencente (Vinzenz). Er ist jetzt Mitte 50 und hat sich vor 10 Jahren in eine Brasilianerin verliebt. Sie sind gluecklich zusammen, haben zwei Kinder und Vencente fuehlt sich heute mehr als Brasilianer denn als Ire. Er leitet eine Organisation, die die Rechte der BewohnerInnen der Favelas schuetzt.
Vencente berichtet: Seit ueber zwanzig Jahren kaempfen sie fuer die Zuwanderer, die sich am Stadtrand in selbstgebauten Huetten ansiedeln. Sie suchen eine Arbeit in der Stadt, fuer die man keine besondere Qualifikation braucht: Muell einsammeln, arbeiten in Haus und Garten, Suessigkeiten verkaufen etc. Wenn ich schon einen Monat brauche, um mich ein wenig in dieser Stadt zu orientieren - wie wird es erst denen gehen, die hier niemanden haben und fuer die sich kaum einer interessiert?
Wie Padre Joao sagte, sind die groessen Migrationsbewegungen aber vorueber und in den Favelas wurde inzwischen viel erreicht: Kanalisation, Wasser und Strom zu organisieren, war ein grosser Fortschritt. Viele haben ihre Huetten neu gebaut aus Ziegeln, manche sind schon ganz schick. Die groessten Probleme derzeit sind einerseits die Mini-Grundstuecke und andererseits die oft ungeklaerte rechtliche Situation. Die Leute haben keine Ansprueche auf Haus und Grund, auch wenn sie hier vielleicht aufgewachsen sind.
Da die Stadt die Grundstuecke auf mindestens 5 x 25 Meter parzelliert, ist es auch sehr schwer, die Situation zu regeln. Die meisten Bewohner und Familien haben naemlich weit weniger: 3 x 15 Meter oder 5 x 10 Meter. Stellt euch das vor!
Wir verabschieden Clemente, der mich noch herzlich zu einem Treffen seiner Gruppe einlaedt, und machen die Packerl fuer Dulce fertig. Auch diese sollen ja in ein Favela kommen und die Kinderaugen fuer eine Zeit zum Leuchten bringen.
Zuerst aber bringt mich Hilda zum Leuchten: Sie organisiert Musik und bringt eine CD mit Wiener Walzer und "Best of Classic". Ich habe schon wochenlang nichts Nahrhaftes Musikalisches gehoert und schmelze also dahin.
rosa_r - 26. Dez, 15:00
