30.12. Es gibt Arbeit

Tja, ich wollte hier ja irgendwo mitarbeiten. Das scheint nicht so einfach zu sein und ich frage immer wieder: Wo kann man mich denn brauchen?
Stufe eins war das Tellerwaschen, jetzt hat mir Clotilde ein neues Projekt offeriert:
1. Dulce ist Delegierte fuer Lateinamerika bei einer internationalen Zusammenkunft von Ordensleuten, die in der Sozialarbeit taetig sind. Das Treffen findet in Indien im Maerz statt und Dulce wird einen Bericht auf englisch machen, 15 Minuten, mit Powerpoint.
Sie braucht dazu einerseits sprachliche Unterstuetzung, andererseits auch eine Powerpoint-Praesentation. Tja, schade, dass ich den Kurs bei Stefan nicht gemacht habe. Jetzt werde ich mir das selber beibringen muessen, und auf portugiesisch auch noch.
Die Inhalte sind natuerlich spannend fuer mich.
2. arbeitet Clotilde gerade daran, die Geschichte der Congregation in Brasilien zusammenzuschreiben. Auch das soll eine Praesentation werden.
Heute Vormittag zeigt sie mir die bisher gesammelten Texte und Fotos. Kommende Woche werden wir beginnen.

Ein Treffen mit Odonel, dem Leiter von CEFRAN steht am Nachmittag am Programm.
Der gute Mann hat Ferien und nimmt sich am Freitag um 3 Zeit, um mir von seiner Arbeit zu erzaehlen und Jamile, die er noch gar nicht kennt, bei ihrem neuen Projekt zu unterstuetzen. Ich bin gespannt, wie er so ist und fahre zum Restaurant Balloon in der Avenida Ipiranga.

Leider kommt Jamile nicht, ist am Handy auch nicht erreichbar und wir unterhalten uns also allein. Ich bin vorbereitet, habe den Folder von CEFRAN und meine Fragen uebersetzt.
Seine Informationen sind umfangreich.
Nach dem Psychologie-Studium hat er mit der Arbeit in der AIDS-Hilfe begonnen und ist in eines der ersten Projekte eingestiegen. Heute ist er Leiter des Zentrums und zustaendig fuer die Programme, die Personalfuehrung und Teamentwicklung. Die Kontakte mit dem Gesundheitsministerium laufen ebenfalls ueber ihn, denn er gilt als Experte fuer die Arbeit mit HIV-Traegern.
Bild: Odonel mit Mitgliedern der Theatergruppe bei der Weihnachtsfeier
odonel

Er selbst leitet auch Gruppen und berichtet, wie schwer es war, Informationsmaterial fuer diese Zielgruppe zu bekommen. Es gibt zwar Filme und Broschueren ueber AIDS, das HIV-Virus sowie ueber die Konsequenzen fuer die Menschen mit dieser Diagnose: Untersuchungen, Behandlungen, Konsequenzen im Zusamenleben. Diese Informationen sind fuer eine einigermassen gebildetete Mittelschicht geschrieben. Es wird zum Beispiel gezeigt, wie eine AIDS-kranke Tochter ihre Ausbildung mittels PC zuhause fertig macht und dann auch einen Job findet. BewohnerInnen der Favelas aber haben keinen PC daheim. Viele koennen kaum lesen und schreiben. Material, das ihre Realitaet ernst nimmt, existiert nicht. Jetzt hat Odonel Bilder aus Zeitungen ausgeschnitten und mit diesen Bildergeschichten macht er Aufklaerungsarbeit.
Nicht nur das, der Psychologe unterrichtet auch Betriebswirtschaft im Kleinen. Viele seiner Leute finden keine Anstellung, aber sie kreieren ihr eigenes Geschaeft. Wie berechnet man einen Preis? Wie haelt man das Geld fuer das Geschaeft und das persoenliche Geld auseinander? BWL mit Bildergeschichten, fein, das waere auch was fuer mich! Ich freue mich ueber seine Bereitschaft und Kreativitaet, Loesungen fuer den konkreten Bedarf zu finden, und sich damit staendig weiter zu entwickeln.

Mitarbeiterfuehrung in einem multiprofessionellen Team aus Aerztin, Kindergaertnerinnen, Lehrern, Sozialarbeiterinnen, Psychologen, Theologen und dem Kuechen- und Reinigungspersonal - Da hat doch jeder seine eigenen Fachbegriffe und seine Sprache. "Wie machst du das?", frage ich gespannt.
Er grinst. Mindestens die Haelfte seiner Energie braucht er fuer die Koordination der MitarbeiterInnen. (Das ist vielleicht ein zu feiner Begriff.)
Zwei Dinge scheinen sein Erfolgsrezept zu sein:
Erstens: Alle, auch die Leute im Reinigungsteam, haben Kontakt zum Klientel und jede/r versteht etwas von der Arbeit. Es gibt eine Sitzung im Monat und eine Klausur von 2 - 3 Tagen pro Semester mit allen. Das Mitdenken und Mitmischen wird dadurch moeglich. So ist zB die Initiative fuer die Theaterprojekte von einem Mann aus dem Reinigungsteam gekommen. Er hat von Theater mit HIV-Traegern gehoert und wollte das auch machen. Er hat eine Gruppe von MitarbeiterInnen gewonnen, fuer die KlientInnen ein Stueck zu schreiben, und nachdem sie erfolgreich waren, gibt es jetzt mehrere Theatergruppen parallel, mit KlientInnen und MitarbeiterInnen und mit externer Finanzierung.

Und zweitens, in Bezug auf die Fachsprache, meint er: "Ich selbst habe eine psychoanalytische Ausbildung. Aber ich verwende meine Fachbegriffe nicht, wenn die anderen sie nicht verstehen. Es ist wichtig, die eigene Fachsprache anzupassen und eine gemeinsame Sprache zu entwickeln."

Schliesslich will ich noch wissen: "Was ist Erfolg fuer dich?"
"Die Leute kommen nicht zu uns, wegen unserer Gruppen und Beratung, sondern weil sie ein Esspaket oder Medikamente brauchen. Sie haben keine andere Wahl. Sie kommen ohne Hoffnung und viele wollen nicht mehr leben. In der Zeit bei uns passiert viel Positives. Sie erhalten konkrete Hilfe, jemand interessiert sich fuer sie. Sie lernen andere kennen und beginnen, sich gegenseitig zu helfen. Mache finden Partner, heiraten, manche finden einen Job."
"Wieviele sind das?" "Von den 30 - 40 Personen, die nach dem Programm am Ende des Semesters weggehen, sehe ich bei etwa 5 keinen Erfolg. Die anderen haben neuen Lebenswillen und neue Wege gefunden."
Klingt beeindruckend.

Nach dem Treffen schlendere ich noch durch den Kunsthandwerksmarkt an der Praça Republica und wieder zuhause angekommen gibt es eine schoene Ueberraschung:
Von Peter ist ein Packerl angekommen mit zwei Bildbaenden: Wien und Oesterreich in den Jahreszeiten. Klasse jetzt die Winterbilder zu sehen!

Zur Aufheiterung eine Bananenbluete, heute speziell fuer das Geburtstagskind Peter Golderer.
bananenbluete
peterwien - 2. Jan, 09:06

Presentacao!

Frei übersetzt ins Portugiesische/Brasilianische/oder Braslish?
Viel Spass mit Powerpoint, das ist nicht so schwierig, habe ich mir auch selber beigebracht, allerdings mit einer deutschsprachigen Version - aber ich bin nicht so anspruchsvoll wie Du, was Probleme betrifft. Wenn Du mit Englisch Hilfe magst, bitte schick mir Unterlagen, aber an die Büro-email-Adresse - Du weisst, langsames Modem daheim.

Nochmals alles Gute für 2006 - und toi-toi-toi für die weitere "Arbeitssuche"!
Peter

rosa_r - 2. Jan, 22:14

volltreffer

ja precentação ist richtig!
danke liebster fuer das angebot zweng englischer hilfe. nehme ich gerne an. vor deinem jahresabschluss wird der text noch nicht fertig sein, denn dulce recherchiert noch.
dann wird der entwurf noch an verschiedenen orten diskutiert und erst die letztfassung werde ich uebersetzen. aber bitte nicht lachen, ja!?
wegen der arbeitssuche bin ich an und fuer sich zuversichtlich, es gibt noch viele offene tueren: ein projekt in piaui, ein besuch in manaus (amazonas) und anderes schwebt mir im kopf herum. mal schaun.
allerherzlichstes danke fuer den kommentar, endlich mal wieder ein echo!

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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