1.1. Felíz ano novo!
Das Neujahrskonzert wird heuer in 50 Laender uebertragen. In Brasilien kriegen sie es nicht, nicht einmal mit Kabel in der Schule. Das haben die Schwestern fuer mich schon auskundschaftet. Ich nuetze den Vormittag daher am PC.
Das Mittagessen ist heute sehr schlicht, denn Letitia, die Koch-Zaubererin, hat sich frei genommen. Die frisch importierte original Alt-Wiener-Schrammelmusik im Hintergrund stimuliert Heurigengefuehle bei mir, da passt das Hendl samt italienischem Salat dann doch wieder!
Am Nachmittag besuchen wir das Landgut und endlich auch Sr. Raimunda, die letzte der deutschen Schwestern, die die Kongregation vor etwa 70 Jahren in Brasilien aufgebaut haben.
Raimunda ist 94 und sieht aus wie 70. "Nein, ich will nicht zurueck. Ich bin ja mehr Brasilianerin wie die da!" sagt sie lachend und zeigt auf ihre Mitbewohnerinnen. Die geben zu: Als Raimunda 1938 nach Brasilien gekommen ist, waren sie noch nicht geboren.
Raimunda stammt aus Passau und hat keine hoeheren Schulen besucht. Sie hat immer in der Kueche und im Garten gearbeitet. Deutschland hat sie verlassen, als Hitler die Schulen der Schwestern gesperrt hat. Jedes Jahr sind mehr Schwestern gekommen, zuletzt waren sie etwa 50, erzaehlt sie. Keine konnte die Sprache, aber arbeiten war man gewoehnt.
Nur in den ersten Wochen wohnten sie bei anderen Ordensleuten.
In den ersten 10 Jahren im fremden Land gruendeten die Frauen etwa 10 Gemeinschaften und mehrere Schulen nach den Grundsaetzen von Mary Ward. "Es war kein Kinderspiel." Hunger und Abhaengigkeit von der Hilfe anderer war normal. Die Schwestern in Deutschland hatten selber nichts zu essen. "Die haben schon geholfen, aber konnten nicht viel schicken."
Nach dem Krieg wurde hier, etwa 20 Kilometer ausserhalb von Sao Paulo, ein Kindergarten und eine Grundschule aufgebaut. "Es gab damals keine einzige Schule hier." Die Menschen waren genauso arm, wie die Schwestern. "Die Kinder haben im Winter so gefroren, dass sie gar nicht lernen konnten." So hat man eben auch Kleider und Lebensmittel erbettelt.
Raimunda ist mit ihrem Lebenswerk zufrieden. "Heute ist alles viel besser. Die Leute haben etwas aus sich gemacht. Sie haben gelernt, dass man nicht nur dasitzen kann und zuschauen, wie andere arbeiten." Und Raimunda freut sich sehr, dass sie immer wieder von Ehemaligen angesprochen wird - an deren Namen sie sich nicht mehr erinnert.
Die Gartenarbeit hat Raimunda erst in Brasilien und aus Buechern gelernt. Mit viel Erfahrung hat sie ihr Wissen perfektioniert, sodass SchuelerInnen und Schwestern schliesslich weitgehend von den eigenen Produkten leben konnten. Heute geht sie nicht mehr in den Garten. "Ich gehe immer aussen herum.", meint sie, denn sie will sich und andere nicht veraergern. Zuviel passt ihr nicht an dem, wie die Angestellten heute arbeiten.
Die Strasse ist zwar nach Mary Ward benannt, leider aber waren die Schwestern nicht ebenso erfolgreich beim Bemuehen, dass sie auch asphaltiert wird.
Vor fuenf Jahren wurde das Haus aus- und umgebaut. Das neue Bildungs- und Exerzitienhaus ist innen und aussen von Kuenstlern gestaltet worden: Klare Linien, Luft und Licht und viel Natur auch im Haus schaffen ein asketisches und doch warmes Ambiente. Hier gehe ich zwischen Palmen, bluehenden Straeuchern, Orchideen und Farnen, Kakteen und Lilien. Einzelne kunstvolle Gegenstaende wie auch ausdrucksstarke Bilder des Jesuiten Fernandes schaffen Brennpunkte.

Die Zimmer sind schoen und schlicht, je zwei haben Zugang zum selben Bad / WC, das elegant und grosszuegig wirkt.
Liebe KollegInnen aus Lainz, das waere doch eine gute Adresse fuer einen Betriebsausflug!
Ein frohes, erfuelltes Neues Jahr!
Let the sun shine in!
Das Mittagessen ist heute sehr schlicht, denn Letitia, die Koch-Zaubererin, hat sich frei genommen. Die frisch importierte original Alt-Wiener-Schrammelmusik im Hintergrund stimuliert Heurigengefuehle bei mir, da passt das Hendl samt italienischem Salat dann doch wieder!
Am Nachmittag besuchen wir das Landgut und endlich auch Sr. Raimunda, die letzte der deutschen Schwestern, die die Kongregation vor etwa 70 Jahren in Brasilien aufgebaut haben.
Raimunda ist 94 und sieht aus wie 70. "Nein, ich will nicht zurueck. Ich bin ja mehr Brasilianerin wie die da!" sagt sie lachend und zeigt auf ihre Mitbewohnerinnen. Die geben zu: Als Raimunda 1938 nach Brasilien gekommen ist, waren sie noch nicht geboren.
Raimunda stammt aus Passau und hat keine hoeheren Schulen besucht. Sie hat immer in der Kueche und im Garten gearbeitet. Deutschland hat sie verlassen, als Hitler die Schulen der Schwestern gesperrt hat. Jedes Jahr sind mehr Schwestern gekommen, zuletzt waren sie etwa 50, erzaehlt sie. Keine konnte die Sprache, aber arbeiten war man gewoehnt.
Nur in den ersten Wochen wohnten sie bei anderen Ordensleuten.
In den ersten 10 Jahren im fremden Land gruendeten die Frauen etwa 10 Gemeinschaften und mehrere Schulen nach den Grundsaetzen von Mary Ward. "Es war kein Kinderspiel." Hunger und Abhaengigkeit von der Hilfe anderer war normal. Die Schwestern in Deutschland hatten selber nichts zu essen. "Die haben schon geholfen, aber konnten nicht viel schicken."
Nach dem Krieg wurde hier, etwa 20 Kilometer ausserhalb von Sao Paulo, ein Kindergarten und eine Grundschule aufgebaut. "Es gab damals keine einzige Schule hier." Die Menschen waren genauso arm, wie die Schwestern. "Die Kinder haben im Winter so gefroren, dass sie gar nicht lernen konnten." So hat man eben auch Kleider und Lebensmittel erbettelt.
Raimunda ist mit ihrem Lebenswerk zufrieden. "Heute ist alles viel besser. Die Leute haben etwas aus sich gemacht. Sie haben gelernt, dass man nicht nur dasitzen kann und zuschauen, wie andere arbeiten." Und Raimunda freut sich sehr, dass sie immer wieder von Ehemaligen angesprochen wird - an deren Namen sie sich nicht mehr erinnert.
Die Gartenarbeit hat Raimunda erst in Brasilien und aus Buechern gelernt. Mit viel Erfahrung hat sie ihr Wissen perfektioniert, sodass SchuelerInnen und Schwestern schliesslich weitgehend von den eigenen Produkten leben konnten. Heute geht sie nicht mehr in den Garten. "Ich gehe immer aussen herum.", meint sie, denn sie will sich und andere nicht veraergern. Zuviel passt ihr nicht an dem, wie die Angestellten heute arbeiten.
Die Strasse ist zwar nach Mary Ward benannt, leider aber waren die Schwestern nicht ebenso erfolgreich beim Bemuehen, dass sie auch asphaltiert wird.
Vor fuenf Jahren wurde das Haus aus- und umgebaut. Das neue Bildungs- und Exerzitienhaus ist innen und aussen von Kuenstlern gestaltet worden: Klare Linien, Luft und Licht und viel Natur auch im Haus schaffen ein asketisches und doch warmes Ambiente. Hier gehe ich zwischen Palmen, bluehenden Straeuchern, Orchideen und Farnen, Kakteen und Lilien. Einzelne kunstvolle Gegenstaende wie auch ausdrucksstarke Bilder des Jesuiten Fernandes schaffen Brennpunkte.

Die Zimmer sind schoen und schlicht, je zwei haben Zugang zum selben Bad / WC, das elegant und grosszuegig wirkt.
Liebe KollegInnen aus Lainz, das waere doch eine gute Adresse fuer einen Betriebsausflug!
Ein frohes, erfuelltes Neues Jahr!
Let the sun shine in!
rosa_r - 2. Jan, 02:39
