8.1. Am Rio Negro
Eine Tuere oeffnet die naechste. So sagt man hier.
Und Candinha und ich werden von einer Empfehlung zur naechsten gefuehrt: Als wir gestern das "Bett des Anchieta", eine interessante Fels-Formation, besucht haben, hat uns die Waschmittelverkaeuferin diese Bootsfahrt empfohlen.
Das Boot mit Dieselmotor fasst etwa 30 Menschen und tuckert langsam aus dem Hafen, vorbei an vielen kleinen Fischerbooten. Den Anglern und Reihern am Ufer des Flusses wuensche ich Petri Heil. Ausser diesen vereinzelten Farbtupfern gibt es hier nur ruhiges Wasser und Gruen.

Ich kann mich nicht satt sehen, denn der Fluss windet sich elegant. Seitenfluesse bringen klares Wasser in den dunklen Rio Negro. Ich geniesse den Frieden.
Nach etwa 45 Minuten legen wir an einem kleinen Badestrand an. Pause und Fruechtedrink.
Am Rueckweg bewundere ich eine Grossfamilie und den geduldigen und zaertlichen Umgang der aelteren Generationen mit den Kindern.
Nach zwei Stunden Bootsfahrt schwankt alles. Wie betrunken gehe ich mit Candinha zum Trenzinho und schiesse ein entsprechendes Strandfoto im Vorueberfahren.
Das also ist der Traumstrand, sagen wir nach ein oder zwei Cocktails:

Zuhause brauche ich noch einmal zwei Stunden und einen ausgiebigen Mittagsschlaf, bis die Welt wieder gerade ist. Mit dem Entsafter produzieren Elisabeth und ich koestlichen Cerola-Saft: Die Frucht sieht aus wie rote Kirschen, schmeckt auch ein wenig nach Weichsel und waechst neben der Haustuere.
Das meiste unserer Einkaeufe habe ich bereits verkocht. Heute gibts noch Restlbuffet und wie immer schlemmen wir im Freien.
Fuer die Abendmesse fahren wir mit Trenzinho wieder Richtung Zentrum, zur gelobten neuen Kirche. Gefeiert wird im Untergeschoss, denn oben ist Kirchenbaustelle.
Die Atmosphaere erinnert mich ans Theater: Man kommt, begruesst sich und schwaetzt freundlich, die Insider kennen einander, man mustert sich und tauscht das Allerneueste aus...
Candinha ist unruhig. "Ich fuerchte, das wird noch aerger als bisher", meint sie.
Auf und neben der Buehne laufen die Vorbereitungen. Allein dabei zuzusehen ist schon interessant und waere eine Studie wert: Entscheidungen fallen praktisch nur im Gespraech, werden widerrufen, erneutes Zusammenkommen, noch jemanden hinzuziehen, ausprobieren, wieder besprechen....
Schliesslich kennt sich jede/r aus (oder auch nicht) und es kann improvisiert werden!
Einmal appelliert ein junger, missionarisch wirkender Mann aus der Musikergruppe an die Versammelten, doch bitte zu schweigen und eine Atmosphaere des Gebets aufkommen zu lassen. Er hat selber nicht geglaubt, dass ihm jemand zuhoert.
Vor uns erobert eine fuellige Dame mit ihrem aelteren Begleiter die Sitzplaetze und busselt die Umsitzenden ab. Dabei sieht sie einfach unglaublich aus, meio-bonito. Wie beschreibt man das? Wie nach einer missglueckten Hautstraffung: Augen- und Mundwinkel sind extrem nach unten gezogen, dazu das dicke Makeup, die auffaelligen Farben und der etwas ueberdrehte Habitus, das laesst sie fast clownesk wirken.
Ich muss gestehen, dass ich Candinha einen besonderen Blick zugeworfen habe: Schau dir das an! Eine Minute spaeter wankt ein dicker, kleiner Hund daher und wuselt sich zwischen den Stuehlen durch.
Die sowieso schon unglueckliche Candinha verzieht keine Miene. "Hier fehlt gar nichts." "Aqui não falta nada." meint sie bloss. Mich zerreissts vor lachen, was auch nicht grad fromm ist.
Die Messe beginnt mit ziemlicher Verspaetung und ist sehr folkloristisch: Mit Auftritt der Heiligen Drei Koenige, Tanz, begeistertem Klatschen und Singen der Mitfeiernden.
Eine Musikergruppe von etwa 20 Menschen gestaltet die Messe: Mit ihrem, fuer meine Ohren kreischenden Wechselgesang und beschwingter Musik im 3/4-Takt. Sie spielen Geige, Gitarre und Hammondorgel und afrikanische Percussion-Instrumente.
Die Messe wird ein lautes Fest.
Nach 1,5 Stunden endlich raus in die Nacht, ein wenig gehen. Jetzt ist es etwa halb 10 und inzwischen angenehm warm. Wir kommen zu einem Supermarkt und ich kaufe Brot fuers Fruehstueck ein. Der Laden hat taeglich 24 Stunden geoeffnet. Die Mitarbeiter wirken muede. An der Kasse dreht ein Kunde durch und beschimpft den Kassier, der offenbar nicht wechseln kann. Der junge Mann an der Kassa wirkt wie ein Student im Ferialpraktikum und bleibt stoisch ruhig. Echter Profi oder bereits durchgebrannt. Der Kunde schlachtet die Szene bis zur letzten Moeglichkeit aus. Noch im Weggehen klaefft er herueber, aber es gelingt ihm nicht, den anderen zu provozieren.
Ich bewundere den Kassier, wie es ihm gelingt, diese Aggression abperlen zu lassen. Oder macht es ihm doch zu schaffen?
Er wirkt ein wenig ferngesteuert und agiert wie in Zeitlupe. Ich versuche ihn aufzubauen und quatsche ein bisschen mit ihm. "Gut gemacht, wie du jetzt ruhig geblieben bist!" Er laechelt und schaut mich an. Das freut mich.
Zur Beschleunigung traegt es leider nicht bei.
Und Candinha und ich werden von einer Empfehlung zur naechsten gefuehrt: Als wir gestern das "Bett des Anchieta", eine interessante Fels-Formation, besucht haben, hat uns die Waschmittelverkaeuferin diese Bootsfahrt empfohlen.
Das Boot mit Dieselmotor fasst etwa 30 Menschen und tuckert langsam aus dem Hafen, vorbei an vielen kleinen Fischerbooten. Den Anglern und Reihern am Ufer des Flusses wuensche ich Petri Heil. Ausser diesen vereinzelten Farbtupfern gibt es hier nur ruhiges Wasser und Gruen.

Ich kann mich nicht satt sehen, denn der Fluss windet sich elegant. Seitenfluesse bringen klares Wasser in den dunklen Rio Negro. Ich geniesse den Frieden.
Nach etwa 45 Minuten legen wir an einem kleinen Badestrand an. Pause und Fruechtedrink.
Am Rueckweg bewundere ich eine Grossfamilie und den geduldigen und zaertlichen Umgang der aelteren Generationen mit den Kindern.
Nach zwei Stunden Bootsfahrt schwankt alles. Wie betrunken gehe ich mit Candinha zum Trenzinho und schiesse ein entsprechendes Strandfoto im Vorueberfahren.
Das also ist der Traumstrand, sagen wir nach ein oder zwei Cocktails:

Zuhause brauche ich noch einmal zwei Stunden und einen ausgiebigen Mittagsschlaf, bis die Welt wieder gerade ist. Mit dem Entsafter produzieren Elisabeth und ich koestlichen Cerola-Saft: Die Frucht sieht aus wie rote Kirschen, schmeckt auch ein wenig nach Weichsel und waechst neben der Haustuere.
Das meiste unserer Einkaeufe habe ich bereits verkocht. Heute gibts noch Restlbuffet und wie immer schlemmen wir im Freien.
Fuer die Abendmesse fahren wir mit Trenzinho wieder Richtung Zentrum, zur gelobten neuen Kirche. Gefeiert wird im Untergeschoss, denn oben ist Kirchenbaustelle.
Die Atmosphaere erinnert mich ans Theater: Man kommt, begruesst sich und schwaetzt freundlich, die Insider kennen einander, man mustert sich und tauscht das Allerneueste aus...
Candinha ist unruhig. "Ich fuerchte, das wird noch aerger als bisher", meint sie.
Auf und neben der Buehne laufen die Vorbereitungen. Allein dabei zuzusehen ist schon interessant und waere eine Studie wert: Entscheidungen fallen praktisch nur im Gespraech, werden widerrufen, erneutes Zusammenkommen, noch jemanden hinzuziehen, ausprobieren, wieder besprechen....
Schliesslich kennt sich jede/r aus (oder auch nicht) und es kann improvisiert werden!
Einmal appelliert ein junger, missionarisch wirkender Mann aus der Musikergruppe an die Versammelten, doch bitte zu schweigen und eine Atmosphaere des Gebets aufkommen zu lassen. Er hat selber nicht geglaubt, dass ihm jemand zuhoert.
Vor uns erobert eine fuellige Dame mit ihrem aelteren Begleiter die Sitzplaetze und busselt die Umsitzenden ab. Dabei sieht sie einfach unglaublich aus, meio-bonito. Wie beschreibt man das? Wie nach einer missglueckten Hautstraffung: Augen- und Mundwinkel sind extrem nach unten gezogen, dazu das dicke Makeup, die auffaelligen Farben und der etwas ueberdrehte Habitus, das laesst sie fast clownesk wirken.
Ich muss gestehen, dass ich Candinha einen besonderen Blick zugeworfen habe: Schau dir das an! Eine Minute spaeter wankt ein dicker, kleiner Hund daher und wuselt sich zwischen den Stuehlen durch.
Die sowieso schon unglueckliche Candinha verzieht keine Miene. "Hier fehlt gar nichts." "Aqui não falta nada." meint sie bloss. Mich zerreissts vor lachen, was auch nicht grad fromm ist.
Die Messe beginnt mit ziemlicher Verspaetung und ist sehr folkloristisch: Mit Auftritt der Heiligen Drei Koenige, Tanz, begeistertem Klatschen und Singen der Mitfeiernden.
Eine Musikergruppe von etwa 20 Menschen gestaltet die Messe: Mit ihrem, fuer meine Ohren kreischenden Wechselgesang und beschwingter Musik im 3/4-Takt. Sie spielen Geige, Gitarre und Hammondorgel und afrikanische Percussion-Instrumente.
Die Messe wird ein lautes Fest.
Nach 1,5 Stunden endlich raus in die Nacht, ein wenig gehen. Jetzt ist es etwa halb 10 und inzwischen angenehm warm. Wir kommen zu einem Supermarkt und ich kaufe Brot fuers Fruehstueck ein. Der Laden hat taeglich 24 Stunden geoeffnet. Die Mitarbeiter wirken muede. An der Kasse dreht ein Kunde durch und beschimpft den Kassier, der offenbar nicht wechseln kann. Der junge Mann an der Kassa wirkt wie ein Student im Ferialpraktikum und bleibt stoisch ruhig. Echter Profi oder bereits durchgebrannt. Der Kunde schlachtet die Szene bis zur letzten Moeglichkeit aus. Noch im Weggehen klaefft er herueber, aber es gelingt ihm nicht, den anderen zu provozieren.
Ich bewundere den Kassier, wie es ihm gelingt, diese Aggression abperlen zu lassen. Oder macht es ihm doch zu schaffen?
Er wirkt ein wenig ferngesteuert und agiert wie in Zeitlupe. Ich versuche ihn aufzubauen und quatsche ein bisschen mit ihm. "Gut gemacht, wie du jetzt ruhig geblieben bist!" Er laechelt und schaut mich an. Das freut mich.
Zur Beschleunigung traegt es leider nicht bei.
rosa_r - 13. Jan, 01:04

*fernweh*
(wie braun bist du denn bis jetzt???)
oooooooooooooh, ich beneide dich! *schnüffshcnüff* wollen wir nicht tauschen???
fühl dich umarmt und geküsst
deine tochter
"...musst es nur erwarten koennen"
umaermelung