10. - 12.1. Arbeitstage in Sao Paulo
Die drei Tage verbringe ich hauptsaechlich im Haus mit Arbeit am PC. Kleinere Sensationen sind die Berichte der Schwestern, die jetzt anreisen. Jaenner, Ferienzeit, da machen viele Exerzitien und einen Besuch in der Zentrale. Die Geschichten aus den Gruendungszeiten oder vom Leben im Amazonasgebiet sind spannend.
"Wie weit ist es von euch nach Manaus (das ist die Hauptstadt des Staates Amazonas)?" frage ich Virgina. "Je nachdem: Flussabwaerts 14 - 15 Stunden, flussaufwaerts 20 Stunden." Ich kann mir darunter nicht viel vorstellen und frage nach: "und Kilometer?" Mit leicht verstaendislosem Blick anwortet sie: "Habe ich mal gewusst, aber vergessen."
Tja, so sind die Landkarten verschieden!
Bild: Baumbluete in Suarão

Organisiert wird in diesen Tagen auch einiges: Wir kaufen mein Flugticket. Am 29.1. gehts nach Piaui, im armen Norden Brasiliens zu Schwester Justina.
Dann erkundige ich mich bei verschiedenen Leuten, wie gscheit es ist, Carnaval in Salvador allein zu besuchen. Einhellige Auskunft: Vergiss es.
Célia schafft es ueber ihren Neffen, dass ich statt dessen heute bei der Wahl der Carnavals-Prinzessin dabei sein werde. Bin ja gespannt!
Eine Portugiesisch-Stunde bei Célia habe ich mir noch gegoennt. Wir trafen uns in der bekannten Staedtischen Bibliothek, eine Sehenswuerdigkeit laut Baedecker.
Vor dem Eingang schreit eine offenbar geistig verwirrte und obdachlose Frau. Ihre schwarzen Kleider sind zerissen. Sie hat einige Plastiksackerl im Einkaufswagerl bei sich, das duerfte ihr ganzer Besitz sein. Sie tobt und weint. Célia und ich versuchen herauszufinden, ob wir nicht aertzliche Hilfe organisieren koennen. Die Leute von der Bibliothek verweisen uns auf den Polizeiposten um die Ecke. Dort winkt man ab, die Frau ist ihnen bekannt. Sie wird ab und zu im Spital aufgenommen, aber da sich niemand kuemmert, wieder auf die Strasse gesetzt.
Wie machtlos man sein kann! Als Mensch in der Krise und als Helfer ebenso. Nach unseren erfolglosen Versuchen, gehen auch wir an ihr vorbei in die Bibliothek an unsere Arbeit.
Nach der Stunde ist sie weg. Ich gehe ich zu Fuss etwa 15 Minuten zur U-Bahn entlang einer der Haupteinkaufsstrassen im Zentrum. Mittem am Gehsteig, hinter einem Kiosk, sitzen etwa 7 Jungs mit grossen Plastikflaschen, aus denen der Spiritus bis zu mir riecht. Die Strassenkinder sind nicht irgendwo in einer dunklen Seitenstrasse. Mitten im Leben verpatzen sie "das Orange", konfrontieren mich mit meiner Hilflosigkeit, Ueberforderung.
Sie hinterlassen eine Spur. Solange sie da sind, kann es keinen wirklichen Frieden geben.
Wahrscheinlich fuer niemanden.
Solange wir sie nicht vergessen, wird uns ein Stachel antreiben, die Situation zu verbessern. Sie nicht vergessen, das ist der Anfang! Helft mit!
"Wie weit ist es von euch nach Manaus (das ist die Hauptstadt des Staates Amazonas)?" frage ich Virgina. "Je nachdem: Flussabwaerts 14 - 15 Stunden, flussaufwaerts 20 Stunden." Ich kann mir darunter nicht viel vorstellen und frage nach: "und Kilometer?" Mit leicht verstaendislosem Blick anwortet sie: "Habe ich mal gewusst, aber vergessen."
Tja, so sind die Landkarten verschieden!
Bild: Baumbluete in Suarão

Organisiert wird in diesen Tagen auch einiges: Wir kaufen mein Flugticket. Am 29.1. gehts nach Piaui, im armen Norden Brasiliens zu Schwester Justina.
Dann erkundige ich mich bei verschiedenen Leuten, wie gscheit es ist, Carnaval in Salvador allein zu besuchen. Einhellige Auskunft: Vergiss es.
Célia schafft es ueber ihren Neffen, dass ich statt dessen heute bei der Wahl der Carnavals-Prinzessin dabei sein werde. Bin ja gespannt!
Eine Portugiesisch-Stunde bei Célia habe ich mir noch gegoennt. Wir trafen uns in der bekannten Staedtischen Bibliothek, eine Sehenswuerdigkeit laut Baedecker.
Vor dem Eingang schreit eine offenbar geistig verwirrte und obdachlose Frau. Ihre schwarzen Kleider sind zerissen. Sie hat einige Plastiksackerl im Einkaufswagerl bei sich, das duerfte ihr ganzer Besitz sein. Sie tobt und weint. Célia und ich versuchen herauszufinden, ob wir nicht aertzliche Hilfe organisieren koennen. Die Leute von der Bibliothek verweisen uns auf den Polizeiposten um die Ecke. Dort winkt man ab, die Frau ist ihnen bekannt. Sie wird ab und zu im Spital aufgenommen, aber da sich niemand kuemmert, wieder auf die Strasse gesetzt.
Wie machtlos man sein kann! Als Mensch in der Krise und als Helfer ebenso. Nach unseren erfolglosen Versuchen, gehen auch wir an ihr vorbei in die Bibliothek an unsere Arbeit.
Nach der Stunde ist sie weg. Ich gehe ich zu Fuss etwa 15 Minuten zur U-Bahn entlang einer der Haupteinkaufsstrassen im Zentrum. Mittem am Gehsteig, hinter einem Kiosk, sitzen etwa 7 Jungs mit grossen Plastikflaschen, aus denen der Spiritus bis zu mir riecht. Die Strassenkinder sind nicht irgendwo in einer dunklen Seitenstrasse. Mitten im Leben verpatzen sie "das Orange", konfrontieren mich mit meiner Hilflosigkeit, Ueberforderung.
Sie hinterlassen eine Spur. Solange sie da sind, kann es keinen wirklichen Frieden geben.
Wahrscheinlich fuer niemanden.
Solange wir sie nicht vergessen, wird uns ein Stachel antreiben, die Situation zu verbessern. Sie nicht vergessen, das ist der Anfang! Helft mit!
rosa_r - 13. Jan, 19:24

hmmmm
nach deinem aufruf bin ich gar nicht mehr so zufrieden mit mir. der stachel ist wichtig, ich weiß. aber manchmal tut er so weh und ich fühle mich nur noch hilfloser. aber ich glaube, das hab ich von dir.
danke!
mein liebes
interessant ist, dass du schreibst, dass es weh tut.
weh tun kann es ja nur, wenn du die menschen lieb hast.
und / oder wenn dein stolz angekratzt wird, weil du die grenzen deiner macht anerkennen musst. aber das fuehlt sich anders an.
vielleicht ist das eine antwort: in der liebe bleiben
sie fuehrt auch aus dem schmerz wieder heraus.