23.1. Geburtstag von Maria Ward
Heute muss ich natuerlich von Maria Ward erzaehlen, einer unvergesslichen Frau.
Die kleine Maria heisst eigentlich Mary und wird am 23. Jaenner bei York geboren. Sie waechst in turbulente Zeiten hinein: Man schreibt 1585.
In Englang tobt grausamer Religionskrieg seit Generationen. Gerade werden die katholischen unter Druck gesetzt, enteignet, gefoltert. Drei Familienangehoerige werden hingerichtet. Nach wenigen Jahren mit Eltern und Geschwistern wird Maria mit der Grossmutter "aufs Land" in Sicherheit gebracht. Diese hat 14 Jahre im Kerker verbracht.
Es sind unvorstellbar starke Menschen und besonders Frauen, die sich dem Willen der Herrschenden nicht beugen. In diesem Klima waechst Maria auf. Schon als Maedchen will sie sich nicht an Familie und eine gute "Frauen-Karriere" binden. Sie will frei sein, und sich ganz ihrem Ideal hingeben, und - was sehr realistisch ist - ihr Leben im Kampf verlieren.
Doch zuerst muss sie es schaffen, den fuer Frauen ihres Standes vorgezeichneten Weg zu verlassen. Sie schlaegt eine Ehe aus, die alle gern gesehen haetten. Mit Muehe ueberzeugt sie den Vater, der ihre Lebenentscheidung schwer akzeptieren kann: Ein Leben, das weder einfach noch beruhigend fuer die Familie sein wird. Sie will in ein strenges Kloster, und das ist in der Heimat natuerlich unmoeglich. Es bedeutet wirklich alles zu verlassen, auch die Familie, Freunde, die eigene Sprache. Im Alter von 21 Jahren macht sich Maria auf in die Fremde und wird Clarissin in St. Omer, im heutigen Belgien.
Doch der Traum zerbricht, Maria ist ungluecklich, hier ist nicht der Ort wo sie hingehoert. Sie vertraut der inneren Leitung, die sie betend spuert, und einem Berater, einem Jesuiten, der sie gut kennt. Es geht zurueck nach England. Dort fuehrt sie ein Doppelleben: Als Tochter des Landedelmannes geistvoll und integriert in ihre Kreise und gleichzeitig im Untergrund fuer die katholische Bewegung aktiv.
Sie ist nicht die einzige, die es Gaeren spuert. Einige junge Frauen fuehlen die Geistesverwandtschaft mit Maria und werden enge Gefaehrtinnen.
Unter der Leitung der 25-jaehrigen Maria wandern sie aus, wiederum nach St. Omer, und gruenden dort eine Schule für englische Mädchen. Weitere junge Frauen aus England kommen, bald sind sie 50.
Maria ist unruhig, sie spuert, dass sie etwas angezettelt hat und jetzt weiter fuehren soll, aber sie hat noch keine Sicherheit, wie und wohin. 1611, mit 26 Jahren, gewinnt sie diese in einer Vision: "Nimm das Gleiche wie die Gesellschaft Jesu!"
Die Gesellschaft Jesu, die Gemeinschaft der Jesuiten, waren die Reformbewegung des Ignatius. Dieser hatte keine Kloester gegruendet, sondern Intiativen der Hoffnung und des Lebens beginnen wollen mit freien Maennern, "wo immer die Not am groessten ist". Nicht wo es eine sichere Pfruende fuer sie gibt.
Maria soll die Staerken der Frauen einbringen in diesen Prozess. Eine Aufgabe, die man ihr nicht so leicht abnimmt. "Die Staerken der Frauen - was soll das sein?" - bei den herrschenden Maennern eine sehr umstrittene Sache.
Maria Ward lebt ein Bild der Frau vor, das fuer "normale Menschen" erst Jahrhunderte spaeter denkbar wird: Frauen haben die selben Menschenrechte wie Maenner. Sie haben ihre Wuerde und sollen ihre Faehigkeiten entwickeln und zum Wohl der Gesellschaft einsetzen. Die Umwelt sieht das anders:
- Frauen sollen die Poltik nicht nur ausbaden, sondern mitbestimmen? Das glaubt die Mehrheit der Maenner in Europa erst etwa 300 Jahre spaeter.
- Frauen sollen studieren? Wird vielerorts erst 350 Jahre spaeter moeglich.
- Frauen am Steuer? Meine Freundin Poldi, eine der ersten Frauen mit Fueherschein in Wien, erzaehlt oefter, wie ihr in den 50-er Jahren maennliche Fahrer mit einem Kochloeffel herumfuchelnd gezeigt haben, wo sie scheinbar hingehoert.
- Frauen als Leiterinnen in der Kirche? ...
Doch zurueck zu Maria. Natuerlich wollen die jungen Frauen, die im katholischen Ausland in Sicherheit sind, ihre Familien und Freunde zuhause unterstützten. Maria selbst faehrt oefter nach England und arbeitet mit den Priestern im Untergrund zusammen. Sie wird steckbrieflich gesucht, mehrmals verhaftet, auch zum Tod verurteilt, kann aber immer wieder fliehen bzw. kommt frei.
Auf dem Festland widmen sich die Schwestern hauptsaechlich dem Unterricht und der Erziehung von Mädchen. Es werden mehrere Schulen gegruendet und Maria greift in alle moeglichen und unmoeglichen Verhaeltnisse ein.
Sie kümmert sich um Verwundete und Sterbende auf einem Schlachtfeld, sie sammelt herumstreunende und heimatlose Kinder, einmal schützt sie ein Mädchen vor der Zudringlichkeit brutaler Soldaten. Ihre Tätigkeit erregt bald Aufsehen.
Kurfürst Maximilian I. von Bayern beruft sie nach München und empfiehlt sie Kaiser Ferdinand II (von Oesterreich). Sie erhaelt viel Unterstuetzung fuer den Aufbau ihrer Organisationen.
Und sie erregt unglaublichen Widerstand, durch das Ueberschreiten der "natuerlichen Grenzen einer Frau". Besonders von kirchlicher Seite werden die Neuerungen dieser religioes, sozial und gesellschaftlich motivierten Frauen als gefaehrlich empfunden und bekaempft:
- die Bewegungsfreiheit ausserhalb eines Klosters
- die selbstaendige Arbeit in den Werken
- die Leitung des Instituts durch Maria Ward selbst - eine Frau!
Nachdem ihre Bitte, das Institut so anzuerkennen, wie es ihr die innere Stimme angegeben hat, nicht gehoert wird, macht sie sich auf den Weg nach Rom: 1500 km zu Fuss. Sie vertraut den Kraeften, die sie motivieren, und glaubt damit auch andere ueberzeugen zu koennen.
Sie erste Reise verlaeuft auch einigermassen positiv. Der Papst ist freundlich und anerkennend. Aber der Weg durch die Instanzen ist lang und der Widerstand gegen diese Bewegung selbstaendiger Frauen waechst rasch.
Bei ihrem zweiten Aufenthalt in Rom verteidigt die inzwischen 44-jaehrige die Gemeinschaft vor einer Versammlung von Kardinälen und legt den jetzt ausgereiften Plan vor. Dennoch hebt Papst Urban VIII. das Institut auf.
1631 - das Jahr in dem "der Spuk" zu Ende sein soll. Die leitenden Schwestern werden abgesetzt, zum Teil inhaftiert. Die Schulen muessen geschlossen oder uebergeben werden. Die Mitglieder der Gemeinschaft haengen jetzt in der Luft, ohne Rueckhalt und akzeptierten Lebensstand: "Ledig" gibt es nicht. Eine Frau gehorcht entweder dem Vater, einem Ehermann oder ist in einem "ordentlichen Koster". Trotzdem bleiben einige der Idee und Maria treu. Man arbeitet weiter so gut es geht.
Schliesslich soll "das Uebel mit der Wurzel ausgerissen werden": Maria wird als Ketzerin in München gefangen genommen. 10 Monate verbringt sie zum Teil im Kerker und in Hausarrest.
Eingesperrt und krank muss sie miterleben, wie ihre Arbeit weiter zusammenfaellt. Sie beeindruckt die Menschen, durch ihre Kraft zu lieben und ihre innere Gewissheit, dass ihr Weg der richtige ist.
Nach ihrer Freilassung geht Maria ein drittes Mal nach Rom und erbittet vom Papst die Befreiung von der Beschuldigung der Ketzerei und die Erlaubnis zum gemeinschaftlichen Leben mit ihren Mitarbeiterinnen. Teilweise wird es ihr gewaehrt, sie bleibt aber den Rest des Lebens in unterschiedlichen Formen ueberwacht.
1639, mit 54 Jahren und schwer krank, reist sie ein letztes Mal in ihre Heimat, wo immer noch Bürgerkrieg herrscht. Als sie am 30. Jaenner 1645 in Hewarth bei York stirbt, ermutigt sie die Gefaehrtinnen: "Ich weiss, dass es die Gemeinschaft geben wird und dass es sie in der Kirche geben wird... Ich empfehle euch, zu tun, wozu ihr euch berufen fuehlt. Tut es beständig, lebenskräftig und liebevoll."

Das ist die Geschichte der Maria Ward, die heute Geburtstag hat.
Und sie geht unglaublich spannend weiter.
Schon bald beginnen einzelne Fuersten und Bischoefe, als einer der ersten der Bischof von Augsburg, die Arbeit der Schwestern zu rehablitieren. Sie finanzieren neue Gruendungen. Natuerlich kann das nicht das vom Papst verbotene Institut sein, nein, unter allen moeglichen Organisationsformen und Namen breitet sich die Idee und Spiritualitaet von Maria Ward weiter aus. "Die englischen Fraeulein", die "Mary Ward Schwestern", zu manchen Zeiten existieren Dutzende eigenstaendige Organisationen im Geist der Maria Ward, weltweit.
333 Jahre nach dem Tod der Gruenderin wird der "roemische Zweig" als "Institutum Beatae Mariae Virginis" von der Kirche anerkannt. Seit 1909 darf Maria Ward wieder als Stifterin des Instituts genannt werden. In den verschiedenen Zweigen bemueht man sich um organisatorischen Zusammenschluss und um die gemeinsame Spiritualitaet.
Der Impuls des Zweiten Vatikanums treibt viele Schwestern an, die Anerkennung der Ordensregeln in der Form zu erreichen, wie sie von der Gruenderin angestrebt wurden: "Nimm das Gleiche von der Gesellschaft Jesu."
Nach Zustimmung des obersten Jesuiten duerfen die Schwestern in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts endlich einen Teil der Konstitutionen des Ignatius in ihre Lebensregel aufnehmen.
Die Arbeit geht weiter. In einem klug angelegten und ueber Jahre und Kontinente hinweg gefuehrten Entwicklungsprozess, setzen sich die Schwestern mit diesen Konstitutionen auseinander. Was ist der Impuls, den wir leben und verwirklichen sollen? Wie setzten wir das um, als Frauen in dieser Welt und dieser Kirche des dritten Jahrtausends?
Dieser Prozess erlebt 2002 einen wichtigen Hoehepunkt.
Zu diesem Zeitpunkt sind die ueber 5000 Schwestern in allen Kontinenten bereits soweit fusioniert, dass nur mehr drei Zweige unterschieden werden.
Bei ihrer Generalversammlung 2002 beschliessen die Mitglieder des groessten, sogenannten "roemischen" Zweiges mit Einstimmigkeit, dass sie es jetzt wieder versuchen werden, den Willen von Maria Ward umzusetzen: Mit der von ihr urspruenglich entwickelten Ordensregel und unter einem Namen, der auf Jesus hinweist.
Mit dem neuen Namen: "Congregatio Jesu" gelingt dies schliesslich im Jahr 2004.
Eine junge Gemeinschaft sozusagen, die mich hier gastfreundlich aufgenommen hat.
;-)
Quellen:
http://www.mariaward.de/
http://www.mwrs-ei.de/Mary.htm
http://www.dieterwunderlich.de/Ward.htm
und meine Erinnerungen aus der Einschulung bei Schwester Roswitha in Augsburg, aus den Begegnungen mit den Schwestern CJ und dem Experten fuer die Konstitutionen: Philipp Endean SJ
An meine kundigen LeserInnen: Was fehlt? Gehoert korrigiert oder hinterfragt?
Die kleine Maria heisst eigentlich Mary und wird am 23. Jaenner bei York geboren. Sie waechst in turbulente Zeiten hinein: Man schreibt 1585.
In Englang tobt grausamer Religionskrieg seit Generationen. Gerade werden die katholischen unter Druck gesetzt, enteignet, gefoltert. Drei Familienangehoerige werden hingerichtet. Nach wenigen Jahren mit Eltern und Geschwistern wird Maria mit der Grossmutter "aufs Land" in Sicherheit gebracht. Diese hat 14 Jahre im Kerker verbracht.
Es sind unvorstellbar starke Menschen und besonders Frauen, die sich dem Willen der Herrschenden nicht beugen. In diesem Klima waechst Maria auf. Schon als Maedchen will sie sich nicht an Familie und eine gute "Frauen-Karriere" binden. Sie will frei sein, und sich ganz ihrem Ideal hingeben, und - was sehr realistisch ist - ihr Leben im Kampf verlieren.
Doch zuerst muss sie es schaffen, den fuer Frauen ihres Standes vorgezeichneten Weg zu verlassen. Sie schlaegt eine Ehe aus, die alle gern gesehen haetten. Mit Muehe ueberzeugt sie den Vater, der ihre Lebenentscheidung schwer akzeptieren kann: Ein Leben, das weder einfach noch beruhigend fuer die Familie sein wird. Sie will in ein strenges Kloster, und das ist in der Heimat natuerlich unmoeglich. Es bedeutet wirklich alles zu verlassen, auch die Familie, Freunde, die eigene Sprache. Im Alter von 21 Jahren macht sich Maria auf in die Fremde und wird Clarissin in St. Omer, im heutigen Belgien.
Doch der Traum zerbricht, Maria ist ungluecklich, hier ist nicht der Ort wo sie hingehoert. Sie vertraut der inneren Leitung, die sie betend spuert, und einem Berater, einem Jesuiten, der sie gut kennt. Es geht zurueck nach England. Dort fuehrt sie ein Doppelleben: Als Tochter des Landedelmannes geistvoll und integriert in ihre Kreise und gleichzeitig im Untergrund fuer die katholische Bewegung aktiv.
Sie ist nicht die einzige, die es Gaeren spuert. Einige junge Frauen fuehlen die Geistesverwandtschaft mit Maria und werden enge Gefaehrtinnen.
Unter der Leitung der 25-jaehrigen Maria wandern sie aus, wiederum nach St. Omer, und gruenden dort eine Schule für englische Mädchen. Weitere junge Frauen aus England kommen, bald sind sie 50.
Maria ist unruhig, sie spuert, dass sie etwas angezettelt hat und jetzt weiter fuehren soll, aber sie hat noch keine Sicherheit, wie und wohin. 1611, mit 26 Jahren, gewinnt sie diese in einer Vision: "Nimm das Gleiche wie die Gesellschaft Jesu!"
Die Gesellschaft Jesu, die Gemeinschaft der Jesuiten, waren die Reformbewegung des Ignatius. Dieser hatte keine Kloester gegruendet, sondern Intiativen der Hoffnung und des Lebens beginnen wollen mit freien Maennern, "wo immer die Not am groessten ist". Nicht wo es eine sichere Pfruende fuer sie gibt.
Maria soll die Staerken der Frauen einbringen in diesen Prozess. Eine Aufgabe, die man ihr nicht so leicht abnimmt. "Die Staerken der Frauen - was soll das sein?" - bei den herrschenden Maennern eine sehr umstrittene Sache.
Maria Ward lebt ein Bild der Frau vor, das fuer "normale Menschen" erst Jahrhunderte spaeter denkbar wird: Frauen haben die selben Menschenrechte wie Maenner. Sie haben ihre Wuerde und sollen ihre Faehigkeiten entwickeln und zum Wohl der Gesellschaft einsetzen. Die Umwelt sieht das anders:
- Frauen sollen die Poltik nicht nur ausbaden, sondern mitbestimmen? Das glaubt die Mehrheit der Maenner in Europa erst etwa 300 Jahre spaeter.
- Frauen sollen studieren? Wird vielerorts erst 350 Jahre spaeter moeglich.
- Frauen am Steuer? Meine Freundin Poldi, eine der ersten Frauen mit Fueherschein in Wien, erzaehlt oefter, wie ihr in den 50-er Jahren maennliche Fahrer mit einem Kochloeffel herumfuchelnd gezeigt haben, wo sie scheinbar hingehoert.
- Frauen als Leiterinnen in der Kirche? ...
Doch zurueck zu Maria. Natuerlich wollen die jungen Frauen, die im katholischen Ausland in Sicherheit sind, ihre Familien und Freunde zuhause unterstützten. Maria selbst faehrt oefter nach England und arbeitet mit den Priestern im Untergrund zusammen. Sie wird steckbrieflich gesucht, mehrmals verhaftet, auch zum Tod verurteilt, kann aber immer wieder fliehen bzw. kommt frei.
Auf dem Festland widmen sich die Schwestern hauptsaechlich dem Unterricht und der Erziehung von Mädchen. Es werden mehrere Schulen gegruendet und Maria greift in alle moeglichen und unmoeglichen Verhaeltnisse ein.
Sie kümmert sich um Verwundete und Sterbende auf einem Schlachtfeld, sie sammelt herumstreunende und heimatlose Kinder, einmal schützt sie ein Mädchen vor der Zudringlichkeit brutaler Soldaten. Ihre Tätigkeit erregt bald Aufsehen.
Kurfürst Maximilian I. von Bayern beruft sie nach München und empfiehlt sie Kaiser Ferdinand II (von Oesterreich). Sie erhaelt viel Unterstuetzung fuer den Aufbau ihrer Organisationen.
Und sie erregt unglaublichen Widerstand, durch das Ueberschreiten der "natuerlichen Grenzen einer Frau". Besonders von kirchlicher Seite werden die Neuerungen dieser religioes, sozial und gesellschaftlich motivierten Frauen als gefaehrlich empfunden und bekaempft:
- die Bewegungsfreiheit ausserhalb eines Klosters
- die selbstaendige Arbeit in den Werken
- die Leitung des Instituts durch Maria Ward selbst - eine Frau!
Nachdem ihre Bitte, das Institut so anzuerkennen, wie es ihr die innere Stimme angegeben hat, nicht gehoert wird, macht sie sich auf den Weg nach Rom: 1500 km zu Fuss. Sie vertraut den Kraeften, die sie motivieren, und glaubt damit auch andere ueberzeugen zu koennen.
Sie erste Reise verlaeuft auch einigermassen positiv. Der Papst ist freundlich und anerkennend. Aber der Weg durch die Instanzen ist lang und der Widerstand gegen diese Bewegung selbstaendiger Frauen waechst rasch.
Bei ihrem zweiten Aufenthalt in Rom verteidigt die inzwischen 44-jaehrige die Gemeinschaft vor einer Versammlung von Kardinälen und legt den jetzt ausgereiften Plan vor. Dennoch hebt Papst Urban VIII. das Institut auf.
1631 - das Jahr in dem "der Spuk" zu Ende sein soll. Die leitenden Schwestern werden abgesetzt, zum Teil inhaftiert. Die Schulen muessen geschlossen oder uebergeben werden. Die Mitglieder der Gemeinschaft haengen jetzt in der Luft, ohne Rueckhalt und akzeptierten Lebensstand: "Ledig" gibt es nicht. Eine Frau gehorcht entweder dem Vater, einem Ehermann oder ist in einem "ordentlichen Koster". Trotzdem bleiben einige der Idee und Maria treu. Man arbeitet weiter so gut es geht.
Schliesslich soll "das Uebel mit der Wurzel ausgerissen werden": Maria wird als Ketzerin in München gefangen genommen. 10 Monate verbringt sie zum Teil im Kerker und in Hausarrest.
Eingesperrt und krank muss sie miterleben, wie ihre Arbeit weiter zusammenfaellt. Sie beeindruckt die Menschen, durch ihre Kraft zu lieben und ihre innere Gewissheit, dass ihr Weg der richtige ist.
Nach ihrer Freilassung geht Maria ein drittes Mal nach Rom und erbittet vom Papst die Befreiung von der Beschuldigung der Ketzerei und die Erlaubnis zum gemeinschaftlichen Leben mit ihren Mitarbeiterinnen. Teilweise wird es ihr gewaehrt, sie bleibt aber den Rest des Lebens in unterschiedlichen Formen ueberwacht.
1639, mit 54 Jahren und schwer krank, reist sie ein letztes Mal in ihre Heimat, wo immer noch Bürgerkrieg herrscht. Als sie am 30. Jaenner 1645 in Hewarth bei York stirbt, ermutigt sie die Gefaehrtinnen: "Ich weiss, dass es die Gemeinschaft geben wird und dass es sie in der Kirche geben wird... Ich empfehle euch, zu tun, wozu ihr euch berufen fuehlt. Tut es beständig, lebenskräftig und liebevoll."

Das ist die Geschichte der Maria Ward, die heute Geburtstag hat.
Und sie geht unglaublich spannend weiter.
Schon bald beginnen einzelne Fuersten und Bischoefe, als einer der ersten der Bischof von Augsburg, die Arbeit der Schwestern zu rehablitieren. Sie finanzieren neue Gruendungen. Natuerlich kann das nicht das vom Papst verbotene Institut sein, nein, unter allen moeglichen Organisationsformen und Namen breitet sich die Idee und Spiritualitaet von Maria Ward weiter aus. "Die englischen Fraeulein", die "Mary Ward Schwestern", zu manchen Zeiten existieren Dutzende eigenstaendige Organisationen im Geist der Maria Ward, weltweit.
333 Jahre nach dem Tod der Gruenderin wird der "roemische Zweig" als "Institutum Beatae Mariae Virginis" von der Kirche anerkannt. Seit 1909 darf Maria Ward wieder als Stifterin des Instituts genannt werden. In den verschiedenen Zweigen bemueht man sich um organisatorischen Zusammenschluss und um die gemeinsame Spiritualitaet.
Der Impuls des Zweiten Vatikanums treibt viele Schwestern an, die Anerkennung der Ordensregeln in der Form zu erreichen, wie sie von der Gruenderin angestrebt wurden: "Nimm das Gleiche von der Gesellschaft Jesu."
Nach Zustimmung des obersten Jesuiten duerfen die Schwestern in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts endlich einen Teil der Konstitutionen des Ignatius in ihre Lebensregel aufnehmen.
Die Arbeit geht weiter. In einem klug angelegten und ueber Jahre und Kontinente hinweg gefuehrten Entwicklungsprozess, setzen sich die Schwestern mit diesen Konstitutionen auseinander. Was ist der Impuls, den wir leben und verwirklichen sollen? Wie setzten wir das um, als Frauen in dieser Welt und dieser Kirche des dritten Jahrtausends?
Dieser Prozess erlebt 2002 einen wichtigen Hoehepunkt.
Zu diesem Zeitpunkt sind die ueber 5000 Schwestern in allen Kontinenten bereits soweit fusioniert, dass nur mehr drei Zweige unterschieden werden.
Bei ihrer Generalversammlung 2002 beschliessen die Mitglieder des groessten, sogenannten "roemischen" Zweiges mit Einstimmigkeit, dass sie es jetzt wieder versuchen werden, den Willen von Maria Ward umzusetzen: Mit der von ihr urspruenglich entwickelten Ordensregel und unter einem Namen, der auf Jesus hinweist.
Mit dem neuen Namen: "Congregatio Jesu" gelingt dies schliesslich im Jahr 2004.
Eine junge Gemeinschaft sozusagen, die mich hier gastfreundlich aufgenommen hat.
;-)
Quellen:
http://www.mariaward.de/
http://www.mwrs-ei.de/Mary.htm
http://www.dieterwunderlich.de/Ward.htm
und meine Erinnerungen aus der Einschulung bei Schwester Roswitha in Augsburg, aus den Begegnungen mit den Schwestern CJ und dem Experten fuer die Konstitutionen: Philipp Endean SJ
An meine kundigen LeserInnen: Was fehlt? Gehoert korrigiert oder hinterfragt?
rosa_r - 23. Jan, 19:11

alle achtung
bevor du ins internetlose land entschwindest, noch ein kurzer zuruf: sei bloss froh, dass du nicht hier bist! wenn man nett ist, könnte man die vorgänge in diesem kleinen land als ausgedehnten villacher fasching bezeichnen. also stell dir mal vor: erst müssen wir die klimt bilder hergeben, was anscheinend einen kulturellen kollaps der alpenrepublik auslösen könnte. dann findet man das unwichtigste salzfass der welt, alias saliera, wieder und alle fühlen sich plötzlich wie in einem nationalen krimi. und dann vergleicht sich unser unliebster landeshauptmann mit dem auferstandenen jesus.
ehrlich, ich hab keine illusionen über brasilianische politik und lese enttäuscht vom scheitern des herrn lula. aber die chuzpe der österreicher(und -innen, leider) ist nicht von schlechten eltern. da genieß das weit weg sein und deine cafezinhos.
stimmt mein eindruck, dass du mittlerweile prima auf portugiesisch parlierst? toll!
für die letzten tage in der großen stadt noch alles gute, wenig saudade und schon mal gute reise. ich zähle schon die wochen, bis du wieder hier bist, aber ich vergönn dir auch deine tolle entdeckungsreise.
p