25. - 26.1. Amazonas

Bei uns herrscht "Ruhe vor dem Sturm". Am Samstag ist die grosse Mary Ward-Feier und Zusammenkunft der Schwestern aus dem ganzen Land und alle sind mit Vorbereitungen beschaeftigt. So komme ich dazu, Offenes gut abzuschliessen.

Ich goenne mir noch eine Stunde portugiesisch mit Célia. Wir ueben Konjunktiv. "Mozart haette es gefallen....." wenn er gehoert haette, wie die Kleine Nachtmusik mit Symphonieorchester und Samba-Batterie an seinem 250. Geburtstag in Sao Paulo aufgefuehrt wird!

Der Abschied von Célia geht diesmal ganz leicht. Ich habe das Gefuehl, sie schwingt mit mir und spuert, dass ich jetzt wirklich reif bin fuer einen anderen Ort.

Schwesterherz Christine organisiert mir in Dornbirn eine guenstige Verlaengerung der Unfallversicherung, was komplizierter ist, als ich dachte.

Und Bischof Kraeutler beantwortet meine Anfrage. Hier heisst er nur Dom Erwin.
Ich muss ein wenig ausholen:
Es heisst, seine Dioezese im Amazonasgebiet sei die groesste der Welt - von der Ausdehnung her. Bischof Kraeutler ist vor allem fuer seinen Einsatz zum Schutz von Indios beruehmt. In jedem Jahr sterben Dutzende Indios, die sich gegen illegale Pluenderer von Pflanzen, Tieren und Bodenschaetzen wehren. Man darf sich da keine abenteuerlustigen Goldsucher vorstellen. Da ist organisierte Kriminalitaet im Spiel. Oft wird nicht einmal untersucht, wer die Moerder bzw. deren Auftraggeber waren. Es ist gefaehrlich, zuviel aufzudecken. Bischof Kraeutler steht darum auf Todeslisten und sein Einsatz ist hoch anerkannt.

Wie die Indianer geschuetzt werden sollen, darueber gibt es aber unterschiedliche Meinungen. Dom Erwin hat den Vorsitz von CIMI uebernommen, dem katholischen Rat zum Schutz der indigenen Bevoelkerung. Aus Respekt vor der indianischen Kultur haelt sich CIMI sogar mit Taufen zurueck und ist dagegen, dass sich die Indios einfach der westlichen Konsumgesellschaft anpassen sollen.
Besonders die evangelischen Pfingstkirchen aus den USA werben aber offensiv Mitglieder und argumentieren: "Warum soll ein Indio denn kein Auto haben?"
Wieviel ist Schutz? Wo beginnt Bevormundung? Und wer profitiert davon, wenn die Indios komsumgeil werden?
Padre Guenther erzaehlte: "Die Indios werden heute wie damals uebers Ohr gehauen. Sie wissen nicht was ihr Land und die Bodenschaetze wert sind. Gegen Einkaufsgutscheine lassen sie alles zu. Und wenn ploetzlich viele Leute sterben, sagen die Goldschuerfer: Das liegt nicht am Quecksilber im Wasser. Das ist, weil ihr eure Goetter verzuernt habt!"

Einmal wird Religion missbraucht, um Menschen gefuegig zu machen. Oder sie "reisst Mauern nieder": Macht Menschen selbstbewusst und gibt ihnen Kraft zu kaempfen, fuer sich und fuer andere, auch bei Todesgefahr.
Das Thema der Auffassungen ueber Mission liegt mir normalerweise fern - und schon beim ersten Kontakt fuehrt es mich zu der spannenden Grundfrage zurueck: Wie frei macht dich deine Religion?

Nun zurueck zum Mail von Dom Erwin. Dieser Mann nimmt sich Zeit und beantwortet mein Mail, sogar zweimal. Da faengt es schon mal an. Er wirkt 100% integer auf mich und alle, die ihn hier kennen, schwaermen von ihm. Das moechte ich denen sagen, die ihn mit Spenden unterstuetzen.
(Dom Erwin ist aus Vorarlberg und dort gibt es eine grosse Fangemeinde, die ebenfalls Bruecken zwischen Brasilien und Oesterreich baut.

Er schreibt, dass er einerseits keine Erfahrung mit Praktikanten hat und andererseits in den kommenden Monaten staendig unterwegs sein wird. Er laedt mich aber ein, die Karwoche und Ostern bei ihm zu verbringen. Ein wunderbares Angebot.
bluetenbau-lila

Mit einer Zusage werde ich noch abwarten. Ostern ist ein Hoehepunkt im Kirchenjahr und vielleicht kann und mag ich dort Ostern feiern, wo ich die Wochen davor gewesen bin.
Und das wird hoechstwahrscheinlich im Amazonasgebiet sein, aber weiter westlich, bei Virginia in Codajás. Ihr wisst schon, 15 - 20 Stunden mit dem Boot von Manaus, je nachdem....

So sind die naechsten Stationen jetzt einmal geplant:
Bis ca. 20. Maerz im Bundesstaat Piaui, am Land, arme Gegend, mit Justina und Margarida.
Bis ca. 10. April im Staat Amazonas bei Virginia.
Und zu Ostern vielleicht in Xingu bei Bischof Kraeutler.

Ostern liegt Mitte April; spaetestens am Osterdienstag werde ich nach Sao Paulo zurueckkommen. Ich will mein "Sozialpraktikum" noch gut abschliessen, bevor ich Peter am Flughafen abhole...
Auf uns wartet eine dreiwoechige Rundreise durch dieses wunderbare Land.

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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