27.1. Klosteralltag
Ich bin ja hier schon den dritten Monat "im Kloster", und habe das Beduerfnis, euch ein wenig Einblick zu geben.
Doch, schon ins erste Fettnaepfchen getappt: Mary Ward-Schwestern sind nicht im Kloster. Sie wuerden sich gegen diese Bezeichnung wehren, denn sie legen Wert auf persoenliche Freiheit.
Natuerlich gibt es eine Oberin, aber....
Aber hier keine Theorie, sondern einfach Geschichten:
Es laeutet an der Pforte. Clotilde, die Leiterin, und ich sind in der Naehe und wir gehen aufsperren. Clotilde bleibt in der Tuer stehen, geht gar nicht ueber die Treppen runter zum Gartentor. Ich sehe nicht, wer da steht und kann nur vermuten. Jemand, dem sie gar nicht aufsperren mag?
"Nein Senhora, hier gibt es nichts zu holen, kein Essen und kein Geld!" sagt sie ohne eine Miene zu verziehen. Mich zerreisst es fast vor Neugier, wer da steht und ich draenge mich in die Tuer. Hinter dem Gitter, auf der Strasse steht die Schwester Eulalia, die ein wenig aelter ist, als Clotilde.
Die beiden keppeln hin und her. In der Annahme, dass Clotilde ihre Knie schonen soll, nehme ich ihr den Schluessel ab und gehe hinunter aufsperren.
Eulalia begruesst mich. Ernst schaut sie auf mich und dann auf Clotilde: "Danke, Liebe. Merk dir! Brasilien ist voll von ueblen Kreaturen!" Und danach lachen die beiden los.

Im Haus ists weiterhin turbulent, weil die Schwestern aus allen Landesteilen kommen. Morgen feiern wir im Sitio (siehe 1.1.) den Mary Ward-Tag.
Unter anderem lassen wir Candinha hochleben, denn sie feiert das 50. Ordensjubilaeum. Und einige junge Schwestern legen ihre Versprechen ab.
Jetzt wird natuerlich viel vorbereitet. Letizia, unsere Koechin ist bereits aufs Sitio uebersiedelt und Marlene und ich wetteifern, wer kochen darf. Wenn ich darf, gibt es meine Lieblingsgerichte, unter anderm Krautfleckerl a la Poldi.
Jazinta, die kleine und gebueckte Seniorin mit den lachenden Augen, und Marlene, die so alt ist wie ich, machen Stress beim Abendessen. Sie haben ein "Compromisso" heisst es, eine Verabredung. Oho! Das Geheimnis lueften sie erst, als wir mit dem Abwasch - gottseidank rechtzeitig - fertig sind. "Wir wollen unbedingt die naechste Folge der TV-Serie sehen!"
Ich halts nicht aus! Was fuer ein weltumspannendes Beduerfnis!
Auch am naechsten Tag sitzen wir fuer Jazintas Geschmack wieder zu lange am Tisch. Sie steht auf und faengt schon mal an laut in der Kueche zu werkeln. Obs wieder ein Compromisso gibt, fragt Alberta, die ebenfalls 75-jaehrige MST-Aktivistin.
"Nein, heute nicht!" Wenn Jazinta so harmlos schaut, muss ich schon lachen! "Ich muss meine Gebete noch machen."
"Oh," gibt Alberta zurueck, "das hat Senhora schon heute Nachmittag gesagt. Ist sie nicht dazu gekommen?"
"Doch", meint Jazinta.
"Ja, wie oft betest du denn?", setzt Alberta nach.
"Schon oefter. Also die Vesper und das Nachtgebet."
"Ja, das mach ich auch, aber das geht doch schnell!"
"Ja, bei mir nicht. Ich muss das alles Lesen, ich kanns nicht auswendig." Und nach einer Pause schliesst sie kopfschuettelnd und schmunzelnd ab: "Eigentlich komisch, jetzt bete ich das schon 50 Jahre und kanns noch immer nicht!"
Jazinta ist eine Heilige fuer mich! Nur gut, dass sie das nicht lesen kann. Waere ihr todpeinlich!
Doch, schon ins erste Fettnaepfchen getappt: Mary Ward-Schwestern sind nicht im Kloster. Sie wuerden sich gegen diese Bezeichnung wehren, denn sie legen Wert auf persoenliche Freiheit.
Natuerlich gibt es eine Oberin, aber....
Aber hier keine Theorie, sondern einfach Geschichten:
Es laeutet an der Pforte. Clotilde, die Leiterin, und ich sind in der Naehe und wir gehen aufsperren. Clotilde bleibt in der Tuer stehen, geht gar nicht ueber die Treppen runter zum Gartentor. Ich sehe nicht, wer da steht und kann nur vermuten. Jemand, dem sie gar nicht aufsperren mag?
"Nein Senhora, hier gibt es nichts zu holen, kein Essen und kein Geld!" sagt sie ohne eine Miene zu verziehen. Mich zerreisst es fast vor Neugier, wer da steht und ich draenge mich in die Tuer. Hinter dem Gitter, auf der Strasse steht die Schwester Eulalia, die ein wenig aelter ist, als Clotilde.
Die beiden keppeln hin und her. In der Annahme, dass Clotilde ihre Knie schonen soll, nehme ich ihr den Schluessel ab und gehe hinunter aufsperren.
Eulalia begruesst mich. Ernst schaut sie auf mich und dann auf Clotilde: "Danke, Liebe. Merk dir! Brasilien ist voll von ueblen Kreaturen!" Und danach lachen die beiden los.

Im Haus ists weiterhin turbulent, weil die Schwestern aus allen Landesteilen kommen. Morgen feiern wir im Sitio (siehe 1.1.) den Mary Ward-Tag.
Unter anderem lassen wir Candinha hochleben, denn sie feiert das 50. Ordensjubilaeum. Und einige junge Schwestern legen ihre Versprechen ab.
Jetzt wird natuerlich viel vorbereitet. Letizia, unsere Koechin ist bereits aufs Sitio uebersiedelt und Marlene und ich wetteifern, wer kochen darf. Wenn ich darf, gibt es meine Lieblingsgerichte, unter anderm Krautfleckerl a la Poldi.
Jazinta, die kleine und gebueckte Seniorin mit den lachenden Augen, und Marlene, die so alt ist wie ich, machen Stress beim Abendessen. Sie haben ein "Compromisso" heisst es, eine Verabredung. Oho! Das Geheimnis lueften sie erst, als wir mit dem Abwasch - gottseidank rechtzeitig - fertig sind. "Wir wollen unbedingt die naechste Folge der TV-Serie sehen!"
Ich halts nicht aus! Was fuer ein weltumspannendes Beduerfnis!
Auch am naechsten Tag sitzen wir fuer Jazintas Geschmack wieder zu lange am Tisch. Sie steht auf und faengt schon mal an laut in der Kueche zu werkeln. Obs wieder ein Compromisso gibt, fragt Alberta, die ebenfalls 75-jaehrige MST-Aktivistin.
"Nein, heute nicht!" Wenn Jazinta so harmlos schaut, muss ich schon lachen! "Ich muss meine Gebete noch machen."
"Oh," gibt Alberta zurueck, "das hat Senhora schon heute Nachmittag gesagt. Ist sie nicht dazu gekommen?"
"Doch", meint Jazinta.
"Ja, wie oft betest du denn?", setzt Alberta nach.
"Schon oefter. Also die Vesper und das Nachtgebet."
"Ja, das mach ich auch, aber das geht doch schnell!"
"Ja, bei mir nicht. Ich muss das alles Lesen, ich kanns nicht auswendig." Und nach einer Pause schliesst sie kopfschuettelnd und schmunzelnd ab: "Eigentlich komisch, jetzt bete ich das schon 50 Jahre und kanns noch immer nicht!"
Jazinta ist eine Heilige fuer mich! Nur gut, dass sie das nicht lesen kann. Waere ihr todpeinlich!
rosa_r - 28. Jan, 23:58
