30.1. Von Teresina nach Paes Landim

Terezina ist die “Endstation” des Fluges, Hauptstadt von Piaui und laut Baedecker “heisseste Stadt Brasiliens”. Hier wird die Uhr eine Stunde vorgestellt, jetzt seid ihr vier Stunden frueher dran als ich, also bitte erst am Nachmittag anrufen.

Der Flieger landet puenktlich um halb 2 in der Nacht, Ortszeit 0:30. Die Nacht ist warm und sternenklar. Ein Scheinwerfer am Parkplatz vor dem Flughafen lockt Fledermaeuse an. Ohne zu uebertreiben: Etwa 0,5 m Fluegelspannweite.

Schwester Justina holt mich ab und schlaegt vor, die Zeit bis 4 Uhr frueh im Flughafen zu warten. Danach wird uns ein Taxi zum Busbahnhof bringen und von dort gehts weiter nach Paes Landim. Die Dame ist zwar schon 65, aber offenbar von unerschuetterlicher Energie und Gesundheit. In der Nacht zu reisen scheint hier ueblich zu sein, wahrscheinlich wegen der Hitze. Wir trinken Kaffee, essen ein Haeppchen und erzaehlen uns viel.
Justina war Lehrerin und hat 6 Jahre in Rom gelebt und in der Ordenszentrale (Generalat) im Buero gearbeitet. Nach diesem Einsatz ist sie nicht mehr in die Schule zurueck, sondern hat als Pionierin im Sueden von Brasilien mitgeholfen, die “Pastoral da Criança” (Mutter-Kind-Projekte in den Pfarren) und aufzubauen. Vor 8 Jahren ist sie nach Piaui und uebersiedelt und arbeitet in einer der sieben Dioezesen als Koordinatorin fuer diese Freiwilligenorganisation.

Um 5 sind wir endlich im Bus, ich schlafe sofort ein.
Als ich das erste Mal aufwache, ist es schon hell. Wir fahren durch ebenes Land, “Gegend”, wie man bei uns sagt: Rechts und links nur Buesche und niedere Baeume, Kakteen, Grasflaechen, keine Haeuser oder Menschen weit und breit. Ein Fahrzeug oder ein Bauernhaus sehe ich etwa alle 15 Minuten.

Justina ist ueberrascht: Alles ist frisch-gruen. Sie war in den letzten Tagen in der Hauptstadt und hat nicht gewusst, dass es vorgestern am Land zu regnen begonnen hat!
“Kein Wunder”, erklaere ich, “Ich habe den Regen aus Oesterreich mitgebracht. Meine Familie schrieb, sie haben genug davon!”

Die Reise mit dem Omnibus dauert ueber 8 Stunden. Der Fahrer goennt uns alle zwei Stunden eine Rast. Die vielen Schlagloecher bewirken beeindruckenden Slalom auf der schnurgeraden Strasse. Ab und zu liegen ausgebleichte Knochen am Rand, einmal ein ganzes Gerippe einer Kuh. Ich fuehle mich wie in der Kulisse eines Wild-West-Films. Und so muesst ihr euch auch die Rastplaetze vorstellen: Mit braungebrannten Maennern, die vor der Bar Karten spielen, mit Pferden und Kuehen. Nur gibts daneben auch moderne Autos und die Tankstelle und die Transitbusse, denen man ihre Lebenserfahrung ansieht.

Erst waehrend der letzten Stunde der Fahrt ist die Landschaft trocken, kaum Blaetter an den Baeumen. So sieht es also normal aus. Ob es in unserer Stadt, in Paes Landim geregnet hat?

In Simplicio Mendes befindet sich der naechstgelegene Busbahnhof und den erreichen wir um 2 Uhr nachmittags. Aisa, eine fesche Nachbarin, und Schwester Neide warten schon auf uns, seit 2 Stunden!
Es ist schaurig heiss – und alle reden nur vom Regen: “Ja, wir hatten tuechtig Regen, gracias a Deus!” Aisa faehrt flott die letzten 40 km bis Paes Landim im Pickup der Schwestern: Toyota, 4WD.

Die “Hausfrau” der Gemeinschaft ist Schwester Neide, 72, pensionierte Krankenschwester. Die weisshaarige kleine Frau ist guter Gesundheit, trotz einem steifen Fuss und ihrer Klagen ob der anstrengenden Hitze.
Neide macht alles was sie zum Leben braucht selber, geht selten aus dem Haus, braut allerlei Medizinen, hat ihre Hendln und Kraeuter und tut oft knurrig, wenn sie angesprochen wird. Ihre warmen Augen verraten sie aber: Sie ist sehr hilfsbereit und aufmerksam, das weiss man in der Nachbarschaft. Ihre trockener Humor ist mir sofort sympathisch. Marke: Irgendwo zwischen “weiser Ratgeberin” und Hexe.

Neben den beiden Seniorinnen Neide und Justina leben hier noch Marlene und Maristela, die beiden jungen Schwestern, die mich beraten habeen. Marlene bleibt bis auf weiteres im Sueden, Maristela wird in den naechsten Tagen von Sao Paulo zurueckkommen.

Fuer heute gibts nicht mehr viel zu tun. Duschen, ein paar Plaene schmieden mit Justina, Nach der Messe setzen sich Justina und Neide vor den Fernseher und ich lege mir eine Pacience. Heute gehts frueh ins Bett, Schlaf nachholen.

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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