8. – 10.2. Nachspiel

“Roberto hat keine Zeit”, sagt Neide und meint: Er kennt keine Zeit. Wenn er kommt, ist er halt da.
Bin schon gespannt auf den Hollaender, der am Rand der Welt ein privates Projekt fuer Kinder aufgebaut hat. Am 8.2. sollte er mich abholen, aber er steckt noch in der Hauptstadt fest, erfahren wir am Abend.

Ich werde am 11.2., am Samstag, mit Sebastians LKW mitfahren nach St. Michael. (San Miguel) und dann bleiben.

Die Zeit in Paes Landim koennte verlorene Wartezeit sein, ist es aber nicht. Das Leben schmeckt hier wie dunkle Schockolade, bittersuess, und ich mag das.

Noch ein paar Rueckblicke:

Vor zwei Tagen war der Himmel am Abend bedrohlich gelb-grau, das Licht voellig veraendert, aehnlich wie bei einer Sonnenfinsternis. Ich konnte mich nicht satt sehen und war gespannt auf die Ursache. Am naechsten Tag haben wir erfahren, dass in der Nachbarschaft ein Orkan getobt hat. Bei uns gab es auch Sturm in der Nacht, er hat unsere zwei schoenen Kakteen gebrochen. Sie standen im Vorgarten und waren ueber 2 Meter hoch. Der eine ist entwurzelt und vom anderen steht noch ein trauriger Stumpf da.
Maristela wird “Kakteen hacken”, wenn sie kommt. Neide laesst mich nicht.

Gestern Nachmittag kam noch eine Todesnachricht. Donna Lisima war eine zarte, kleine Frau, europaeisch im Aussehen. Mit den grossen Augen und ihrer Hackennase wirkte sie wie ein Voegelchen, etwas flattrig und verletzlich. Sie war taeglich in der Kirche, immer wenn sie mich sah, ist sie mit ihren vorsichtigen Schritten hergekommen und hat mich umarmt, freundlich und wohlwollend. Durch die Folgen eines Schlaganfalls konnte sie nicht mehr richtig sprechen.
Gestern wurde sie ins Krankenhaus nach Simplicio Mendes gebracht, weil sie sich nicht wohl fuehlte. Dort ist sie ueberraschend noch am selben Tag verstorben.

Wer immer einen Bezug zu ihr hat, geht am Abend zu ihrem Haus. Dort werden Stuehle und Baenke auf der Strasse aufgestellt. Die Strasse ist dunkel, Licht faellt aus den Fenstern und offenen Tueren der Nachbarhaeuser. Leute kommen, warten.
Der Sarg mit der Toten wird abends um 9 gebracht und aufgebahrt. EinTeil der Menschen bleibt im Raum und betet den Rosenkranz. Andere stehen draussen oder in den inneren Raeumen des Hauses und unterhalten sich. Kinder jeden Alters kommen vorbei und wollen die Senhora noch sehen und das Seidentuch streicheln, mit dem sie bekleidet ist. Es ist eine ernste Stimmung im Raum, aber keine laute Emotion und auch kein Grauen.

Die Beerdigung war schon am naechsten Tag, sobald die Verwandten aus Sao Paulo eingetroffen waren.
Es hat ich sehr beruehrt, und mir wieder bewusst gemacht, dass es kein Zufall ist, wenn jemand Teil von meinem Leben wird und ich von seinem.
Ich danke fuer euch alle, die ich euch in meinem Herz mitgenommen habe.

Natuerlich denke ich auch ganz speziell an das Geburtstagskind in Wien!
Sonnige Glueckwuensche Poldi!
Ich bin stolz und freue mich, dich zu kennen. Und ich weiss, dass es mehreren so geht. Du bist fuer uns wichtig! Erzaehle weiter deine Erinnerungen!
Gruesse auch deinen Prinzen
und den Herrn Neffen von Herzen!
Seid umarmt!
heidschnucke - 12. Feb, 15:19

hallo

hallo muttertier!
willkommen zurück ;)
kannst du mittlerweile mails empfangen?
fühl dich umarmt, aber mach vorher die spinnen und käfer weg ;)
mutz
deine heidrun

briwalisa - 13. Feb, 08:19

Hoi Schwöschterle!

Schöa, dass wiada im web bisch, du hosch üs allna gfählt.... mir sin as jetz oafach scho gwöhnt, dass ma mit spannenda Gschichta us Brasil versorgt werdand!!!
Wichtig isch, as goat dar guat - i bia jo scho gschpannt, wias witargoat!!!
Mutz bri

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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