11.2. Ankunft in Sao Miguel
In Paes Landim haelt kein Bus. Wer nicht zu Fuss gehen will, organisiert sich eine sogenannte Carona, eine Mitfahrgelegenheit. Abadia und Sebastian, die zwei von der Opposition, fahren zweimal in der Woche nach Sao Miguel, weil sie hier ein kleines Geschaeft haben. Um 7:30 gehts los, meinten sie, mehr oder weniger. Aber die Nacht war kurz fuer die beiden. Sie beginnen um 7:30 erst mit dem Beladen des Autos. Um 9:00 Uhr fahren wir los, der Weg ist nicht befestigt, nur die typische rote Erde, oefter queren wir Wasserloecher, die so breit sind wie die ganze Strasse.
Bild - Der hat grad den Weg frei gemacht..

Um ¾ 10 in Sao Miguel erwartet mich Roberto im Pfarrhaus. Er duerfte etwas aelter sein als ich, ist gross und duenn. Er spricht gut verstaendliches und hollaendisch-weiches Portugiesisch.
Er scheint ein praktischer Mensch zu sein und macht nicht viele Zeremonien. Als erstes wird die Frage der Unterkunft geklaert. Ich kann aussuchen: Allein wohnen in der Fundacao oder bei Maria Eloisa, der Leiterin des Projektes. Die besuchen wir als erstes. Der Einfachheit halber nenne ich sie Maria, denn ihre Mutter heisst auch Eloisa.
Dann spazieren wir zu dritt zum Gebauede, das keine 5 Minuten entfernt am Rand der Ortschaft liegt. Das Haus ist neu, das Projekt wurde 2005 eroeffnet. In der Mitte des schoenen, hellen Hauses befindet sich eine grosse offene, ueberdachte Aula im Ausmass von etwa 10 x 20 m; rechts und links davon liegen die Raueme fuer die Kindergruppen: “Gruppe Sonnenstrahl” und “Gruppe Glueckskind”lese ich ueber den Tueren.
Weiters gibts eine Kueche, Speisekammer und Waschraum, den Informatikraum, das Buero, einige WC, einen Besprechungsraum, der auch als Bibliothek dient, und mein Zimmer-Bad Apartement.
Die Vorstellung, endlich allein sein zu koennen, ist verlockend, gerne nehme ich an.
Roberto und Maria haendigen mir gleich alle wichtigen Schluessel aus und zeigen mir, wie ich ins Internet einsteigen kann.
Ich bin ueberrascht, wie selbstverstaendlich hier alles fuer mich geoeffnet wird, als waere ich eine alte Bekannte.
Maria begleitet mich anschliessend zum Einkaufen. Ich muss mich ja jetzt selber ernaehren. Brot isst man hier nicht, gibts auch nicht zu kaufen. Alle arbeiten auf dem Feld und essen Mais zum Fruehstueck. Ich werde also auch Riebel machen!
Obst und Gemuese gibt es nur zweimal in der Woche: Freitag und heute, Samstag. Glueck gehabt!
Sebastian und Abadia finde ich in ihrem Geschaeft. Sie freuen sich, dass ich vorbei komme und laden mich ein, die Familie kennen zu lernen. Im oberen Stock wohnt naemlich die Schwester von Abadia und der Bruder von Sebastian. Die beiden sind ebenfalls bald 10 Jahre verheiratet. Also rauf und ein wenig plaudern, und ueberall laeuft der Fernseher...
Zum Mittagessen sind wir im Haus von Maria eingeladen. Ihre Mama hat gekocht: Reis, Bohnen, Ripperl, Salat.
Die gemauert Kochstelle befindet sich im Hof, dort gibt es auch ein kleines Schwein, Huehner und Katzen. Weiters einen grossen Esstisch, den Waschtisch fuer Geschirr und Waesche und einen hohen Arbeitstisch.
Im Haus wird fuer uns drei aufgedeckt. Ich frage verwundert, ob die anderen nicht mitesssen und loese damit ein wenig Hektik aus. “Rosa will, dass wir alle zusammen essen!” heisst es, aber die Anwesenden verdruecken sich mit guten Gruenden. Mama Koechin, entschuldigt sich, dass es leider nicht so leicht ist, alle gleichzeitig an den Tisch zu bekommen und isst selber im Freien.
Maria, Roberto und ich bleiben also unter uns. Maria duerfte Ende 30 sein. Sie hat 8 leibliche Geschwister und einen kleinen Adoptivbruder, den 9-jaehrigen Williams. Einige Jahre arbeitete sie in einem Kinderheim im Nachbarstaat Bahia, in Salvador. Als sie von dort wieder nach Hause uebersiedelte, nahm sie Williams mit. Die Eltern haben ihn schliesslich als 10. Kind adoptiert. Er ist kleinwuechsig und quicklebendig.
Von Maria und ihrer Mutter werde ich eingeladen, bei ihnen im Haus zu schlafen. “Ich haette Angst, so allein da draussen”, meint Maria. “Gibt es einen Grund dafuer?” frage ich mal vorsichtshalber nach. Nein, der Ort ist ruhig, versichern sie. “Hier wird nicht gestohlen, du kannst alles offen lassen.” Nur, die Brasilianerinnen wundern sich: Es ist doch niemand gern allein.
Nach dem Mittagessen beziehe ich mein Zimmer, telefoniere mit Peter, der gottseidank zuhause ist, und lege mich erst mal nieder. Eine Mini-Mitteilung im Blog kostet mich 15 Minuten und Roberto 3 Reais, denn das Netz ist extrem langsam.
In der Ruhe des Nachmittags ist dann ein ausfuehrliches Gespraech mit Roberto moeglich, ueber seine Gruende hier zu leben und die Idee des Projektes. Naeheres folgt.
Ab 4 gibts in der Fundacao Informatik-Unterricht. Heute lehrt Ivone, 18 Jahre alt. Es haengt ein wenig vom Wetter ab, wie viele Schueler erscheinen, heute sind es zwei Kinder. Zuerst heisst es eine halbe Stunde mit Word oder Excel kaempfen, danach duerfen sie zeichnen oder spielen.
Ich lasse mir von der kleinen Bruna das Zeichenprogramm erklaeren – es ist so leicht hier mit allen in Kontakt zu kommen.
Um 6 mache ich mir ein paar Erdaepfel zum Abendessen, kille die Ameisen in der Kueche und geniesse das Essen in der Aula mit Blick auf den See.
Rund um uns ist alles Gruen. Grosse weisse Reiher ziehen ueber den See.
Kleine Stelzenvoegel spazieren vor dem Haus herum und machen ein unglaubliches Geschrei. Um 3/4 7 hoere ich eine Kirchenglocke. Zum ersten mal, seit Monaten. Ob ich Roberto falsch verstanden habe, und der Gottesdienst ist doch schon heute?
Ich marschiere also zur Kirche. Dort werde ich freundlich begruesst, es gibt eine Marienandacht und wir sind etwa 10 Frauen.
Nachher sitze ich noch lange draussen auf dem Platz vor der Kirche und plaudere mit Kindern und Jugendlichen. Sie haben so schoene Namen, aber ich vergesse sie sofort, es ist zuviel Neues fuer mich!
“Geh in der Nacht ins Internet”, empfahl mir Roberto, das mache ich auch und freue mich ueber die Beitraege im Blog.
Mondschein ueber dem See, gute Nacht!
Bild - Der hat grad den Weg frei gemacht..

Um ¾ 10 in Sao Miguel erwartet mich Roberto im Pfarrhaus. Er duerfte etwas aelter sein als ich, ist gross und duenn. Er spricht gut verstaendliches und hollaendisch-weiches Portugiesisch.
Er scheint ein praktischer Mensch zu sein und macht nicht viele Zeremonien. Als erstes wird die Frage der Unterkunft geklaert. Ich kann aussuchen: Allein wohnen in der Fundacao oder bei Maria Eloisa, der Leiterin des Projektes. Die besuchen wir als erstes. Der Einfachheit halber nenne ich sie Maria, denn ihre Mutter heisst auch Eloisa.
Dann spazieren wir zu dritt zum Gebauede, das keine 5 Minuten entfernt am Rand der Ortschaft liegt. Das Haus ist neu, das Projekt wurde 2005 eroeffnet. In der Mitte des schoenen, hellen Hauses befindet sich eine grosse offene, ueberdachte Aula im Ausmass von etwa 10 x 20 m; rechts und links davon liegen die Raueme fuer die Kindergruppen: “Gruppe Sonnenstrahl” und “Gruppe Glueckskind”lese ich ueber den Tueren.
Weiters gibts eine Kueche, Speisekammer und Waschraum, den Informatikraum, das Buero, einige WC, einen Besprechungsraum, der auch als Bibliothek dient, und mein Zimmer-Bad Apartement.
Die Vorstellung, endlich allein sein zu koennen, ist verlockend, gerne nehme ich an.
Roberto und Maria haendigen mir gleich alle wichtigen Schluessel aus und zeigen mir, wie ich ins Internet einsteigen kann.
Ich bin ueberrascht, wie selbstverstaendlich hier alles fuer mich geoeffnet wird, als waere ich eine alte Bekannte.
Maria begleitet mich anschliessend zum Einkaufen. Ich muss mich ja jetzt selber ernaehren. Brot isst man hier nicht, gibts auch nicht zu kaufen. Alle arbeiten auf dem Feld und essen Mais zum Fruehstueck. Ich werde also auch Riebel machen!
Obst und Gemuese gibt es nur zweimal in der Woche: Freitag und heute, Samstag. Glueck gehabt!
Sebastian und Abadia finde ich in ihrem Geschaeft. Sie freuen sich, dass ich vorbei komme und laden mich ein, die Familie kennen zu lernen. Im oberen Stock wohnt naemlich die Schwester von Abadia und der Bruder von Sebastian. Die beiden sind ebenfalls bald 10 Jahre verheiratet. Also rauf und ein wenig plaudern, und ueberall laeuft der Fernseher...
Zum Mittagessen sind wir im Haus von Maria eingeladen. Ihre Mama hat gekocht: Reis, Bohnen, Ripperl, Salat.
Die gemauert Kochstelle befindet sich im Hof, dort gibt es auch ein kleines Schwein, Huehner und Katzen. Weiters einen grossen Esstisch, den Waschtisch fuer Geschirr und Waesche und einen hohen Arbeitstisch.
Im Haus wird fuer uns drei aufgedeckt. Ich frage verwundert, ob die anderen nicht mitesssen und loese damit ein wenig Hektik aus. “Rosa will, dass wir alle zusammen essen!” heisst es, aber die Anwesenden verdruecken sich mit guten Gruenden. Mama Koechin, entschuldigt sich, dass es leider nicht so leicht ist, alle gleichzeitig an den Tisch zu bekommen und isst selber im Freien.
Maria, Roberto und ich bleiben also unter uns. Maria duerfte Ende 30 sein. Sie hat 8 leibliche Geschwister und einen kleinen Adoptivbruder, den 9-jaehrigen Williams. Einige Jahre arbeitete sie in einem Kinderheim im Nachbarstaat Bahia, in Salvador. Als sie von dort wieder nach Hause uebersiedelte, nahm sie Williams mit. Die Eltern haben ihn schliesslich als 10. Kind adoptiert. Er ist kleinwuechsig und quicklebendig.
Von Maria und ihrer Mutter werde ich eingeladen, bei ihnen im Haus zu schlafen. “Ich haette Angst, so allein da draussen”, meint Maria. “Gibt es einen Grund dafuer?” frage ich mal vorsichtshalber nach. Nein, der Ort ist ruhig, versichern sie. “Hier wird nicht gestohlen, du kannst alles offen lassen.” Nur, die Brasilianerinnen wundern sich: Es ist doch niemand gern allein.
Nach dem Mittagessen beziehe ich mein Zimmer, telefoniere mit Peter, der gottseidank zuhause ist, und lege mich erst mal nieder. Eine Mini-Mitteilung im Blog kostet mich 15 Minuten und Roberto 3 Reais, denn das Netz ist extrem langsam.
In der Ruhe des Nachmittags ist dann ein ausfuehrliches Gespraech mit Roberto moeglich, ueber seine Gruende hier zu leben und die Idee des Projektes. Naeheres folgt.
Ab 4 gibts in der Fundacao Informatik-Unterricht. Heute lehrt Ivone, 18 Jahre alt. Es haengt ein wenig vom Wetter ab, wie viele Schueler erscheinen, heute sind es zwei Kinder. Zuerst heisst es eine halbe Stunde mit Word oder Excel kaempfen, danach duerfen sie zeichnen oder spielen.
Ich lasse mir von der kleinen Bruna das Zeichenprogramm erklaeren – es ist so leicht hier mit allen in Kontakt zu kommen.
Um 6 mache ich mir ein paar Erdaepfel zum Abendessen, kille die Ameisen in der Kueche und geniesse das Essen in der Aula mit Blick auf den See.
Rund um uns ist alles Gruen. Grosse weisse Reiher ziehen ueber den See.
Kleine Stelzenvoegel spazieren vor dem Haus herum und machen ein unglaubliches Geschrei. Um 3/4 7 hoere ich eine Kirchenglocke. Zum ersten mal, seit Monaten. Ob ich Roberto falsch verstanden habe, und der Gottesdienst ist doch schon heute?
Ich marschiere also zur Kirche. Dort werde ich freundlich begruesst, es gibt eine Marienandacht und wir sind etwa 10 Frauen.
Nachher sitze ich noch lange draussen auf dem Platz vor der Kirche und plaudere mit Kindern und Jugendlichen. Sie haben so schoene Namen, aber ich vergesse sie sofort, es ist zuviel Neues fuer mich!
“Geh in der Nacht ins Internet”, empfahl mir Roberto, das mache ich auch und freue mich ueber die Beitraege im Blog.
Mondschein ueber dem See, gute Nacht!
rosa_r - 14. Feb, 01:42
