16.2. Debut als facilidadora
Es regnet und wieder mal haben wir keinen Strom. Das dauert vom Aufstehen bis zu Mittag.
Wahrscheinlich ist Wasser in die Stromleitung gekommen... ;-)
"Wenn es regnet, ist es unsicher, ob jemand zur Sitzung kommt”, meint Maria. "Ich glaube eher nicht, dass das heute was wird.”
So sitzen wir zwei halt in der Aula, hoeren dem Regen zu und unterhalten uns. Arbeiten geht nicht ohne Strom.
Schwesterherz Monika ruft aus Oesterreich an – das klappt wenigstens und baut auf.
Dieser Tag wird ein Telefontag. Noch zweimal holt man mich ganz aufgeregt. “Ich habe nur ‘Cheingad’ verstanden” meint Maria. Sie kennt meinen Namen, weil sie meine Passdaten an ihre Freundin durchgegeben hat. Das Ticket nach Salvador ist bereits gekauft, die Mitschwestern sind zur pfleglichen Behandlung verdonnert worden und ich habe durchgehende Reisebegleitung.
Das ist perfektes Service!
Wie ich angenommen hatte, halten wir die Sitzung doch, denn um 9, mit einer halben Stunde Verspaetung, sind fast alle da. Roberto eroeffnet, ich uebernehme die Moderation, stelle mich vor etc., und freue mich, dass sie mich offenbar gut verstehen.
Programm und Zeit halten wir gut ein, die Beitraege sind so wie immer: unterschiedlich inhaltsreich, aber bringen doch einige wichtige Punkte aufs Tapet.
Schlussendlich fuehle ich mich zufrieden und bin sehr erleichtert.
Roberto hat einige Neuigkeiten erzaehlt:
Sie wurden in Teresina in ein staatliches Programm aufgenommen, das Lebenschancen fuer Kinder und Jugendliche foerdern will. Es unterstuetzt Aktivitaeten wie Sport, Tanz, Theater und Capoeira, alles Dinge, die die Fundacao bereits fuer 2006 im Programm hat.
Mit der Gemeinde gibt es eine neue Kooperation: Der Fussballplatz der Schule wird in Zukunft von der Gemeinde mit benutzt, aber auch gepflegt. Ebenso uebernimmt die Gemeinde erstmals einen Kostenanteil: Die Lebensmittel.
Roberto arbeitet zielstrebig darauf hin, dass die Fundacao unabhaengiger von ihm und der Finanzierung aus Holland wird. Dort hat sein Freundeskreis in den letzten 10 Jahren die Aufbauarbeit hier unterstuetzt. Roberto hat auch sein privates Vermoegen hier eingesetzt. Die Hoellaender haben zugesichert, dass sie noch bis 2008 die Mittel aufbringen wollen.
Bisher arbeitete Roberto unentgeltlich – wie es fuer ihn weiter gehen wird, ist unklar.
“Nie hatte ich gedacht, dass ich einmal Missionar werde. Dieser Gedanke war wirklich nicht in meiner Lebensplanung.” erzaehlte mir Roberto. Nach 6 Jahren als Lehrender auf der Uni fuer Rechtskunde hat es ihn in ein Trappistenkloster gezogen.
Danach brachten ihn verschiedene Einladungen hierher – und als er empfangen wurde von einer Gruppe singender Menschen, die ihm den Schluessel der Kirche ueberreichten und meinten: “Sie sind jetzt unser Padre”, hat er “Ja.” gesagt. Er wohnt im Pfarrhaus und haelt regelmaessig in Sao Miguel und in den groesseren der umliegenden 15 Weiler Andachten. Weiters ist er der Helfer fuer alle Faelle: Wenns dringend ein Auto braucht, faehrt er die Person zum Doktor. Wenn man sich nicht klar ist, wie eine verstorbene Person zu waschen ist, muss er es wissen. Wenn eine Frau einen Rechtsbeistand braucht, um Alimente fuer ihre Kinder zu erstreiten, geht Roberto mit. Wenn Donna Marta endlich an die Wasserleitung angeschlossen werden wird, hat Roberto wahrscheinlich die halben Kosten uebernommen.
Er ist stolz auf den guten Ruf der Fundacao: “Man haelt uns fuer vertrauenswuerdig. Man sagt, dass wir gute Arbeit machen: Die Lehrer in der Schule beobachten die Verbesserung der Kinder und erzaehlen davon. Und die Kinder kommen sehr gerne her. Sie fuehlen sich hier wohl.”
Was ihn bewegt hat, diese Gruendung zu beginnen?
“Ich habe gesehen, dass ich in Einzelfaellen helfe, aber die Verhaltensweisen die gleichen bleiben. Die Hilfe war nicht nachhaltig. Im Gegenteil, man hat sich immer mehr auf mich verlassen.
Die Absicht der Fundacao ist es, hier sichtbar fuer alle eine andere Lebensform aufzubauen. Einen Ort, an dem die Regeln gelten, nach denen in der Stadt, 60 km von hier gelebt und gearbeitet wird.”
“Was fuer Regeln zum Beispiel?”
“Also, verlaesslich zu sein. Sie muessen das lernen, Ich sehe es nicht ein, dass die Schueler in Oeiras taeglich in die Schule gehen, und hier bleibt jeder daheim, wenn es einmal regnet. Oder auf die Dinge aufzupassen, die allen gemeinsam gehoeren.”
Die Fundacao soll also ein Lernort fuer eine lebensfoerderlichere Alternativkultur sein und dieser Anreiz wirkt offenbar positiv auf Kinder und Erwachsene, die herkommen.
In der Mittagszeit bekomme ich wieder Besuche von Kindern. Sie ziehen nach kurzem Plaudern wieder ab. Offenbar muss man einfach die Fremde besichtigen gehen, damit man was zu erzaehlen hat. Sie sind lieb und herzerfrischend!
“Zur Erholung” schreibe ich am Nachmittag wieder Liedertexte. Nach einiger Zeit lasse ich mich in ein Gespraech ueber Auswahlkriterien verwickeln. Fuer eine Gruppe gibt es schon zuviele Anmeldungen. Erst um halb 8 Uhr abends stehen die Gluecklichen fest. War eine schwere Geburt – Maria und Roberto muessen zum ersten mal Kinder abweisen und tun das gar nicht gerne.
Wahrscheinlich ist Wasser in die Stromleitung gekommen... ;-)
"Wenn es regnet, ist es unsicher, ob jemand zur Sitzung kommt”, meint Maria. "Ich glaube eher nicht, dass das heute was wird.”
So sitzen wir zwei halt in der Aula, hoeren dem Regen zu und unterhalten uns. Arbeiten geht nicht ohne Strom.
Schwesterherz Monika ruft aus Oesterreich an – das klappt wenigstens und baut auf.
Dieser Tag wird ein Telefontag. Noch zweimal holt man mich ganz aufgeregt. “Ich habe nur ‘Cheingad’ verstanden” meint Maria. Sie kennt meinen Namen, weil sie meine Passdaten an ihre Freundin durchgegeben hat. Das Ticket nach Salvador ist bereits gekauft, die Mitschwestern sind zur pfleglichen Behandlung verdonnert worden und ich habe durchgehende Reisebegleitung.
Das ist perfektes Service!
Wie ich angenommen hatte, halten wir die Sitzung doch, denn um 9, mit einer halben Stunde Verspaetung, sind fast alle da. Roberto eroeffnet, ich uebernehme die Moderation, stelle mich vor etc., und freue mich, dass sie mich offenbar gut verstehen.
Programm und Zeit halten wir gut ein, die Beitraege sind so wie immer: unterschiedlich inhaltsreich, aber bringen doch einige wichtige Punkte aufs Tapet.
Schlussendlich fuehle ich mich zufrieden und bin sehr erleichtert.
Roberto hat einige Neuigkeiten erzaehlt:
Sie wurden in Teresina in ein staatliches Programm aufgenommen, das Lebenschancen fuer Kinder und Jugendliche foerdern will. Es unterstuetzt Aktivitaeten wie Sport, Tanz, Theater und Capoeira, alles Dinge, die die Fundacao bereits fuer 2006 im Programm hat.
Mit der Gemeinde gibt es eine neue Kooperation: Der Fussballplatz der Schule wird in Zukunft von der Gemeinde mit benutzt, aber auch gepflegt. Ebenso uebernimmt die Gemeinde erstmals einen Kostenanteil: Die Lebensmittel.
Roberto arbeitet zielstrebig darauf hin, dass die Fundacao unabhaengiger von ihm und der Finanzierung aus Holland wird. Dort hat sein Freundeskreis in den letzten 10 Jahren die Aufbauarbeit hier unterstuetzt. Roberto hat auch sein privates Vermoegen hier eingesetzt. Die Hoellaender haben zugesichert, dass sie noch bis 2008 die Mittel aufbringen wollen.
Bisher arbeitete Roberto unentgeltlich – wie es fuer ihn weiter gehen wird, ist unklar.
“Nie hatte ich gedacht, dass ich einmal Missionar werde. Dieser Gedanke war wirklich nicht in meiner Lebensplanung.” erzaehlte mir Roberto. Nach 6 Jahren als Lehrender auf der Uni fuer Rechtskunde hat es ihn in ein Trappistenkloster gezogen.
Danach brachten ihn verschiedene Einladungen hierher – und als er empfangen wurde von einer Gruppe singender Menschen, die ihm den Schluessel der Kirche ueberreichten und meinten: “Sie sind jetzt unser Padre”, hat er “Ja.” gesagt. Er wohnt im Pfarrhaus und haelt regelmaessig in Sao Miguel und in den groesseren der umliegenden 15 Weiler Andachten. Weiters ist er der Helfer fuer alle Faelle: Wenns dringend ein Auto braucht, faehrt er die Person zum Doktor. Wenn man sich nicht klar ist, wie eine verstorbene Person zu waschen ist, muss er es wissen. Wenn eine Frau einen Rechtsbeistand braucht, um Alimente fuer ihre Kinder zu erstreiten, geht Roberto mit. Wenn Donna Marta endlich an die Wasserleitung angeschlossen werden wird, hat Roberto wahrscheinlich die halben Kosten uebernommen.
Er ist stolz auf den guten Ruf der Fundacao: “Man haelt uns fuer vertrauenswuerdig. Man sagt, dass wir gute Arbeit machen: Die Lehrer in der Schule beobachten die Verbesserung der Kinder und erzaehlen davon. Und die Kinder kommen sehr gerne her. Sie fuehlen sich hier wohl.”
Was ihn bewegt hat, diese Gruendung zu beginnen?
“Ich habe gesehen, dass ich in Einzelfaellen helfe, aber die Verhaltensweisen die gleichen bleiben. Die Hilfe war nicht nachhaltig. Im Gegenteil, man hat sich immer mehr auf mich verlassen.
Die Absicht der Fundacao ist es, hier sichtbar fuer alle eine andere Lebensform aufzubauen. Einen Ort, an dem die Regeln gelten, nach denen in der Stadt, 60 km von hier gelebt und gearbeitet wird.”
“Was fuer Regeln zum Beispiel?”
“Also, verlaesslich zu sein. Sie muessen das lernen, Ich sehe es nicht ein, dass die Schueler in Oeiras taeglich in die Schule gehen, und hier bleibt jeder daheim, wenn es einmal regnet. Oder auf die Dinge aufzupassen, die allen gemeinsam gehoeren.”
Die Fundacao soll also ein Lernort fuer eine lebensfoerderlichere Alternativkultur sein und dieser Anreiz wirkt offenbar positiv auf Kinder und Erwachsene, die herkommen.
In der Mittagszeit bekomme ich wieder Besuche von Kindern. Sie ziehen nach kurzem Plaudern wieder ab. Offenbar muss man einfach die Fremde besichtigen gehen, damit man was zu erzaehlen hat. Sie sind lieb und herzerfrischend!
“Zur Erholung” schreibe ich am Nachmittag wieder Liedertexte. Nach einiger Zeit lasse ich mich in ein Gespraech ueber Auswahlkriterien verwickeln. Fuer eine Gruppe gibt es schon zuviele Anmeldungen. Erst um halb 8 Uhr abends stehen die Gluecklichen fest. War eine schwere Geburt – Maria und Roberto muessen zum ersten mal Kinder abweisen und tun das gar nicht gerne.
rosa_r - 17. Feb, 03:22
