27.11. Kampf und Tanz und Freundschaft
Heute hat Irmi Geburtstag. Und an diesem Festtag, der zudem der erste Adventsonntag 2005 ist, werde ich dauernd daran erinnert. Deshalb muss ich davon schreiben, auch wenn du, Irmi, ansonsten eine sehr diskrete Person bist.
Vor dem Aufstehen lese ich im Alten Testament und bin heute bei Jesus Sirach 6 angelangt, wo steht:
Die Freundschaft
"Viele seien es, die dich gruessen,
dein Vertrauter aber sei nur einer aus tausend.
...
Mancher ist Freund ja nach der Zeit,
am Tag der Not haelt er nicht stand.
Mancher Freund wird zum Feind,
unter Schmaehungen deckt er den Streit mit dir auf.
...
Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt;
wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden."
Alles gute, Geburtstagskind!
Caetana hat gefragt, ob ich heute Vormittag bei der Capoeira-Guertelpruefung in der Schule zuschauen mag. Fuer mich als Martial-Arts-Fan war das natuerlich ein Muss-Termin!
Ca. 15 LehrerInnen bzw. fortgeschrittene SchuelerInnen und etwa 25 Schul- und Vorschulkinder haben teil genommen.
Capoira ist Kampf, Tanz und Symbol der Befreiung in einem. So wie in Japan der einfachen Bevoelkerung verboten war, Waffen zu tragen, durften natuerlich auch die vielen afrikanischen Sklaven, die seit dem 16 Jahrhundert nach Brasilien verschleppt worden waren, sich nicht bewaffnen. Sie entwickelten wie die Moenche im alten Japan eine waffenlose Form der Selbstverteidigung.
Zitat aus: http://www.capitaes-de-areia.com/html/geschi.html, 27.11.05:
"Capoeira entwickelte sich weiter, als die Sklaven begannen, sich gegen Ihre "Herren" (Senhores) aufzulehnen und sich ihrer hoffnungslosen Situation bewußt zu werden. Capoeira wurde von ihnen in den Senzalas (Terrain mit Häusern, wo die Sklaven lebten, arbeiteten und aßen) in den Zeiten der Ruhepause praktiziert, um sich auf Kampfsituationen vorzubereiten. Damit die Senhores nicht mißtrauisch wurden und ihre Bewegungen als kämpferisch ansahen, ließen sie die Ginga und die Musik als weitere Elemente in ihren Kampftanz mit einfließen.
...
Die Sklaven flohen aus den Senzalas und gründeten aus ihrem Freiheitsdrang heraus Quilombos (eigenständige Territorien, in die sich die Sklaven flüchteten, um ihre Kultur und afrikanischen Traditionen zu bewahren). Das größte und bedeutendste war das Quilombo dos Palmares, die soziale und freie Republik (Bundesstaat Pernambuco): es hatte gegen 1670 ca. 50.000 Einwohner (Schwarze, Weiße, Mestizen, Mulatten)."
Capoeira heisst urspruenglich "Huehnerstall"oder "Huehnerdieb". Haben die entlaufenen Skalven bereits im 17 Jahrhundert den Slogan von Marin Luther King angewendet? "Black is beautiful!" hiess damals: Was die Herrschenden als dein Schandmal bezeichnen - das mache zu deinem Kennzeichen, darauf sei stolz!
Die Capoeiras in Palmares konnten sich fast hundert Jahre lang gegen Portugiesen und spaeter Hollaender behaupten. Als ihr letzter Anfuehrer Zumbí verraten wurde, ging die erste freie Republik auf brasilianischem Boden zu Grunde. Zumbí ist heute eine ideelle Leitfigur der Buergerrechtsbewegung der afrikanischen Brasilianer.
Die Sklaverei wurde in Brasilien viel spaeter als in Europa, naemlich erst im Mai 1888 abgeschafft. Etwa ein Jahr spaeter wurde die Republik ausgerufen und per Gesetz war die Capoeira von damals bis 1937 verboten. Trotzdem entwickelte sich diese Kampfkunst regional unterschiedlich weiter. Als Zentrum gilt heute noch Salvador da Bahia, wo auch die erste offizielle Schule gegruendet wurde.
Wieder Zitat: "Inzwischen ist Capoeira in Brasilien als nationale Kampfkunst, als Kultur des Volkes anerkannt. Capoeira wird in Schulen und Universitäten unterrichtet, auf Straßen, Plätzen und Stränden vorgeführt, man kann Capoeira im Theater und Kino (im Hollywood-Film "Only the Strong") sehen, oder auch als Show, auf Volksfesten und internationalen Bühnen bewundern. Heute findet man Capoeiristas bereits in allen Teilen der Welt. Capoeira wird von Menschen aller Altersgruppen praktiziert und sogar für pädagogische und therapeutische Zwecke eingesetzt. Es gibt uns ein positives Lebensgefühl. Capoeira bewegt alles."
Dem kann ich fast nichts mehr hinzufuegen, ausser: Wenn du einen Funken Interesse an Kampfkuensten hast, solltest du dir eine Chance, Capoeira sehen zu koennen, nicht entgehen lassen!

Bitte um pardon wegen der Bildqualitaet, aber die Capoeira war fuer meine Kamera zu steil.
Um eine Vorstellung zu entwickeln, fuer die, die Capoeira noch nicht kennen: Getanzt wird in der Gruppe, oder es tanzt das Paar im Kreis der Zuschauenden. Der Tanz besteht aus einem spektakulaeren Auftritt und anschliessenden Bewegungen von Angriff und Verteidigung, hauptsaechlich durch Tritte. Dabei entsteht aber kaum einmal wirklicher Koerperkontakt. Eingefuegt sind vielfaeltige artistische Einlagen, Feuerkeulen und Feuerspucken oder schlicht das Aneinanderschlagen von Stoecken. Das Ganze vollzieht sich in Zeitlupe - oder so schnell, dass man die Bewegung mit den Augen nicht mehr nachvollziehen kann. Die TaenzerInnen werden von afrikanischen Instrumenten, Trommeln, Gesang und Klatschen angefeuert.
Hochspannung entsteht durch die Kunst des Kontakts: Miteinander und gegeneinander in voelliger Aufmerksamkeit fuereinander. Einen Moment unkonzentriert sein, bedeutet, man kriegt den Schlag ab - wenn der Partner nicht mehr stoppen kann.
Natuerlich sind die Capoeristas gut durchtrainiert. Sie bewegen sich leicht und kraftvoll.
Das Lernen erfordert sicher eine ausgezeichnete Selbstbeherrschung der Lehrenden, denn nichts leichter, als die Schueler ordentlich zu demuetigen.
Bei der Pruefung hatte jede/r Schueler/in drei "Begegnungen" (weiss nicht wie es in der Capoeira heisst) mit Lehrer/innen. Die Kleinen waren 3 - 4 Minuten im "Ring" und es war von martialischem Drill nichts zu merken. Ein Zwerg hat sich sogar einmal selbstvergessen zu den Zuschauern umgedreht, und den Lehrer waehrend der Pruefung stehen lassen. Unglaubliche Tat! Riesiges Gelaechter! Faustino hat mitgelacht, ihn hoch gehoben und wieder vis-a-vis zu sich gestellt. Und weiter gings....
Also wie gesagt, lass dich anstecken! Bewegung bewegt...

Ansonsten hat mich Peter sehr zum Lachen gebracht, mit seiner Beschreibung des Wetters am ersten Advent in Wien. "...nieselt und kalt und gatschig und die Kraehen fliegen herum und nippen an den Blaettern..."
Also ich litt mit euch, und zwar wirklich, weil die Nacht war schweinekalt und ich habe mir noch eine Jacke angezogen unter der Wolldecke, damit ich schlafen kann.
Seit der Frueh aber, nach zwei Tagen Regen, ist der Himmel ausgeputzt und herrlich klar. Es ist sonnig, aber noch kuehl.
Das Wasser im Pool hat 30 Grad. ;-)
Bild: Caetana geniesst, Foto vom Balkon in den Innenhof

Vor dem Aufstehen lese ich im Alten Testament und bin heute bei Jesus Sirach 6 angelangt, wo steht:
Die Freundschaft
"Viele seien es, die dich gruessen,
dein Vertrauter aber sei nur einer aus tausend.
...
Mancher ist Freund ja nach der Zeit,
am Tag der Not haelt er nicht stand.
Mancher Freund wird zum Feind,
unter Schmaehungen deckt er den Streit mit dir auf.
...
Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt;
wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden."
Alles gute, Geburtstagskind!
Caetana hat gefragt, ob ich heute Vormittag bei der Capoeira-Guertelpruefung in der Schule zuschauen mag. Fuer mich als Martial-Arts-Fan war das natuerlich ein Muss-Termin!
Ca. 15 LehrerInnen bzw. fortgeschrittene SchuelerInnen und etwa 25 Schul- und Vorschulkinder haben teil genommen.
Capoira ist Kampf, Tanz und Symbol der Befreiung in einem. So wie in Japan der einfachen Bevoelkerung verboten war, Waffen zu tragen, durften natuerlich auch die vielen afrikanischen Sklaven, die seit dem 16 Jahrhundert nach Brasilien verschleppt worden waren, sich nicht bewaffnen. Sie entwickelten wie die Moenche im alten Japan eine waffenlose Form der Selbstverteidigung.
Zitat aus: http://www.capitaes-de-areia.com/html/geschi.html, 27.11.05:
"Capoeira entwickelte sich weiter, als die Sklaven begannen, sich gegen Ihre "Herren" (Senhores) aufzulehnen und sich ihrer hoffnungslosen Situation bewußt zu werden. Capoeira wurde von ihnen in den Senzalas (Terrain mit Häusern, wo die Sklaven lebten, arbeiteten und aßen) in den Zeiten der Ruhepause praktiziert, um sich auf Kampfsituationen vorzubereiten. Damit die Senhores nicht mißtrauisch wurden und ihre Bewegungen als kämpferisch ansahen, ließen sie die Ginga und die Musik als weitere Elemente in ihren Kampftanz mit einfließen.
...
Die Sklaven flohen aus den Senzalas und gründeten aus ihrem Freiheitsdrang heraus Quilombos (eigenständige Territorien, in die sich die Sklaven flüchteten, um ihre Kultur und afrikanischen Traditionen zu bewahren). Das größte und bedeutendste war das Quilombo dos Palmares, die soziale und freie Republik (Bundesstaat Pernambuco): es hatte gegen 1670 ca. 50.000 Einwohner (Schwarze, Weiße, Mestizen, Mulatten)."
Capoeira heisst urspruenglich "Huehnerstall"oder "Huehnerdieb". Haben die entlaufenen Skalven bereits im 17 Jahrhundert den Slogan von Marin Luther King angewendet? "Black is beautiful!" hiess damals: Was die Herrschenden als dein Schandmal bezeichnen - das mache zu deinem Kennzeichen, darauf sei stolz!
Die Capoeiras in Palmares konnten sich fast hundert Jahre lang gegen Portugiesen und spaeter Hollaender behaupten. Als ihr letzter Anfuehrer Zumbí verraten wurde, ging die erste freie Republik auf brasilianischem Boden zu Grunde. Zumbí ist heute eine ideelle Leitfigur der Buergerrechtsbewegung der afrikanischen Brasilianer.
Die Sklaverei wurde in Brasilien viel spaeter als in Europa, naemlich erst im Mai 1888 abgeschafft. Etwa ein Jahr spaeter wurde die Republik ausgerufen und per Gesetz war die Capoeira von damals bis 1937 verboten. Trotzdem entwickelte sich diese Kampfkunst regional unterschiedlich weiter. Als Zentrum gilt heute noch Salvador da Bahia, wo auch die erste offizielle Schule gegruendet wurde.
Wieder Zitat: "Inzwischen ist Capoeira in Brasilien als nationale Kampfkunst, als Kultur des Volkes anerkannt. Capoeira wird in Schulen und Universitäten unterrichtet, auf Straßen, Plätzen und Stränden vorgeführt, man kann Capoeira im Theater und Kino (im Hollywood-Film "Only the Strong") sehen, oder auch als Show, auf Volksfesten und internationalen Bühnen bewundern. Heute findet man Capoeiristas bereits in allen Teilen der Welt. Capoeira wird von Menschen aller Altersgruppen praktiziert und sogar für pädagogische und therapeutische Zwecke eingesetzt. Es gibt uns ein positives Lebensgefühl. Capoeira bewegt alles."
Dem kann ich fast nichts mehr hinzufuegen, ausser: Wenn du einen Funken Interesse an Kampfkuensten hast, solltest du dir eine Chance, Capoeira sehen zu koennen, nicht entgehen lassen!

Bitte um pardon wegen der Bildqualitaet, aber die Capoeira war fuer meine Kamera zu steil.
Um eine Vorstellung zu entwickeln, fuer die, die Capoeira noch nicht kennen: Getanzt wird in der Gruppe, oder es tanzt das Paar im Kreis der Zuschauenden. Der Tanz besteht aus einem spektakulaeren Auftritt und anschliessenden Bewegungen von Angriff und Verteidigung, hauptsaechlich durch Tritte. Dabei entsteht aber kaum einmal wirklicher Koerperkontakt. Eingefuegt sind vielfaeltige artistische Einlagen, Feuerkeulen und Feuerspucken oder schlicht das Aneinanderschlagen von Stoecken. Das Ganze vollzieht sich in Zeitlupe - oder so schnell, dass man die Bewegung mit den Augen nicht mehr nachvollziehen kann. Die TaenzerInnen werden von afrikanischen Instrumenten, Trommeln, Gesang und Klatschen angefeuert.
Hochspannung entsteht durch die Kunst des Kontakts: Miteinander und gegeneinander in voelliger Aufmerksamkeit fuereinander. Einen Moment unkonzentriert sein, bedeutet, man kriegt den Schlag ab - wenn der Partner nicht mehr stoppen kann.
Natuerlich sind die Capoeristas gut durchtrainiert. Sie bewegen sich leicht und kraftvoll.
Das Lernen erfordert sicher eine ausgezeichnete Selbstbeherrschung der Lehrenden, denn nichts leichter, als die Schueler ordentlich zu demuetigen.
Bei der Pruefung hatte jede/r Schueler/in drei "Begegnungen" (weiss nicht wie es in der Capoeira heisst) mit Lehrer/innen. Die Kleinen waren 3 - 4 Minuten im "Ring" und es war von martialischem Drill nichts zu merken. Ein Zwerg hat sich sogar einmal selbstvergessen zu den Zuschauern umgedreht, und den Lehrer waehrend der Pruefung stehen lassen. Unglaubliche Tat! Riesiges Gelaechter! Faustino hat mitgelacht, ihn hoch gehoben und wieder vis-a-vis zu sich gestellt. Und weiter gings....
Also wie gesagt, lass dich anstecken! Bewegung bewegt...

Ansonsten hat mich Peter sehr zum Lachen gebracht, mit seiner Beschreibung des Wetters am ersten Advent in Wien. "...nieselt und kalt und gatschig und die Kraehen fliegen herum und nippen an den Blaettern..."
Also ich litt mit euch, und zwar wirklich, weil die Nacht war schweinekalt und ich habe mir noch eine Jacke angezogen unter der Wolldecke, damit ich schlafen kann.
Seit der Frueh aber, nach zwei Tagen Regen, ist der Himmel ausgeputzt und herrlich klar. Es ist sonnig, aber noch kuehl.
Das Wasser im Pool hat 30 Grad. ;-)
Bild: Caetana geniesst, Foto vom Balkon in den Innenhof

rosa_r - 27. Nov, 20:19
