25.11. Rueckblick auf Thanksgiving

Auch hier wurde gestern Thanksgiving gefeiert.
Es war zwar ein normaler Arbeitstag, aber am 8 Uhr abends gab es einen eindrucksvollen Dank-Gottesdienst. Stell dir die Eroeffnung der Olympiade vor - so irgendwie: Feierlich, es geht um mehr als nur um Sport, tolle Inszenierung, gleichzeitig Show und "was fuers Gmuet", es wird gequatsch auf den Tribuenen, aber am Hoehepunkt zuenden alle ihre Feuerzeuge an und du bist ergriffen....
Also so irgendwie war das Rundherum und die Messe.
Wenn dich naeheres darueber nicht interessiert, kannst diesen Beitrag gleich ueberspringen.

Ort der Handlung: Die Turnhalle im Dachgeschoss der Schule. Von der Decke haengen Transparente, die "Friede" in allen Sprachen sagen und offenbar von den Kinder gemacht wurden. Auf der Buehne eine 5-koepfige Band und der Altar.
Die hintere Haelfte der Halle ist bestuhlt, in der vorderen Haelfte hocken ca 100 Kinder am Boden. Sie sind zwischen 5 und 12 Jahre alt und zum Fressen suess. Alle tragen die blauen Trikothosen und ihr weisses T-Shirt mit dem Wappen der Mary Ward-Schule. Und kleine bunte Tuecher. Einige Kinder sind in Kostuemen in der Garderobe, einige im Sportdress. Riesenaufregung. Riesenlaerm.

Ab 10 vor 8 fuellt sich die Turnhalle und der Saenger beginnt die Lieder mit den Kindern mal durchzusingen. Die Band fetzt ordentlich, den Kids gefaellts, sie singen und schreien begeistert mit und winken mit ihren farbigen Tuechern. Man kann sich nur schreiend unterhalten.

Um 8:10 wird der Priester fuer mich sichtbar. Monsignior Walter geht noch durch die Menschenmenge, begruesst viele, auch mich (und zwar auf deutsch), geht dann die Kinder in der Garderobe besuchen. Noch immer grosses Gewusele.

Ab 8:20 beginnen die Aktionen, die den Beginn vorbereiten. Die Stuehle in der Halle und die Tribuenen sind zu 90% voll. Ich schaetze mal, dass ueber 400 Eltern und Geschwister der Kinder gekommen sind. Die Kleinen im Vordergrund sollen langsam ruhig werden - wer das schafft, weiss, was Buehnenpraesenz wirklich ist.

Mit einigen Anlaeufen wird es langsam ruhig und es beginnt der Einzug der verschiedenen Gruppen. Alle kommen mit Symbolen oder Geschenken. Thanksgiving ist "Erntedank".
Die Lautsprecheranlage ist schlecht, ich verstehe praktisch nichts. Ich kann jetzt nur beschreiben, was sich da tut und du musst selber den Text oder die Bedeutung dazu denken.

Zuerst die Ehrengaeste - da bin ich mit dabei - wir bringen ein grosses Bild der letzten Schulleiterin, die vor wenigen Jahren noch relativ jung verstorben ist, und die enorm viel fuer die Schule getan hat. Wir nehmen auf der Buehne Platz.
Dann die Kindergruppen zu verschiedenen Themen: Jede Gruppe kommt nach vor auf die Buehne und erhaelt Bewunderung und Applaus. Die Schulleiterin Lurdes sagt einige Saetze, danach Abtritt und die naechste Gruppe erscheint.

Der Heilige Franziskus, ein Kind im Franziskanergewand, und seine Gruppe bringen Kuscheltiere mit. Danke fuer die Natur?
Zwei Maedchen im Nonnengewand fuehren eine Gruppe weiss gekleideter Kinder mit Rosenkraenzen herein.
Eine andere weisse Gruppe tritt zu indisch angehauchter Musik nach vor, verneigt sich dabei japanisch, wirkt budhistisch.
Oha, jetzt kommt der Papst: Ein etwas rundlicher 10-jaehriger Bub im goldenen Bischofsgewand samt Bischofsmuetze und seine Gruppe bringen den Saal in Aufruhr, als erschiene ein Popstar: Bravo!-rufe und spontaner Applaus. Was fuer ein Gefuehl - Es ist hier ein Fest, ein Teil der Kirche zu sein.
Die naechste Gruppe traegt ein riesiges Transparent, auf das sie geschrieben haben: SOLIDARITAET UND FRIEDE
Schliesslich die Sportler. Sie bringen Pokale und Medaillen. Auch grosses OHA!
Und sicher habe ich noch ein paar Gruppen vergessen.

Im Verlauf der Messe sind weitere Auftritte eingeplant: Zum Wortgottesdienst bringen Angehoerige der Kinder eine praechtig bebilderte Bibel nach vor. Auch ein grosser Bruder mit geistiger Behinderung ist dabei. Ein Vater liest die Lesung. Die Eltern sind im Unterschied zu den Kindern etwas scheu vorne auf der Buehne.

Msg. Walter ist ein grosser Paedagoge. Um Ruhe in den Saal zu bekommen laesst er einem Reifen die Luft ausgehen. Wie klingts dabei? Alle: PSCHT!
Tja, den ersten Wagen hat er bis zur Predigt bereits aufgebraucht.
Er dreht sich zu mir um und erklaert mir lachend auf deutsch, dass er jetzt zum zweiten Wagen uebergehen wird, dann spricht er weiter.
Seine Predigt ist angemessen kurz. Es geht um Frieden und ums Geduld haben.
Im Saal ist es inzwischen schon recht schwuel, was sein Thema gleich zu einer praktischen Uebung werden laesst.

Zur Gabenbereitung tragen SchuelerInnen Koerbe voller Lebensmittel herein.
Dabei wird gesungen, und viele bewegen sich mit der Musik. Die Erwachsenen schwenken die grossen weissen Zettel mit den Liedertexten, die Kinder ihre bunten Tuecher.
Der Friedensgruss ist ein quirliges Aufloesen der noch vorhandenen Ordnung: Man geht auf Bekannte und Unbekannte zu und wuenscht sich Frieden, umarmt sich, Kuesse...
Es kostet wieder einen Reifen, um fortsetzen zu koennen.

Die Wandlung wirkt auf mich sehr anders, als bei uns. So wie bei uns die Priester um den Altar durch ihre Gestik sichtbar mitzelebrieren, tun es hier alle Erwachsenen. Dadurch entsteht das Gefuehl, dass an diesem Akt alle irgendwie beteiligt sind.

Nach der Kommuniun ist ja normal rasch Schluss. Es ist auch schon halb 10. Zwei der Lehrerinnen, die zwischen den Kindern am Boden sitzen, bewundere ich besonders: Sie tragen bereits seit langem ein schafendes Kind in ihren Armen. Andere Kinder kommen und kuscheln sich zu ihnen. Wieder andere Kinder huepfen ausgelassen herum.

Jetzt wird der Saal verdunkelt. Seniorinnen in weissen T-Shirts und dunklen Trikothosen bilden eine Lichterprozession und tragen eine verhuellte Statue nach vor.
Auf der Buehne bekommen wir Ringe zugesteckt, die auf Druck in allen Farben zu blinken beginnen.
Die Statue wird enthuellt - unglaubliche Begeisterung! Es ist die kleine schwarze, ueberall dargestellte Schutzmadonna Brasiliens. Die Prozession bewegt sich samt Statue mehrmals durch den Saal, die Menschen winken mit mitgebrachten Lichtern oder wie wir mit Funkelringen.

Was kann nach diesem Hoehepunkt noch kommen?
Eine Kindergruppe traegt Koerbe zuer Buehne, die kostbar mit weissen Spitzen und Pailetten geschmueckt sind. Es folgt noch eine Ansprache von Gaetana und der Hinweis, dass das Schulkollegium ein Geschenk fuer jede\jeden vorbereitet hat.

Es ist ein kleines Glasflaeschen, das mit Koernern in den Farben Brasiliens gefuellt ist.
Die Geschenke werden verteilt, noch ein Lied und schliesslich hat Msg. Walter keine Reifen mehr fuer den Schlusssegen. Aber es geht auch so.

Kurz vor 10 loest sich alles in Wohlwollen und Erschoepfung auf. Die Akteure: LehrerInnen, Band, Priester und Schwestern treffen sich noch in Schwester Reginas Kaffeekueche, wo sie Cafezinho, Saft und Kuchen und ein paar Geschenke vorbereitet hat. Heitere Ausgelassenheit nach dem grossen Event, aber auch einige kritische Rueckblicke gibts dort.
Ich bin uebervoll von Eindruecken, wie angeheitert, hundemuede und froh, bald ins Bett zu kommen.

Und heute regnet es den ganzen Tag.
Von 7 bis 8 habe ich wieder brav im Wasser geturnt, anschliessend meine Waesche gewaschen und im Zentrum St. Martin die Teller.

Der Regen erfrischt zwar die Luft angenehm, aber meinen Schwumm im Pool und den geplanten Stadtspaziergang verschiebe ich mal bis auf weiteres.

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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