Tagebuch

Montag, 26. Dezember 2005

25.12. Nahe am Wasser oder Weihnachten am Pool

Die Nacht war also kurz und das Familienfest steckt mir beim Fruehstueck noch in den Knochen.
Dulce reist gleich ab zu ihrem Neffen, und Hilda und ich machen uns auf den Weg zum Colégio (wieder in die Schule) Mary Ward. Dort sind Dulce und Hilda naemlich "alle heilig Tag" eingeladen: Ab 10 Uhr am Pool!
Beim Weggehen gibt mir Hilda noch ein kleines Kuvert mit einem ganz persoenlichen Text, und ich bin sehr geruehrt und muss gleich weinen.
Dieses Abschiednehmen ruehrt viel auf. Und da Hilda ein liebeswerter Mensch ist, kann es auch heraus: Die Erinnerung an alles, was ich in der letzten Zeit schon losgelassen habe. Bei der Busfahrt klebt die Melancholie an mir. Die kleinen und ewig unfertigen Haeuser der Peripherie scheinen jetzt so liebenswert und ich will gar nicht weg von hier.
Bild: Hilda schneidet die letzte Rose und stellt sie als Andenken an mich in die Kapelle
Hi-schneidet-rose

In Tatuapé stecken ein paar Damen bereits im Pool und Caetana ist schon recht ueberdreht. Sie hat ein anstrengendes Arbeitsjahr hinter sich und laedt uns uebermuetig ein zu ihrem selbstgemischten Pinga-Kokosnuss-Drink.
Ja, eine halbe Stunde schwimme ich gerne mit, danach aber werde ich meine Kuverts mit den Texten und Fotos fuer die Schwestern optisch noch ein bisserl perfektionieren.

Das Mittagessen ist ueppig und es gibt extra fuer mich und Caetana deutsche Weihnachtslieder im Hintergrund. Es klingt ziemlich nach Kaufhaus, aber man muss ja nicht unbedingt hinhoeren...
Meine Fotos und Karten gefallen allen und ich bin zufrieden.

Als man sich zum Verdauungsschlaefchen niederlegt, habe ich Zeit auch Poldi anzurufen. "Du klingst so anders." meint sie. Leider habe ich nicht gefragt: Wie denn. Ich nehme an, man hoert die Entspannung in der Stimme.
Heute bin ich nahe am Wasser, jede schoene Begegnung, und auch das SMS von Peter, ruehrt mich sehr.

Der Nachmittag vergeht mit Fotoschauen, Cafezinho und Obst essen. Caetana hat die Trauben vor dem Haus gepflueckt, sie schmecken aromatisch und suess. Die volle Obstschuessel ist ein Symbol fuer Weihnachten und fehlt nirgends.

Die Abendmesse in der Pfarre ist verhaeltnismaessig schlicht, die Band jung und professionell. Diesmal singen wir drei Strophen von Stille Nacht. Das ist das Obershaeubchen auf diesem sentimentalen Festtag.
Aber das Singen baut mich auf, und ich gestatte es mir auf deutsch. :-)

24.12. Weihnachtsfreude

"Du wirst diese Weihnachten sicher ganz anders verbringen wie sonst, aber dadurch vielleicht bewusster..." schrieb Schwester Mechtild, die Leiterin der "meiner" Schwestern von der Congregatio Jesus, und damit meine erste Gastgeberin.
Ja, das ist wohl war!

Der Vormittag brachte ein wenig Zeit, um zu verschnaufen und an euch daheim zu denken. Ich bin ja im Provinzialat aufgewacht, und da gibts einen Computer im Keller, und, gottseidank, konnte ich zum ersten mal seit 10 Tagen wieder ins Netz. Wie schoen, so viele Mails!
Ein besonders schoenes Weihnachtsgeschenk brachte das Mail von Damir: Pass, Visum und Arbeitsbewilligung sind da! Da habe ich aber gestrahlt. Gratuliere!

Leider konnte ich die Post nur Lesen, denn bald war das Netz wieder blockiert.
Irmi hat ueberraschenderweise angerufen und das war schoen!

Dass der Weihnachtsbaum im Vatikan aus Oesterreich ist, wissen alle. Wie ein original oesterreichischer Weihnachtsbaum duftet, weiss man jetzt auch: Zum Mittagessen habe ich das Flaeschchen mit Weisstannenoel geoeffnet, ein Geschenk aus dem Lainzer "Notfallkoffer", und wir haben "aromatisiert" geschmaust.
Katia erzaehlt beim Essen, dass sie im Fernsehen gehoert hat, der Papst habe die Missa da Gallo (Mette) heuer verboten.
Wegen der Vogelgrippe! ;-)

Aber nein, keine Angst! Ich war in der Mette und zwar wieder mit Hilda "in der Vorstadt". Herbergsuche und Christgeburt wurden von Alt und Jung aus der Gemeinde gespielt.
Am Ende der Messe stimmte der Gitarrist zu meiner Ueberraschung "Stille Nacht" an. Ich war natuerlich heftig mit dabei - auch wenns portugiesisch war!
*seufz!*

Anschliessend, etwas untypisch, gabs Grillerei und Feuerwerk. Das eine im Hof des Elternhauses von Padre Ermin (?), das andere auf der Strasse.
Die grosse Familie war versammelt und wiederum ging es herzlich zu. Mit einigen Geschwistern von Ermin konnte ich mich gut unterhalten: Die blinde Schwester ist Masseurin und nicht auf den Mund gefallen. Der Schwager ist Flugzeugtechniker.
Etwa zehn Sorten Fleisch und Wurst werden auf langen Spiessen gegrillt. Im Lauf von ein bis zwei Stunden reicht der Churrasco-Meister die Spiesse einen nach dem anderen herum, das ergibt ein gemuetliches und endloses Ausprobieren von neuen Geschmaeckern.

Um eins in der Nacht brachte man uns nach Hause. Jetzt waren die Patoralassistentinnen Hilda und Dulce endlich ausser Obligo und wir konnten in Ruhe die Bescherung feiern. Mit "Es wird scho glei dumpa"!
Am Kuechenkastl waren einige Packerl und Weihnachtskarten hergerichtet. Ich habe eine rassige schwarze Handtasche aus umhaekelten Verschluessen von Coladosen bekommen und eine rote Kochschuerze! Juchu, Peter, die kommt nach Harbach!
natal

Die Vorstadt ist ein guter Ort, die Christgeburt zu feiern.
"In der City" und auf der Avenida Paulista haetten sie fuer den Migranten und seine schwangere Freundin aus einer Gegend mit schlechtem Ruf sicher auch heute keinen Platz....

Weihnachten ist eigentlich kein suesses Fest. Auch wenn die lieben Kripplein das vortaeuschen.
Eine Geburt ist ein schmerzvoller Akt, riskant und blutig. Und trotzdem voller Freude.
Ja, nicht suess, sondern mit dem Mut zum Risiko und voller Freude sollen eure Feiertage und soll das Neue Jahr sein!
Seid umarmt!

23.12. Lula

Ich habe ihn also persoenlich gesehen, den grossen Reformer und Politiker "Lula". Zuerst sein Lebenslauf in Kurzfassung, danach meine Geschichte dazu:

Am 27. Oktober 1945 wurde Luiz Inácio da Silva geboren. Seinen Spitznamen "Lula" nahm er später offiziell in den Namen auf. Als "Lula" ist er auch bei der brasilianischen Bevölkerung bekannt.

Lula da Silva ist im Nordosten Brasiliens geboren, wuchs aber in Sao Paulo auf. Er ist das siebte von acht Kindern und stammt aus armen Verhältnissen. Nach fuenf Jahren brach er die Schule ab und verdiente seinen Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie als Schuhputzer, Botenjunge und in einer Wäscherei.
Mit 14 bekam er eine Anstellung in einer Metallfabrik und konnte in Abendkursen die Ausbildung zum Metallfacharbeiter machen. Noch heute gibt Lula das Silva "Dreher" als seinen Beruf an.
Im Jahr 1966 stellte ihn das Grossunternehmen Indústrias Villares ein. Hier begann Lula, sich gewerkschaftlich zu engagieren. Er wurde zweimal zum Gewerkschaftspräsidenten gewählt und leitete Arbeiterbewegungen in den nahe bei São Paulo gelegenen Industriezentren.

Am 10. Februar 1980 wurde bei einem Treffen Lulas mit anderen Gewerkschaftlern, Intellektuellen und Hochschulvertretern im Colégio Sion in São Paulo die Arbeiterpartei - Partido dos Trabalhadores - PT - gegründet und deren Grundsatzprogramm verkündet.

In der Wahlkampagne zu den Wahlen 2002 verzichtete Lula erstmals auf sein Arbeiterimage, und trat in Anzug und Krawatte auf. Außerdem betonte er nicht mehr seine Meinung, dass Brasilien seine Auslandsschulden nicht zurückzahlen solle. Statt dessen setzte er auf ein Programm gegen Hunger und Armut (fome zero) und für bessere Ausbildung. Mit der Industrie gelang es ihm ein vorsichtiges Vertrauensverhältnis aufzubauen. Sogar Raymundo Magliano, der Präsident der Börse von Sao Paolo meinte: "Lula macht niemandem mehr Angst. Er ist ein extrem intelligenter Mann ohne Vorurteile." (Zitiere Website http://windu.t-online.at/10/bios/main.php?neueinstieg=1&nachname=Da%20Silva&id=113 vom 28.12.05)

Bei den Präsidentschaftswahlen am 27. Oktober 2002 erhielt Lula da Silva mit 52,7 Millionen Stimmen das beste Ergebnis, das ein Praesident in Brasilien je erreicht hat. Von Januar 2003 bis Dezember 2006 wird er das Amt des Präsidenten der Föderativen Republik Brasilien bekleiden.

In der Regierungszeit Lulas hat sich die wirschaftliche Lage Brasiliens stabilisiert. Die Abholzung des Regenwaldes geht zum ersten mal zurueck und wichtige Reformen zB. die Einfuehrung von Kindergeld und Unterstuetzung fuer die aermsten Familien sind durchgefuehrt worden.

Andere Plaene, wie die Landreform, gehen langsamer als geplant voran. Dadurch, aber vor allem durch einen schweren Korruptionsskandal innerhalb der Arbeiterpartei im Sommer 2005, ist die Begeisterung der Brasilianer fuer ihren Praesidenten deutlich gesunken.
Viele Menschen, mit denen ich gesprochen habe, sind von der "Selbstbedienung" der Parteigenossen Lulas enttaeuscht.

"Lula" vertritt einen pragmatischen Mittelkurs zwischen neoliberaler und sozialistischer Politik. International baut er gemeinsam mit anderen lateinamerianischen Staaten ein Gegengewicht zur dominierenden Wirtschaftsphilosophie von Weltbank und WTO auf.

Lula das Silva ist seit 1974 mit Marisa Letícia verheiratet und hat fünf Kinder.
(Quellen: Wikipedia, Brasilianische Botschaft Deutschland 2003, DerStandard 2005)

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Und wie komme ich also zu einem Date mit Senhor Presidente?
Ueber Padre Jose Carlos und RECICLAZARUS.
Am 23.12. wird naemlich ein Vertrag unterschrieben, zwischen der Stadtregierung und dem Netzwerk der Catadores - das sind die Maenner mit den Karren, die den Muell einsammeln. Recilazaro hat vier Plaetze und Jose Carlos gibt mir einen davon.

Kurze Erklaerung: In São Paulo hat eine Pastorin vor 15 Jahren angefangen, Menschen, die auf der Strasse leben, durch das Sammeln und Verkaufen von Altpapier zu beschaeftigen. Heute gibt es zahlreiche Recycling-Initiativen, wie zB auch Recilazaro. Diese haben sich bundesweit zum Netzwerk COOPAMARE zusammengeschlossen (das heisst uebersetzt ungefaehr: Kooperation der Sammler von Material in Brasilien) und dieses Netzwerk laedt medienwirksam zur Vertragsunterzeichnung ein.

Ich schmeisse mich zwar in mein einziges schoenes Gewand, aber bin mehr als skeptisch: Ob der Praesident wirklich selber kommen wird? Es ist schliesslich der 23.12., 15 uhr - nicht gerade leicht, hochrangige Politiker na diesem Datum fuer etwas zu bekommen.

Aber er kommt - und nicht nur er! Nach 1,5 Stunden Verspaetung sind wir ca. 400 Menschen:
Viele Catadores nehmen teil, Vertreter der Sozialorganisationen und Prominenz:
Kardinal Don Claudio der Erzdioezese São Paulo, weiters der Sozialminister Brasiliens, die Gleichstellungsministerin, der amtierende Sozialrat von São Paulo, ein Senator und schliesslich Staatspraesident Lula das Silva persoenlich.

Unter einer Autobahnueberfuehrung sind mitten auf dem Gelaende eines Wiederverwertungsplatzes die Leinwand fuer eine Powerpoint-Praesentation und Plastiksessel aufgebaut: Zwischen Stapeln von Altpapier, gequetschten Platikflaschen und dergleichen mehr. Der Chor der Catadores sorgt fuer Stimmung. Etwa 50 Journalisten und Kamerateams sorgen fuer leichte Hektik. Ich uebernehme die Funktion einer "Ameise mit Fotoapparat", krabble auf Stapel und zwischen Sesselreihen herum, und ernte einige Schnappschuesse, von denen ich jetzt leider nur diesen verhatschten herzeigen kann. Bild: "Lula", Praesident von Brasilien
lula
Von den Inhalten der Reden und der Praesentation habe ich leider viel zu wenig verstanden.
Auch ist mir diese Muell-Philopophie noch schleierhaft. Sobald ich mehr verstanden habe, reiche ich einen Artikel dazu nach.
Eines aber noch zum Schluss. Vor der Veranstaltung frage ich den jungen, blonden Mann am Computer hoeflich, ob er mir nicht einen Ausdruck der Praesentation geben kann, denn ich bin Auslaenderin und tu mir leichter, wenn ich mitlesen kann.
"Ich bin auch Auslaender", ist seine Antwort.
"Koennen wir englisch reden?", frage ich erfreut. "Nein, fuer mich ist es besser portugiesisch." "Welche Sprache sprichst du denn?" frage ich schliesslich. Er antwortet: "Deutsch."
Ich verbluefft und auf portugiesisch: "Ich spreche auch deutsch." Pause. Dann mein erster gesprochener deutscher Satz seit langem: "Ich bin aus Oesterreich." "Ich auch", ist seine Reaktion. Na herrlich! Phillip ist ein Zivildiener aus Kaernten, der seinen einjaehrigen Einsatz beim Entsorgungsnetzwerk, "Rede Rua" (Netz der Strasse) macht, ein Projekt meiner "steylen" Missionarsfreunde. Hauptsaechlich aber begleitet er Pater Guenter in die Gefaengnisse, wahrscheinlich der haerteste Sozialjob in Brasilien.
Auch davon wird es einen Bericht geben, wenn Phillip und ich mal einen Erfahrungsaustausch machen koennen. Bild: Phillip
philip

Dass dieses Trerffen mit dem Praesidenten und dem Kardinal auf dem Mistplatz stattfindet, ist ein Signal, ein symbolischer und wichtiger Akt: Das Volk von der Strasse erhaelt damit oeffentliche Aufmerksamkeit und Wertschaetzung.

"Ihr lebt von eurer Arbeit, eure Familien leben davon. Die Gesellschaft braucht diese Arbeit. Und ihr seid um nichts geringer als einer, der seine Arbeit mit der Krawatte macht." sagte Lula zu den Catadores. Nicht jeder bringt das ueber die Lippen; von "Lula" erwartet man das. Es klingt glaubwuerdig von ihm, aber auch muede.

22.12. Dreaming of a white Christmas

"Rosa ist ein schoener Name. Bist du eine weisse oder eine rote Rose?" fragt Bernardette, eine kleine, kecke, aeltere Schwester, die mit Hilda einen Kaffetratsch in der Frueh macht.
Da muss ich lachen, denn heute ist die Antwort klar: Soooooooo Rooooot!

Mit den Kids im Bad habe ich doch zuviel Sonne gekriegt und weil ich meine Haut gerne behalten will, kaufe ich mir jetzt eine Lotion mit Aloe Vera. (Ist ein Geheimtipp. Hat bei mir noch immer funktioniert!)
Unterwegs komme ich an einer Bar vorbei. Eine bekannte Melodie wird da im "La Paloma"-Stil mit Mandoline und viel Schmalz gezirpt: "I`m dreaming of a white Christmas..."
Zwischen Strandsandalen und Kokusnuesen in der Vorstadt von Sao Paulo, bei 27 Grad um 10 Uhr in der Frueh und Sonnenbrand auf der Nase klingt das einfach herrlich schraeg!

Das ist ja fast so gut wie die Situation bei der Hydrogymnastik, die ich bisher unterschlagen habe: Wir sind 50 Damen im schwarzen Badeanzug und werden mit dem militaerischen Eifer des Vorturners animiert, die Beine auszustrecken und die Arme in die Hoehe zu recken und der Lautsprecher plaerrt den Disco-Hit: "Its raining men - halleluja!"
Nur gut, dass hier niemand englisch versteht. Sie werden sich nur gewundert haben, was mich so erheitert.

Heute Nachmittag ist die vorlaeufig letzte Weihnachts- und Papa-Noel-Gabenfeier des heurigen Jahres fuer mich. Diesmal im Frauenhaus, wo mich Dulce schon zweimal mitgenommen hat.
Vielleicht erinnerst du dich noch an den Bericht vom 9.12, dann habe eine Korrektur nachzutragen. Inzwischen hat mir Fernanda, eine Bewohnerin alles gezeigt:

Es gibt sieben Saele (nicht drei) und in jedem stehen 7 - 9 Stockbetten. Da derzeit etwa 50 Frauen mit ihren Kindern dort leben sind das ca. 7 Familien pro Raum.
Sie haben einen Raum voller Spielsachen fuer die Kinder und einen kleinen Innenhof mit Schaukel und Rutsche. Das werde auch verwendet, sagt Fernanda. Allerdings kann ich das nicht recht glauben.

Die Stimmung ist heute schlecht. Nicht, dass jemand grantig ist, aber es fehlt etwas: Die brasilianische Herzlichkeit und Aufmerksamkeit. Die Vorbereitungen fuer die Feier sind noch nicht oder lieblos gemacht.
Dulce klaert mich auf: Das Frauenhaus wird von einer anderen Organisation uebernommen und die Leiterin hat das genuetzt und fast alle MitarbeiterInnen gekuendigt. Sie will mit einem neuen Team beginnen.

Die Spannung in der Luft macht den Nachmittag anstrengend. Ein paar Unverzagte, die sich noch engagieren, werden von den anderen allein gelassen.
Ich uebernehme eine Kindergruppe und wir malen und nachher mache ich wieder viele Fotos. Einige Frauen und Kinder haben Lieder einstudiert und singen mit uns. Das steckt schliesslich doch an und bringt uns in Schwung.
Bild: Dulce mit Gregoria, die zurueck zu ihrer Familie will, und einer Mitarbeiterin
Weihn-Casa-d-m

Nach dem Abendessen, das es heute mit 2 Stunden Verspaetung um 8 Uhr gibt, verabschieden auch wir uns.
Muede kommen wir daheim an und reden noch lange mit Hilda, die sich zwar nicht ins Frauenhaus traut, heute aber ganz interessiert ist.
Schliesslich packt Dulce auch noch Geschichten aus ihrer Arbeit mit Prostituierten aus, da wird es spaet.

21.12. Im Schwimmbad ist die Hoelle los

"Wir machen mit den Kindern einen Ausflug ins Gruene!" verkuendet Dulce, und ich muss mit! Ich soll den Badeanzug mitnehmen und stelle mir irgendwie was Gemuetliches vor.

Um 8 bei der Bushaltestelle ueberfaellt mich die Realitaet: 120 Kinder in drei Bussen sind total aufgedreht. Ein Haeuflein Frauen aus der Pfarre faehrt mit und mir daemmert langsam, warum Dulce heute ein spezielles Gebet zur Muttergottes geschickt hat.

In der Frueh wirkt es regnerisch und ist frisch. Wir fahren ca 40 Minuten und kommen schliesslich am Parkplatz einer Fischerei mit Freizeitgelaende an.
Die Kinder sind aus Favelas, zwischen 5 - 14 Jahre alt und werden einmal im Jahr zu diesem Tag im Schwimmbad eingeladen, sogar mit "Papa Noel"! Es gibt in der Pfarre sogenannte Patentanten, die jeweils fuer einige Kinder Geschenke organisiert haben und heute ist der grosse Tag der Uebergabe.

Diese Kinder haben normalerweise ein vorsichtiges Verhaeltnis zu Autoritaeten. Nach dem Motto: Man kann nie wissen, was von oben kommt! draengt sich niemand auf, mitzuhelfen. Nein, in Sicherheit ist man, wenn man weit vom Schuss ist.
Die Erwachsenen schleppen die Limo und Wuerste und Grillkohle also zum groessten Teil selber zum Essplatz.
Das Gelaende ich schoen, rundherum nur Wald und Wiese. Es gibt einen Volleyballplatz, einen Spielplatz fuer die Kleinen, eine grosse Wiese fuer die Fussballer und in der bluehenden Hecke rundherum sehe ich Kolibiris.

Gleich nach der Ankunft ist es noch kuehl und wir geben erstmal eine Jause aus.
Mir wird es schwummerig, denn ich bemerke, dass niemand ein Programm vorbereitet hat.
Das Team der knapp 10 BegleiterInnen funktioniert scheinbar ohne Leitung und Absprache.

Fuer die Kueche fuehlen sich die meisten zustaendig. Das Vorbereiten der Brote und Verstauen der Lebensmittel klappt auch gut. Es scheinen sich aber nur 2 -3 Frauen fuer die Betreuung der Kinder verantwortlich zu fuehlen.
Menschenskind, das wird was werden! Ich krieg Bauchweh vom Zuschauen. Da sind zum Beispiel die Maedels mit 12, die schon voll in der Pubertaet sind. Sie tragen hohe Absaetze und wollen mit den Buben nicht nur Fussballspielen. Gibts da irgend eine Vereinbarung, was sie duerfen und was nicht? Ich weiss zumindest nichts und hoffe, dass niemand erwischt wird.
piscina
Richtig gehts dann los, als die Sonne waermer und das Schwimmbad freigegeben wird.
Benimmregeln werden nicht verlautbart. Wuerde wahrscheinlich auch nicht viel nuetzen.
Mir stockt der Atem beim Hinschauen: Ununterbrochen springt irgendwo einer vom Rand ins uebervolle Becken und rund um die Bassins wird auf den nassen Fliesen Fangen gespielt. Als die Boys dann Salto ueben - bei einer Wassertiefe von ca. 1,50 m und direkt von der Randkante aus - wirds mir aber zu steil.
Nach Motorradunfaellen sind Spruenge ins seichte Wasser die zweithaeufigste Ursache fuer Querschnittlaehmungen, so habe ich an der Sozialakademie gelernt, und bemerke: Wissen ist noch lange nicht Macht!

Ich versuche also herauszufinden, wer hier das Sagen hat, ernte aber nur diffuse Handzeichen. Dann will ich eine Allianz der Betreuerinnen anzetteln und suche den Kontakt zu der Frau, die immer in der Naehe der Kinder geblieben ist.
"Das ist gefaehrlich, was die da machen." bringe ich raus. "Die sind daran gewoehnt, dass es wild zugeht.", meint sie locker.
Und die gute Dulce versucht mich (und sich) zu beruhigen mit dem Hinweis auf die gute Tat: "Viele von ihnen haben kein fliessendes Wasser zuhause, sie koennen nicht duschen. Wasser ist was Tolles fuer sie!"

X-mal an diesem Tag will ich mich auch abseilen, weil ich nicht mehr hinschauen kann und weil ich keine Sonnencreme dabei habe, um laenger beim Bad bleiben zu koennen.
Genau so oft zieht es mich wieder zu einem der Becken, weil ich den Eindruck habe, dass sich da grad was aufschaukelt oder weil ein Kind was braucht.
Ich will gar nicht wissen, ob sie wenigstens eine Krankenschwester dabei haben und uebe mich im "selektiven Wahrnehmen".

Als schliesslich eine der BetreuerInnen ins Wasser geworfen wird, schreie ich die Boys an. "Das ist Mist, was ihr da tut. Tut doch nichts, was sie nicht will!" Leider hatte ich es nicht rechtzeitig mitgekriegt und es nicht verhindern koennen. Im nachhinein lachen alle, mir aber ist nicht danach zumute. Wir haben noch einige Stunden mit denen vor uns und ich will nicht zum Spielball dieser Gruppendynamik werden.
Meine Worte haben sie wahrscheinlich nicht verstanden, aber meinen Aerger und meine Aggression haben sie mitgekriegt. Mir war wichtig, die Grenze zu markieren: "So nicht!". Graçias a Deus ist es auch nicht mehr passiert und schon gar nicht mit mir.

Zum Mittagessen gibts Churrasco, am Nachmittag koennen alle nochmal ins Wasser und um halb Vier kommt dann Papa Noel.
Wir raeumen die Tische weg und machen Halbkreise mit den Baenken. Langsam kommen auch die letzten aus dem Bad und suchen ihre Kleider und Handtuecher. Die Spannung steigt. Wir ueberbruecken die Zeit mit dem Verteilen von Obst und Getraenken und singen.
Das Singen und Klatschen wird immer lauter, Papa Noel muss es doch schon hoeren!
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Und endlich, nach fast einer Stunde, erscheint da unten bei der Bruecke am Fischteich die ersehnte rote Gestalt. Jetzt ist niemand mehr zu baendigen. Alle springen auf, schreien, pfeifen, stehen auf den Baenken oder draengen vor zum Ausgang.
Nicht einmal die coolen Jugendlichen koennen sich dieser Euphorie entziehen. Die Gesichter leuchten: "Er ist wirlich da!"
Jetzt kommt dann bald der Hoehepunkt und jedes Kind wird aufgerufen, erhaelt einen Applaus und ein Sackerl voller Geschenke - und strahlt! Zum Wegschmelzen schoen sind diese Augenblicke!

Im Omnibus normalisiert sich alles wieder. Natuerlich werden die Paeckchen geoeffnet, auch wenn man noch warten sollte. Natuerlich wird mehr oder weniger offensichtlich herumgezeigt, was da alles im Sack war. Satt und zufrieden faehrt man heim und gruppenweise steigen die Kinder bei den verschiedenen Stationen aus, froehlich rufend und singend.

Alles gut gegangen und war doch schoen im Gruenen, oder? Ja, wunderschoen. Und ein mulmiges Gefuehl bleibt mir.

20.12. Im CEFRAN: Die "Never Ending Story" von Weihnachten

Seit 1675 sind Franziskaner in Brasilien und in der Sozialarbeit sind sie hier seit etwa 100 Jahren aktiv. "Sefras" ist der Name der Organisation, die heute 65 Sozialeinrichtungen des Ordens in Brasilien koordiniert. Die Abkuerzung heisst, schlecht uebersetzt, Service der Franziskaner fuer Solidaritaet.
1994 wurde CEFRAN eroeffnet: Das Zentrum fuer Menschen, die den HIV-Virus tragen.

HIV-Traegerinnen, mit oder ohne Krankheitssymptome von AIDS, leiden nicht nur an der koerperlichen Krankheit, sondern besonders an den sozialen Konsequenzen. Das Bewusstsein, eine toedliche Krankheit zu haben, ist eben nur ein Teil des Problems. Alle haben Angst vor diesem Virus und wenige wissen, wie sie sich vor Ansteckung schuetzen koennen. Dass ein normales Zusammenleben mit HIV-positiven Menschen moeglich ist, glauben viele nicht, auch viele der Betroffenen.

Wer bei einer Blutuntersuchung den Befund HIV-positiv erhaelt, bekommt im Normalfall auch Information ueber Beratungsstellen und Hilfsorganisationen. Bei CEFRAN bleiben die mit den aergsten Problemanhaeufungen haengen: Kein Job, keine Wohnung, keine Ausbildung, schwanger, kein Geld, kein Essen....

Die Einstiegspforte ist zunaechst einmal materielle Hilfe: Geld wird nicht gegeben, wohl aber Medikamente, Lebensmittel und Kleidung. Mit jeder Person wird zunaechst ein Aufnahmegespraech gefuehrt, um die Situation zu erheben. Dann verpflichtet sich die Person, an einer Gruppe teil zu nehmen und waehlt aus etwa 20 Angeboten mindestens eines aus: Gesundheit, Sport, Sexualitaet, Homosexualitaet, Eltern und Kinder, Literatur, Buergerrechte, Informatik, Spiritualitaet, Kunst, Theater.... Alfabetisierung ist verpflichtend, fuer die, die nicht lesen und schreiben koennen.

Waehrend eines Semesters besucht die Person die Gruppe einmal in der Woche an einem Halbtag. Wer Kinder hat, bringt sie zu einer parallel laufenden Kindergruppe im CEFRANSINHO, im oberen Stock. Dort werden taeglich 50 - 80 Kinder in Gruppen bis zu max. 13 betreut.
CEFRAN begleitet laufend etwa 350 Erwachsene und 400 Kinder.
Ich lerne das Zentrum kennen, weil Marianne, eine der Schwestern aus dem Provinzialat, dort freiwillig zweimal in der Woche eine Kleinkindergruppe leitet. Heute ist - erraten! - Weihnachtsfeier, und das will mir Marianne unbedingt zeigen.

Wie gewoehnlich oeffnet das Zentrum ca. um 10 Uhr. Die Kinder kommen gleich in den oberen Stock - heute nicht in ihre Gruppe. Es sind nur etwa 50 Kinder da. Zwei Stunden lang gibts jetzt Gymnastik, singen und tanzen, Wettbewerbe. Die kleineren machen begeistert mit, die groesseren bleiben am Rand sitzen und schauen zu.
Foto: Wetttanzen
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Mir faellt gleich das Plakat im Hintergrund auf, das wahrscheinlich zu einer normalerweise hier statt findenden Gruppe gehoert: "Meine Mutter ist ein Problem." steht darauf.
Wirklich, diese Kinder haben das Virus schon bei der Geburt mitbekommen. Oder wie Sarah, mein Schatz, noch zusaetzlich Syphilis. Sie ist etwa 10 Jahre alt und fast blind. Ich unterhalte mich gerne mit ihr, denn sie scheint mir sehr intelligent.
In diesem Alter weiss Sarah bereits, was ihre Krankheit ist und wie sie dazu gekommen ist. Die Muetter leben oft in grausamen Verhaeltnissen und die Kinder bekommen viel davon ab. Hier koennen sie reden ueber das, was sie belastet.

Um 1 Uhr gibt es Mittagessen. "Tia, setz dich zu uns!" Gerne, aber auch etwas scheu folge ich der Einladung. "Von wo bist du?" "Red mal was auf englisch!" und so weiter... Da kann ich gerade noch mithalten und zeige mit den Tellern auf dem Tisch, wo Brasilien und das Meer liegen und auf der anderen Seite Afrika und dort ganz in der Naehe Europa. "Ja, ich bin mit dem Flugzeug gekommen," beantworte ich die Frage. "Legal!" meint man anerkennend.

"Fuer mich ist es schwer portugiesisch zu sprechen. Und ganz leicht, englisch zu reden." Das oeffnet Tueren bei den Kindern, denn erstens ist portugiesisch ja ganz leicht! und zweitens haben viele Englisch-Unterricht. Sie lassen sich auch etwas herauslocken und ich bewundere alles.

Nach dem Mittagessen treffen sich heute Eltern und Kinder im Saal. Eine Theatergruppe spielt das erwartete Weihnachtsstueck. "Ihr wisst ja, warum wir heute da sind? Ja? Wir sollen ein Stueck spielen ueber Weihnachten. Aber das ist nicht leicht. Wie koennen wir ein Stueck spielen, das nie begonnen hat und das nie enden wird und das euch trotzdem gefaellt?"

Aber es gelingt ihnen. Das Stueck ist eine Mischung aus Klamauk und Musical und es wird viel gelacht. Wiederum kommt der Kobold Sassa-Perere vor, der normalerweise am liebsten in Haus und Hof fuer Unruhe sorgt. (Wie bei der Kinderauffuehrung in der Schule)
Im Haus leben weiters die Katze und die Grossmutter. Und der schlimme Sassa liegt mit der braven Katze im Klintsch wegen Weihnachten. "So ein Schmarrn!!", meint er. Nein, Katze, Sassa wirst du nicht gewinnen koennen, dass er dir beim Dekorieren mit Weihnachtsschmuck hilft. Im Gegenteil, er richtet an was er nur kann und seine Kommentare zu Weihnachten muessten den anwesenden Pater eigentlich rot anlaufen lassen.
Wie es schliesslich doch dazu kommt, dass Sassa - wider Willen - sogar einer Frau mit Baby hilft, und wie er das verbluefft abstreitet, ist famos gespielt. Im Traum erscheint ihm Maria, die Gottesmutter: "Sassa! Abre a porta! Oeffne die Tuere!" Er wacht auf, ist zunaechst verdutzt, aber bald macht er sich ueber den Traum lustig. "Wo habe ich denn eine Tuere, bitte?"

Doch er hat nun schon einmal angefangen, die Freude des Helfens kennen zu lernen, und so kommt er auch nicht mehr weg davon. Am Ende zaubert er sogar die Enkelin herbei, die wegen des Unwetters nicht zur Oma kann.

Die Verwandlung des schwarzen Kobolds mit einem Bein zu einem verschmitzt freudig-widerspenstigen Helfershelfer war so kunstvoll gespielt, dass weinen und lachen auch bei mir nahe beieinander lagen. Es war das schoenste Weihnachtsmaerchen seit langem.
Bild: Publikum im CEFRAN
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"And so this is Christmas..." - der Song von Lennon zum Schluss bringt auch hartgesottene Anwesende zum Schmelzen. Nach dem Stueck liegt man sich in den Armen. Die Kinder bekommen von Papa Noel noch einen Kuss und ein Packerl und werden nachher abgeholt.
Ein grosses, heiteres Durcheinander. Einige transsexuelle Maenner-Muetter sind auch gekommen. Ich spuere kein Abruecken von irgend jemandem. Die Mama von Sarah findet ihre tapfere Tochter bei mir und wir unterhalten uns. Niemand wuerde die gut aussehende, etwas buergerlich wirkende, Dame fuer eine Prostiuierte halten.

Das wertvollste an diesem Tag im CEFRAN war fuer mich das Eintauchen in dieses Klima: Offenheit und Wertschaetzung auf dem Boden harter Tatsachen. Hier erlebe ich die Geschichte der Liebe, die Leben will, in dieser Welt, jetzt und fuer alle.

Natuerlich werde ich von vielen herzlich eingeladen, wieder zu kommen. Kann gut sein, denn ich bin gespannt auf mehr.

19.12. Recilazaro: Die Wuerde zurueckgewinnen

Mit meinem Besuch bei Recilazaro schlittere ich in was rein, das noch weitere Konsequenzen haben wird. Aber am Montag in der Frueh weiss ich das ja noch nicht.
Drehen wir das Rad also zurueck:
Schwester Mariana studiert Theologie und faedelt ueber einen Kollegen den Besuch ein. Vorerst wissen wir nur, dass sich der Praesident Zeit nimmt: Padre Jose Carlos. Wir fahren um halb Acht los und treffen Jose Carlos und Marianas Kollegen Marcio an der U-Bahn. Marcio arbeitet in der Pfarre St. Lazarus, wo Jose Carlos offiziell Pfarrer ist. Gleichzeitig aber ist er ein unternehmerischer Pionier, Inspirator und Geschaeftsfuehrer eines rasch wachsenden Sozial-Unternehmens.

Begonnen hat alles vor ca. 8 Jahren. Die Kirche und das Pfarrhaus liegen in einem gutbuergerlichen Stadtteil mit vielen alten Einfamilienhaeusern. Ober St. Veit sozusagen. Auf dem Platz vor der Kirche aber leben Wohnungslose: "povo da rua". Eine Gruppe Jugendlicher will eine Initiative setzen und den Leuten Hilfe anbieten. Es dauert etwa ein Jahr, bis die Befuerchtungen und Widerstaende bei den Wohnungslosen und bei der Bevoelkerung zurueckgehen. Die Pfarre bietet jetzt taeglich Essen, Duschmoeglichkeit, Kinderbetreuung, Einzelhilfe an. Und dann gehts los. Padre Jose Carlos eroeffnet mit einigen Helfern eine Notunterkunft. Die Herberge St. Lazarus bietet heute ca. 300 Menschen Platz. Standard: Stockbetten und Schlafsaele fuer je etwa 20 Personen. Trennwaende zwischen den Stockbetten sorgen fuer ein Minimum an Abgrenzung. In der Herberge gibt es Arbeitstherapie, Ausbildung und vielfaeltige Unterstuetzung. Wir besuchen die Baeckerei - dort ist es heute ruhig. Die Ferien haben schon begonnen. Ein huebscher junger Mann arbeitet mit Brotteig. Er darf einmal in der Woche aus dem Gefaengis, weil er in der Herberge mitarbeitet und Ausbildung macht. Dann gibts eine Schreinerei, wo aus Abfallholz herrliche Gegenstaende hergestellt werden. Aus Pappe und Papiermaché bauen sie stabile Moebel nach einem franzoesischen Patent. Allerlei wiederverwertbares Material wird zu Taschen, Teppichen, Schmuck etc. verarbeitet.
Im Pfarrhof ist inzwischen eine Recycling-Stelle eingerichtet. Stapel von Altpapier, leeren Flaschen, Blech in Tonnen, Altkleidern brachten Jose Carlos den Ruf ein, der "heilige Muellsammler" zu sein. Der Kirchplatz ist aber weitgehend frei von Wohnungslosen geworden und die Pfarre traegt die Aktivitaeten mit.
Praktisch jedes Jahr eroeffnet Jose Carlos eine neue Einrichtung - was halt am dringendsten gebraucht wird: Das Haus Marta und Maria ist ein geschuetzter Platz fuer 70 misshandelte Frauen mit Kindern, die von der Polizei ueberwiesen werden. Etwas mehr am Stadtrand gibt es auch einen grossen "Mistplatz" - so heisst es in Wien, wo gesammeltes Material sortiert und gestampft wird. Jetzt arbeiten dort 30 Wohnungslose oder ehemals Wohnungslose wie Maria. Sie lebte ueber 10 Jahre auf der Strasse und auch auf dem Platz vor der Pfarrkirche. Sie hat alles genommen, was sie an Drogen bekommen konnte, um sich zu betaeuben. Sich tot stellen. Ich will nicht da sein.
Einmal wird sie von Polizisten weggejagt und geschlagen. In der Not ueberwindet sie die Scheu und schreit nach dem Pfarrer um Hilfe. Dieser kommt auch und bringt sie in den Pfarrhof. Ein Tor ist aufgetan und Maria geht einen unglaublichen Weg der Veraenderung: Sie wird eine der Gruenderinnen des Arbeitsprojektes am Mistplatz, wo sie auch heute noch mitarbeitet und uns ihre Geschichte erzaehlt. Sie lebt jetzt clean und selbstaendig in "ihrem" Haus, hat ihre Familie im Nordosten finanziell unterstuetzt und ihrer Mutter auch ein kleines Haus in der Heimat gekauft.
Ein Modell, eine Erfolgsgeschichte.
Jose Carlos gruendet weiter: Ein Wohnprojekt etwa 50 km ausserhalb von Sao Paulo fuer 10 Maenner, die ein halbes Jahr Entzug machen in Kooperation mit einer Klinik. Ein Wohn- und Arbeitsprojekt fuer 30 Wohnungslose, die wieder arbeitsfaehig werden wollen, oder die zumindest wieder probieren wollen, ob sie das noch koennen. Beide Projekte liegen herrlich im Gruenen, es gibt Arbeitstherapie in der Landwirtschaft, Schulung und medizinische Betreuung.
Ein Haus fuer 10 Frauen, die HIV-infiziert sind und von ihren Familien "abgegeben" wurden. Dieses Haus "Guadalupe" ist das einzige Projekt, das nicht darauf ausgerichtet ist, dass die KlientInnen nach einer Zeit wieder eigenverantwortlich und selbstaendig leben. Es ist fuer die Frauen, die hier wohnen, wahrscheinlich die letzte Wohnung. Drei von ihnen sind auch stark koerperlich behindert und pflegebeduerftig. Aber die Damen sind munter und gepflegt. Hier wirkt es nicht nach Endstation. Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit der Klinik, mehrmals in der Woche machen Gruppen aus der Klinik Besuche im Haus und gemeinsame Gespraechsrunden. Ein Augenarzt hat seine Einrichtung vererbt - in den drei Jahren seit Guadalupe besteht, wurden ueber 200 Menschen gratis behandelt. Leute, die in keiner Arztpraxis gerne gesehen waeren.
Jose Carlos erzaehlt, dass Recilazaro fuer die da ist, die am meisten verletzlich sind.
Es hat ihn sehr beeidruckt, wie die Frauen im Haus Guadalupe ihre Wuerde wieder gefunden haben und aufgebueht sind. "Wenn du so ein Buendel triffst, am dem kaum mehr etwas Menschliches zu erkennen ist, und wenn du dann dabei sein darfst und siehst, wie sich der Mensch aufrichtet und entfaltet...!" Diese Erfahrung ist der Motor fuer seine unglaublich erfolgreichen Aktivitaeten.

Die Gesamtorganisation bietet heute mit etwa 120 MitarbeiterInnen und 200 Freiwilligen Angebote fuer ueber 800 Menschen, die keine Wohnung haben.
Jose Carlos laesst sich hinreissen und macht mit uns Visite durch seine Einrichtungen. Es gefaellt ihm, seine Arbeit herzuzeigen und ich profitiere sehr. Am Abend haben wir ausser einer Maennerwohngemeinschaft, die aehnlich wie Guadalo]upe aufgebaut ist, alle Projekte gesehen.

Ob ich nicht das Haus vis-a-vis kaufen will, fragt er mich. Na irgend sowas musste ja kommen, bei seinem Gruendungstalent!
Bisher gibt es noch keine Einrichtung, wo die Kinder HIV-infizierter Frauen bei ihren Muettern bleiben koennen. Mutter und Kind werden getrennt - und das widerstrebt ihm sehr. Da die Kinder meistens auch infiziert sind, kommen sie ins Spital oder ein Kinderheim.
Das HIV-Virus ist heute aber kein Todesurteil mehr. Medikamente gibt das Gesundheitsministerium gratis an die Beduerftigen. Mutter und Kind koennen miteinander leben und ihr Leben waere reicher, sinnvoller und gesuender. Es ist nur noch mein Wunsch, das anzufangen, meint Jose Carlos.

Das Haus vis-a-vis ist gerade zu verkaufen und es waere praktisch, denn in Guadalupe leitet Jamili, eine Krankenschwester. Sie studiert neben dem Leitungsjob. Knowhow, Erfahrung und Mut waeren da.

Ich winke erst mal ab und mache klar, dass ich kein Sponsor bin und keinen Fond gruenden kann. Aber am Abend, als wir gemuetlich bei Wein in seinem Haus sitzen, faellt mir viel zu dem Thema ein: Was braucht ihr wirklich? Ist das Haus gross genug? Wie klar ist die Idee schon? Wer kann euch in Brasilien unterstuetzen?
Am Ende habe ich ein "compromisso": Ein Date nach Weihnachten mit einigen von seinen Fuehrungskraeften, natuerlich auch Jamili, die mir sehr gefaellt. Nicht nur weil sie sehr huebsch ist. Sie ist gescheit und weiss was sie tut.
Ich stelle mich zur Verfuegung, ein Projektexposee auf deutsch zu machen und mich um einige Kontakte im deutschsprachigen Raum zu bemuehen.
Nach Weihnachten erarbeiten wir uns die Grundlagen.
"Schau ma mal!" und fangen wir mal an...

Was mir besonders gut gefaellt an Jose Carlos, ist sein Sinn fuer das Echte. In seinem Haus gibt es viele schoene alte Gegenstaende: Uhren, Waldhoerner, Geschirr, alles ist voll davon. Und der Wein war der erste gute Wein in Brasilien.

18.12. Der Spagat der Kirche

Ein Artikel versetzt die kirchlich organisierten Menschen hier in Aufregung: Bischof X versucht, die Arbeit der Laien klarer zu regeln und einzuschraenken.
Auch im einmal sogenannten "groessten katholischen Land der Welt" zeigen sich die Widersprueche und Konfliktlinien unserer Kirche sehr deutlich.
Auf der einen Seite die durchdachte und theologisch fundierte Realitaet kirchlicher Reglungen: Was eine Messe bedeutet, was dabei einem Priester zu tun vorbehalten ist.
Auf der anderen Seite der Wunsch der Menschen, die Messe gemeinsam zu feiern - und es gibt nicht genuegend Priester, um gesetzeskonform zu handeln. Nein, die Kirche hier an der Peripherie, das sind zu 95% Frauen!
Da ist er spuerbar, der Spagat der Kirche, zwischen Ist und Soll, zwischen Maennern und Frauen, Oben und Unten, zwischen Ordnung und kreativem Umgang mit der Realitaet.

Wie klebt das alles trotzdem zusammen? Warum fliegt das Werkl nicht schon lang in die Luft bei den vielen ungeloesten und vielen unloesbaren Konflikten?
Ein Grund ist sicher eine Art von vernueftig nicht zu erklaerendem Vertrauen, dass es Weitergehen wird und dass es besser werden wird, wenn wir uns einsetzen.
Und ueber diesem Grundvertrauen tobt die Auseinandersetzung der Ideen und Ueberzeugungen, wie man heute leben und feiern soll, wenn man sich an Jesus orientiert.

Ich habe durch meine fast taeglichen Messbesuche hier schon auf viele Arten gefeiert: Mit und ohne Kommunion, mit und ohne Priester, mit mehr oder weniger Dialog und Beteiligung aller. Ich bewundere diese Vielfalt und denke, dass unsere Kirche in Europa daran leidet, dass "Messe" etwas Fertiges und Perfektes sein muss.
Hier gibt es eine groessere Bandbreite des Akzeptierten und mehr Bereitschaft und Freude, Messe persoenlich zu gestalten.
Waere es mein Fachgebiet, wuerde ich diesem Unterschied mehr auf die Spur kommen wollen: Was haelt die Kirche hier so lebendig? Wie wird sie zur Unterstuezung der persoenlichen Erfahrung mit Gott?

Und was ist jetzt dran, an der verordneten Beschraenkung der Feiern, die von Laien gestalten werden? - Das frage ich also Padre Joao. Er bleibt cool und antwortet britisch pragmatisch: "Wird sich geben. Spaetestens wenn gar keine Priester mehr hier an der Peripherie sind."

Seine Predigt am Vormittag und meine beschraenkten Sprachkenntnisse haben mich heute Vormittag auf eine Idee gebracht: Fuer mich neu zu uebersetzen und aufzuschreiben, an was ich zu glauben im Stande bin. "Mein Glaubensbekenntnis" sozusagen.
Wahrscheinlich wird es nie fertig werden, denn ich bemerke, wie ich mich schon durch das Schreiben veraendere: durch das klarere Bewusstsein meines Lebensfundaments und der vielen Risse und Spruenge darin.

17.12. In der Vorstadt

"Ja, in der Vorstadt sichst den Himmel no a bissl blau. Jeder kennt di ganz genau, wahs garantiert, was alls passiert. Und am Sunntag stengans umanand im Sunntagsgwand."
Wer kennt den Schlager noch?
Dieses Gefuehl habe ich jetzt wieder bei Hilda und Dulce, die etwas feiner von "der Peripherie" sprechen.
Nachmittags gibts Bescherung in der Pfarre: Ein Initiative von Frauen organisiert mehrmals in der Woche Betreuung fuer Kinder aus einem nahe gelegenen Favela.
Doch heute ist natuerlich alles ein wenig anders: Viele Muetter sind gekommen und bringen auch die ganz Kleinen mit. Es gibt Jause, Getraenke, schliesslich auch Kuchen fuer alle und als Hoehepunkt des Nachmittags erscheint auch hier Papa Noel!

p-criancas
Jedes Kind erhaelt ein persoenliches Geschenk. Allerdings diesmal eher "klassisch": Die Maedels Puppen, die Buben Autos und alle kriegen noch was Nettes zum Anziehen.
"Wenn es was zu holen gibt, kommen die Ratten aus den Loechern," meint eine der Ehrenamtlichen, "sonst siehst du keine der Muetter. Sie vergessen sogar die Kinder herzubringen, wenn wir Programm machen."
Die Lebenssituationen sind zu unterschiedlich, das Verstaendnis fuer die anderen ist daher begrenzt. Fuer die einen ist jeder Tag gewonnen, den man ohnen groeberen Schaden ueberstanden hat. Mit der Philosophie: "Nimm, was dir geboten wird. Was du jetzt hast, kann dir keiner mehr nehmen." schlagen sie sich durch. Geld oder Vorraete, die man ordnen oder einteilen muesste, haben sie nicht.
Die anderen leben in einer weniger chaotischen Situation. Sie koennen und muessen ihre Tage, ihre Energie und ihr Geld vorausschauend planen.
Und trotz ihres Aergers und mancher Zweifel, die aufkommen, wenn man kaum Erfolge seiner Arbeit sieht, packen diese Frauen zu. Die Situation der Kinder laesst ihnen keine Ruhe. Etwas konkret zu tun, und sei es im kleinen Rahmen, ist doch befriedigend.

Am Abend kommt ein Ex-Missionar aus Irland, Kollege von Joao, auf Besuch. Wahrscheinlich habe ich den Namen nicht richtig verstanden, klingt so aehnlich wie Vencente (Vinzenz). Er ist jetzt Mitte 50 und hat sich vor 10 Jahren in eine Brasilianerin verliebt. Sie sind gluecklich zusammen, haben zwei Kinder und Vencente fuehlt sich heute mehr als Brasilianer denn als Ire. Er leitet eine Organisation, die die Rechte der BewohnerInnen der Favelas schuetzt.
Vencente berichtet: Seit ueber zwanzig Jahren kaempfen sie fuer die Zuwanderer, die sich am Stadtrand in selbstgebauten Huetten ansiedeln. Sie suchen eine Arbeit in der Stadt, fuer die man keine besondere Qualifikation braucht: Muell einsammeln, arbeiten in Haus und Garten, Suessigkeiten verkaufen etc. Wenn ich schon einen Monat brauche, um mich ein wenig in dieser Stadt zu orientieren - wie wird es erst denen gehen, die hier niemanden haben und fuer die sich kaum einer interessiert?
Wie Padre Joao sagte, sind die groessen Migrationsbewegungen aber vorueber und in den Favelas wurde inzwischen viel erreicht: Kanalisation, Wasser und Strom zu organisieren, war ein grosser Fortschritt. Viele haben ihre Huetten neu gebaut aus Ziegeln, manche sind schon ganz schick. Die groessten Probleme derzeit sind einerseits die Mini-Grundstuecke und andererseits die oft ungeklaerte rechtliche Situation. Die Leute haben keine Ansprueche auf Haus und Grund, auch wenn sie hier vielleicht aufgewachsen sind.
Da die Stadt die Grundstuecke auf mindestens 5 x 25 Meter parzelliert, ist es auch sehr schwer, die Situation zu regeln. Die meisten Bewohner und Familien haben naemlich weit weniger: 3 x 15 Meter oder 5 x 10 Meter. Stellt euch das vor!

Wir verabschieden Clemente, der mich noch herzlich zu einem Treffen seiner Gruppe einlaedt, und machen die Packerl fuer Dulce fertig. Auch diese sollen ja in ein Favela kommen und die Kinderaugen fuer eine Zeit zum Leuchten bringen.
Zuerst aber bringt mich Hilda zum Leuchten: Sie organisiert Musik und bringt eine CD mit Wiener Walzer und "Best of Classic". Ich habe schon wochenlang nichts Nahrhaftes Musikalisches gehoert und schmelze also dahin.

Samstag, 17. Dezember 2005

16.12. Abschiedsworte

Ich fuehle mich hier sehr lebendig und das heisst auch verletzlich und gefuehlvoll. So geht es heute wieder auf und ab: Meine Abschiedsworte an die Schwestern hat die tapfere Célia mit mir korrigiert und wir beide haben dabei fast nicht geweint.
Von Célia habe ich ein schoenes Buch bekommen: Kurzgeschichten zeitgenoessischer brasilianischer Autoren, und sie gab mir viel “Homework”, zur Beruhigung wahrscheinlich.
;-)

Bild: Rinnsteinblume vor der Schule
rinnsteinblume

Im Haus ist neuer Besuch angekommen, unter anderem Marco, ein Neffe von Caetana. Er studiert Volkswirtschaft, mit Schwerpunkt Geschichte und Regionalentwicklung, und ist bereits im Doktorratsstudium. Es ist hochinteressant mit ihm ueber Globalisierung und die Perspektiven der Entwicklung in Brasilien zu sprechen. Und ausserdem gehts auf englisch, das bringt einfach mehr!

Auf mich wartet in den naechsten Tagen Neues. Ich weiss nicht, wann ich wieder ins Netz kann, voraussichtlich am Montag oder Dienstag.
Auf bald, ihr Lieben!

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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