Tagebuch

Montag, 5. Dezember 2005

5.12. Heidrun feiert

Zur Feier von Heidruns Geburtstag kann ich grad mal was vom "bedeutendsten Museum Lateinamerikas" berichten (laut Baedecker) , dem MASP Musuem fuer Kunst in Sao Paulo.

Gestern wollte ich mal wieder in die City und da ich unter guter Obhut bin, hat sich Terezinha erfreut gezeigt, auch einmal ins MASP zu kommen. Also zum Teil habe ich ihr das Interesse abgenommen, denn mir geht es auch so: Die beruehmtesten Orte, wie zB Schoenbrunn oder die Schatzkammer, besuche ich nur mit Gaesten.
Der Begleitschutz wurde aber auch deshalb aufgeboten, weil gestern ein Fussball-Derby die Stadt zum Kochen bringen sollte: Wenn die Korinthias und die Palmeiras spielen, ist der Teufel los. Wir aber haben davon kaum was bemerkt - ausser dass in fast jeder U-Bahn-Station mehrere PolizistInnen am Bahnsteig waren.
Leider habe ich das Match nicht gesehen und weiss nicht einmal, wer letztlich Meister geworden ist.

Die Knallerei der Feuerwerkskoerper begann schon am Vormittag - und nicht nur im Stadium! Das geschieht aber praktisch jedes Wochenende: Es muss ein Stadium in der Naehe sein, denn ab Freitag Abend gehts in unserer Gegend rund - bis in die Nacht hinein.

Zur Mitternacht in Augsburg hat also Heidruns Geburtstag mit einem Feuerwerk in Sao Paulo begonnen. Und ich widme dieses ganz persoenlich meiner spritzigen und praechtigen Tochter!

Vom alten Stadtzentrum habe ich bereits berichtet, dort liegt das Jesuitenkolleg auf einem Huegel. Die Avenida Paulista ist das neue Stadtzentrum. Wer wirtschaftlich etwas sein will, hat eine Adresse hier.
Viel von der Avenida Paulista habe ich gestern nicht gesehen, denn wir sind gleich beim Antiquitaetenmarkt haengen geblieben.
Oh welche Wonne, so viele ausgesucht schoene alte Dinge. Von Porzellanpapageien bis zu alten Kameras, von kleinen Heiligenstatuen bis zu Silberloeffeln, von Buechern bis zu Spazierstoecken als Horn oder edlem Holz - was man halt alles haben koennte und nicht wirklich braucht. Gottseidank hatte ich nicht genug Geld dabei!
Daneben gibts den Markt der KunsthandwerkerInnen: Ledertaschen fuer wenige Euros, Hippies stellen Schmuck aus Naturmaterialen her, eine alte Dame bestickt T-Shirts mit Perlen und Pailletten, jede Menge gehaekelter Guertel und Kappen. Vielleicht bringe ich eine fuer Elena mit, denn sie sehen "cool" aus!

Danach mussten wir uns bei einem Cafezinho im Restaurant des Museums erholen.
Vom Museum selbst haben wir nur die Haelfte erkundet: Das oberste und das unterste Stockwerk; die bekannte Fotoausstellung habe ich mir aufgespart.
Der Eintritt fuer Personen ueber 60 ist frei, ich habe den vollen Preis zu knapp 3 Euro bezahlt. auch das ist guenstig.

Im obersten Stock ist ein Querschnitt durch die abendlaendische Kunst zu sehen. Ein paar roemische Skulpturen, religioese Bilder aus dem 13. Jhdt, und dann aufsteigend bis zum 20. Jahrhundert je ein bis zwei Saele fuer die bekanntesten Kunstepochen bzw. "Schulen" in Italien, Spanien, England, Mittel- und Nordeuropa (Bosch, Hals, Rubens) und viel franzoesische Kunst der Jahrhundertwende 19./20. Jhd, vor allem Impressionisten.
Besonders interessant fuer mich waren Bilder brasilianischer Maler und Malerinnen aus dem 17. und 18. Jahrhundert: Szenen aus dem Leben am Land und historische Landschaften, zB die Bucht von Rio.

Im Keller aber ist der Bibelzyklus von Candido Portinari zu sehen. Acht grosse Bilder, fast grafisch in schwarz-weiss gehalten, mit starkem Gefuehlsaudruck der Figuren: Der Zorn der Muetter, als Herodes die Kinder toeten laesst; die Verzweiflung des Propheten, der sieht und nicht verhindern kann; Marta und Marias Schmerz und Erschrecken, als der tote Lazarus zum Leben erweckt wird - das sind einige der Motive.
Die Bilder sind 1943 unter dem Eindruck des Weltkriegs und beeinflusst von Picasso's "Guernica" entstanden.

Portinari ist 1903 im Bundesstaat Sao Paulo als Kind italienischer Einwanderer geboren, hat Malerei u.a. in Frankreich studiert, seinen markanten Stil aber in der Heimat Brasilien gefunden. Er erinnert mich an Hodler. In den Vereinigten Staaten, in Europa und Lateinamerika konnte er zahlreiche Werke umsetzen, z.B. die Gemaelde "Krieg" und "Frieden", jedes 14 x 10 Meter gross, die die brasilianische Regierung den Vereinten Nationen stiftete und die heute in der Eingangshalle des Hauptgebaudes der UNO in New York zu sehen sind.
futebol_portinari

Dieses "Fussball"-Bild ist nicht gerade typisch fuer ihn, aber es passt heute.

Portinari starb 1962, vergiftet durch die Stoffe, die in seinen Farben enthalten waren.
Er ist neben seiner internationalen Anerkennung als Maler auch durch sein gesellschaftliches und politisches Engagement bekannt und geehrt. Schoen, diese herausragende Persoenlichkeit Brasiliens hier naeher zu entdecken.

Sonntag, 4. Dezember 2005

4.12. Barbaratag + Weihnachtsaktion

Endlich wieder Sonne! Die Strickjacke darf zurueck in den Schrank und ich gehe sonnenbaden.
Bei euch aber hats heute laut Wetterbericht bei Sonnenschein vier Grad Celsius.

Manche schneiden am Barbaratag trockene Zweige ab und stellen sie ins Wasser. Wir verlassen uns darauf, dass da noch Leben drin steckt. Und siehe da, mit etwas Glueck bluehen sie zu Weihnachten.

Die Lesungen dieser Tage stecken voll von dieser Erwartung auf eine Zeit, in der es in uns und um uns blueht.
Allem Schmerz ueber den Zustand unserer Welt zum Trotz.

Heute zB hoerte ich Jesaja (ab 40,1):

Troestet mein Volk,
spricht euer Gott.
Redet Jerusalem zu Herzen
und verkuendet der Stadt,
dass ihr Frondienst zu Ende geht
dass ihre Schuld beglichen ist...
Baut in der Steppe eine ebene Strasse
fuer unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben,
jeder Berg und Huegel sich senken.
Was krumm ist, soll gerade werden,
und was huegelig ist, werde eben.

Man male sich das aus. Das Krumme wird gerade.
Berge und Taeler eben sich ein.
Und wir bauen die Strasse mit.
**********************************

Liebe Leute, damit sind wir schon bei der Weihnachtsaktion.
Zunaechst einmal ein Danke fuer alle Aufmunterungen. Ich habe inzwischen die Infos gesammelt und es hat sich geklaert:

Caetana und Terezinha raten, die Schwestern zu unterstuetzen, die im Sem Terra-Projekt leben, denn die kennen sie gut. (Bericht im Tagebuch: 30.11.)
Es gibt verschiedene Moeglichkeiten.
Einmal das Basis-Lebensmittelpakt. Es kostet fuer eine Familie 15 Euro und deckt den Grundbedarf an Reis, Bohnen etc. fuer einen Monat. Damit werden die unterstuetzt, die sich von der Strasse weg gewagt haben und mit der Zeit unabhaengig von der Hilfe anderer werden wollen.
Weiters schulen sie auch Verantwortliche "liders" fuer die Gemeinschaften und fuer die Bewegung und brauchen Geld fuer diese Ausbildungen.

Ich werde also meine Weihnachtsgeschenke dorthin fliessen lassen.
Falls du dich beteiligen willst, ueberweise einen Betrag deiner Wahl fuer "Basis-Esspakete" bzw. "Sem Terra" auf mein Konto:
Konto Nummer 140 3534
bei der Dornbirner Sparkasse, BLZ 20602.

Wenn ich dir den Eingang bestaetigen soll, sende bitte ein Mail an reingard.lange@aon.at.
Ich werde jedenfalls alle Eingaenge im Weblog auffuehren und Peter kontrolliert.

Nach Brasilien kann ich mit dem Geld ja nicht abhauen, denn da bin ich schon.
Es duerfte also nichts schief gehen. *g*

Alles Gute auch dir fuer die Weihnachtsvorbereitungen.
Und genug Luftloecher zwischen stressigen Zeiten, damit du jetzt schon ein wenig Vor-Freude geniessen kannst.

Freitag, 2. Dezember 2005

2.12. Churrasco naht

Das Haus fuellt sich mit den Geschwistern von Caetana, fein, mal wieder das "der Clan trifft sich"-Gefuehl zu haben.
Jedes ihrer 10 Geschwister hat mehrere Kinder und Enkelkinder und alle paar Jahre gibts eine Familienparty der etwa 100 Verwandten.
Wir haben hier nur etwa 12 Personen, aber das Haus ist voll Musik und Gelaechter und Action.
Heute Abend wird Caetanas Geburtstag nachgefeiert, mit family und KollegInnen aus der Schule. Die Herren sind fuer das Churrasco (Grillen) zustaendig und bereiten sich Karten spielend auf die grosse Verantwortung vor. Auch die Gitarren werden gestimmt und man singt sich ein.
GitarreuChurrasco
Die Frauen werken derweil ein bisschen in der Kueche - bei der Grillerei gibts nicht so viel zu tun fuer sie. Die Jugend war einkaufen.
Es wird politisiert: Pro und contra Landlosen-Bewegung, wobei Caetana ganz schoen Gas gibt. Mit den typischen Neckereien unter Geschwistern wird auch staendig gelacht und mir kommt das sehr bekannt vor. Ich geniesse es.

Heute frueh hat uns, na so ein Pech aber auch, unser geliebter Hydro-Animateur versetzt. Es waren ca. 15 Damen da. Ja, was machen wir jetzt? Zunaechst etwas ratlos, hat sich die Gruppe zu zerstreuen begonnen, denn keine traute sich da vorne einfach vorzuturnen. Ich auch nicht.
Aber schliesslich haben wir eine gute alte Gruppenuebung umgesetzt:
Man bildet einen Kreis und jede kommt mal an die Reihe und macht eine Bewegung vor, und die anderen machen sie nach. Das war die absolute Gaude! So hat jede mal in der Mitte gestanden, auch die Scheuen haben sich nach und nach getraut.

Schliesslich entdeckten wir, dass wir eine tolle Vorturnerin unter uns haben und wir haben die drei-viertel-Stunde ohne Trainer geuebt - aus eigenen Kraeften eben.
Am Schluss gabs noch einen spontanen Gruppentanz samt Gesang im Wasser. Frauen-Wasser-Power!

Langsam rieche ich schon den Grill, wird Zeit, dass ich Schluss mache.
Auf bald!

Donnerstag, 1. Dezember 2005

1.12. Max hat auch Geburtstag!

Und bekommt auch eine Blume aus unserem Garten:
bluete-weiss-rot

Es gibt also neue Fotos und zwar zurueck bis zum 17.11. Und das dauert, bis die ausgewaehlt und im Blog sind!

Dafuer wird heute wenig Text geschrieben, dann ich habe den ganzen Tag brav gearbeitet:
Sr. Immolata ist eine Frau, die fuer die Geschichte der Kongregation wichtige Arbeit geleistet hat: Als Generaloberin sowie als Forscherin und Autorin der wichtigsten Buecher ueber Maria Ward. Sie ist im November verstorben und ich darf, mit der Unterstuetzung meiner Lehrerin und von Regina, den Nachruf fuer die Brasilianerinnen uebersetzen.
Dieser kam natuerlich auf deutsch aus Augsburg, wo Sr. Immolata lebte und ein bekanntes Bildungszentrum der Schwestern besteht. Dort gibt es "Das gemalte Leben" der Ordensgruenderin Mary Ward: Auf ueber 50 Bildern aus dem 17. Jahrhundert ist einerseits das Leben von Mary Ward dargestellt, andererseits darin auch ein Fuehrer durch die innere Reise der Exerzitien enthalten.
Wer sich dafuer interessiert, dem sei dieser Platz ans Herz gelegt.
Und Sr. Roswitha ist die beste Fuehrerin durch diese bemerkenswerte Bildersammlung.

Mittwoch, 30. November 2005

30.11. Uma pessoa de campo - eine vom Land

Natuerlich weiss jeder, dass Brasilien ein Land krassester sozialer Gegensaetze ist.
Eine Zahl dazu: 80% des Landes ist in der Hand von 10% der Grundbesitzer.
Ich bin ein einfacher Mensch, und stelle mir daher vor:
Caetana hat heute Geburtstag. Man teilt eine Torte normal in 12 Stuecke, na sagen wir 10, da rechnet es sich leichter. Die Tortenstuecke sind dann halt ein bisserl groesser.
Jetzt sehe ich grad vor mir wie ein Gast 8 Stuecke auf seinen Teller geschaufelt bekommt. Und die uebrigen 9 Gaeste teilen sich die zwei anderen Stuecke brav auf.

In Brasilien sind nicht alle so brav.
Seit 21 Jahren existiert sogar eine einigermassen strukturierte Bewegung der Tortenschnipsler, die sich um den vollen Teller mit den 8 Stuecken kuemmern wollen.
Weil der eine Gast aber gar nicht so rasch in sich hinein schaufeln kann, kriegen sie wirklich immer wieder was ab davon.

Die Bewegung MST (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra) gilt als erfolgreich und vorbildlich. Durch ihre Aktivitaeten haben mehr als 350.000 Familien in den letzten 20 Jahren Land erhalten, das ihnen eine Existenzgrundlage ermoeglicht.

Ich habe Caetana und Terezinha erzaehlt, dass ich eine "pessoa de campo", eine Frau vom Land, bin und dass mich sehr interessiert, wie die Menschen hier am Land leben. Und gestern wurde ich auf eine Rundreise zu drei Plaetzen im Umkreis von Sao Paulo eingeladen, wo Land von der Bewegung besetzt wurde. In diesen drei Projekten arbeiten Ordensleute, die Caetana gut kennt, und die sie auch offensichtlich grosszuegig unterstuetzt. Mit der heute 66-jahrigen Caetana im VW-Bus und mit weiteren 5 Ordensfrauen habe ich also gestern den ersten Tag "am Land" verbracht und die MST ein bisschen kennen gelernt.

Die Bewegung geht so vor:
Stadium 1. Leute von der Strasse werden aktiviert, Land zu besetzen. Das gehoert natuerlich grad jemandem, wird aber nicht von ihm landwirtschaftlich genutzt. 30 bis 100 Familien machen sich auf den Weg.

Stadium 2: Die Familien lassen sich nieder und errichten einfache Unterkuenfte im Gelaende. Die Bewegung versucht zu erreichen, dass dieses Land vom Staat gekauft wird, oder falls der Staat es bereits besitzt, dass er es fuer diese Familien frei gibt. Die MST beruft sich dabei auf einen Verfassungsartikel aus dem Jahr 1985, der eine Agrarreform verspricht.
Zwei der Projekte die wir besucht haben, sind in diesem Stadium.
Am einen Ort leben jetzt 70 Familien. Sie haben dort eine Quelle und sogar Strom.
Der Platz wurde vor drei Monaten naemlich bereits zum 5. Mal besetzt und Jesuiten haben inzwischen fuer etwas Infrastruktur gesorgt. Die Kinder werden auch mit einem Bus in die Schule gebracht. Ein Senhor von etwa 60 Jahren hat ein wenig mit uns geplaudert, bevor er ebenfalls zum Unterricht ging.
Jede Familie erhaelt ein Lebensmittelpaket pro Monat und wird angehalten, das Land zu bebauen. Den Erfolg haben wir natuerlich gesehen und entsprechend bewundert . Der Mais steht nach 3 Monaten bereits einen halben Meter hoch und sie ernten schon die ersten zuchieni-aehnlichen Kuerbisse.
Manche der Familien kennen die Landarbeit. Sie sind wegen der Trockenheit im Norden Brasiliens, von der auch unsere Medien im Sommer berichtet haben, oder vor anderen widrigen Umstaenden zu den MST geflohen. Andere aber sind das Arbeiten nicht mehr gewoehnt, sie lebten vom Betteln in den Flavellas. Ca 50% der Familien halten nicht durch und kehren in die Stadt zurueck.
Zwei Schwestern leben mit ihnen im "Nukleus" der Ansiedlung, wo auch Gemeinschaftsraeume errichtet sind. Sie unterrichten, sorgen fuer erste Hilfe, helfen bei der Landwirtschaft und und und.

Das erste Projekt, das wir besucht haben ist nach einem Kampf von mehr als vier Jahren vor kurzem legalisiert worden. Jetzt beginnt

Stadium 3: Aufteilen
Jede Familie erhaelt einen Anteil des Landes, das wird auch im Grundbuch eingetragen. In dieser Phase unterstuetzt auch der Staat die Kleinbauern durch Arbeitsgeraete, guenstige Kredite oder Baumaterial. Bis dorthin und auch noch eine Zeit darueber hinaus leben die Menschen naemlich in Huetten, die sie aus Plastiplanen und Holzstaemmen bauen. Auch die Schwestern.
Das Bild ist aus der Website des Standard und gibt genau wieder, was ich gesehen habe, aber gestern nicht selber dokumentieren konnte:
landlose

Solange sie nicht genug produzieren, um davon leben zu koennen, werden sie weiterhin mit dem Lebensmittelpaket unterstuetzt. Luise Maria ist stolz auf ihre Leute. Sie ist sicher, dass es noch ca. 3 jahre dauern wird, bis sie voellig selbstaendig sein werden.

Die MST ist vielfach dokumentiert. Es gibt eine informative Website mit taeglich aktuellen Nachrichten ueber Besetzungen von Land, von Angriffen auf Mitglieder der Bewegung, von laufenden Prozessen fuer den Freikauf von Land und auch vom Kampf gegen Firmen, die gentechnisch veraendertes Saatgut ausbringen. Naehere Infos auf deutsch gibts beim Buchverlag Suedwind. Und wahrscheinlich von mir morgen.

Montag, 28. November 2005

28.11. Virtuelle Esspakete?

Was man mir zu Weihnachten schicken soll, fragt Heidrun.

Ich bin durch die freie Sabbatzeit und die Grosszuegigkeit der Schwestern hier so sehr beschenkt, dass ich nur das Beduerfnis habe, anderen was abzugeben.
Bitte schicke nichts nach Brasilien, was nicht in ein eMail kann. (Uebringens: Anhaenge kann ich hier nicht oeffnen.)

Auch laesst sich wahrscheinlich erst Mitte Dezember sagen, wo ich die 12 heiligen Naechte ueberhaupt verbringen werde.

Nun bruetet sich eine Idee in mir aus und ich schlage mal folgendes vor:

In St. Martin brauchen sie Lebensmittel. Ich schaetze, dass sie mit unter 100 Reails ein Mittagessen fuer die 300 Leute zaubern, das entspraeche etwa 35 Euro.
Wir koennen ja schauen, wieviele Mittagessen wir gemeinsam finanzieren koennen.

Vorgehen koennte sein: Ich sammle das Geld auf meinem Konto. Und gebe den Stand laufend bekannt.
Und das Geld wird nirgendwohin in Brasilien ueberwiesen, auch an keinen Funktionaer von St. Martin gegeben, sondern es koennte direkt ueber Candidinha in Lebensmittel umgewandelt werden.
Was meint ihr dazu?

Ich werde sondieren, ob dieses Vorgehen moeglich ist und je nach euren Rueckmeldungen wird die Sache Ende Woche fixiert.
Bin gespannt!

Sonntag, 27. November 2005

27.11. Kampf und Tanz und Freundschaft

Heute hat Irmi Geburtstag. Und an diesem Festtag, der zudem der erste Adventsonntag 2005 ist, werde ich dauernd daran erinnert. Deshalb muss ich davon schreiben, auch wenn du, Irmi, ansonsten eine sehr diskrete Person bist.

Vor dem Aufstehen lese ich im Alten Testament und bin heute bei Jesus Sirach 6 angelangt, wo steht:

Die Freundschaft

"Viele seien es, die dich gruessen,
dein Vertrauter aber sei nur einer aus tausend.
...
Mancher ist Freund ja nach der Zeit,
am Tag der Not haelt er nicht stand.
Mancher Freund wird zum Feind,
unter Schmaehungen deckt er den Streit mit dir auf.
...
Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt;
wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden."

Alles gute, Geburtstagskind!


Caetana hat gefragt, ob ich heute Vormittag bei der Capoeira-Guertelpruefung in der Schule zuschauen mag. Fuer mich als Martial-Arts-Fan war das natuerlich ein Muss-Termin!
Ca. 15 LehrerInnen bzw. fortgeschrittene SchuelerInnen und etwa 25 Schul- und Vorschulkinder haben teil genommen.
Capoira ist Kampf, Tanz und Symbol der Befreiung in einem. So wie in Japan der einfachen Bevoelkerung verboten war, Waffen zu tragen, durften natuerlich auch die vielen afrikanischen Sklaven, die seit dem 16 Jahrhundert nach Brasilien verschleppt worden waren, sich nicht bewaffnen. Sie entwickelten wie die Moenche im alten Japan eine waffenlose Form der Selbstverteidigung.

Zitat aus: http://www.capitaes-de-areia.com/html/geschi.html, 27.11.05:

"Capoeira entwickelte sich weiter, als die Sklaven begannen, sich gegen Ihre "Herren" (Senhores) aufzulehnen und sich ihrer hoffnungslosen Situation bewußt zu werden. Capoeira wurde von ihnen in den Senzalas (Terrain mit Häusern, wo die Sklaven lebten, arbeiteten und aßen) in den Zeiten der Ruhepause praktiziert, um sich auf Kampfsituationen vorzubereiten. Damit die Senhores nicht mißtrauisch wurden und ihre Bewegungen als kämpferisch ansahen, ließen sie die Ginga und die Musik als weitere Elemente in ihren Kampftanz mit einfließen.
...
Die Sklaven flohen aus den Senzalas und gründeten aus ihrem Freiheitsdrang heraus Quilombos (eigenständige Territorien, in die sich die Sklaven flüchteten, um ihre Kultur und afrikanischen Traditionen zu bewahren). Das größte und bedeutendste war das Quilombo dos Palmares, die soziale und freie Republik (Bundesstaat Pernambuco): es hatte gegen 1670 ca. 50.000 Einwohner (Schwarze, Weiße, Mestizen, Mulatten)."

Capoeira heisst urspruenglich "Huehnerstall"oder "Huehnerdieb". Haben die entlaufenen Skalven bereits im 17 Jahrhundert den Slogan von Marin Luther King angewendet? "Black is beautiful!" hiess damals: Was die Herrschenden als dein Schandmal bezeichnen - das mache zu deinem Kennzeichen, darauf sei stolz!

Die Capoeiras in Palmares konnten sich fast hundert Jahre lang gegen Portugiesen und spaeter Hollaender behaupten. Als ihr letzter Anfuehrer Zumbí verraten wurde, ging die erste freie Republik auf brasilianischem Boden zu Grunde. Zumbí ist heute eine ideelle Leitfigur der Buergerrechtsbewegung der afrikanischen Brasilianer.

Die Sklaverei wurde in Brasilien viel spaeter als in Europa, naemlich erst im Mai 1888 abgeschafft. Etwa ein Jahr spaeter wurde die Republik ausgerufen und per Gesetz war die Capoeira von damals bis 1937 verboten. Trotzdem entwickelte sich diese Kampfkunst regional unterschiedlich weiter. Als Zentrum gilt heute noch Salvador da Bahia, wo auch die erste offizielle Schule gegruendet wurde.

Wieder Zitat: "Inzwischen ist Capoeira in Brasilien als nationale Kampfkunst, als Kultur des Volkes anerkannt. Capoeira wird in Schulen und Universitäten unterrichtet, auf Straßen, Plätzen und Stränden vorgeführt, man kann Capoeira im Theater und Kino (im Hollywood-Film "Only the Strong") sehen, oder auch als Show, auf Volksfesten und internationalen Bühnen bewundern. Heute findet man Capoeiristas bereits in allen Teilen der Welt. Capoeira wird von Menschen aller Altersgruppen praktiziert und sogar für pädagogische und therapeutische Zwecke eingesetzt. Es gibt uns ein positives Lebensgefühl. Capoeira bewegt alles."
Dem kann ich fast nichts mehr hinzufuegen, ausser: Wenn du einen Funken Interesse an Kampfkuensten hast, solltest du dir eine Chance, Capoeira sehen zu koennen, nicht entgehen lassen!

capoeira-gruppe
Bitte um pardon wegen der Bildqualitaet, aber die Capoeira war fuer meine Kamera zu steil.

Um eine Vorstellung zu entwickeln, fuer die, die Capoeira noch nicht kennen: Getanzt wird in der Gruppe, oder es tanzt das Paar im Kreis der Zuschauenden. Der Tanz besteht aus einem spektakulaeren Auftritt und anschliessenden Bewegungen von Angriff und Verteidigung, hauptsaechlich durch Tritte. Dabei entsteht aber kaum einmal wirklicher Koerperkontakt. Eingefuegt sind vielfaeltige artistische Einlagen, Feuerkeulen und Feuerspucken oder schlicht das Aneinanderschlagen von Stoecken. Das Ganze vollzieht sich in Zeitlupe - oder so schnell, dass man die Bewegung mit den Augen nicht mehr nachvollziehen kann. Die TaenzerInnen werden von afrikanischen Instrumenten, Trommeln, Gesang und Klatschen angefeuert.

Hochspannung entsteht durch die Kunst des Kontakts: Miteinander und gegeneinander in voelliger Aufmerksamkeit fuereinander. Einen Moment unkonzentriert sein, bedeutet, man kriegt den Schlag ab - wenn der Partner nicht mehr stoppen kann.
Natuerlich sind die Capoeristas gut durchtrainiert. Sie bewegen sich leicht und kraftvoll.

Das Lernen erfordert sicher eine ausgezeichnete Selbstbeherrschung der Lehrenden, denn nichts leichter, als die Schueler ordentlich zu demuetigen.
Bei der Pruefung hatte jede/r Schueler/in drei "Begegnungen" (weiss nicht wie es in der Capoeira heisst) mit Lehrer/innen. Die Kleinen waren 3 - 4 Minuten im "Ring" und es war von martialischem Drill nichts zu merken. Ein Zwerg hat sich sogar einmal selbstvergessen zu den Zuschauern umgedreht, und den Lehrer waehrend der Pruefung stehen lassen. Unglaubliche Tat! Riesiges Gelaechter! Faustino hat mitgelacht, ihn hoch gehoben und wieder vis-a-vis zu sich gestellt. Und weiter gings....
Also wie gesagt, lass dich anstecken! Bewegung bewegt...
batuque

Ansonsten hat mich Peter sehr zum Lachen gebracht, mit seiner Beschreibung des Wetters am ersten Advent in Wien. "...nieselt und kalt und gatschig und die Kraehen fliegen herum und nippen an den Blaettern..."

Also ich litt mit euch, und zwar wirklich, weil die Nacht war schweinekalt und ich habe mir noch eine Jacke angezogen unter der Wolldecke, damit ich schlafen kann.
Seit der Frueh aber, nach zwei Tagen Regen, ist der Himmel ausgeputzt und herrlich klar. Es ist sonnig, aber noch kuehl.
Das Wasser im Pool hat 30 Grad. ;-)
Bild: Caetana geniesst, Foto vom Balkon in den Innenhof
genuss-von-oben

Samstag, 26. November 2005

26.11. Frango hungárico und Eispalatschinken

Also heute ist der grosse Tag und ich koche!
Ich habe gestern eine Speisekarte geschrieben und bemalt, damit sie wenigstens was zum Lachen haben...

Erster Erfolg: Um 12 war ich faaaaast fertig. Das ist schon mal viel wert!
Zweiter Erfolg: Es ist alles gelungen. Das Dessert hat sie erwartungsgemaess umgehauen!

Es war eine ziemliche Umstellung fuer die Schwestern. Hier sitzen zu Mittag selten alle beieinander. Wer kann, kommt puenktlich. Wer nicht, kommt eben spaeter.
Wer um 12 da ist, spricht das Tischgebet. Die Speisen stehen am Buffet bereit und jede bedient sich. In interessanten Kombinationen kommt dabei manchmal gleich alles auf einen Teller.

Nach "oesterreichischer Art" muessen alle gleichzeitig am Tisch sein, weil die Suppe zuerst und heiss gegessen werden will. Das war schon nicht leicht.
Es gab Fenchelcremesuppe mit Curry, ein classe Rezept von Moni.
Danach Gurken-, Karotten- und gruenen Salat, bereits angemacht. Ich habe abserviert und den naechsten Gang auf den Tisch gestellt.
Das war so feierlich fuer sie, dass Gaetana Musik angestellt hat.

Als Hauptspeise gabs Paprikahendl. Ich habe es "Huhn nach ungarischer Art" genannt. Dazu selbst gemachte Spaetzle. Alle kannten "Spaetzle", das Wort meine ich, offenbar von den deutschen Schwestern, die frueher die Ordensausbildung geleitet haben.
Das Essen hat geschmeckt, es ist genug auch noch fuer heute Abend und ich bin schwer erleichtert!
Das Dessert - Eispalatschinken mit fluessiger Schockolade und Schlagobers - konnte nicht schief gehen. Wenn schon, denn schon! Gaetana wuenscht sich das jetzt zu ihrem Geburtstagsfest.

Kochen ist ein Riesenspass fuer mich. Wenn es nur nicht soviel Zeit brauchen wuerde im Alltag!

Am Abend probiere ich noch Krautfleckerl á la Poldi.

Fuer Wiener Schnitzel konnte ich das Fleisch nicht auftreiben. Da ging es mir wie Angelika.
Kann mir jemand sagen, aus welchen Teilen des Schweins man ueberhaupt Schnitzel machen kann? Mama und Poldi - bitte um Unterstuetzung!
Bild: Einkaufen mit Terezinha
markt

Wohl bekomms auch euch ueberm Teich an diesem Wochenende!

25.11. Rueckblick auf Thanksgiving

Auch hier wurde gestern Thanksgiving gefeiert.
Es war zwar ein normaler Arbeitstag, aber am 8 Uhr abends gab es einen eindrucksvollen Dank-Gottesdienst. Stell dir die Eroeffnung der Olympiade vor - so irgendwie: Feierlich, es geht um mehr als nur um Sport, tolle Inszenierung, gleichzeitig Show und "was fuers Gmuet", es wird gequatsch auf den Tribuenen, aber am Hoehepunkt zuenden alle ihre Feuerzeuge an und du bist ergriffen....
Also so irgendwie war das Rundherum und die Messe.
Wenn dich naeheres darueber nicht interessiert, kannst diesen Beitrag gleich ueberspringen.

Ort der Handlung: Die Turnhalle im Dachgeschoss der Schule. Von der Decke haengen Transparente, die "Friede" in allen Sprachen sagen und offenbar von den Kinder gemacht wurden. Auf der Buehne eine 5-koepfige Band und der Altar.
Die hintere Haelfte der Halle ist bestuhlt, in der vorderen Haelfte hocken ca 100 Kinder am Boden. Sie sind zwischen 5 und 12 Jahre alt und zum Fressen suess. Alle tragen die blauen Trikothosen und ihr weisses T-Shirt mit dem Wappen der Mary Ward-Schule. Und kleine bunte Tuecher. Einige Kinder sind in Kostuemen in der Garderobe, einige im Sportdress. Riesenaufregung. Riesenlaerm.

Ab 10 vor 8 fuellt sich die Turnhalle und der Saenger beginnt die Lieder mit den Kindern mal durchzusingen. Die Band fetzt ordentlich, den Kids gefaellts, sie singen und schreien begeistert mit und winken mit ihren farbigen Tuechern. Man kann sich nur schreiend unterhalten.

Um 8:10 wird der Priester fuer mich sichtbar. Monsignior Walter geht noch durch die Menschenmenge, begruesst viele, auch mich (und zwar auf deutsch), geht dann die Kinder in der Garderobe besuchen. Noch immer grosses Gewusele.

Ab 8:20 beginnen die Aktionen, die den Beginn vorbereiten. Die Stuehle in der Halle und die Tribuenen sind zu 90% voll. Ich schaetze mal, dass ueber 400 Eltern und Geschwister der Kinder gekommen sind. Die Kleinen im Vordergrund sollen langsam ruhig werden - wer das schafft, weiss, was Buehnenpraesenz wirklich ist.

Mit einigen Anlaeufen wird es langsam ruhig und es beginnt der Einzug der verschiedenen Gruppen. Alle kommen mit Symbolen oder Geschenken. Thanksgiving ist "Erntedank".
Die Lautsprecheranlage ist schlecht, ich verstehe praktisch nichts. Ich kann jetzt nur beschreiben, was sich da tut und du musst selber den Text oder die Bedeutung dazu denken.

Zuerst die Ehrengaeste - da bin ich mit dabei - wir bringen ein grosses Bild der letzten Schulleiterin, die vor wenigen Jahren noch relativ jung verstorben ist, und die enorm viel fuer die Schule getan hat. Wir nehmen auf der Buehne Platz.
Dann die Kindergruppen zu verschiedenen Themen: Jede Gruppe kommt nach vor auf die Buehne und erhaelt Bewunderung und Applaus. Die Schulleiterin Lurdes sagt einige Saetze, danach Abtritt und die naechste Gruppe erscheint.

Der Heilige Franziskus, ein Kind im Franziskanergewand, und seine Gruppe bringen Kuscheltiere mit. Danke fuer die Natur?
Zwei Maedchen im Nonnengewand fuehren eine Gruppe weiss gekleideter Kinder mit Rosenkraenzen herein.
Eine andere weisse Gruppe tritt zu indisch angehauchter Musik nach vor, verneigt sich dabei japanisch, wirkt budhistisch.
Oha, jetzt kommt der Papst: Ein etwas rundlicher 10-jaehriger Bub im goldenen Bischofsgewand samt Bischofsmuetze und seine Gruppe bringen den Saal in Aufruhr, als erschiene ein Popstar: Bravo!-rufe und spontaner Applaus. Was fuer ein Gefuehl - Es ist hier ein Fest, ein Teil der Kirche zu sein.
Die naechste Gruppe traegt ein riesiges Transparent, auf das sie geschrieben haben: SOLIDARITAET UND FRIEDE
Schliesslich die Sportler. Sie bringen Pokale und Medaillen. Auch grosses OHA!
Und sicher habe ich noch ein paar Gruppen vergessen.

Im Verlauf der Messe sind weitere Auftritte eingeplant: Zum Wortgottesdienst bringen Angehoerige der Kinder eine praechtig bebilderte Bibel nach vor. Auch ein grosser Bruder mit geistiger Behinderung ist dabei. Ein Vater liest die Lesung. Die Eltern sind im Unterschied zu den Kindern etwas scheu vorne auf der Buehne.

Msg. Walter ist ein grosser Paedagoge. Um Ruhe in den Saal zu bekommen laesst er einem Reifen die Luft ausgehen. Wie klingts dabei? Alle: PSCHT!
Tja, den ersten Wagen hat er bis zur Predigt bereits aufgebraucht.
Er dreht sich zu mir um und erklaert mir lachend auf deutsch, dass er jetzt zum zweiten Wagen uebergehen wird, dann spricht er weiter.
Seine Predigt ist angemessen kurz. Es geht um Frieden und ums Geduld haben.
Im Saal ist es inzwischen schon recht schwuel, was sein Thema gleich zu einer praktischen Uebung werden laesst.

Zur Gabenbereitung tragen SchuelerInnen Koerbe voller Lebensmittel herein.
Dabei wird gesungen, und viele bewegen sich mit der Musik. Die Erwachsenen schwenken die grossen weissen Zettel mit den Liedertexten, die Kinder ihre bunten Tuecher.
Der Friedensgruss ist ein quirliges Aufloesen der noch vorhandenen Ordnung: Man geht auf Bekannte und Unbekannte zu und wuenscht sich Frieden, umarmt sich, Kuesse...
Es kostet wieder einen Reifen, um fortsetzen zu koennen.

Die Wandlung wirkt auf mich sehr anders, als bei uns. So wie bei uns die Priester um den Altar durch ihre Gestik sichtbar mitzelebrieren, tun es hier alle Erwachsenen. Dadurch entsteht das Gefuehl, dass an diesem Akt alle irgendwie beteiligt sind.

Nach der Kommuniun ist ja normal rasch Schluss. Es ist auch schon halb 10. Zwei der Lehrerinnen, die zwischen den Kindern am Boden sitzen, bewundere ich besonders: Sie tragen bereits seit langem ein schafendes Kind in ihren Armen. Andere Kinder kommen und kuscheln sich zu ihnen. Wieder andere Kinder huepfen ausgelassen herum.

Jetzt wird der Saal verdunkelt. Seniorinnen in weissen T-Shirts und dunklen Trikothosen bilden eine Lichterprozession und tragen eine verhuellte Statue nach vor.
Auf der Buehne bekommen wir Ringe zugesteckt, die auf Druck in allen Farben zu blinken beginnen.
Die Statue wird enthuellt - unglaubliche Begeisterung! Es ist die kleine schwarze, ueberall dargestellte Schutzmadonna Brasiliens. Die Prozession bewegt sich samt Statue mehrmals durch den Saal, die Menschen winken mit mitgebrachten Lichtern oder wie wir mit Funkelringen.

Was kann nach diesem Hoehepunkt noch kommen?
Eine Kindergruppe traegt Koerbe zuer Buehne, die kostbar mit weissen Spitzen und Pailetten geschmueckt sind. Es folgt noch eine Ansprache von Gaetana und der Hinweis, dass das Schulkollegium ein Geschenk fuer jede\jeden vorbereitet hat.

Es ist ein kleines Glasflaeschen, das mit Koernern in den Farben Brasiliens gefuellt ist.
Die Geschenke werden verteilt, noch ein Lied und schliesslich hat Msg. Walter keine Reifen mehr fuer den Schlusssegen. Aber es geht auch so.

Kurz vor 10 loest sich alles in Wohlwollen und Erschoepfung auf. Die Akteure: LehrerInnen, Band, Priester und Schwestern treffen sich noch in Schwester Reginas Kaffeekueche, wo sie Cafezinho, Saft und Kuchen und ein paar Geschenke vorbereitet hat. Heitere Ausgelassenheit nach dem grossen Event, aber auch einige kritische Rueckblicke gibts dort.
Ich bin uebervoll von Eindruecken, wie angeheitert, hundemuede und froh, bald ins Bett zu kommen.

Und heute regnet es den ganzen Tag.
Von 7 bis 8 habe ich wieder brav im Wasser geturnt, anschliessend meine Waesche gewaschen und im Zentrum St. Martin die Teller.

Der Regen erfrischt zwar die Luft angenehm, aber meinen Schwumm im Pool und den geplanten Stadtspaziergang verschiebe ich mal bis auf weiteres.

Donnerstag, 24. November 2005

24.11. Blumenkuesser

Mordsviel portugiesisch gelernt heute Vormittag: Ueber vier Stunden.
Jetzt sausts mir im Kopf und ich muss mal wieder deutsch denken.
Ja, gestern in der Frueh bin ich mit portugiesisch und englisch im Kopf aufgewacht. Nur wenn ich schreibe, denke ich noch richtig deutsch.

Eine schoene Ueberraschung gabs heute Frueh in unserem Garten: Zum zweiten Mal habe ich einem Kolibri beim Trinken des Bluetennektars zuschauen koennen. Er war ca 3 Meter von mir entfernt.
Uebrigens hatte ich seinen Namen frueher schon mal geschrieben, aber falsch verstanden. Er heisst nicht "Bela Flor", was auch nett waere, sondern "Beija Flor" und das bedeutet: Blumenkuesser!
Bild: Und das war die Bluete in unserem Innenhof:
bluete-rot

Ende des Monats hat Gaetana Geburtstag und da sie eine Frau ist, die sich wohl fuehlt, wenn viel los ist, kommt Familie auf Besuch. Bruder und Schwaegerin sind schon angekommen und kochten heute in der Kueche lauter "wilde" Sachen: Innereien, Zunge...
iris-und-caetano
Es riecht nach dem sauerlichen Geschmack von "Kutteln" - so heissts in Vorarlberg. Wie eigentlich in Wien? Ich muss noch lernen, wie man hoeflich "Danke nein" sagen kann!

Wahrscheinlich aufgrund des Besuchs ist gestern auch der kleine Swimmingpool im Garten wieder gereinigt worden. Mit etwas Glueck kann ich morgen schon reinhuepfen!

Tja, im Moment gehts mir also wie dem Herrgott in Frankreich. Und die naechsten ein bis zwei Wochen werden ich wahrscheinlich noch hier bleiben und viel portugiesisch lernen.

Bin gespannt, ob mir vorher die Themen zum Schreiben ausgehen werden...

Das wichtigste KURZ

Endlich Fotos! - ab 1.2.. Dieses Blog enthaelt Notizen und Fotos bis zum 23.2., der ersten Zeit in Piaui. Fortsetzung unter <2brasil.twoday.net>!!!!!!!! Seit 30.1. geniesse das Landleben im "Wilden Westen" von Brasilien - das ist der Nordosten, genauer gesagt Bundesstaat Piaui! Derzeit wohne ich in der Fundacao ASAS, einem privaten Bildungsprojekt fuer Kinder aus benachteiligten Familien. Roberto, der Gruender, ist Hoellaender und arbeitet hier als Seelsorger. Die Gemeinde Sao Miguel hat etwa 3000 EW, laendlicher Raum, schoene Natur, derzeit angenehm sommerliches Wetter. Ich arbeite im Buero, habe viel Kontakt mit Kindern und besuche Familien. Die ersten 2,5 Monate habe ich in Sao Paulo gelebt, in verschiedenen Haeusern der Schwestern der Congregatio Jesu: Zentrale, Schule, Peripherie. Besuchte Sozialprojekte, interviewte interessante Menschen, recherierte viel im Internet, lernte portugiesisch und half ehrenamtlich mit.

Info fuer AllesleserInnen

Das Tagebuch ist wieder aktuell. Falls dein PC manche Tage nicht anzeigt, gehe in der obersten Befehlszeile auf "brasil" und wenn die Auswahl sich zeigt auf "Tagebuch". Die Suchmaschine funktioniert auch, allerdings muss man halt wissen, was man finden will... Peter und Heidrun wissen normalerweise, wie es mir geht: peter.hirsch@atnet.at; HeidrunLange1984@aol.com

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